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Sonntag, 19. August 2012

Prometheus

Prometheus. Viele haben Ridley Scott's Prequel/Nicht-Prequel/Alien-Universum-Film entgegengefiebert, dessen Wide Release eigentlich schon vor gut zwei Monaten war. Also in den Staaten. Oder in Großbritannien. Oder im Vietnam. Aber nicht in Deutschland. Da wurde der Kinostart eiskalt verschoben (Vielen Dank, Euro 2012). Aber ich will auch gar nicht meckern, seit 09. August läuft Prometheus ja endlich in den deutschen Lichtspielhäusern.

Und es wird viel darüber diskutiert. Die einen waren doch recht begeistert, die anderen mehr oder weniger verstimmt. Die einen schoben dieses Unbehagen gegenüber dem Film der zu hohen Erwartungshaltung, die anderen den irreführenden Werbekampagnen rund um Prometheus zu. Und so weiter und so fort, man kommt bei Prometheus anscheinend auf keinen gemeinsamen Nenner. Was ich persönlich gut finde, denn (sinnvolle) Diskussion ist immer gut.

Ich war mit meinem guten Kumpel Adrian im Kino, damit wir uns selbst ein Bild von Prometheus machen konnten. Alien ist super, Aliens ist auch super und an der Rest der Serie erinnern wir uns nicht... Wir waren auf jeden Fall sehr gespannt und ihr dürft euch jetzt an unserer kleinen Kurzbesprechung erfreuen.

Wie uns Prometheus gefallen hat, was gut, was schlecht oder was besonders erwähnenswert daran ist, dass hört ihr hier direkt unter diesem Absatz. Ein bisschen Palaver, frei heraus, ungezwungen und viel länger als gedacht. Vielleicht haben wir an irgendeiner Stelle auch irgendetwas verplant. Dennoch: Viel Spaß.

Prometheus Cast by YohnFerrari
47:16 min

Kritik, Anregungen oder eure eigene Meinung können wie immer gerne im Kommentarbereich hinterlassen werden, ich bzw. wir freuen uns darüber. Und an alle Alien-Cracks: Seid gnädig.

Prometheus Trailer


Samstag, 10. März 2012

The Iron Lady / Tambien la lluvia / John Carter

Mein Kinowoche im Schnelldurchlauf:

The Iron Lady

Meryl Streep, oh Wunder, hat sich bei den Oscars 2012 bekanntermaßen die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle als ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher abgeholt, The Iron Lady selbst enttäuschte hingegen viele Kritiker. Montag war ich dann im Kino, um mir selbst ein Bild davon zu machen. Auch ich stellte fest: Enttäuschend. Es handelt sich um ein stinknormales Biopic, recht ideenlos und ziemlich langweilig. Da reicht eben keine Meryl Streep, welche nebenbei gesagt sehr gut schauspielert, für meinen Geschmack aber für ihre Darbietung ein bisschen zu heftig abgefeiert wird.

Der Inhalt ist nicht weiter erwähnenswert, man könnte es mit Eastwood's J. Edgar vergleichen, eine gealterte, demenzkranke Margaret Thatcher erinnert sich an ihre großen Tage, wie sie den Schritt in die Politik wagte und schlussendlich zur mächtigsten Frau Großbritanniens aufstieg. Die Person Thatcher ist seit jeher ein Streitpunkt, insbesondere auf der Insel. Die einen sehen sie als eine der ersten, erfolgreichen Verfechterin des Feminismus, welche sich in einer von Männern dominierten Welt durchgesetzt hat, die anderen sehen in ihr eines der größten Übel, welche Großbritannien je ereilt hat. Ihre politischen Entscheidungen (konservative Linie, IRA-Problematik, Falklandkrieg) sorgten für reichlich Wirbel und brachten unzählige Kritiker hervor. Ein derartig polarisierendes Leben zu verfilmen, könnte sich als durchaus spannend und interessant gestalten, doch wirkt das Ergebnis eher öde und belanglos.

Die Ausstattung macht einiges her, doch dies ist das Mindeste, was ich von einer zeitgenössischen Biographie erwarte. Es fesselt nicht, es plätschert einfach vor sich. Hier mal eine pathetisch-politische Rede, da ein kleiner Familienkonflikt im Hause Thatcher, insgesamt bleibt es sehr mau. Am Ende fragt man sich, was einem Regisseurin Phyllida Lloyd mit The Iron Lady eigentlich sagen will. Bei mir blieb einzig und allein Streep's überzeugender Auftritt hängen. Vielleicht fehlt mir auch der soziokulturelle Hintergrund eines Briten. In meinen Augen ein durchschnittliches Biopic, welches keine wirkliche Botschaft beinhaltet und dessen Ende gar ein klein wenig verwirrend erscheint. Meryl Streep reißt es einigermaßen raus. Dennoch, keine unbedingte Empfehlung.




También la lluvia

Ein spanischer Film. También la lluvia (dt. Titel Und dann der Regen) ist schon eine Weile raus, Dienstag lief der Film zum Spottpreis im Studiokino um die Ecke, also nichts wie ihn. Und ich bin sehr angetan gewesen. Beschreibungen zu Filmen wie eben También la lluvia einer ist, können einen schnell abschrecken, doch sollte man hier vielleicht mal einen Blick riskieren. También la lluvia ist wunderbar aktuell, metaphorisch stark und eindrucksvoll inszeniert. Es geht um einen Film im Film, ein junger Regisseur (Gael García Bernal) reist mit seinem Produzenten (Luis Tosar) und Crew nach Bolivien, um hier einen Streifen über Christoph Kolumbus zu drehen. Doch zeigt sich, dass die gesellschaftlichen Zustände in Bolivien ziemlich im Argen liegen, die Privatisierung der Wasserversorgung führt zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen im Land. Schnell werden Parallelen von dem geplanten Filmprojekt und der harten Wirklichkeit deutlich...

También la lluvia geht als Arthouse Light durch und wird wohl gerade hierzulande nicht die ganz großen Absätze feiern können. In Spanien hingegen bekam der Film viel Lob und Anerkennung sowie einige Auszeichnungen. Zurecht, wie ich finde. Der Ansatz ist erfrischend, ein Film im Film hat etwas. Das Thema, welches in vielen Dritte Welt- bzw. Entwicklungsländern Thema und ein akutes Problem ist, wird stark und nachhaltig eingefangen und vermittelt. Sei es anhand der Charakterentwicklung/-wandlung vieler Figuren im Film oder anhand der abgebildeten Szenerie des Chaos und des offenen Konflikts zwischen bolivianischer Bevölkerung und Staatsapparat selbst.

También la lluvia sollte man sich ansehen, wenn man ein klein wenig über den Tellerrand schauen sowie starke Schauspielleistungen sehen möchte. Ein ruhiger und dennoch explosiver, ausdrucksstarker Film, der sehr nachdenklich stimmt und einen wesentlich mehr zu sagen hat, als es zum Beispiel The Iron Lady tut.




John Carter

Ok, einmal Blockbuster darf in der Woche nicht fehlen. Zum Kinostart einen guten Kumpel geschnappt und mit wenig bis gar keinen Erwartungen in John Carter reingegangen, denn ganz ehrlich, das sah schon im Trailer sehr bizarr und komisch aus. Von John Carter hatte ich zuvor noch nie etwas gehört, umtriebig wie ich bin aber gleich den Wikipedia-Artikel dazu durchgelesen und mit Erstaunen festgestellt habe, dass John Carter bzw. John Carter vom Mars, ich zitiere, "eine der beliebtesten Science-Fiction-Buchreihen des Tarzan-Autors Edgar Rice Burroughs" ist. Hui. Trotzdem ist der Film Mist. Mich würde die Meinung eines eingefleischten Fans der Romane interessieren, ich fand John Carter schlimm, total verwirrend und unfassbar inkohärent.

Captain John Carter (Taylor Kitsch) steht im Mittelpunkt, ehemaliger Konföderierten-Soldat im Amerikanischen Bürgerkrieg, jetzt Schatzsucher und Taugenichts. Dank einem seltsamen Amulett findet sich jener John Carter in einer kargen Wüstenlandschaft wieder. Wie es sich später herausstellt, ist er auf dem Mars! Huch! Hier tobt ein erbarmungsloser Krieg zwischen zwei Völker, John Carter soll mit seinen speziellen Fähigkeiten den Konflikt lösen und die wunderhübsche Prinzessin Dejah Thoris (Lynn Collins) retten.

Die hanebüchene Story ist recht einfach gestrickt und strotzt nur so vor unzähligen fairy-tale-Klischees. Der unbekannte Fremde, die hilflose, aber charakterstarke Prinzessin, geheimnisvolle Bösewichte und komische Sidekicks. Tut mir Leid, ich kann damit nichts anfangen. John Carter macht teilweise überhaupt keinen Sinn, kommt mit gigantischen Plotholes daher und lässt einen mehrfach die Hände vor dem Gesicht zusammenschlagen. Anfangs findet man die Prämisse, dass John Carter aufgrund des leichteren Knochenbaus, Schwerkraftunterschied Erde Mars etc. so toll und weit und hoch springen kann ja ganz nett, aber irgendwann ist das alles einfach zu abgedreht, nicht nur das wilde Herumgehüpfe. John Carter kann nur was für Fans sein, denn Unwissenden gibt der Film nicht wirklich die Möglichkeit, das Universum nachvollziehen zu können. Zu hastig, zu oberflächlich, zu konfus. Ich zweifle nicht an der Qualität des John Carter-Stoffes, den Büchern etc., aber der Film ist mies. Das Geld kann man sich definitiv sparen. Insbesondere, wenn man noch einen 3D-Film-Aufschlag zahlen muss...




Donnerstag, 23. Februar 2012

Oscarverleihung 2012 - Tipps, Wünsche und Prognosen

So Herrschaften. Ein wenig stolz bin ich schon, dass ich es geschafft, alle neuen nominierten Filme in der Kategorie Bester Film vor der eigentlichen Verleihung gesehen zu haben. Das ist mir letztes Jahr leider nicht gelungen, was aber auch den Terminen für die Kinostarts in Deutschland (z.B. The Fighter) lag.

Natürlich gibt es weit mehr als diese neun Filme, von denen einer als Bester gekürt wird. Doch irgendein Anhaltspunkt muss man ja haben und da ist es, wenn man sich möglichst genau mit den Oscar 2012 beschäftigen möchte, naheliegend, sich an der Kategorie Bester Film zu orientieren.

Die Oscars 2012. Da gab's schon vorher einigen Geschichten. Brett Ratner als Produzent, Eddie Murphy als Host, das war einmal. So sehr ich mich über letzteren als Moderator der 84. Auflage der Oscars gefreut hätte, Murphy ging mit dem Rückzieher von Ratner mit von Bord. Sei's drum, nun soll ein erfahrener Oscar-Haudegen die ganze Chose leiten, Billy Crystal, der bereits zum neunten Mal durch eine Oscarverleihung führen wird, hat am 26. Januar das Ruder in der Hand und kann es kaum schlechter machen als Anne Hathaway und James Franco im letzten Jahr.

Wer sich nochmal einen Überblick in Sachen Nominierungen machen möchte, dem lege ich meinen kleinen Beitrag über die Oscar-Nominierungen nahe. Dort kann man noch einmal ein paar zusammenfassende Worte meinerseits zu dem Thema lesen.

Es folgen die neun Kategorien, auf welche ich mich stürzen und eine Prognose abgeben werde, wie die Entscheidung der Academy aussehen könnte und was bzw. wer mein persönlicher Favorit in welcher Kategorie ist. Dabei handelt es sich um Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller, Beste Hauptdarstellerin, Beste Nebendarstellerin, Bestes Adaptiertes Drehbuch, Bestes Originaldrehbuch und Bester Animationsfilm. Das wird reichen müssen. Kamera, Ton, Schnitt etc., alles wichtig, aber ich werde höchstens zum Ende hin ein paar Worte darüber verlieren. Sonst wird dieser Beitrag noch länger als er jetzt schon ist.

Und nein, The Artist steht bei mir nicht in jeder Kategorie ganz oben.

Und auf den Spannungsbogen verzichte ich auch. Ich lege eiskalt mit der Kategorie
Bester Film los.
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Bester Film
The Artist
The Descendants
Extremely Loud & Incredibly Close
The Help
Hugo
Midnight in Paris
Moneyball
The Tree of Life
War Horse

Es ist kein Geheimnis, dass The Artist der ganz große Kandidat, nicht nur in dieser Kategorie, sondern generell bei den Oscars 2012 ist. Malick's Tree of Life ist zwar schon eine Weile her, doch hat er bei den Kritikern Eindruck hinterlassen. Scorsese's Hugo gilt wahrscheinlich noch als härtester Konkurrent für The Artist, The Descendants werden Außenseiterchancen zugeschrieben. Dahinter tummeln sich eng beieinander War Horse, Moneyball, Midnight in Paris und eben The Tree of Life. The Help und Extremely Loud And Incredibly Close dürften keine größere Rolle spielen.

Academy: The Artist
Dafür spricht einfach zu viel, dafür ist der Film schon im Vorfeld viel zu erfolgreich gewesen. Alles andere wäre mehr als erstaunlich.

Bomme:
Ich wünsche es Moneyball. Ich fand diesen Film klasse. Auch The Tree of Life hat mich beeindruckt. Hugo, War Horse, Midnight in Paris und The Descendants, alles tolle Filme. Doch auch ich sage: The Artist.
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Beste Regie
The Artist - Michel Hazanavicius
The Descendants - Alexander Payne
Hugo - Martin Scorsese
Midnight in Paris - Woody Allen
The Tree of Life - Terrence Malick

Erstklassige Auswahl, zum Zunge schnalzen. Jeder von den fünf Kandidaten hätte es sich verdient. Hier hat man die Qual der Wahl. Schwierige Entscheidung.

Academy: Michel Hazanavicius oder Martin Scorsese
Scorsese hat schon einen Golden Globe für die beste Regie mit Hugo gewonnen und man hat das Gefühl, die Academy möchte dem so oft nominierten und nur einmal erfolgreichen (The Departed) Regisseur etwas zurückgeben. Martin Scorsese mit den besten Chancen, dahinter Hazanavicius, Woody Allen und Terence Malick. Alexander Payne in Anbetracht der Konkurrenz zu schwach.

Bomme: Martin Scorsese
Er hat es sich einfach verdient und mit Hugo einen tollen Film abgeliefert. Dahinter Hazanavicius, Allen und Malick ebenbürtig.
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Bester Hauptdarsteller
Demián Bichir - A Better Life
George Clooney - The Descendants
Jean Dujardin - The Artist
Gary Oldman - Tinker Tailor Soldier Spy
Brad Pitt - Moneyball

A better Life habe ich nicht gesehen, Demián Bichir räume ich gegen diese Konkurrenz eh nur geringe Chancen ein. Clooney, Dujardin, Oldman, Pitt, das ist Wahnsinn.

Academy: Seeehr schwierig. Es wird sich zwischen Dujardin, Clooney und Oldman entscheiden.
Oldman sei's wirklich gegönnt, starke Vorstellung in Tinker Tailor Soldier Spy. Clooney auch super in The Descendants. Ich denke, die Academy traut den jungen Dujardin in Zukunft noch einiges zu. Hier mag ich keine Prognose abgeben, zu ausgeglichen.

Bomme: Eigentlich Brad Pitt. Ganz groß in Moneyball. Aber ob Dujardin, Oldman oder Clooney, mir egal. Alle drei herausragend. Es wird nicht Dujardin's letzte Nominierung sein, die Entscheidung fällt für mich zwischen George Clooney und Gary Oldman. Puh. George Clooney. Nein, Gary Oldman. Jean Dujardin! Ach, ich weiß es nicht.
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Bester Nebendarsteller
Kenneth Branagh - My Week With Marilyn
Jonah Hill - Moneyball
Nick Nolte - Warrior
Christopher Plummer - Beginners
Max von Sydow - Extremely Loud & Incredibly Close

Warrior, My Week With Marilyn und Beginners (Schande über mich) nicht gesehen. Hier scheint es aber eindeutig zu werden.

Academy: Christopher Plummer
Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern. 83 Jahre alt, eine Schauspiel-Legende, die Kritiker lieben ihn. Er wird's machen.

Bomme: Auch wenn nicht gesehen, ich tippe ebenfalls auf Christopher Plummer. Jonah Hill fand ich in Moneyball sehr gut, Nick Nolte soll in Warrior stark gewesen sein. Muss sich dann bei Gelegenheit mal angesehen werden.
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Beste Hauptdarstellerin
Glenn Close - Albert Nobbs
Viola Davis - The Help
Rooney Mara - The Girl with the Dragon Tattoo
Meryl Streep - The Iron Lady
Michelle Williams - My Week With Marilyn

Albert Nobbs, My Week With Marylin und The Iron Lady (noch) nicht gesehen. Aber auch hier gibt es eine klare Tendez.

Academy: Meryl Streep
Ähnlich wie bei Plummer. Man möchte sie unbedingt ehren. Michelle Williams dahinter.

Bomme: Meryl Streep
Für Rooney Mara wurde es mich freuen, sie wird aber noch genug Möglichkeiten auf einen Oscar bekommen. Streep nimmt den goldenen Mann mit nach Hause.
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Beste Nebendarstellerin
Bérénice Bejo - The Artist
Jessica Chastain - The Help
Melissa McCarthy - Bridesmaids
Janet McTeer - Albert Nobbs
Octavia Spencer - The Help

Die Kategorie, wo ich am wenigsten einen Plan habe. Uff.

Academy: Bérénice Bejo oder Octavia Spencer
Beide sehr gut. Melissa McCarthy mit Außenseiterchancen.

Bomme: Bérénice Bejo oder Octavia Spencer
Tippe aber eher auf Spencer. Das würde zur Academy passen. Bejo wäre aber auch nachvollziehbar. Ich fand ja Jessica Chastain in The Help, ähm, sehr hübsch. Melissa McCarthy avanciert wie ihr Film Bridesmaids zum Publikumsliebling, jedoch mit geringen Chancen.
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Bestes adaptiertes Drehbuch
The Descendants - Alexander Payne & Nat Faxon & Jim Rash
Hugo - John Logan
The Ides of March - George Clooney & Grant Heslov and Beau Willimon
Moneyball - Screenplay by Steven Zaillian and Aaron Sorkin, Story by Stan Chervin
Tinker Tailor Soldier Spy - Bridget O’Connor & Peter Straughan

Eine wahnsinnig gute Auswahl. Alle gesehen, von allen sehr angetan. Ähnlich schwierig wie Bester Hauptdarsteller.

Academy: Ich weiß es nicht. Die Kandidaten sind einfach zu gut. Ich kann die Academy schwer einschätzen. Hier werden wir uns wirklich überraschen lassen müssen.

Bomme: Ich pushe wieder Moneyball. Toll geschrieben. Der Film muss für meinen Geschmack irgendetwas abgreifen. Ansonsten Tinker Tailor Soldier Spy. Oder The Ides of March, wäre nicht unverdient. Tendiere aber eher zu Tinker Tailor Soldier Spy.
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Bestes Originaldrehbuch
The Artist - Michel Hazanavicius
Bridesmaids - Annie Mumolo & Kristen Wiig
Margin Call - J.C. Chandor
Midnight in Paris - Woody Allen
A Separation - Asghar Farhadi

Bunte Mischung unter den Nominierten. Margin Call leider nicht gesehen, soll sehr gut sein. A Separation wird aller Wahrscheinlichkeit nach als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet.

Academy: Woody Allen oder Michel Hazanavicius
Beide haben tolle Arbeit abgeliefert und hätten es verdient in ihrer Regisseur/Drehbuchautor-Doppelrolle. Zwischen diesen beiden wird es sich entscheiden. Asghar Farhadi könnte mit A Separation für eine Riesen-Überraschung sorgen.

Bomme: Woody Allen 
Midnight in Paris hat mir richtig gut gefallen, eine originelle und sehr charmante Geschichte. Und The Artist muss ja nicht überall ganz vorne mit dabei sein. Woody Allen vor Hazanavicius.
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Bester Animationsfilm
A Cat in Paris
Chico & Rita
Kung Fu Panda 2
Puss in Boots
Rango  

Kein Adventures of Tintin. Sehr schade. Zwei unbekannte und drei relativ große Produktionen. Ich hab meinen Favoriten.

Academy: Ohne Tintin ist das nicht einfach. Kung Fu Panda 2 oder Rango.
Kung Fu Panda 2 technisch aller erste Sahne, Rango speziell und einzigartig. Da ich die anderen aber nicht gesehen habe, möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Bomme: Rango
Ich liebe Rango. Ich hätte The Adventures of Tintin gesagt, so wird es eben Rango. Ein ganz besonderer und positiv-eigenartiger Film. Nebenbei eine Empfehlung meinerseits.
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Freunde, das sind die neun Kategorie. Du lieber Gott, das ist nicht wenig. Seid nachsichtig in Sachen Rechtschreibfehler. Und Verlinkungen habe ich mir dieses Mal größtenteils auch gespart.

Kurz noch ein paar Anmerkungen:
  • Spielberg's War Horse wird irgendetwas mitnehmen. Kamera, Szenenbild, Ton, Beste Filmmusik (John Williams again, auch für The Adventures of Tintin nominiert). Der Film hätte es meiner Meinung nach zumindest verdient.
  • Gleiches gilt für Moneyball. Er muss etwas gewinnen. Schwer unterschätzt. Ich würde mich sehr freuen.
  • Bin immer noch sauer, dass Drive nicht wirklich berücksichtigt wurde. Eine Nominierung für bester Tonschnitt. Lächerlich. Zum wiederholten Mal: Dumme Academy. Das Gleiche gilt für Michael Fassbender und Shame. Manche Entscheidungen kann man einfach nicht nachvollziehen.
  • Ehrenoscar für James Earl Jones. Die Stimme von Darth Vader und Mufasa aus The Lion King. Ein großer Mann. Gute Wahl.

Das war's. Genug geschrieben. Wirklich jetzt. Diesen Sonntag, am 26. Februar, findet die 84. Verleihung der Oscars in Los Angeles statt. Verfolgen kann man das ganze im deutschen Fernsehen auf ProSieben, präsentiert von Wannemarie Arnkross. Steven Gätjen ist auch dabei. Yay. Nicht. Egal, sucht euch einen Stream im Netz, von denen wird es genügend geben.

Nach den Oscars folgt von mir dann der dritte und abschließende Artikel zur Thematik, die Verleihung selbst, ihre Gewinner und Verlierer. Das wird sicherlich auch wieder sehr umfangreich. Bis dahin.

Hier nochmal das wirklich gelungene Opening vom letzten Jahr. Das funktioniert bei den Oscars immer wieder. Und der Vollständigkeit halber der ausführliche Wikipedia-Artikel zu den Oscars.



Dienstag, 21. Februar 2012

Extremely Loud And Incredibly Close


Extremely Loud And Incredibly Close 
(Extrem laut und unglaublich nah)

Von den neun Oscar-Nominierten in der Kategorie Bester Film der von der Kritik mit Abstand am schlechtesten bewertete Film. Und da gehe ich ohne großes Vorwort mit konform. Es ist mir schleierhaft, dass weit bessere und vor allem weit besser gemachte Filme wie Drive oder Shame links liegen gelassen werden, dafür aber ein Film wie Extremly Loud (ich bleibe bei diesem Kürzel, sonst schreibe ich mich noch wund) mit als bester Film nominiert wird. Eine typische Academy-Geschichte? Eine weitere tragische 9/11-Aufarbeitung? Der obligatorische Sandra Bullock-Film? Extremely Loud And Incredibly Close hat mich gelangweilt und kalt gelassen. Aber trotzdem ein paar Worte dazu.

Zur Geschichte. Extremely Loud And Incredibly Close handelt von dem kleinen Oskar Schell (Thomas Horn), dessen Vater (Tom Hanks) am 11. September 2001 bei dem Anschlag auf das World Trade Center umkam. Ein schwerer Schlag für Oskar, denn für ihn gab es auf der Welt niemanden, der ihn so gut verstand wie sein Vater. Dieser hatte immer wieder kleine Rätsel für den aufgeweckten Jungen. Doch muss Oskar nun damit zurechtkommen, dass sein Vater nicht mehr da ist. Oskar findet jedoch bald im Schrank seines Vaters einen Schlüssel. Wofür ist er gemacht? In welches Schloss passt er? Für Oskar beginnt eine Odyssee quer durch New York, auf der die verschiedensten Menschen trifft und versucht, das wohlmöglich letzte Rätsel seines Vaters zu lösen.

So richtig Lust hatte ich nicht wirklich auf diesen Film. Aber gut, ich wollte ja nicht zu früh urteilen. Und doch wurden meine Erwartungen bestätigt. Extremely Loud ist schwach. Es ist nicht zu übersehen, dass Regisseur Stephen Daldry (immerhin Der Vorleser und Billy Elliot) eine emotionale und berührende Geschichte erzählen zu versucht, doch wirkt Extremely Loud teilweise arg belanglos. Ich bin nun kein emotionaler Eisklotz, doch konnte ich von diesem Film gar nichts mitnehmen. Ich war weder mitgenommen noch stark berührt. Vielleicht liegt es an der ausgelutschten Thematik rund um 9/11. Ich möchte nicht abstreiten, dass dies eine grauenhafte Sache gewesen ist, insbesondere für Amerika, doch packt es einen nicht. Selbst viele amerikanische Kritiker finden Extremely Loud zu platt und pathetisch.

Man folgt Oskar auf seinen Irrwegen, doch kümmert man sich nicht wirklich um ihn. Extremely Loud will oft viel zu schön und ergreifend sein, doch scheitert an stereotypischen Einstellung und billigen plot devices. Zwar ist die Idee, Oskar mit den unterschiedlichsten Menschen New Yorks interagieren zu lassen recht originell, doch reicht das in meinen Augen nicht aus. Von diesen Interaktionen bekommt man bis auf in ein oder zwei Fällen wenig mit. Hier hat man es sich sehr einfach gemacht. Thomas Horn macht sich als Oskar Schell eigentlich recht gut, doch nervt seine Figur. Tut mir leid, ich kann mit dem jungen, leicht autistischen Protagonisten nicht sympathisieren, auch wenn Horn es gut spielt. Tom Hanks hingegen macht da einen angenehmeren Eindruck, doch hält sich seine Screentime verständlicherweise in Grenzen. Sandra Bullock spielt die trauernde Mutter mit Problemen, ihr eigenes Kind zu erreichen, für meinen Geschmack ist das jedoch viel zu flach. Da hilft auch kein pseudo-emotionales Ende der Geschichte. Max von Sydow wurde für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert, was ein wenig nachvollziehbar ist. Zum einen ist er ein cooler Typ, das steht fest. Zum anderen bringt er zumindest mit seiner Figur etwas Charme in die Geschichte.

Insgesamt bekommt man ein geläufiges Drama zu sehen, dass einen nicht unbedingt von den Socken haut. Im letzten Viertel gefällt Extremely Loud einigermaßen, weil endlich mal was passiert und die Geschichte eine kleine Wendung nimmt. Doch verspielt man sogleich wieder die Möglichkeit, den Film clever enden zu lassen und drückt stattdessen nochmal auf die Tränendrüse. Ohne Erfolg. Das Ende ist für meine Geschmack zu kitschig und ideenlos. Extremely Loud And Incredibly Close kann ich nicht wirklich empfehlen, weil er einem nichts gibt. Das mag hart klingen und manch einer wird das sicherlich anders sehen. Aber das hatten wir alles schon mal in irgendeiner Form, es wirkt so bedeutungsschwanger und möchtegern-tiefsinnig, speziell die letzten zehn Minuten. Kein wirkliches must-have-seen. Eher die erwartete Enttäuschung.

Montag, 20. Februar 2012

War Horse


War Horse (Gefährten)

Wir begeben uns langsam auf die Zielgerade Richtung Oscarverleihung 2012. Noch eine Woche, dann ist es soweit, der 26. Februar ist bei vielen Filmfreunden dick im Kalender eingetragen. Bis jetzt habe ich die neun Kandidaten, welche für die Kategorie Bester Film nominiert sind, so gut wie es eben ging abgearbeitet. Drei sind noch übrig, Steven Spielberg's War Horse, Extremely Loud & Incredibly Close und Scorsese's Hugo Cabret. Vorgestern habe ich mir War Horse (basiert übrigens auf einem Theaterstück) angesehen und war angetan. Meine Erwartungen waren nicht allzu hoch, da man viel über leidenschaftlichen Schmalz und pathetischen 0815-Filmstoff lesen konnte. Andererseits gab es aber auch viel Lob für Regisseur Spielberg. Ich schließe mich den lobenden Worten an, War Horse ist gut, wenn nicht sogar sehr gut. Trotz Pathos. Denn ohne geht es nun mal nicht in diesem Film.

Kurz zum Inhalt. Im Mittelpunkt von War Horse bzw. Gefährten steht kein Mensch, sondern ein Tier. Genauer, ein Pferd (der englische Originaltitel macht es irgendwie deutlich...). Der einzigartige Gaul trägt den Namen Joey und muss in etwas mehr als zwei Stunden Laufzeit eine ganze Menge durchmachen. Man sieht, wie der herzensgute aber leicht naive Albert (Jeremy Irvine) das Pferd erzieht, trainiert und gemeinsam erste Grenzen überwindet. Doch hält der Erste Weltkrieg Einzug, Albert's Vater verkauft Joey und so wird das stattliche Ross zum Kavalleriepferd. Doch die Geschichte hat noch lange kein Ende, Joey wechselt infolgedessen immer wieder den Besitzer, ob flüchtige, desertierende deutsche Soldaten oder ein kleines französisches Mädchen samt Großvater. Selbst zwischen Schützengräben verirrt sich der ausdauernde Gaul gezwungenermaßen. Sein einstiger Besitzer Albert hingegen hat sich geschworen, eines Tages wieder mit Joey vereint zu sein und meldet sich deshalb freiwillig für den Krieg. Ob Mensch und Tier wieder zusammenfinden? Wer weiß...

Die Geschichte zu War Horse liest sich wirklich arg gefühlsduselig, das kann ich schwer bestreiten. Der Trailer suggerierte von Beginn an eine Geschichte emotionaler Aufs und Abs , für Mensch wie für Tier. Schnell wurden zahlreiche Unkenrufe laut, wie manipulativ und schmalzig doch War Horse sei. Doch was für Erwartungen hat man denn? Das Thema des Films ist offensichtlich, Aussagen in diese Richtung ergeben für meinen Geschmack wenig Sinn. Spielberg schaffte bewusst eine Geschichte, die berühren soll, ob es gelingt sei dahingestellt. Teilweise hatte auch ich meine Probleme damit, doch gibt es in meinen Augen viele positive Aspekte, welche diesen Kritikpunkt überspielen.

Zum Beispiel die Perspektive. Im Mittelpunkt steht wie bereits gesagt ein Pferd. Wir sehen was das Pferd sieht, der Zuschauer begleitet das Tier auf seinen strapaziösen Weg quer durch den Ersten Weltkrieg. Dabei wird eine tiefe Zuneigung für den tierischen Protagonisten aufgebaut, welche man selten so erlebt hat. Wer hat denn jemals ein Pferd so gekonnt in Szene gesetzt? Von Fury mal abgesehen... Zusätzlich stimmt in War Horse von der technischen Seite her sehr viel. Spielberg ist nun mal ein Gütesiegel-Regisseur, und zusammen mit seinem langjährigen Kameramann Janusz Kaminski lässt Spielberg War Horse richtig gut aussehen. Die Kameraarbeit, -fahrten und -einstellungen sind hervorragend und voller Energie, die Beleuchtung stimmt von vorne bis hinten. Was sich nun etwas absonderlich liest, lässt sich aber leider nicht anders ausdrücken: Spielberg kann Krieg. Das hat er in Saving Private Ryan bewiesen und tut es in beeindruckender sowie nachhaltiger Weise auch in War Horse. Und dann wäre da noch ein John Williams, einer der größten Komponisten Hollywood's, verantwortlich für die denkwürdige musikalische Untermalung in Star Wars, Indiana Jones etc., welcher auch in War Horse einen epochalen Score abliefert. Summa summarum, War Horse ist wirklich richtig gut gemacht.

Die menschlichen Darsteller werden zwar von ihrem tierischen Pendant in den Hintergrund gedrängt, doch füllen sie ihre Art Nebenrollen (den jungen Engländer Jeremy Irvine in der Rolle des Albert als menschliche Hauptfigur ausgeschlossen) sehr gut aus. Es gibt eine Vielzahl an facettenreichen Charakteren, die einen sympathisch, die anderen eher weniger. Die Besetzung an sich ist stark, Spielberg hat sich viele bekannte Leute mit ins Boot geholt, ob schon ein großer Star (Tom Hiddleston, Benedict Cumberbatch), altehrwürdige englische Theater-Schauspiel-Elite (David Thewlis, Liam Cunningham) oder viel versprechende Talente (Jeremy Irvine, David Kross).

Am Ende sollte man bestenfalls die Botschaft verstehen, welche einen Spielberg übermitteln wollte bzw. möchte. Als sich das arme Pferd auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs im Stacheldraht verfängt und ein englischer als auch ein deutscher Soldat es gemeinsam befreien, wird es zwar wieder gefühlsvoll, unfreiwillig komisch, aber auch deutlich, worauf der Altmeister es abgesehen hatte. Zu so einer Geschichte gehört ein Happy End und man bekommt eines, dass rührseliger und klischeehafter nicht sein könnte. Dennoch, ich bleib dabei, ich habe schon schnulzigere Sachen im Kino gesehen. Wer in der Lage ist, über ein paar ausladend theatralische Momente hinüberwegzusehen, sich mit einer einfachen und abwechslungsreichen Geschichte anfreunden kann und sich von der exzellenten Machart von War Horse überzeugen lassen möchte, der sollte es wagen. Man darf nicht zu viel erwarten, dass hat mir in der Wahrnehmung des Films sehr geholfen. Denn dann kann vielleicht mit einem wirklich mehr als positiven Gefühl das Kino verlassen. Und ich verspreche euch, in einer Szene bleibt selbst dem größten Nörgler die Spucke weg. Versprochen.


Mittwoch, 8. Februar 2012

The Muppets / Hotel Lux


The Muppets

Die Muppets sind Kult. Gut, das ist glaube ich allgemein bekannt. Eigentlich bin ich zu jung für die Muppets, die Muppet Show lief von 1976 bis 1981, ich selbst wurde erst 1991 geboren. Dennoch, dank gut-elterliche Sozialisation wurde auch ich in jungen Jahren zu einem großen Muppet-Fan, insbesondere was die zahlreichen Muppet-Filme anging bzw. nachwievor angeht. Und ich wollte dann natürlich auch unbedingt den neuen Muppet-Film sehen. Was habe ich gelacht. Ich kann mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal so viel Spaß im Kino hatte. The Muppets ist Feel Good-Entertainment pur.

Kurz zur übersichtlichen Story: Die Muppets sind schon lange aus dem Geschäft, nur noch wenige Fans halten ihnen die Treue. Einer davon ist Walter (Mensch oder Muppet?), der mit seinem Bruder Gary (Jason Segel) im kleinen Städtchen Smalltown wohnt. Walter ist wohl der größte Muppet-Fan auf Erden und als er erfährt, dass das alte Muppet Theater von einen bösartigen Öl-Mogul abgerissen werden soll, setzt er mit Hilfe seines Bruders und dessen Freundin Mary (Amy Adams) alles daran, dies zu verhindern. Dafür mussen die Muppets wieder vereint werden, Frosch Kermit an der Spitze, und in bester Blues Brothers-"Wir bringen die Band wieder zusammen!"-Manier rottet sich der illustre Haufen erneut zusammen, um dann die Show des Jahrtausends auf die eingestaubte Bühne des Muppet Theaters in Los Angeles zu bringen...

Man kommt sich vor wie in einem seltsamen Musical mit vielen bunten, fedrigen, wuscheligen Gestalten, Gesangs- und Tanzeinlagen gehören einfach zum Programm von The Muppets. Dabei wirkt es oft sehr kindgerecht, doch stört dies überhaupt nicht, denn auch Ältere werden mit diesem Film ihre Freude haben. The Muppets nimmt sich minütlich selbst auf die Schippe, ob mit abstrusen Songtexten oder popkulturellen Anspielungen. Die Gags sind klassisch-muppetiös, ob Kermit, Fozzie Bear, Miss Piggy oder der abgedrehte Gonzo, hier fühlt man sich wohl und bestens unterhalten. Die Macher, zu denen auch der hochengagierte Jason Segel (Mit-Drehbuchautor) zählt, welcher weit mehr als sein gesamtes Herzblut in dieses Projekt gesteckt hat, greifen zusätzlich auf zahlreiche Klischees von altbekannten Reunion-Streifen (z.B. mit stereotypischen Filmmontagen) zurück. Die Leichtigkeit wurde bewahrt, auch wenn man das Projekt sehr ernst genommen hat.

Wie so oft gibt es massig Cameo-Auftritte von bekannten TV- und Filmstars, einige sorgen für große Lacher, deswegen möchte ich hier nicht zu viel verraten. Am Ende bekommt man dann die große Show zu sehen, welche die Muppets zurück ins Geschäft bringen soll. Auch hier werden noch einmal sämtliche Register gezogen. Ich war sehr begeistert von The Muppets, weil es mich für etwas mehr als 90 Minuten erneut Kind hat sein lassen, ich habe mich köstlich amüsiert und war ein wenig traurig, als der Film zu Ende war. Ich wollte einfach mehr davon sehen. Bestimmt werden einige eingefleischte Fans meckern und unzufrieden sein. Doch der Großteil der Kritiken lügt nicht. The Muppets ist wirklich sehenswert und verspricht ein herrlich-kömisches Kinoerlebnis, in welchem der alte Charme der Muppets bewahrt wird.




Ich hab's in der deutschen Synchro gesehen, bin mir aber ziemlich sicher, dass die englischsprachige Originalfassung noch ein wenig besser rüberkommt. Smørrebrød!


Hotel Lux

Mit deutschen Kino tue ich mich persönlich etwas schwer, doch war ich interessiert zu wissen, was sich hinter Michael "Bully" Herbig's neuesten Film verbergen würde. Wieder einmal tritt der geborene Komödiant als Hauptdarsteller auf, diesmal aber in einem etwas ernsteren Film, der als Tragikomödie durchgeht. Ein interessantes Setting, ein paar namenhafte Darsteller, ein Versuch ist es wert. Und ich war doch recht angetan von Hotel Lux. Für meinen Geschmack funktioniert der Film, jedoch gibt es auch den ein oder anderen Schönheitsfehler zu bemängeln.

Anfang der 1930er Jahre. Hans Zeisig (Michael Herbig) ist Komiker und tritt mit Kollege Siggi Meyer (Jürgen Vogel) im Varieté Valetti als Parodist auf, vorzugsweise in der Rolle des Josef Stalins, Müller übernimmt den Adolf Hitler. Doch bald kommen die Nationalsozialisten an die Macht, Hitler zu parodieren ist auf einmal gar nicht mehr so lustig, Meyer flieht ins Ausland, doch Zeisig glaubt weiter naiv an den großen Traum von Hollywood. Aber auch er muss dann die Flucht ergreifen, und das am besten auf dem schnellsten Weg nach Amerika. Nicht ganz, Zeisig landet in Moskau, besser gesagt im Hotel Lux, Unterkunft für zahlreiche politisch Verfolgte aus ganz Europa, welche im Herzen des Kommunismus Unterschlupf gefunden haben. Zeisig, von grundauf unpolitisch, bekommt hier sofort seine Probleme, wird zu alledem noch mit Hitler's geflohenen Leibastrologen verwechselt und schwingt sich gar zum persönlichen Berater Stalins auf. Logisch, dass das nicht lange gut gehen kann.

Mit Witz und Humor etwas Leben in diese spezielle Thematik zu bringen kann sich als schwierig erweisen, doch gelingt es Regisseur Leander Haußmann für meinen Geschmack. Hotel Lux ist nicht der Meilenstein der deutschen Filmgeschichte und wurde von der deutschen Kritik überwiegend verrissen, doch gefiel mir die Einfachheit des Films. Viel zu oft fängt Haußmann ein Thema an und bringt es nicht zu Ende, viele Situationen wirken arg schwarz-weiß, aber gerade das machte Hotel Lux für mich unterhaltsam. Vermutlich, oder mit ziemlicher Sicherheit, hatte Leander Haußmann aber ein anderes Anspruchsdenken, doch mir gefiel der unkomplizierte, ab und an zwar fehlerhafte, aber kurzweilige Aufbau gut.

Bully Herbig zeigt wiederum, dass er nicht nur der Gute-Laune-Kasper vom Dienst, sondern auch etwas anspruchsvoller sein kann. Sein Auftritt gefiel mir gut, ka­ri­ka­tu­resk und sympathisch unbeholfen. Zwar kommt man nie wirklich ins große Lachen und einige Witze wirken recht platt, jedoch fühlt man sich unterhalten. DDR-Nostalgiker kommen ebenso auf ihre Kosten, wenn sich Ulbricht, Pieck und Wehner im Hotel Lux tummeln oder bezeichnende Abstimmungen im proletaristischen Sinn abgehalten werden. Die letzten 15 Minuten kommt dann dank einer grotesken Verwechslung nochmal ein wenig Fahrt in die Geschichte. Hotel Lux ist kein Meisterwerk und krankt leider daran, dass man einfach zu viele (gute) Ideen gesammelt hat und dann all diese gleich gut umzusetzen zu versuchte. Leichte Kost für einen ruhigen Filmabend, ein Schmunzeln wird man sich trotz kleineren Logikfehlern nicht verkneifen können. Und Bully ist doch ein ganz netter Kerl.



Sonntag, 5. Februar 2012

The Artist / The Descendants

Da die letzte Woche Klausurvorbereitungen auf dem Plan standen, könnte ich nicht sofort ein paar Worte zu diesen beiden großen Oscar-Favoriten loswerden. Da der Großteil der Prüfungen jetzt aber geschafft ist, habe ich wieder die Zeit und Muße dazu. Bitteschön.

The Artist

Der große Oscar-Kandidat 2012. Mit Fug und Recht möchte ich behaupten. Selten hat man so viel Mut bewiesen, einen Stummfilm in Zeiten von 3D-Technologie und Bombast-Kino auf die Leinwand zu bringen. The Artist ist eine tiefe Verbeugung vor dem Film und seinen Ursprüngen selbst. Der geneigte Kinoliebhaber sollte diesen Film definitiv gesehen haben.

Kurz zum Inhalt. Wir bekommen den elegant-charmanten George Valentin (Jean Dujardin) zu sehen, die Stummfilm-Ikone schlechthin in den 20er Jahren Amerikas. Der geborene Entertainer, ein Meister seines Fachs, doch wohl auch etwas egozentrisch. Dieser George Valentin hat eigentlich alles, was man sich wünschen könnte und lernt dazu auch noch die bildhübsche Peppy Miller (Bérénice Bejo) kennen, welche jedoch, ohne dass es einer von den beiden ahnt, seine Karriere beenden wird. Denn der Stummfilm ist am Aussterben, der Ton erobert die Kinosäle. Das kommt Peppy Miller zu Gute, sie wird der neue Stern am Tonfilm-Himmel. George Valentin winkt nur ab, der Stummfilm ist die treibende Kraft, Filme mit Ton, wer braucht das schon? Doch er täuscht sich. Niemand interessiert sich mehr für den Stummfilm, Valentin versinkt in Vergessenheit, muss sein letztes Hemd hergeben und verfällt dem Alkohol...

Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Freude einem The Artist macht. Meine Generation kam ja nie wirklich mit dem Medium Stummfilm in Kontakt, vielleicht hat man mal Charles Chaplin's Modern Times oder Laurel und Hardy auf arte gesehen. Doch dieses Gefühl einer neuen Technologie, die ersten bewegte Bilder, das konnte einer wie ich nie selbst erfahren. Umso schöner, dass Regisseur und Drehbuchautor Michel Hazanavicius sich diesem Thema angenommen hat und uns eine Welt zeigt, die schon lange vergangen und vielleicht sogar vergessen ist.

Konzentriert verfolgt man das Geschehen auf der Leinwand, exzellente Musikstücke begleiten dabei jene Schwarz-Weiß-Aufnahmen, welche einen ins Staunen versetzen. Der Film gewinnt unglaublich an Intensität, aufmerksam folgt man der Handlung, kein Detail möchte man übersehen, wo man sich sonst notfalls noch auf seine Ohren verlassen kann, wenn es um relevante Dialoge geht, das müssen jetzt die Augen durch reine Beobachtung übernehmen. Es gibt Aufnahmen und Szenenbilder, welche ein wenig klischeehaft wirken, was keinesfalls negativ zu verstehen ist, denn Hazanavicius und Co. geben ganz bewusst diesen speziellen Einblick in diese besondere Zeit des Filmemachens. Besonders schön gefällt mir die Prämisse, dass wir einen Stummfilm zu sehen bekommen, der zeigt, wie Stummfilme produziert und wahrgenommen wurden. Und selbst dann, als der Tonfilm bekannt und beliebt wird, bleibt The Artist trotzdem stumm und verzichtet auch weiterhin auf die Stimmen seiner Darsteller. Bis zum Ende zumindest, als wirklich gekonnt noch einmal diese Thematik aufgegriffen wird.

Wo wir schon bei den Darstellern sind. Großes Kompliment an jeden in diesem Film, ich stelle es mir nicht einfach vor, derartige Schauspielleistungen abzuliefern, welche nur auf Gestik und Mimik fußen. Jean Dujardin wurde bereits der Golden Globe verliehen und der Franzose hat ihn sich auch allemal verdient. Der heimliche Star ist jedoch ein kleiner Hund namens Uggie, welcher als stetiger Begleiter Valentin's zu sehen ist. Dieser Vierbeiner macht großen Spaß und zaubert einen ein Lächeln auf die Lippen.

The Artist ist ein außergewöhnlicher Film, der wunderbar an alte Zeiten erinnert und eindrucksvoll zeigt, welche Bedeutung der Film hatte und teilweise immer noch hat, auch wenn jährlich unzählige herzlose 0815-Blockbuster den Markt überschwemmen. The Artist lässt den Zuschauer schwelgen und genießen, das ist Kino für die Seele. Ich hätte mir vielleicht ein etwas tragischeres Ende gewünscht, doch spricht hier meine persönliche Präferenz. The Artist endet so, wie so viele Filme seiner Art: Mit einem Happy End. Denn das brauchten die Menschen in den 20er und 30er Jahren. Gebeutelt von der Finanzkrise und arg mitgenommen, konnte man sich immerhin noch auf eine Sache freuen: Das Kino. Und Filme wie es The Artist einer ist. 




The Descendants

Auch The Descendants gehört zum Kreis der heißen Oscar-Favoriten und vor allem George Clooney darf sich berechtigte Hoffnungen machen. Wie Jean Dujardin bekam auch er dieses Jahr einen Golden Globe als bester Hauptdarsteller, hier im Bereich Drama. Und ja, Clooney trägt The Descendants. Doch nicht alleine. Hier stimmt das Gesamtpaket und so bekommt man ein hervorragendes Familiendrama mit reichlich Tiefe zu sehen.

Beim Inhalt bediene ich mich beim Trailer (siehe unten): Matt King (George Clooney) hat es nicht leicht. Doch das geht vielen so, selbst im Urlaubsparadies Hawaii. Wie Hawaii? Da ist doch alles schön und da gibt's doch rund um die Uhr nur Cocktails zu schlürfen oder? Weit gefehlt, Hawaii, besser gesagt dessen Bewohner haben wie viele andere auch kleine bis mittelgroße Probleme zu bewältigen. Und einer dieser Bewohner ist eben Matt, der mit ansehen muss, wie seine Frau (Patracia Hastie), nach einem Motorbootunfall im Koma, langsam vor sich hinstirbt. Hinzukommt allerlei bürokratischer Stress für den Anwalt, welcher ein gigantisches Familiengrundstück demnächst im Sinne seiner Sippschaft für einen guten Preis verkaufen muss. Und natürlich machen ihm auch seine Kinder zu schaffen. Für diese hatte er nämlich nie wirklich Zeit und muss sich nun nach dem Unfall seiner Frau umso mehr um seine beiden Töchter Scottie (Amara Miller) und Alexandra (Shailene Woodley) kümmern. Wäre dies alles nicht genug, erfährt Matt auch noch, dass seine Frau ein Verhältnis mit einem anderem Mann hatte. Life's hard...

Dramen solcher Art findet man alle Jahre immer wieder, auf den ersten Blick erwartet man nichts Besonderes und eher Altbekanntes. Was The Descendants jedoch von dem Gros solcher Filme abhebt, ist die Nähe zur Realität. Regisseur Alexander Payne (Sideways) gelingt es unheimlich gut, ein lebensechtes Setting mitsamt passenden Charakteren zu schaffen. The Descendants fühlt sich nicht gespielt an, viele Aufnahmen wirken recht beiläufig und ohne Intention, eher so, als wenn man die Charaktere auf ihren Wegen einfach begleitet. Zusätzlich wird mit der Kulisse Hawaiis ein wunderschönes Szenenbild mit tollen Einstellungen aufgebaut, typisch volkstümliche hawaiianische Klänge dudeln melancholisch, aber oft auch sehr stimmungsvoll im Hintergrund, optisch und akustisch macht The Descendants wirklich was her.

Kommen wir zum entscheidenden Kriterium eines Dramas, die Charaktere und so auch ihre Darsteller. Hier greift erneut die Prämisse so lebensnah wie möglich. Clooney überzeugt vollends als überforderter Familienvater, der sich nicht nur auf die Suche nach Antworten auf seine vielen Fragen begibt, sondern auch auf eine Reise, die ihm zeigt, was wirklich wichtig ist. Dabei deckt Clooney sämtliche Facetten seines Charakters ab, doch bleibt vor allem sein großartiges Gespür für Understatement und Subtilität sowie seine Eigenart eines beherzten Sprints im Gedächtnis. An seiner Seite brillieren Shailene Woodley und Amara Miller, die beiden Töchter im Film. Insbesondere Woodley zeigt ihr ganzes Schauspielrepertoire. Ihre Rolle umfasst die Charakterzüge einer dickköpfigen, zickigen Heranwachsenden, doch spielt sie diese im keinsten Sinne klischeehaft, im Gegenteil, sie verleiht ihre Figur sehr viel Tiefe. Für ein paar komische Momente ist dann Nick Krause (Sid) verantwortlich, welcher einen Freund von Woodley's Alexandra spielt und die Familie King begleitet. Auch dieser Charakter bereichert den Film ungemein.

Der größte Schwachpunkt in The Descendants und ein möglicher Grund, warum sich einige nicht sehr angesprochen fühlen könnten, ist wohl, dass dieser Film in vielen Momenten nur dahinplätschert. Für ein Drama ist das Pacing in meinen Augen ausgezeichnet, vielen wird es jedoch stellenweise zu langatmig und ausladend erscheinen.

Wenn man sich jedoch die Zeit nimmt, dann kann einen The Descendants sehr berühren. Viele Aufnahmen wirken einfach und unkompliziert, doch sagen sie auch jedes mal eine ganze Menge aus. Hier muss oft zwischen den Zeilen gelesen werden, wovon man sich nicht abschrecken lassen sollte, da es sich wiederum lohnt. Beeindruckt hat mich das Bild von Hawaii, nicht nur optisch, sondern auch die Menschen, welche Alexander Payne uns zeigt. Vieles wirkt wie eine Maskerade, aber jeder hat seinen Kummer und eine Last, die er mit sich rumträgt, selbst der dümmlich-grinsende Sid. The Descendants ist ein schöner, sehr gut geschriebener Film, aus dem man viel mitnehmen kann und welchen man sich auf jeden Fall anschauen kann, vielleicht sogar sollte.



Samstag, 28. Januar 2012

J. Edgar / Ziemlich beste Freunde


J. Edgar

Fangen wir mit Clint Eastwood's neuesten Streifen an, ein autobiographischer Film über einen, ich zitiere, "der umstrittesten Männer in der amerikanischen Geschichte", J. Edgar Hoover. Eastwood hat sich in den letzten Jahren auch als Regisseur sehr gemacht und feierte unteranderem mit Million Dollar Baby, Gran Torino oder Letters from Iwo Jima große Erfolge, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Deswegen horcht man auch automatisch auf, wenn Eastwood seine nächsten Filmprojekte ankündigt. Ähnlich wie bei J. Edgar. Ein Film über den Gründer und langjährigen Direktor des FBIs, eine mächtige Persönlichkeit, der gegen alles und jeden was in seinem Aktenschrank hatte und so manch dunkles Geheimnis zu verbergen wusste. Und Clint Eastwood schafft es auch, vor allem dank einer sehr guten Schauspielleistung seines Hauptdarstellers Leonardo DiCaprio, uns etwas über J. Edgar Hoover zu vermitteln. Dennoch, es packt einen nicht, man wird nicht mitgerissen, irgendwie wirkt J. Edgar trotz ansehnlicher Hülle recht leer.

Kurz zusammengefasst, es ist nun mal ein Bio-Pic, dass den jungen J. Edgar Hoover (Leonardo DiCaprio) dabei zeigt, wie er sich langsam aber beharrlich nach oben arbeitet. Als kleiner Drehstuhlsheriff angefangen, darf er bald eine der größten Ermittlungsbehörden der USA, das FBI, aufbauen und steigt infolgedessen auch zu dessen Oberhaupt auf. Auf diesem Wege werden einzelne bedeutungsvolle Etappen im Leben das J. Edgar Hoover aufgegriffen. Die Begegnung mit seiner loyalen Sekretärin Helen Gandy (Naomi Watts) oder seinem jahrelangen Begleiter / Berater Clyde Tolson (Armie Hammer), die gezielte Vefolgung von Kommunisten, denkwürdige Festnahmen, der Lindbergh-Fall rund um die Entführung dessen Sohnes oder der für J. Edgar substanzielle Verlust seiner herrischen Mutter (Judi Dench), welche er über alles liebte. Nebenbei beleuchtet Eastwood auch die wohl am meisten diskustierte Facette des, für die einen Nationalhelden, für die anderen paranoiden Kontroll-Freak, und zwar die der Homosexualität. Etliche Experten und Fachgelehrte diskutieren seit Jahren über dieses pikante Thema, Hoover's Beziehung zu seinem engsten Vertrauten Clyde Tolson scheint mehr als nur platonisch gewesen zu sein, Eastwood machte sich dies zu Nutze.

Leonardo DiCaprio muss man ein Kompliment machen, er spielt das wirklich gut. Hoover's Charakter ist äußerst komplex und verzwickt, DiCaprio versteht es, diese Komplexität und die verrückten Macken seiner Rolle authentisch und nachhaltig zu übermitteln. Vielleicht wollte er gar ein klein wenig zu viel, teilweise grenzte es an Overacting, doch gab auch gerade das der Figur des J. Edgar Hoover seine Strahlkraft. Interessant ist das Thema an sich schon, es wird ein tiefer Einblick in diverse Teile der amerikanischen Geschichte gegeben, die Ausstattung und die Szenenbilder können sich wahrlich sehen lassen, die Maskenbildner und Make-Up-Artisten haben hier sehr präzise und sehenswerte Arbeit geleistet.

Trotz guten Hauptdarsteller und interessanter Thematik, es bleibt blutleer. Der Europäer, oder sagen wir besser Nicht-Amerikaner, wird stellenweise Probleme hinsichtlich des geschichtlichen Hintergrundes bekommen, Erklärungen zu bestimmten Sachverhalten oder Persönlichkeiten gibt es kaum bis gar nicht. Desweiteren wirkt J. Edgar oft arg sprunghaft, was nicht nur daran liegt, dass ein älterer J. Edgar Hoover von den Erlebnissen seiner Arbeit beim FBI berichtet, sondern auch daran, dass die Zeitsprünge bei diesen Erzählung oft recht groß bzw. unübersichtlich sind. Zu guter Letzt bekommt die bereits angesprochenene mögliche homosexuelle Beziehung zwischen Hoover und Tolson ihr Fett weg. Es ist durchaus interessant, wenn einer derartig verkrampften und sturen Person wie J. Edgar Hoover homoerotische Züge mit seinem Angestellten nachgesagt werden, doch wirkt dieses Thema in J. Edgar viel zu aufdringlich. Das hätte man subtiler und eleganter lösen können. Vielleicht war es ja in Wirklichkeit genau so, wie im Film darstellt und Eastwood wollte provozieren, doch war mir diese Indiskretion phasenweise einfach zu viel und zu übertrieben.

Insgesamt kein schlechter Film. DiCaprio liefert eine starke schauspielerische Leistung ab und Regisseur Clint Eastwood schafft ein interessantes Setting mit interessanten Menschen und Begebenheiten. Der spezielle und viel diskutierte Charakter eines J. Edgar Hoovers trägt den Film größtenteils und trotzdem fühlt man sich am Ende nicht wirklich zufriedengestellt, frei nach dem Motto "War's das jetzt?" Für Interessierte und Geschichtsfreunde definitiv ein Blick wert, der Rest kommt ins große Gähnen. Ich hatte etwas mehr erwartet.





Ziemlich beste Freunde

Was lässt sich zur Erfolgskomödie aus Frankreich noch sagen? Seit Wochen hört man immer wieder, dass man sich unbedingt Ziemlich beste Freunde ansehen sollte, der Film sei so lustig und unterhaltsam und schön. Mit den wohl besten Zahlen in Sachen Kinobesucher in Frankreich, konnte sich Intouchables, so der Originaltitel, auch hier in Deutschland lang in den Kinocharts halten bzw. ist dort nachwievor vertreten. Auch ich fand ihn sehr kurzweilig und komisch, doch schließe ich mich nicht ganz sämtlichen Lobeshymnen an. Dafür war er mir dann doch zu schlicht als auch vorhersehbar.

Der schwerreiche Philippe (François Cluzet) sitzt seit einem Paragliding-Unfall querschnittsgelähmt im Rollstuhl und braucht dementsprechend auch Hilfe, um seinen Alltag zu meistern. Etliche Pfleger haben schon ihr Glück versucht, doch jetzt steht mal jemand ganz anderes auf der Matte: Der unverfrorene Driss (Omar Sy), welcher eigentlich nur einen Stempel für's Arbeitsamt respektive Arbeitlosengeld haben will, wird auf Wunsch Philippes zu dessen neuen Fulltime-Pfleger. Unterschiedliche Welten prallen aufeinander, was anfangs noch recht bizarr erscheint, entwickelt sich zu einer beispielslosen Freundschaft zwischen Philippe und Driss...

Nett. Wirklich nett. Ziemlich beste Freunde ist eine sehr unterhaltsame Komödie, die dank ihrer beiden Hauptdarsteller großen Spaß macht. Es ist eine große Freude, beide miteinander interagieren zu sehen, wie der lebensfrohe Driss den pragmatischen Philippe langsam aber sicher auftaut und Bewegung in dessen schwieriges Leben bringt. Die Dialoge sind gut geschrieben, die direkte Art der Figur des Driss und der sympathische Schauspieler Omar Sy bringen einen immer wieder zum Lachen. Genauso gut und authentisch spielt Cluzet, diese beiden scheint nicht nur im Film eine Freundschaft zu verbinden, sondern auch in der Wirklichkeit. Auffällig und hervorragend ist die Musik in diesem Film, ein bestimmtes Theme wird des Öfteren verwendet und bleibt im Kopf hängen, generell passt einfach jedes einzelne Musikstück wunderbar zu Ziemlich beste Freunde, so auch Driss' Musikgeschmack und der kleine Abstecher in dessen musikalische Welt. Am Ende ist der Film etwas für's Herz, ein schöner Streifen, der, ich wiederhole mich gerne, wirklich nett ist.

Doch gibt es auch ein paar Kleinigkeiten, die mich stören. Ziemlich beste Freunde funktioniert einwandfrei, doch ist er mir zu einfach und absehbar. Man bekommt nichts Neues zu sehen und kann den Ausgang der Geschichte schon nach den ersten 10 Minuten voraussagen. Das ist nicht schlimm, doch für meinen Geschmack ein wenig unbefriedigend. Die Geschichte und ihre Protagonisten sind ebenso recht konventionell und unspektalukär. Insbesondere der Figur des Driss merkt man dies an, Problemtyp mit Migrationshintergrund, zerrüttete Familie, Konfliktpotenzial. So etwas kennt man zu genüge. Doch beruht Ziemlich beste Freunde auch auf wahren Begebenheiten, also möchte ich den Schreiberlinge hier nicht allzu große Schuldzuschreibungen machen.

Alles in allen kann man mit Ziemlich beste Freunde absolut seinen Spaß haben, es gibt unzählige amüsante Situationen (Driss' exklusive Meinung während einer Oper über einen singenden Baum oder sein Versuch, dem guten Philippe seinen Bart zu frisieren zum Beispiel), zwei tolle Hauptcharaktere bzw. Hauptdarsteller und vor allem viel Charme. Da kann man auch mal über die einfache und schon oft da gewesene Story und ihren Ablauf hinüberwegsehen. Ein Film für einen entspannten, angenehmen Abend.



Dienstag, 24. Januar 2012

Drive

Am Donnerstag startet Drive in den deutschen Kinos und ich hatte vorab die Möglichkeit, bereits am Freitag der vergangenen Woche mir diesen Film anzusehen. Mit großen Erwartungen bin ich rangegangen und am Ende konnte ich einen der besten Kinobesuche seit langem verzeichnen.

Wenn man sich ein wenig für Film und Kino interessiert, dann wusste man schon im September (Kinostart in den USA) ode gar im Mai (Erstaufführung in Cannes), dass mit Drive etwas Besonderes auf einen zukommen würde. Das Empire Magazine packte Drive auf Platz 1 seiner Bestenliste des Jahres, die Kritiker waren sich größtenteils einig: Drive ist eine ganz heiße Kiste. Im wahrsten Sinne.

Darum geht's: Der Driver (Ryan Gosling) hat keinen Namen. Er ist einfach nur der Driver. Und das hat natürlich auch einen Grund, denn niemand fährt sein Auto so gut wie der Driver. Er arbeitet in einer Autowerkstatt und nimmt nebenbei gelegentlich Jobangebote als Stuntfahrer beim Film an. Doch es gibt noch eine dritte Einnahmequelle für ihn, er fährt den Fluchtwagen bei Überfällen, Räubereien etc. Was gestohlen oder wer beraubt wird, ist ihm egal, er fährt nur, mehr nicht. Er stellt keine Fragen, ihm werden keine Fragen gestellt, es gibt keine Komplikationen. Doch ändert sich sein Leben, als er und seine Nachbarin (Carey Mulligan) langsam Gefühle für einander entwickeln. Alsbald kehrt dann der Ehemann (Oscar Isaac) der Nachbarin aus dem Gefängnis zurück und bringt neue Probleme mit sich, sodass der Driver ihm helfen muss, um das Leben seiner heimlichen Flamme und deren Kind zu schützen. Doch läuft bei dieser Hilfsaktion, ein Überfall auf einen Pfandleiher, eigentlich alles schief und der Driver befindet sich in einer ungewissen Situation, die für ihn und seine Nachbarin große Gefahren birgt. So muss er mit eigenen Händen wieder einiges gerade rücken...

Drive lässt sich wirklich schwer beschreiben. Der Film spielt von Anfang an mit den Erwartungen des Zuschauers. Manch einer wird sich vorher den Trailer angesehen haben, der ein von der ersten bis zur letzten Minute rasantes Action-Spektakel verspricht, doch dem ist nicht so. Die meisten werden von der ersten halben Stunde des Films enttäuscht sein. Es passiert wenig, es wird kaum gesprochen. Generell, es wirkt alles sehr ruhig und behäbig. Doch wichtig ist hier das Unausgesprochene, das ungesagte Wort. Der Fokus liegt auf den äußeren Einflüssen, Licht, unaufgeregte Kameraaufnahmen, Reaktionen in den Augen der Charaktere. Der gesamte Film möchte als ein Sinnbild, eine totale Metapher, verstanden werden. Und das fand ich persönlich sehr beeindruckend.

Ruhig und beständig wie Drive beginnt, umso deutlicher wird er, als der Driver seinen kühlen, in sich gekehrten Charakter verwirft und Emotionen Herr über ihn und sein Auftreten werden. Es wird arg explizit, schockierend, wie der Driver austeilen kann, zu was er in der Lage ist. Sinnbildlich hierfür steht seine einzigartige Jacke. Nicht nur, weil ein goldener Scorpion auf deren Rücken zu sehen ist, nein, auch weil sie für seine Wandlung steht. Sitzt her hinter dem Steuer eines Fahrzeuges, offenbart er sein wahres Ich, so wird die Jacke zu einem Teil von ihm. Und so wird sie bis zum Ende des Films auch immer blutverschmierter. Was vorher noch sehr rein und gepflegt aussah, ist nun dreckig, verschmutzt, besudelt und befleckt.

Gerade die Deutlichkeit, die Energie in vielen Szenen überrascht den Zuschauer und versetzt ihn in eine Schockstarre. Man sympathisiert mit dem wortkargen Protagonisten. Der Däne Nicolas Winding Refn hat hier in meinen Augen etwas Fantastisches abgeliefert. Der Soundtrack ist einfach wunderbar, wie er seine Darsteller in Szene setzt, wie er Aufnahmen einschränkt, verlangsamt und beleuchtet... Hervorragend. Und es gibt diesen einen Moment, den ein jeder Film für mich haben muss. Diesen Moment, wenn alles stillzustehen scheint, wenn man die Intensität einer Szene spürt, wenn man frei von allen anderen Gedanken ist. Und eben einen solchen Moment gibt es in Drive.

Ryan Gosling liefert eine eindrucksvolle Performance ab, doch merkt man auch, trotz Größen wie Albert Brooks, Ron Perlman oder Bryan Cranston, dass eigentlich nur der Driver zählt, und das, wofür er steht. Wenn wir dann das Schlussbild sehen, konsterniert und sprachlos, wenn wir eine Ausblende erwarten, dann werden wir eines Besseren belehrt. Denn der Driver gehört auf die Straße, hinter dem Steuer seines Fahrzeuges. Fahren, das kann er wie kein anderer.

Eine unbedingte Filmempfehlung von mir, eine must-have-seen des Jahres. Drive kann einem einfach so unglaublich viel geben. Man wird über diesen Film nachdenken, grübeln, diskutieren. Das Filmerlebnis ist meinen Augen komplett, und ich wundere mich, warum dieser Film bei den Golden Globes links liegen gelassen wurde. Wie wird es bei den Oscars (Nominierungen gehen am heutigen Tage raus) aussehen? Bin ich vielleicht zu begeistert, als dass ich die Makel von Drive erkenne? Und warum gibt Quentin Tarantino in seiner Bestenliste von 2011 Drive den Nice Try Award? Vielleicht hat er sich kopiert gefühlt, ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass Drive mich absolut überzeugt hat und dass ich diesen Kinobesuch nicht so schnell vergessen werde.

Anschauen. Ab 26. Januar im Kino.



UPDATE: Keine Oscar-Nominierung für Drive. Mmh.

UPDATE 2: Doch, eine. Für bestes Sound Editing...

Donnerstag, 19. Januar 2012

The Help / Anonymous

Ein guter und ein schlechter Film. Welchen von den beiden sollte man sich wohl im Kino anschauen? Auf jeden Fall nicht Anonymous. The Help schon eher.

The Help

Nachdem The Help bei den Golden Globes (mein Senf zu der Verleihung) in einigen Kategorien nominiert wurde und großer Wahrscheinlichkeit nach auch bei den Oscars eine (in meinen Augen eher kleinere) Rolle spielen wird, hab ich mir diesen äußerst sozialkritischen Film und zugleich Umsetzung des gleichnamigen Romans der Schriftstellerin Kathryn Stockett angesehen. Und ich fand ihn gut.

Kurz zum Inhalt: Wir befinden uns in der 60er Jahren Amerikas, genauer Jackson, Mississippi. Hier arbeiten zigtausend farbige Dienstmädchen für ihre weißen Arbeitgeber, erziehen deren Kinder, kümmern sich um den Haushalt, erfahren für diese Arbeit keine Anerkennung und werden zusätzlich spärlich dafür entlohnt. Den Dienstmädchen wird, trotz ihren mühseligen Aufgaben und Bewältigung dieser, keine große Bedeutung zugewiesen. Doch das möchte eine ändern. Die junge Journalistin Eugenia "Skeeter" Phelan (Emma Watson) möchte ein Buch über diese Mädchen schreiben, zeigen, was sie wirklich durchmachen müssen, wie ihr Leben aussieht und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Dafür brauch sie aber Hilfe. Und die bekommt sie von Aibileen (Viola Davis) und ihrer Freundin Minny (Octavia Spencer), zwei erfahrene Dienstmädchen, welche zusammen mit "Skeeter" der großen Masse endlich die Augen öffnen wollen, was für ein Leben Aibileen, Minnie und ihre Zunft wirklich führen...

The Help ist zwar ein äußerst softer und unspektakulärer Film, doch macht er wirklich viel richtig. Da wäre das brisante Thema der Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe in den USA der 60er Jahre samt Bürgerrechtsbewegungen. Man bekommt einen tiefen Einblick in das Leben farbiger Dienstmädchen zu dieser Zeit, wie mit ihnen umgegangen wird und wie sich ihre Arbeitgeber verhalten. Zwar wirkt es anfangs noch wie mit der Keule eingeprügelt, dass die Weißen, insbesondere die Frauen (hier angeführt von Bryce Dallas Howard's Hilly Holbrook), ihre Dienstmädchen fast wie Sklaven behandeln. Doch ändert sich während und bis zum Ende von The Help die Wahrnehmung der farbigen Bediensteten, man erkennt den Hauch, vielleicht den Anfang eines gedanklichen sozialen Wandels, welcher wohlmöglich dann auch zum Schluss mit der Veröffentlichung des Buches "The Help" selbst einzutreten scheint. Dabei werden glücklicherweise auch nicht alle Weißen über einen Kamm geschoren, ob nun die entschlossene Protagonisten Eugenia Phelan, bestimmt und keck von Emma Watson verkörpert, oder die zwar etwas dümmlich-naive, aber herzensgute Figur der Celia Foote (Jessica Chastain, smokin' hot!), die Geschichte bleibt abwechslungsreich und verflacht nicht zu einem Don Quijote-artigen Kampf der schwarzen Bevölkerung Jacksons gegen Diskriminierung. Ein Großteil der weißen Bevölkerung, gerade in den Südstaaten, war noch von altmodischen gesellschaftlichen Konventionen geblendet, aber dennoch gab es auch Menschen, die, bewusst oder unbewusst, keine Unterschiede zwischen schwarz oder weiß machten. Viola Davis und Octavia Spencer (Golden Globe für beste Nebendarstellerin) machen ihre Sache als "revoltierende" Dienstmädchen sehr gut und präsentieren sich eindrucksvoll sowie glaubwürdig als tiefgründige Charaktere, besonders letztere sorgt für einige herzhafte Lacher.

Mit etwas mehr als zwei Stunden zieht sich The Help ein klein wenig hin und vielleicht wirkt es am Ende dann doch etwas zu schmalzig, vorhersehbar und predigend. Doch kann man Regisseur Tate Taylor und Crew kaum einen Vorwurf machen, das Thema kann schwer auf eine andere Art und Weise angegangen werden. Und es ist gut, dass es angegangen wurde. Wieder einmal, stöhnt jetzt der ein oder andere, auch ich tue mich oft mit "moralapostelonischen", anprangernden Filmen schwer, doch haben solche definitiv ihre Daseinsberechtigung, insbesondere wenn sie so gut gemacht und intelligent verpackt sind wie The Help. Ich empfehle ihn weiter.





Anonymous

Oh Gott, muss ich wirklich? Ok, ganz kurz (mehr oder weniger...):

Jaja, wie wir alle wissen machte Roland "blow up anything" Emmerich vor einer Weile von sich reden, als er mit Anonymous einen Film ins Kino brachte, der so gar nicht zu ihm passte. Im Mittelpunkt: Shakespeare. Emmerich stürzte sich auf den unsterblichen Barden und machte eine der größten, verschwörerischesten Theorien der Literatur zu einem Film: War William Shakespeare ein Schwindler? Hat er je ein Stück, ein Sonett, ein Gedicht selbst verfasst oder ließ ihm jemand diese literarischen Werke zukommen, sodass Shakespeare sie nur noch zu veröffentlichen brauchte? Ziemlich reißerisch, aber es gibt genügend Fachleute, die mit Emmerich d'accord gehen und weit früher solche Theorien publik machten. Trotzdem hätte es Anonymous an sich in keinster Weise gebraucht. So ein unnötiger, belangloser Film.

Ich möchte auch eigentlich gar nichts weiter zur Story schreiben, weil sie größtenteils dermaßen hanebüchen und verwirrend war, dass der Versuch einer Zusammenfassung jener schwerer sein würde, als es vermutlich das Schreiben vom Drehbuch zum Film selbst war. Shakespeare wird im Film von Anfang an, sofern man ihn denn mal zu sehen bekommt, als ständig betrunkener Schauspieler dargestellt. Aber wen interessiert es eigentlich, er spielt wahrlich keine große Rolle in diesem Film und wenn, dann gibt es Overacting at it's best. Das trifft nicht nur auf die arme Seele zu, welche Shakespeare verköpern durfte, nein, wirklich jede Figur in diesem Film, besser gesagt jeder Schauspieler, hält sich anscheinend für den Allergrößten. Warum muss sich denn ein jeder in diesem Film so unglaublich übertrieben darstellen? Da merkt man es wieder, clevere Dialoge, subtile Rollen, dass ist nichts für Emmerich. Der Waliser Rhys Ifans ist ein toller Schauspieler, er gibt hier wohl noch die beste Figur ab, obwohl auch er unfassbar exzessiv dramatisch-künstlich vor sich hin schwadroniert. Das gefiel mir überhaupt nicht, Emmerich hatte hier wohl in die Trickkiste gegriffen und wollte mit derartigen Perfomances punkten. Nicht bei mir.

Die Idee, dieser Mythos rund um die Frage, ob Shakespeare wirklich ein Schwindler war und ob nicht der Earl von Oxford (im Film Rhys Ifans) das eigentliche literarische Genie gewesen ist, scheint gar nicht so uninteressant. Aber Emmerich macht es uninteressant. Mit öden, politischen Verschwörungstheorien, absehbaren Intrigen und mehrfachen "Oh mein Gott, nicht wirklich oder?"-Twists, welche man von Beginn an erwartet und wenn sie denn kommen auch schon längst durchschaut hat.

Muss man nicht gesehen haben. Wirklich. Der Film ist ja zum Glück auch schon längst wieder aus den meisten deutschen Kinos raus. Bei mir lief er für 3,90 € im Programmkino um die Ecke, und selbst das war eigentlich noch zu viel. Hey, das London und Szenenbild an sich im Film sah ganz nett aus. Kann man als positiven Punkt vermerken. Ansonsten viel unbedeutener, langweiliger Nonsens, Logikfehler inklusive. Mies.




Samstag, 14. Januar 2012

The Ides of March / The Girl with the Dragon Tattoo

Die Zeit der großen Awards. Die Golden Globes (15. Januar) und Oscarverleihung (26. Februar) stehen so gut wie vor der Tür. Das bedeutet für Deutschland's Kinogänger, dass gerade jetzt, im Januar und Februar, noch einmal richtige Kaliber in die hiesigen Lichtspielhäuser kommen. Was in den Staaten und Großbritannien schon beinahe ein alter Hut ist, kann bei uns jetzt erst richtig abgefeiert werden. Oder eben jeder ist betroffen, ob Amerikaner, Brite, Deutscher oder sonstwer. Gerne wird der Release potenzieller Oscar-Kandidaten kurz vor der Verleihung platziert. Kurzfristige Medienwirksamkeit und so, man kann es sich denken. Aber das soll hier gar nicht zur Sache tun.

Hier geht's um die angesprochenen Kaliber. Zwei von denen habe ich mir diese Woche angeschaut. Und beide haben mir sehr gut gefallen. The Ides of March und The Girl with the Dragon Tattoo kommen auf vier bzw. zwei Nominierungen bei den Golden Globes 2012 und dürfen sich auch berechtigte Hoffnungen auf eine oder mehrere Oscarnominierung machen.

The Ides of March (Tage des Verrats)

Die Iden des März. Jener Zeitpunkt, zu welchem Caesar einst von Verschwörern und Verrätern niedergestochen und ermordert wurde. Ein passender Titel, eine passende Metapher für George Clooney's vierte Regiearbeit. Wobei in The Ides of March nicht der Königs- bzw. Kaisermord im Mittelpunkt steht, sondern der Verrat per se. Ryan Gosling spielt Stephen Meyers, einen begnadeten Wahlkampfmanager, der mit Raffinesse und Charme großen Anteil an den steigenden Umfrageergebnissen des Gouverneurs Mike Morris (George Clooney) hat, welcher sich erst in den Vorwahlen der Demokraten für den Präsidentschaftskandidaten durchsetzen und dann natürlich auch ins Weiße Haus einziehen soll. Politik und gerade Wahlkampf verbindet unsereins stets mit Korruption, Lügen und falschen Versprechungen. Doch Meyers wirkt wie ein aufgeweckter, motivierter, junger Mann, der in seinen Kandidaten vertraut, nicht weil er muss, sondern weil er es wirklich tut. Doch diese Ideale muss selbst er bald über den Haufen werfen, seine Unerfahrenheit und Naivität wird ihm zu Verhängnis, wem kann er vertrauen, von wem wird er verraten werden, wen wird er verraten... Meyers ist nicht auf den Kopf gefallen. So wird er selbst zu dem, was er sich vermutlich niemals gewünscht hätte...

So ist Politik. Geheime Absprachen, kleine Deals, wer bekommt welche politische Position, um sich wie viele Wählerstimmen wo auch immer zu sichern. Ich mag Polit-Thriller, besonders wenn sie nicht so reißerisch und eher subtil wie Clooney's Ides of March sind. Mit Ryan Gosling hat man eine perfekte Besetzung der Rolle des Stephen Meyers getätigt, sein Spiel zwischen den Fronten, sein Wandel vom überzeugten Idealisten hin zum kaltblütigen Opportunisten gefällt außerordentlich gut. George Clooney hält sich vornehm zurück, er ist nur eine der vielen Schachfiguren (oder Schachspieler?), darunter auch der großartige Paul Giamatti und Philip Seymour Hoffman, die dem Film im Endeffekt seine Relevanz und Gedankentiefe geben. The Ides of March versteht es ausgezeichnet, uns ein Bild von den politischen Abläufen in den USA zu geben. Kein Weg ist zu wider, den Kandidaten an der Spitze zu platzieren. Etikette ist nur eine Fassade, darunter zeigt sich die wahre Natur des Menschen. Natürlich zeigt Clooney nur eine fiktive Idee und liefert keine direkten Bezüge zur real existierenden Persönlichkeiten. Doch sein Film schafft es, eine gefährlich präzise und gut vorstellbare Beschreibung des politischen Systems in den Staaten zu geben.

Das Schlussbild von The Ides of March steht für sich allein. Wir betrachten Gosling's Stephen Meyers, kurz vor einem Fernsehinterview. Sein Weg war steinig, er war kurz vor dem Ende, jetzt ist er wieder ganz oben. Doch er hat sich gewandelt, Ideale verworfen, Vorbilder getäuscht und verraten. Meyers hebt den Kopf und blickt kühl in die Kamera. Ausblende. Schluss.

“In war, you can only be killed once, but in politics, many times.”

Wer mal wieder ordentlich Lust und Laune auf ein ruhigen, spannend-interessanten Polit-Thriller mit reichlich Starpower, guten Hintergrund und wunderbar aktuellen Bezug hat, der sollte sich The Ides Of March ansehen. Clooney überzeugt als Regisseur und Gosling freut sich über eine Golden Globe-Nominierung als Bester Hauptdarsteller im Bereich Drama. Sehenswert.



The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung)

Die Amerikaner. Denen kann man es nie recht machen. 2009 kam die erste skandinavisch-deutsch produzierte Romanverfilmung von Stieg Larsson's Millenium-Trilogie unter dem Titel Verblendung raus und konnte Kritiker sowie Publikum überzeugen. Sogar so sehr, dass sich amerikanische Filmproduzenten dachten, man könnte diesen Film doch einfach nochmal neu auflegen, auf den Import europäischer Filme stehen die sowieso nicht. Diesmal aber mit mehr Budget und David Fincher im Regiestuhl. Also ein zeitnahes Remake. Und das hat es in sich. Vorweg, ich habe weder die Bücher gelesen noch habe ich irgendeinen der vorangegangen Filme dazu gesehen. Da ich aber viel Gutes über The Girl with the Dragon Tattoo gelesen hatte und schon etwas neugierig war, hab ich ihn mir angeschaut. Gute Entscheidung meinerseits. The Girl with the Dragon Tattoo ist hervorragend.

Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) hat sich ins Abseits manövriert. Sein letzter Artikel und die dazugehörige Verleumdungsklage stellt ihn vor große finanzielle Probleme. Da trifft es sich ganz gut, dass der ehemalige Großindustrielle Henrik Vanger (Christopher Plummer, wer könnte einen besseren Patriarchen spielen?) einen Auftrag bzw. Rätsel für Blomkvist hat und ihn dementsprechend für die Lösung dessen entlohnen möchte. Blomkvist soll Henrik's Lieblingsnichte Harriet finden, welche vor über 40 Jahren spurlos verschwunden ist. Dabei zur Hilfe kommt ihm die eigentümliche Lisbeth Salander (Rooney Mara), eine ausgezeichnete Hackerin, aber äußerst problematisch im sozialen Alltag. Gemeinsam dringen Blomkvist und Lisbeth tief in die Geheimnisse der Familie Vanger ein und müssen sich arg vorsehen, nicht selbst ins Fadenkreuz zu geraten...

Ich wusste nicht ganz, was ich zu erwarten hatte. Fakt ist, dass David Fincher ein glänzender Regisseur ist. Fakt ist auch, dass die Kritik zu seinem Girl with the Dragon Tattoo überdurchschnittlich gut ausgefallen ist. Und hier muss ich mich bedenkenlos anschließen, The Girl ist ein ganz starker Film. Zuckt man bei einer Laufzeit von gut 160 Minuten anfangs noch zusammen, lässt man sich während dieser etwas mehr als zweieinhalb Stunden dann bedingungslos fesseln. Die Spannung ist greifbar, permanent baut Fincher auf Hintergrundmusik, die etwas heraufbeschwört. Man ahnt etwas, doch bekommt man es selten zu sehen. Im nächsten Moment ist der Regisseur gnadenlos und zeigt die ganze Grausamkeit, für welche die skandinavische Kriminalliteratur bekannt geworden ist. Die, ob beiläufig oder offensichtlich, Intensität der einzelnen Szenen ist bedrückend einmalig. Daniel Craig als Mikael Blomkvist versteht sich darauf, etwas zurückhaltender zu spielen. Dennoch verleiht er seiner Figur die nötige Tiefe und Ausstrahlung. Doch Rooney Mara in der Rolle der Lisbeth Salander avanciert hier zur überragenden Figur. Reserviert, psychologisch ein Wrack, kaltblütig, sich grausam rächend (Raptist Pig!), zum Ende gar hoffnungsvoll und dann doch wieder am Boden. Ein einmaliger Charakter, der dank Rooney Mara's Performance einen unvergesslichen Eindruck hinterlässt.
(Außerdem trägt sie das coolste T-Shirt in einem Film seit langem.)

David Fincher hat von Anfang an gesagt, er würde sich an keine Altersvorgaben der Produzenten halten. Ergebnis: Rated R in den Staaten, ab 16 hier bei uns. Zurecht, The Girl with the Dragon Tattoo ist explizit und direkt, und scheut nicht vor harten Bildern zurück. Doch das muss grundstimmungshalber auch so sein. Parallelen zu Fincher's Zodiac werden deutlich, sein Verständnis für den Aufbau des logischen und nachvollziehbaren Lösens von geheimnisvollen Rätseln. The Girl wirkt insgesamt wie kein 0815-Thriller, eher viel mehr wie eine unkonvientionelle Adaption, die viele Möglichkeiten hat, reißerisch zu enden, aber den Zuschauer lieber mit einem ruhigen und tiefsinnigen Schlussbild verabschiedet.

The Girl with the Dragon Tattoo bekommt von mir eine dicke Empfehlung. Spannung, Stimmung, Charaktere und ihre Darsteller, hier passt (fast) alles. Manch einer wird über die lange Laufzeit stöhnen. Ja, The Girl hat seine Längen, darüber schaue ich aber des Endergebnis wegen hinüberweg. Rooney Mara katapultiert sich in den Kreis der heißen Oscarkandidaten, für den Golden Globe gab's schon eine Nominierung. Verdient hätte sie's.



Sonntagabend bzw. Sonntagnacht kommt es dann zu den Golden Globe Awards 2012. Ich werde mir das natürlich anschauen und etwas Bericht erstatten. Zwar dient mir diese Verleihung eher dazu, eine oblitgatorische Anschauliste bis zur Oscarverleihung Ende Februar anzufertigen, aber ich werde trotzdem ein paar Sätze dazu verlieren. Und ein paar der Kandidaten habe ich ja schon gesehen, ob nun Film oder Serie.

PS: Ich freue mich auf Ricky Gervais. Das wird lustig.