Freitag, 8. März 2013

Vikings


Wikinger sind medial je eher weniger präsent, beziehungsweise recht unterrepräsentiert. Was schade ist, denn Wikinger, da sind wir uns doch alle einig, sind cool. Diese bärtigen, raubeinigen Skandinavier, die tagtäglich literweise schmierig-dickflüssige und vor allem stark alkoholische Gebräue in sich hineinkippten, Teufel der baltischen See, brandschatzend und plündernd den Küsten entlang zogen und so manche armen Tropf um sein holdes Weib erleichterten. Ich werde ja ganz romantisch, aber es ist nun mal so, Wikinger sind cool. Und dennoch bekommen wir als Konsumenten von Filmen, Serien oder allerlei anderen Medienerzeugnissen nicht viel von diesem Völkchen zu sehen. Immer wieder gibt es die klassischen, zeitgenössischen period pieces aus den 20er bis 80er Jahren, dann mal wieder verschrobene Mittelalterthemen, mal was wie ein Western aussieht, dann vielleicht ein wenig Antike oder schlicht und einfach Fantasy. Versteht mich nicht falsch, ich finde das toll. Diese Genres haben großartige Sachen hervorgebracht, auf die es sich an dieser Stelle nicht lohnt genauer darauf einzugehen, weil es definitiv den Rahmen sprengen würde. Mein Punkt liegt aber weiterhin bei den Wikingern. Von denen hat man nämlich bis dato auf der großen Leinwand, im TV, im Netz oder wo auch immer noch nicht sehr viel gesehen.

Umso schöner (und jetzt wird diese ausufernde Einleitung zum wahren Prunkstück und perfiden Kniff zugleich), dass sich ein amerikanischen Fernsehsender endlich dieser Thematik angenommen und sich dabei auch noch ziemlich gut angestellt hat. Und dieser Sender ist kein geringerer als der ehemalige History Channel, welcher jetzt nur noch kurz History genannt wird. Es hat vielleicht mit dieser Welle der Ambition in puncto Eigenproduktion zu tun, welche gerade durch den Vereinigten Staaten von Amerika schwappt (prominentestes Beispiel der jüngsten Zeit ist hier Netflix). Wie dem auch so, History wagte sich vor geraumer Zeit an ein spannendes Projekt, welches sich eben um jene kantigen Nordmänner drehen sollte, von denen ich und bestimmt auch viele andere gerne mal etwas mehr sehen würden. Vikings sollte die neue Serie heißen, schön einfach, ein neues und vielleicht sogar neuartiges historical drama am amerikanischen Serienhimmel.

Nun ist es ja so, dass gerade die Kombination historical und drama sich als äußerst produktions- als auch kostenintensiv darstellen kann. Historical zum einen, weil man dementsprechend Kostüme, Sets, Ausstattung, kurz die generelle Authentizität gewährleisten muss, was kostspielig, aber absolut notwendig ist, um das Publikum zu überzeugen und zu fesseln. Drama hingegen bedeutet genau das, was es heißt: Drama. Oder Dramaturgie. Und wenn es funktionieren soll, dann bitte auch gut. Spannende, gutgeschrieben Drehbüchern, originelle Ideen und ein wenig schöpferischer Mut. Nimmt man diese beiden Aspekte, kann sich ein derartig ambitioniertes Projekt als wahre Mammutaufgabe präsentieren. Doch wem erzähle ich das, so läuft es in diesem Geschäft seit Jahrzehnten.

Daher freut es mich, dass History mit Vikings anscheinend eben jene beiden Aspekte berücksichtig hat und mit der Pilotfolge unter dem ambivalenten Titel Rites of Passage einen sehr gelungenen Einstieg in ihr neues Projekt feiern konnte. Gleichgesinnte, jubelt, es sieht so aus als bekäme man hier eine viel versprechende Serie über Wikinger. Ist das was?

Die Pilotfolge mutet sogleich recht mystisch und (wie man so schön neudeutsch sagt) gritty an. Unser Protagonist trägt den brachialen Namen Ragnar Lodbrok (historisch seines Zeichens laut Wikipedia „a Norse legendary hero from the Viking Age, womit man schon ein wenig erahnen kann, in welche Richtung sich Vikings entwickeln könnte bzw. wird) und wird als äußerst fähiger Kämpfer eingeführt. Dabei sparen die Macher nicht nur mit einer guten Kampfchoreographie, man bekommt sogar ordentlich Blut und dementsprechend nordmännische Brutalität zu sehen, was wiederum der Authentizität der Serie zu Gute kommt. Doch darf man diese keinesfalls nur auf ein paar blutige Kampfszenen reduzieren, in Vikings wird von Anfang an deutlich, dass man sich (und das sollte man vom History Channel auch erwarten, oder?) ausgiebig mit der Thematik beschäftig und demzufolge tolle Kulissen als auch überzeugende Ausstattung bereitgestellt hat.

In Rites of Passage wird sofort erkennbar, dass Vikings sich voraussichtlich größtenteils auf unsere Hauptfigur Ragnar konzentrieren wird. Der blauäugig-blonde Wikinger scheint große Ambitionen zu haben, doch dazu später mehr. Zu Beginn wird Ragnar’s Familie kurz eingeführt, darunter auch sein zwölfjähriger Sohn, mit dem er sich alsbald auf den Weg in Richtung einer größeren Wikingerstadt macht, in welcher zum einen der Sprössling zum Mann gemacht werden soll und zum anderen der Oberchef des Wikinger-Völkchens seine Mannen zu sich gerufen hat, um über die bevorstehenden Raubzüge im Sommer zu informieren. Jedoch scheint sich Ragnar nicht ganz mit der Idee anfreunden zu können zum wiederholten Male die östlichen Gefilde unsicher zu machen. Er ist viel mehr davon fasziniert gen sagenumwobenen Westen aufzubrechen, wo Reichtümer und Ruhm auf ihn warten. Es knistert gewaltig zwischen ihm und Anführer Earl Haraldson. Letzterer ist nicht besonders von Ragnars aufmüpfigen Verhalten angetan. Doch wir können stark davon ausgehen, dass Ragnar diesen Sommer wohl nicht nach Osten segeln wird…

Wie bereits erwähnt, Vikings sieht so aus wie eine Serie von diesem Schlag auszusehen hat: es wirkt dreckig, es wird nordisch-grau und kühl, bärtige Männer in Fell und Leder gekleidet sind zu sehen, man bekommt einen Einblick ins raue Wikinger-Leben, Vikings macht in Sachen Außendarstellung alles richtig. Über das schauspielerische Vermögen lässt sich nur aufgrund der Pilotfolge nicht viel sagen, außer dass es äußerst solide und überzeugend ist. Der eher unbekannte australische Schauspieler Travis Fimmel, welche Ragnar Lodbrok verkörpert, macht einen ordentlichen Eindruck und lässt ihn mich gut als Zugpferd für diese Serie vorstellen. Stark ist natürlich auch der Auftritt von Gabriel Byrne als Wikinger-Lord Earl Haraldson, schon deutlich bekannter und eine sehr namenhafte Besetzung als Ragnars potentieller Gegenspieler in den eigenen Reihen. Byrne zeigt in seinen wenigen Momenten schon, zu was er schauspielerisch im Stande ist und macht definitiv Lust auf mehr. Kurz erwähnt seien noch Katheryn Winnick, welche Ragnars Frau Lagertha spielt und nicht nur gut aussieht, sondern auch recht tödlich sein kann; Clive Standen, hier Ragnars Bruder Rollo, welcher anscheinend eine nicht zu unterschätzende Vorgeschichte mit der Frau seines Bruders hat, was weiteres Konfliktpotential schürt; und schlussendlich noch Gustaf Skarsgård als eher bizzarer Schiffsbaumeister Floki, und ja, Skarsgård, ein weiterer Abkömmling der schwedischen Schauspielerfamilie.  

Was man Vikings vielleicht ankreiden kann, ist der Versuch, die Pilotfolge mit arg vielen verschiedenen möglichen plot lines voll zu packen. Wo man auch hinsieht, es riecht nach Stunk. Doch ist es nicht unüblich geworden gerade Pilotfolgen dermaßen zu füllen, um den Zuschauer sofort zu überzeugen und neugierig zu machen. Ansonsten wirkt es stellenweise noch ein wenig behäbig, da Vikings eher gemütlich startet und mehr ankündigt als es im Endeffekt zeigt. Letztendlich bedient Rites of Passage sämtliche Kriterien, die ein Pilot bedienen sollte. Man scheut sich vor einem vielleicht eher experimentelleren Einstieg, was einerseits auch verständlich ist, berücksichtigt man den Umstand, dass dieses Projekt auch für History der erste richtige Abstecher in den Bereich der seriellen Eigenproduktion ist.

Dafür muss man die Schöpfer jedoch loben: Eine wirklich überzeugende und sehenswerte Besetzung, passende Ausstattung und authentische Produktionswerte (unter anderem von denjenigen produziert, welche auch schon bei The Tudors oder The Borgias mitgewerkelt haben) sowie eine interessante Prämisse und vor allem ein recht einzigartiger Rahmen: Rites of Passage funktioniert als sehr gelungene Einführung einer Serie, welche sich mit der Zeit als sehr gut herausstellen könnte. Die Kritiken aus Übersee sind auf jeden Fall schon einmal positiv. Und wenn jetzt noch dieser Text überzeugend genug war, dann riskiert doch mal einen Blick. Thematisch mal was Neues. Ich bleibe auf jeden Fall dran, denn zugegeben, ich bin schon ein wenig am Haken. Wikinger halt. Das gibt es nicht alle Tage.      

Und weil alle Welt Trailer mag: ein Trailer. 


Vikings läuft seit 3. März 2013 immer sonntags auf History. Die erste Staffel wird bis dato 9 Episoden umfassen.

Sonntag, 24. Februar 2013

Oscars 2013: Prognose und Wünsche

Kurz und knackig: Meine Oscarprognose 2013. Dazu kommt meine persönliche Wunschvorstellung in der jeweiligen Kategorie. Gesehen habe ich bis auf ganz wenige Ausnahmen so gut wie alles. Jene Filme, die ich nicht gesehen habe und ich mir daher in den verschiedenen Kategorien dazu kein bzw. nur ein eingeschränktes Urteil erlauben kann, sind von mir gekennzeichnet.
Und bitte.

Best Picture

Argo
Beasts of the Southern Wild
Django Unchained 
Amour
Life of Pi
Lincoln
Les Misérables
Silver Linings Playbook
Zero Dark Thirty

Prognose: Schwierig. Ich denke Lincoln. Argo? Zero Dark Thirty wäre mutig. Genauso wie Amour, wird aber kaum passieren, da hier der Oscar für Best Foreign Film schon sicher ist. Und ich glaub nicht recht an Life of Pi. Genauso wie an alle restlichen Filme.
Wunsch: Zero Dark Thirty / Lincoln / Argo.

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Best Director

Benh Zeitlin - Beasts of the Southern Wild    
Michael Haneke – Amour    
Ang Lee – Life of Pi    
David O. Russell – Silver Linings Playbook    
Steven Spielberg – Lincoln

Prognose: Spielberg. Haneke. Lee. Irgendwie traue ich der Academy Haneke zu.
Ach quatsch, Ben Affleck. Moment. Haha. Never gets old.
Wunsch: Steven Spielberg.

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Best Actor

Bradley Cooper – Silver Linings Playbook    
Daniel Day-Lewis – Lincoln    
Hugh Jackman – Les Misérables    
Joaquin Phoenix – The Master    
Denzel Washington – Flight

Prognose: Wie zu viele gute Schauspieler und Performances dieses Jahr. Aber schon irgendwie klar: Daniel Day-Lewis.
Wunsch: Daniel Day-Lewis. Und Joaquin Phoenix tut mir so dermaßen leid. Er war so super in The Master und wird dafür wohl nicht belohnt.

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Best Actress

Jessica Chastain – Zero Dark Thirty    
Jennifer Lawrence – Silver Linings Playbook    
Emmanuelle Riva – Amour    
Quvenzhané Wallis – Beasts of the Southern Wild    
Naomi Watts – The Impossible

Prognose: Alle ziemlich gut gewesen. Tippe auf Jennifer Lawrence. Aber warum nicht Jessica Chastain? 50:50. Der Buzz spricht für Lawrence.
Wunsch: Lawrence. Chastain. Ganz ehrlich: Mir gleich.

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Best Supporting Actor

Alan Arkin – Argo    
Robert De Niro – Silver Linings Playbook    
Philip Seymour Hoffman – The Master    
Tommy Lee Jones – Lincoln    
Christoph Waltz – Django Unchained

Prognose: Mmh. Ich denke man entscheidet sich für Christoph Waltz.
Wunsch: Tommy Lee Jones. Waltz wäre natürlich auch cool. Aber Tommy Lee Jones war in Lincoln schon sehr stark.

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Best Supporting Actress

Amy Adams – The Master    
Sally Field – Lincoln    
Anne Hathaway – Les Misérables    
Helen Hunt – The Sessions    
Jacki Weaver – Silver Linings Playbook

Prognose: Anna Hathaway.
Wunsch: Anne Hathaway.

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Best Writing – Original Screenplay

Amour – Michael Haneke    
Django Unchained – Quentin Tarantino    
Flight – John Gatins    
Moonrise Kingdom – Wes Anderson and Roman Coppola    
Zero Dark Thirty – Mark Boal                

Prognose:  Schwer. Django Unchained. Zero Dark Thirty oder Amour würden mich aber auch nicht überraschen.
Wunsch: Django Unchained. Oder Zero Dark Thirty. Moonrise Kingdom wäre auch toll.

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Best Writing – Adapted Screenplay

Argo – Chris Terrio from The Master of Disguise by Antonio J. Mendez & The Great Escape by Joshuah Bearman    
Beasts of the Southern Wild – Lucy Alibar and Benh Zeitlin from Juicy and Delicious by Lucy Alibar    
Life of Pi – David Magee from Life of Pi by Yann Martel   
Lincoln – Tony Kushner from Team of Rivals: The Political Genius of Abraham Lincoln by Doris Kearns Goodwin    
Silver Linings Playbook – David O. Russell from The Silver Linings Playbook by Matthew Quick


Prognose: Argo. Oder Lincoln.
Wunsch: Argo.

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Best Animated Feature
(nicht gesehen: ParaNorman)

Brave – Mark Andrews and Brenda Chapman    
Frankenweenie – Tim Burton    
ParaNorman – Sam Fell and Chris Butler    
The Pirates! Band of Misfits – Peter Lord    
Wreck-It Ralph – Rich Moore

Prognose: Wahrscheinlich Brave. Wäre ok, es gibt dieses Jahr aber besseres.
Wunsch: Frankenweenie. Wreck-It Ralph ware auch schön.

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Best Production Design
(nicht gesehen: Anna Karenina)

Anna Karenina – Sarah Greenwood and Katie Spencer    
The Hobbit: An Unexpected Journey – Dan Hennah, Ra Vincent, and Simon Bright    
Les Misérables – Eve Stewart and Anna Lynch-Robinson    
Life of Pi – David Gropman and Anna Pinnock    
Lincoln – Rick Carter and Jim Erickson

Prognose: Les Misérables.
Wunsch: Les Misérables.

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Best Cinematography
(nicht gesehen: Anna Karenina)

Anna Karenina – Seamus McGarvey    
Django Unchained – Robert Richardson    
Life of Pi – Claudio Miranda    
Lincoln – Janusz Kamiński    
Skyfall – Roger Deakins

Prognose: Life of Pi. Irgendwo wird Ang Lee schon was bekommen #1.
Wunsch: Lincoln. Janusz Kamiński. Der Klassiker. Django Unchained wäre überraschend gut weil anders.

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Best Costume Design
(nicht gesehen: Anna Karenina, Mirror Mirror, Snow White and the Huntsman)

Anna Karenina – Jacqueline Durran    
Les Misérables – Paco Delgado    
Lincoln – Joanna Johnston    
Mirror Mirror – Eiko Ishioka    
Snow White and the Huntsman – Colleen Atwood

Prognose: Les Misérables. Anna Karenina. Lincoln. Schwer.
Wunsch: Les Misérables.

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Best Film Editing

Argo – William Goldenberg    
Life of Pi – Tim Squyres    
Lincoln – Michael Kahn    
Silver Linings Playbook – Jay Cassidy and Crispin Struthers    
Zero Dark Thirty – Dylan Tichenor and William Goldenberg               

Prognose: Zero Dark Thirty.
Wunsch: Zero Dark Thirty. Oder Argo.

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Best Visual Effects
(nicht gesehen: Snow White and the Huntsman)

The Hobbit: An Unexpected Journey – Joe Letteri, Eric Saindon, David Clayton, and R. Christopher White    
Life of Pi – Bill Westenhofer, Guillaume Rocheron, Erik-Jan de Boer, and Donald R. Elliott     
Marvel's The Avengers – Janek Sirrs, Jeff White, Guy Williams, and Dan Sudick    
Prometheus – Richard Stammers, Trevor Wood, Charley Henley, and Martin Hill    
Snow White and the Huntsman – Cedric Nicolas-Troyan, Philip Brennan, Neil Corbould, and Michael Dawson

Prognose: Life of Pi. Irgendwo wird Ang Lee schon was bekommen #2.
Wunsch: Life of Pi wäre in Ordnung. Hobbit oder Avengers fänd ich ziemlich lässig.

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Best Original Score
(nicht gesehen: Anna Karenina)

Anna Karenina – Dario Marianelli    
Argo – Alexandre Desplat    
Life of Pi – Mychael Danna    
Lincoln – John Williams    
Skyfall – Thomas Newman

Prognose: Lincoln.
Wunsch: Lincoln bzw. John Williams. Ich bin so altmodisch.

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Natürlich sind das jetzt nicht alle Kategorien. Ich habe mir nur diejenigen rausgesucht, welche ich am interessantesten finde bzw. zu denen ich auch etwas sagen kann. Von den vielen Filmen wurmt es mich am meisten, dass ich Anna Karenina leider (noch) nicht gesehen habe. Gerade in den Kategorien Best Costumes, Production Design etc. könnte dieser Film schon erfolgreich sein.

Ansonsten gehe ich recht unemotional an die diesjährige Verleihung ran. Also wie immer. Bin wahrscheinlich auch einer der wenigen, die nicht wirklich wissen, was sie von Seth MacFarlane als Host halten sollen. Das werden wir dann ja in der Nacht von Sonntag auf Montag sehen. Oder auch nicht. Denn eigentlich habe ich wahrlich besseres zu tun, als folglich den Großteil des Montags im Bett zu verbringen. Und wie gesagt, so sehr reizt mich die Verleihung per se nicht. Das werde ich wohl spontan entscheiden.

Bis dahin.

Montag, 5. November 2012

Justified

Justified stand schon etwas länger auf meiner Liste von Serien, die ich mir unbedingt irgendwann einmal ansehen möchte. Und so habe ich mir in den vergangenen Wochen die bisherig erschienenen drei Staffeln von Justified angeschaut und bin hellauf begeistert gewesen.

Justified läuft seit 2010 auf dem Pay-TV-Sender FX und basiert auf zwei Romanen (Pronto, Riding the Rap) und ein paar Kurzgeschichten (bspw. Fire in the Hole) des amerikanischen Schriftstellers und Drehbuchautors Elmore Leonard. Leonard zeichnet sich vor allen Dingen durch seinen einzigartigen Stil als Kriminalautor und den detailgetreuen Milieustudien in seinen Werken aus, was wiederum in Justified mehr als deutlich wird.

Zur Serie selbst: US-Marshal Raylan Givens steht im Mittelpunkt des Geschehens. Nachdem er in Miami recht willkürlich und abseits aller Vorschriften einen Typen mit Verbindung zum organisierten Verbrechen umgepustet hat, wird er zurück in seine Heimat nach Kentucky versetzt, bis sich die Lage wieder etwas beruhigt hat. Givens greift also den alten Kollegen ein wenig unter die Arme, doch bringt seine Wiederkehr den ein oder anderen Stein ins Rollen, sodass neue und zusätzlich immer mehr Konflikte entstehen: Drogenhandel, Mord- und Totschlag, der rigorose Raylan Givens ist mittendrin. Er bringt ein wenig Schwung in den Laden (ob absichtlich oder rein zufällig sei mal dahingestellt), was nicht nur seinen Widersachern, sondern von Zeit zu Zeit auch seinen Vorgesetzten arg missfällt.

Anfangs wirkt Justified wie eine klassische „case of the week“-Serie, Givens taucht da auf, wo er gebraucht wird und löst das Problem, zumeist auf die harte Tour. Die erste Hälfte der ersten Staffel steht eindeutig im Zeichen der Einführung von Charakteren und der Erläuterung des Settings. Man nimmt sich die Zeit, den Protagonisten und sein Umfeld zu definieren. Dramaturgisch wird anfangs nicht all zu viel geboten, doch das ändert sich auf halber Strecke schlagartig. Ab Mitte der ersten Staffel bis Ende dritte Staffel werden die Plotlines zusammenhängender und komplexer, kontinuierlich führen die Serienschöpfer neue Figuren ein, Twists und unerwartete Überraschungen häufen sich. Der Fokus liegt aber nach wie vor auf Protagonist Givens, welcher immer mehr an Tiefe gewinnt. Es bleibt von Folge zu Folge spannend, außerdem kann man leicht Merkmale eines (klassischen) Western (unzählige Showdowns, Mexican standoffs, damsel in distress etc.) ausmachen, was nicht nur an (Anti)Held Raylan Givens liegt, welcher stilsicher einen Cowboyhut trägt. Und ganz nebenbei verfügt Justified auch noch über reichlich Comedy-Potenzial, was größtenteils den einzigartigen und teils auch sehr skurrilen Charakteren zu verdanken ist.

Apropos Charaktere. Timothy Olyphant (Live Free Or Die Hard, Damages) verkörpert US-Marshal Raylan Givens und hat hier die Rolle seines Lebens gefunden. Ein Modern-Day-Sheriff mit markigen Sprüchen, abgeklärter Attitüde, wenn nötig absoluter Konsequenz und eine Portion eigenartigen Oststaaten-Charme. Generell kann man, wenn über die Besetzung von Justified spricht, nur Gutes sagen. Es wurde astrein gecastet, die Darsteller präsentieren sich durch die Bank glaubwürdig und überzeugend. Erwähnenswert wäre hier Langzeit-Antagonist Walton Goggins (The Shield), in seiner Rolle als Boyd Crowder, welcher großartig auftrumpft. Außerdem feiern diverse Gaststars tolle Auftritte, darunter Margo Martindale (Dexter; als Matriarchin und Kleinstadt-Patriotin mit Gespür für den Drogenhandel; 2011 mit einem Emmy ausgezeichnet), Jeremy Davies (Lost; Martindales Sohn, bizarrer, überspitzter Geist; hat ein ganz besonderes Verhältnis gegenüber Raylan Givens; 2012 mit einem Emmy ausgezeichnet) oder Neal McDonough (Band of Brothers; verrückter Anzugsmensch der Dixie Mafia, will Givens ans Leder).

Mich persönlich konnte vor allem das Setting überzeugen. Ich habe eine Art Faszination für den westlichen Osten der USA entwickelt, diese ländliche Gegenden, wo Rednecks und Hillbillies fernab großer Metropolen leben und ihren eigenen inneramerikanischen Mikrokosmos samt angepassten Wertevorstellungen und Normen entwickelt haben (vgl. Winter’s Bone). Justified fühlt sich von vorne bis hinten echt an und zieht einen in diese Welt, welche man eigentlich nur aus Film, Fernsehen oder Büchern kennt. Der zweite große Pluspunkt ist Timothy Olyphant (auch Produzent). Man kann ihn nur cool finden. Olyphant zeigt, was für ein guter Schauspieler er eigentlich ist. Ich hatte ihn nie wirklich auf dem Schirm, seine Filmografie ist nicht sehr eindrucksvoll, doch in Justified zeigt er sein wahres Können und präsentiert sich stark und sehr sympathisch.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Justified in erster Linie ein fantastisches Unterhaltungsformat ist. Es macht einfach großen Spaß zuzusehen. Man bekommt von allen etwas geboten: rasante, waghalsige Action; spannende Auseinandersetzungen, ob es Schießereien oder verbale Reibereien sind; urige, einmalige Charaktere; überraschende Wendungen, sowie überzeichnete, explizite Momente. Das Gesamtpaket stimmt. Und so verzeiht man auch mal etwas kleinere Makel, seien es schöpferische Bequemlichkeiten oder bizarre Plotlines. Darüber sieht man gerne hinweg. Denn Justified schafft es immer wieder, einen zu packen, zu fesseln, einen zum Lachen und Mitfiebern zu bringen. Nach jeder Episode war die Vorfreude auf die nächste riesengroß. Justified ist kein kompliziertes Serien-Drama, es ist einfach, aber im positiven Sinne, weil es unglaublich gut unterhält. Eine ausgezeichnete („Zwischendurch-“) Serie, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. Und wenn möglich im Originalton schauen, es ist eine Bereicherung.


Bis dato gibt es drei Staffeln von Justified, davon Staffel 1 und 2 erhältlich bei Amazon, jedoch recht teuer. Deshalb lieber auf Amazon.co.uk gehen, wo man die beiden ersten Staffel für je gut 10 Pfund erwerben kann. Staffel drei erscheint Ende Februar 2013. Um die Drehe wird dann auch die vierte Staffel von Justified ausgestrahlt werden.