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Montag, 8. Oktober 2012

Revolution - Pilot


ACHTUNG, LEICHTE SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!


Die Prämisse ist eigentlich recht interessant: wie aus dem Nichts hört einfach alles auf zu funktionieren. Sämtliche strombetriebenen oder mechanische Gerätschaften, Maschinen etc. geben den Geist auf, „physics went insane“. Im Umkehrschluss muss sich die Menschheit neu orientieren, Regierungen werden nichtig bzw. neu gegründet, man betreibt eigene Agrar- und Jagdwirtschaft, um nicht wie viele andere vor die Hunde zu gehen. Metropolen sind vom Grünwuchs überwuchert, Miliztruppen kontrollieren das Geschehen. Also alles schon ein wenig apokalyptisch. Wenn es denn auch so aussehen würde. Revolution hat stilistisch etwas vom gefloppten Terra Nova, rundgeluscht und knallig-bunt, sehr hell und extrem CGI-lastig. Das ist wiederum nicht all zu schlimm, wenn es den seinen Zweck erfüllt. Revolution mag stellenweise recht schmuck aussehen, jedoch für meinen Geschmack auch viel zu sauber, um als post-apokalyptische Welt-ohne-Strom durchzugehen. Am deutlichsten sieht man das an den Darsteller, den sich dem Umstand entsprechend feiner nicht kleiden könnten. Das wirkt auf mich eher wie Familienurlaub im Survival Camp, ins Setting passt keiner so recht.

Ach, und die Darsteller selbst. Die wunderhübsche, emotional ambivalente, notfalls bestimmt auch richtig toughe Protagonistin, die ihren asthmageplagten, aber nach „Ich geh' viermal die Woche ins Fitness, trotz Apokalypse!“ aussehenden Bruder retten muss, nachdem deren Vater, welcher irgendwas ganz wichtiges über den totalen Stromausfall weiß, getötet und Brüderchen an dessen Stelle von der Militia, mit Gustavo Fring als Befehlshabener (Giancarlo Esposito ist die ärmste Sau, wird er doch von jetzt an bis in alle Ewigkeit nur noch type-gecastet), entführt wurde, um ihm zu irgendeinen voll gefährlichen Diktator-Typen zu bringen. Dazukommt dann der krasse Schwertkampf-Onkel, welchen Bright Eyes anbettelt, ihr zu helfen, weil Familie und so. Dann gibt’s noch so einen krassen, muskelbepackten Samoaner, der eigentlich böse ist, dann aber doch nett, oder auch nicht, keine Ahnung, klassisches Device, wird bestimmt noch superspannend. Eine akzentuöse Ziehmutter, die vergifteten Schnaps mit sich rumschleppt und der (Achtung, Überraschung!) Nerd, ACDC-T-Shirt tragend und ein ehemaliges hohes Tier bei so einem Konzern namens Google. Logisch.

Positiv zu erwähnen ist, dass es doch schon ein wenig zur Sache geht und wesentlich „blutiger“ ist, als ich erwartet hatte. Gut, ansonsten hätte sich Jon Favreau, welcher beim Piloten Regie führte, wohl auch nicht darauf eingelassen. Aber ansonsten… Da J.J. Abrams (ich mag ihn ganz gerne) und Eric Kripke produzieren, wird sicherlich noch ziemlich krass rumgetwistet, eine kleine Vorschau gibt es schon zum Ende der ersten Episode, als eine Frau via mysteriöses USB-Stick-Medaillon einen Rechner zum Laufen bringt und geheimnisvoll mit Mister X chattet. Aufregend! Insgesamt ist mir Revolution viel zu platt und langweilig, es schlägt in die gleiche Kerbe wie so vieles andere zuvor, überseichte Unterhaltung, dann kommt demnächst bestimmt noch reichlich Liebesgeplänkel dazu, irgendjemand vom Haupt-Cast wird recht zügig das Zeitliche segnen etc. pp., kurzum, nix für mich. Revolution wurde jedoch kürzlich um neun weitere Folgen auf insgesamt 22 Episoden verlängert und bekommt somit eine volle erste Staffel, also scheint es einen gewissen Appeal zu haben. Mir hat schon der Pilot gereicht, aber wer seinen Spaß mit dieser Serie hat, soll ihn sich von mir nicht nehmen lassen. 

Revolution läuft seit 17. September immer montagabends auf NBC.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Dexter Season 7 - Staffelauftakt


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Unser aller Lieblingsserienkiller geht in die siebte Runde und mal ganz ehrlich: Reicht’s nicht langsam? Keine Frage, Dexter ist ein wunderbar unterhaltsames Format, mit spannenden Wendungen und diesem unheimlich angenehmen Appeal, einen kaltblütigen Serienmörder bei dessen Drahtseilakt zwischen vorgegaukelter Normalität und seinem Dark Passenger zuzusehen. Der Cast ist einem (größenteils) sausympathisch und Michael C. Hall hat sich mit seinem Charakter Dexter Morgan schon längst ein Denkmal gesetzt. Ich bin ein großer Fan dieser Serie. Es ist zwar unfassbar seicht, doch macht mir diese nach wie vor interessante Prämisse, einen krankhaften Psychopathen zu beobachten, ihn zu verachten, mit ihm zu sympathisieren etc. großen Spaß, Dexter anzuschauen.

Jedoch muss man auch ehrlich zugeben, dass Dexter schon wesentlich bessere Zeiten gesehen hat. Die 6. Staffel hatte ihre Höhen, doch war es für mich nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Vielleicht ein wenig zu spirituell, zu viel halb-inzestuöses "Schwester-Bruder"-Gedöhns zwischen Debra (Jennifer Carpenter) und Dex, vielleicht sogar ein bisschen zu abgedreht? Und auch die 5. Staffel hatte mich nicht wirklich vom Hocker gerissen, seit Trinity und Staffel 4 hat mir in den beiden darauf folgenden Staffeln immer irgendetwas gefehlt.

Die 7. Staffel setzt nun unmittelbar nach der 6. Staffel ein. Debra wird Zeuge, wie Dexter Travis, der verquere Bibel-Fanatiker, Dexter-like umbringt. Endlich. Nach sechs Staffeln ist es wohl so weit, kommt Debra Dexter und seinem dunklen Geheimnis auf die Schliche? Es sieht ganz danach aus, nach Staffel 2 war es lange still um diese Thematik geworden, doch nun scheint sie der entscheidende Aufhänger dieser Season zu sein. Es riecht nach Finale, Executive Producer Sara Colleton lies vor kurzem verlauten, dass Dexter mit der 8. Staffel enden wird und man sozusagen über einen two-season series-ender die Geschichte zum Abschluss bringen würde.

In der Auftaktfolge zur 7. Staffel sehen wir, wie Dexter und Debra mit dem neuen Umstand, dass Dexter jemand vor Debras Augen umgebracht hat und sein eigentlicher Charakter nun zum Vorschein kommt, zu kämpfen haben. Dabei trifft es Debra ein wenig härter, da sie so etwas nie im Leben erwartet hätte. Dex hingegen hatte sich schon oft ausgemalt, wie es sein würde, wenn gerade Debra sein wahres Ich erkennen würde. Doch auch er hat schwer daran zu knabbern, hat er doch jetzt einen Sohn, um den sich kümmern muss und niemals in Stich lassen möchte.

Nebenbei wird ein klassischer Sub-Plot eingeführt, irgendwelche ukrainischen Mobster, die ihr Geld mit Zwangsprostitution und höchstwahrscheinlich auch Drogenhandel verdienen. Hier wird in einer kurzen Szene auch Ray Stevenson eingeführt, welcher als Oberboss dieser kriminellen Organisation in dieser Season noch so einiges an Screentime abgreifen wird.

Dann gibt es noch den creepy Freund von Dexter’s Babysitterin / Batista’s Schwester, namentlich Louis, welcher irgendeinen Narren an Dexter gefressen hat und diesem anscheinend ordentlich auf die Nerven gehen will. Detective Anderson wird gleich in den ersten Minuten umgepustet, Schauspieler Billy Brown feiert also nur ein kurzes Intermezzo. Debra fühlt sich fürchterlich an Ice Truck Killer Brian / Rudy erinnert und zieht Parallelen, Dexter macht seinen obligatorisch Kill, bla bla bla, alles gar nicht so wichtig, denn hängenbleiben wird den meisten wohl eh nur die finale Szene, der Höhepunkt dieser Episode. Dex kommt nach Hause kommt und Debra hat all sein „Werkzeug“ und seine „Sammlung“ vor ihm aufgebahrt. Die Szene in Are you…?, in welcher Dexter es Debra gegenüber auch zugibt. „Did you kill all these people? (Debra) „I did.“ (Dexter) „Are you… are you a serial killer?“ (Debra) “Yes.” (Dexter). Eine wahnsinnig gute, intensive Szene, in welcher Dexter über seinen Schatten springt und nach seinem Bekenntnis fast ein wenig erleichtert die Augen schließt. Es ist (endlich) raus.

Es könnte diese Staffel wirklich sehr interessant werden. Früher oder später musste es so kommen, Debra weiß nun, wer bzw. wasDexter wirklich ist (obwohl, eigentlich ist sie erst an der Spitze des blutgetränkten Eisberges), er hat sich schon immer vor diesen Moment gefürchtet, muss jetzt aber mit dieser neuen Situation leben. Spannung sollte in dieser Staffel garantiert sein, ich hoffe nur, dass man sich nicht verrennt und zu viel vornimmt. Zum einen können diverse Story Arcs ordentlich für Nervenkitzel und Suspense sorgen, zum anderen kann zu viel auch schnell zu viel des Guten werden und das Gesamtergebnis einfach überladen. Ich bin gespannt, wie man an diese Sache rangeht. Man befindet sich auf der Zielgeraden, also könnte Staffel 7 locker eine (oder mehrere) große Überraschung mit sich bringen. Klassisches Device: Der Tod einer arrivierten Serienfigur. Passend zur Serie. Noch elf Folgen und wir sind um einiges schlauer. Und dann wird wahrscheinlich das große Warten auf’s Finale losgehen.


Die siebte Staffel von Dexter läuft seit 30. September 2012 wöchentlich immer sonntagabends auf Showtime.

Freitag, 14. September 2012

The Walking Dead - Season 2

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Es ist schon eine ganze Weile her, als ich die erste Staffel von The Walking Dead gesehen habe. Negativ hängengeblieben sind ein paar zweifelhafte Entscheidungen und das ab und an für meinen Geschmack unlogische Verhalten einiger Charaktere, sowie eine schrecklich mit anzuschauende und daher unvergessliche CGI-Explosion zum Staffelfinale. Hinzukam die Anzahl von gerade mal 6 Episoden, wodurch sich die Handlung teilweise etwas sprunghaft und überhastet präsentierte. Aber im Großen und Ganzen war es doch recht gelungen. Das Thema Zombie-Apokalypse ist zwar nicht wirklich neu, doch in Form einer Serie mit längeren Handlungsbogen könnte sich so etwas als sehr vielversprechend gestalten. Dazu sah es noch ganz wunderbar aus, tolle Kulissen und ein ansehnlich gestaltetes Setting konnten überzeugen.

Jetzt, wenige Wochen vor der Premiere der dritten, habe ich mir die zweite Staffel von The Walking Dead angesehen. Ich bin größtenteils ohne Erwartungen an die Sache herangegangen. Die erste Staffel war gut, hatte mich aber nicht von den Socken gerissen. Und auch die zweite Staffel macht einige Sachen gut, doch insgesamt muss ich sagen, dass ich enttäuscht bin. Was ganz interessant anfängt, entwickelt sich nämlich, mit ein paar Höhenpunkten mittendrin, immer mehr zu einer Seifenoper, die irgendwann nur noch nervt und mir ein Staffelfinale liefert, dass mich skeptisch auf die demnächst erscheinende dritte Staffel blicken lässt.

The Walking Dead sieht auch in der zweiten Staffel sehr gut aus, Setting, Requisiten, die Walker, das passt vorne und hinten. Durch die Erhöhung der Anzahl der Episoden von 6 auf 13 hat man wesentlich mehr Zeit, genauer auf die einzelnen Charaktere einzugehen, was mir persönlich gefällt, da es mich natürlich interessiert, wie jeder Einzelne tickt bzw. wie er/sie sich in die Gruppe um Rick (Andrew Lincoln) einbringt. Dass der Zuschauer das mehr zu sehen bekommt ist gut und wichtig. Und es gelingt auch, die verschiedener Charaktere in ihren Ansichten und Überzeugungen deutlicher als noch in Staffel 1 zu präsentieren, doch zeigt sich ein großes Manko: Zu viel Interaktion. Sprich zu viel Beziehungsnonsens, zu viele aufgesetzte Streitereien und zu viel ödes, voraussagbares Palaver.

Aber halt, bevor ich mich dazu äußere ein paar Worte zum Plot. Die Gruppe rund um Rick, seine Frau Lori (Sarah Wayne Callies) und Heißsporn Shane (Jon Bernthal) findet sich am Anfang dieser Staffel auf einem Highway wieder, als plötzlich eine Zombie-Horde über besagte Schnellstraße schlendert. Sophia (Madison Lintz), die Tochter von Carol (Melissa McBride) wird panisch und flüchtet vor einem Walker in den angrenzenden Wald. Rick sprintet sofort hinterher, verliert sie jedoch aus den Augen. Und zack haben wir das Trigger-Event für mehr als die Hälfte der sich hinziehenden Handlung dieser Staffel. Sophia geht verloren und muss gesucht werden, Rick macht sich Vorwürfe, andere halten die Suche für sinnlos. Und dann wird auch noch Rick und Lori's Sohn Carl (Chandler Riggs) versehentlich angeschossen, wodurch die Gruppe auf der Farm des Veterinärmediziners Hershel (Scott Wilson) plus Familie/Freunde landet, welche von nun an der Mittelpunkt jedweder Handlung ist. So ein verkappter Unsere kleine Farm/ Alle unter einem Dach + [insert random zombie flick right here]- Hybrid.

Klar, es werden neue Figuren eingeführt, was interessant ist. Doch finde ich es persönlich nach einer Weile anstrengend. Da alle ständig auf einem Haufen sind, fliegen öfters mal die Fetzen, doch wirklich entnervend ist dann das aufgezwungene Liebesgetue. Das Liebesdreieck Rick-Lori-Shane macht natürlich weiterhin den Großteil des Techtelmechtels aus, dazukommt der junge Glenn (Steven Yeun), welcher sich in Hershel's Tochter Maggie (Lauren Cohen) verguckt. Selbst Carol zeigt Gefühle für Einzelgänger Daryl (Norman Reedus), welche aber vermutlich eher auf einem Mutter-Sohn-Aspekt beruhen. Ähnlich wie bei Dale (Jeffrey DeMunn), der weiterhin versucht, sich väterlich um Andrea (Laurie Holden) zu kümmern, ohne Erfolg. Zusätzlich gibt's immer wiederkehrenden Stress zwischen Anführer Rick und dem inoffiziellen Vize Shane. Man sieht viel zwischenmenschliche Interaktion, viel Reibung. Zu viel. Weniger ist manchmal mehr, und genau so sieht es hier in der zweiten Staffel aus. Es gibt einfach zu viel Problemherde, zu oft musste ich mit den Augen rollen und gelangweilt gähnen, auch aufgrund schon viel zu oft dagewesener Verhaltensmuster.

Neben nach wie vor einigen seltsamen Entscheidungen der Charaktere (Hallo, Zombie-Apokalypse, nachdenken!) und einem sehr anstrengenden Carl Grimes gibt es aber natürlich auch ein paar gute Dinge in dieser Season. Als persönliche Höhepunkte gelten die siebte (Pretty Much Dead Already; leicht offensichtliche, aber auch clevere Auflösung des Verschwundene-Sophia-Plots), die zehnte (18 Miles Out; übefällige und gelungene Solonummer zwischen Rick und Shane), sowie die elfte Episode (Judge, Jury, Executioner; Good Bye Dale. Schade, aber äußerst effektiv. Auch wenn der Walker, welcher Dale reißt ein bisschen sehr leise/ stealthy ist...). Zwar ist die Charakterentwicklung stets arg stereotypisch und oft vorhersehbar, doch punktet die zweite Staffel auch dadurch, dass Figuren wie Dale (guter Mann mit moralischer Relevanz für die Gruppe, trotz stetigem Pathos) oder Daryl (lässiger I-don't-give-a-damn-Stereotyp-Redneck, der Laune macht) mehr Spielraum bekommen. 

Obwohl, im Vergleich zum Figurentrio Rick, Shane und Lori ist das immer noch viel zu wenig. Die Beziehung zwischen diesen drei Personen steht im absoulten Mittelpunkt und schaukelt sich immer höher, Lori's unerwartete Schwangerschaft sorgt gleich für noch etwas mehr Sprengstoff. Und dass es zwischen Rick und Shane irgendwann krachen musste, konnte sich ein jeder denken. So kommt es in der zwölften Folge (Better Angels) auch zum Showdown, welche meiner Meinung nach aber ein wenig ernüchternd ausfällt. Dass dann noch Rick's Sohn Carl den zum Walker wiederauferstandenen Shane umpustet, setzt der dramaturgischen Plattheit die Krone auf. Wieder einmal zu viel des Guten.

Zum Staffelfinale bekommen wir dann noch einmal eine große Ballerei zu sehen. Unzählige Walker aus dem Nichts, deren Auftauchen auf der scheinbar so sicheren Farm (ganz ehrlich, was macht ihr da eigentlich den ganzen Tag außer euch zu zoffen bzw. lieben bzw. in moralischen Grundsatzdiskussionen zu verlieren? Ich würde versuchen mir eine derartige Verteidigung zu errichten...) in drei schnellen Cuts erklärt ist. Dumm. "Für ein geiles Season-Finale brauchen wir nochmal krass viele Zombies und Schrotflinten-Action (nichts gegen Schrotflinten-Action!) und ein paar semi-tragische Opfertode!" Ja, schon irgendwie okay, aber viel zu platt und einfach, um das wirklich richtig gut finden zu können. Im Endeffekt muss die Belegschaft in einzelnen Splittergruppen von der Farm flüchten, um sich dann etwas später erneut auf dem Highway wiederzutreffen. Und was hat uns dann dieses Farm-Intermezzo gebracht, außer ein paar aussortierte bzw. neue Charaktere, sich wiederholenden Beef und überschwängerte Beziehungskomplikationen unter allen Beteiligten?

Klar, die Figuren haben sich (weiter) entwickelt bzw. gewandelt. Vor allem Rick, der am Ende deutlich macht, dass er von nun der einzig wahre, unumstrittene Boss ist. Doch braucht man für eine derartige Rollenetablierung eine ganze Staffel? Die Übriggeblieben sitzen wieder einmal verängstigt vor einem Feuer und stehen vor dem Nichts, doch wenn sie etwas können, dann ist es das Hoffen und Glauben an eine bessere Zeit. Ganz toll. Die zweite Staffel bringt mich persönlich nicht weiter bzw. liefert mir inhaltlich zu wenig Wesentliches und zu viel Banales.

Ich bin alles in allem doch etwas enttäuscht von der zweiten Staffel von The Walking Dead. Anfangs keimte in mir wieder das Gefühl der Lust auf diese Serie auf, cooles Setting, ordentliches Konfliktpotenzial zwischen den Charakteren, welches man eigentlich nur noch geschickt und vor allem subtil ausnutzen musste. Doch dann werden so viele einfache Fehler gemacht, dass es mich im Verlauf der Season immer mehr geärgert hat. Es gibt diese (besagten) Highlights, welche mich von Zeit zu Zeit haben hoffen lassen, doch verfällt die Serie zu schnell wieder in ihren altbekannten, vorhersehbaren Trott.

Demnächst geht es dann mit der dritten Staffel weiter (am 14. Oktober 2012) und auch da bin ich skeptisch. In den letzen Zügen der dreizehnten Episode Beside Dying Fire sehen wir die alleingelassene Andrea von Zombies verfolgt durch den Wald hetzen, als eine vermummte Person mit einem Katana bewaffnet den Andrea angreifenden Walker enthauptet. Zusätzlich führt der/DIE Unbekannte noch zwei armlose, aneinandergekettete Zombies mit sich herum. Alles klar. Es folgt noch eine verhängnisvolle Totale auf ein Gefängnis, in welchem sich auch ein Großteil der Handlung der dritten Season abspielen wird. Rick und co. haben ihr sporadisches Lager nichtsahnend unweit von diesem Trakt aufgeschlagen. Super. Ersetze Farm mit Gefängnis. Dazu eine potenzielle Gefahr durch andere Menschen, welche auch ums Überleben kämpfen. Survival of the Fittest. Wurde schon während dieser Season aufgegriffen und sorgte (Überraschung!) für noch mehr Beef und wird wohl in Staffel drei keine ganz unwichtige Rolle einnehmen. Kann, wenn man es richtig angeht, gut werden. Kann.

Einige Genrefans werden wohl nach wie vor ihren Spaß mit The Walking Dead haben, ich persönlich werde mir die dritte Staffel erst einmal nicht zu Gemüte führen. Vielleicht macht sie ja einiges besser, aber ich habe da meine Zweifel. The Walking Dead schafft es immer noch zu unterhalten, doch haben ich von diesem Serienformat etwas mehr erwartet. Mehr Tiefe zum Beispiel. So sackt es leider in Richtung Oberflächlichkeit ab.


Seid ihr große Walking Dead-Fans und wollt mir contra geben? Her damit! Ich freue mich über jede Art des konstruktiven Inputs, auch Kritik und Anregungen sind hier sehr gerne gesehen. Wie fandet ihr die zweite Staffel und freut ihr euch auf die dritte, was muss besser werden, was wünscht ihr euch? Ab in den Kommentarbereich damit.

The Walking Dead - Season 2 - Trailer



The Walking Dead - Season 3 - Trailer - ComicCon 2012

  

Samstag, 14. Juli 2012

The Boardwalk Empire


Ich habe mir vor kurzem die zweite Staffel von HBO’s The Boardwalk Empire angesehen. Großartiges Ding. Dennoch werde ich bei dieser ausgezeichneten Serie das Gefühl nicht los, dass sie kaum wahrgenommen wird, besonders hier in Deutschland. Warum ist das so? Nischenthematik? Zu speziell? Kann sich der Otto-Normal-Seriengucker nicht darauf einlassen, auch wenn er zeitgleich ähnlich komplexe Serien schaut, deren größter Unterschied oft nur die Grundthematik an sich ist?

In The Boardwalk Empire dreht sich alles um eine wunderbare Zeit, welche ich mir schon damals im Geschichtsunterricht dermaßen lebhaft und aufregend vorgestellt habe: The Roaring Twenties, die Goldenen 20er. Der Fokus liegt hierbei auf Atlantic City, ein Paradies für Glücksspieler, Lebemänner und korrupte Politiker. Dieses „Paradies“ ist in der Hand eines Mannes, Enoch „Nucky“ Thompson (Steve Buscemi), Stadtkämmerer, aber zugleich auch der mächtigste Mann in AC. Über seinen Tisch geht alles, er hält alle Fäden in der Hand. Diese Macht rührt vor allem daher, dass in den USA soeben die Prohibition durchgesetzt wurde und „Nucky“ nun sämtliche Räder in Bewegung setzen lässt, um sein „Boardwalk Empire“ nicht trocken werden zu lassen. Seine vorteilhafte Position und seine Beziehungen zu diversen wichtigen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft spielen ihm hierbei selbstverständlich in die Karten. Doch wo Macht ist, sind auch Neider. Und schnell wird klar, dass das Leben an der Strandpromenade (engl. boardwalk) sich doch gar nicht so einfach gestalten lässt, wie es sich ein mancher wünschen würde…

Ich möchte eigentlich gar nichts weiter zu den Inhalten der ersten und zweiten Staffel von The Boardwalk Empire verlieren. Doch, um diese Serie einem schmackhaft zu machen, sollte man schon wissen, auf was man sich ungefähr einlässt. Stichwort die 20er. Der Stil dieser Epoche ist unvergleichbar, von der Ausstattung bewegt sich The Boardwalk Empire auf einer Ebene mit Mad Men. Geschmeidige Anzüge, wunderbare Kulissen, hohe Produktionswerte, The Boardwalk Empire sieht einfach hervorragend aus und versteht es, einen präzisen Einblick in eine gänzlich andere Zeit zu liefern. Was sollte man anderes erwarten, immerhin produziert HBO. Und Martin Scorsese. Dieser führte auch bei der Pilotfolge Regie und bekam dafür prompt einen Emmy. Wenn das nichts ist.

Generell ist The Boardwalk Empire großartig geschrieben. Wo die erste Staffel noch viele einzelne Handlungsebenen separat aufbaut und Stück für Stück zusammenführt, entwickelt die zweite Staffel eine Dynamik, die einen dranbleiben und mitfiebern lässt, inklusive unerwarteten Vorkommnissen und Wendungen á la Sopranos. Wo wir schon bei den Sopranos sind, wer sich gerne Gangstergeschichten, hier speziell aus den 30er und 40er Jahren, anschaut, der sollte sich für The Boardwalk Empire begeistern lassen können, auch wenn sich erst in der zweiten Staffel derartigen Tendenzen klarer herauskristallisieren als noch in der vorangegangenen Staffel.

Doch hier werden einige Kritiker laut, was ich teilweise nachvollziehen kann. The Boardwalk Empire kann sich allein seiner Komplexität und diversen Charaktere wegen hinziehen. Es lässt sich Zeit. Viel Zeit. Hinzukommt für den europäischen Zuschauer, dass man sich weit mehr auf die spezielle Thematik der Prohibition und ebenso den Umständen zu Beginn der 1920er Jahre in den USA einlassen und sicherlich etwas Interesse dafür mitbringen muss.

Neben diesen allgemeinen Eindrücken muss man natürlich die ausgezeichnete Besetzung erwähnen, allen voran Steve Buscemi, dessen abscheuliche Glubschaugen mich für immer verfolgen werden, aber nichts daran ändern, dass er ein außergewöhnlicher Schauspieler ist. So auch Michael Pitt, Kelly Macdonald oder Michael Shannon, auch wenn in dieser Serie jeder von ihnen etwas mehr oder weniger unangenehmes an sich hat. Das ist es auch, was „TBE“ ausmacht: Jede einzelne Figur hat Dreck am Stecken, in welcher Form auch immer. Der Zuschauer lüftet Geheimnisse und erfährt Schritt für Schritt mehr über diese dubiosen Charaktere, ob es nun eine unerwartete positive oder nur eine weitere negative Eigenschaft der jeweiligen Figur ist.

Also warum nicht? Warum erfährt The Boardwalk Empire, eine der beliebtesten Serie des Senders HBO, nicht den Hype, wie viele andere, ähnliche Serienprodukte? TBE geht unter die Haut und verlangt dem Zuschauer Aufmerksamkeit und Interpretationslust ab, doch welche gut funktionierende Serie tut das heutzutage nicht? Geht es nur mir so, dass ich diese nostalgischen Aufnahmen einer längst vergangenen Zeit wie in The Boardwalk Empire (oder vergleichsweise eben Mad Men) so gerne sehe oder fühlt sich der Großteil des (deutschen) Publikums von solchen Serien schlicht und einfach gelangweilt? Hier wird leider von vielen sehr gutes Fernsehen links liegen gelassen. Doch HBO macht weiter, wofür man sie zu schätzen weiß, Mitte September diesen Jahres läuft die dritte Staffel an.

Ich möchte The Boardwalk Empire pushen. Warum um den heißen Brei herumreden. Schaut euch diese Serie an oder gebt zumindest der Pilotfolge eine Chance. Besser sogar den ersten vier Folgen, denn The Boardwalk Empire braucht, wie bereits geschrieben, seine Zeit, doch es kann sich wirklich lohnen. 

Staffel 1 von The Boardwalk Empire ist hierzulande bereits auf DVD und Blu-Ray erhältlich. Die zweite Staffel lief bis vor kurzem noch auf dem Pay-TV-Sender TNT Serie und kommt in Deutschland am 5. Oktober 2012 auf den Markt. Die dritte Staffel startet in den USA am 16. September 2012 und wird zeitnah auf Sky Atlantic HD in Deutschland zu sehen sein.  

The Boardwalk Empire - Promo Season 1