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Donnerstag, 7. November 2013

TV-Mini-Serie: Top of the Lake


Die neuseeländische TV-Miniserie Top of the Lake feierte nicht nur auf diversen Film-Festivals dieses Jahres ihre große Premiere, darunter das Sundance Film Festival und die Berlinale 2013, auch die internationale TV-Ausstrahlung der siebenteiligen (bzw. sechsteiligen) Kriminal-Serie konnte viel Kritikerlob einheimsen. Zu Recht, denn schaffen es Serienschöpfer Jane Campion und Gerard Lee nicht nur eine spannende und geheimnisvolle Geschichte zu erzählen, ihnen gelingt es auch einen packenden Mikrokosmos rund um das kleine neuseeländische Städtchen Laketop und seine Bewohner zu kreieren, welcher wiederum nur einer von vielen Gründen ist, warum sich Top of the Lake von den altbekannten Serien-Einheitsbrei klar abhebt.

In Top of the Lake dreht sich anfangs alles um das 12jährige Mädchen Tui, von dessen Selbstmordversuch wir bereits in der ersten Episode des Formats Zeuge werden. Nach der Rettung des äußerst stillen und verschlossenen Mädchens wird die Polizeibeamtin Robin Wright (Elisabeth Moss, Mad Men) zu Rate gezogen, welche eigentlich in Sydney tätig ist und nur in ihre Heimatstadt Laketop zurückgekehrt ist, um bei ihren schwerkranken Mutter zu sein. Wright ist Expertin im Umgang mit traumatisierten Kindern, welche Opfer von Gewalt wurden, und sogleich beginnt sie auch die Ermittlung bezüglich Tui und dem Geheimnis, welches diese umgibt, denn wie sich herausstellt ist die junge Tui bereits im fünften Monat schwanger. Wright vermutet das Schlimmste. Bei ihren Nachforschungen muss sie sich nicht nur mit dubiosen Arbeitskollegen, darunter auch dem örtlichen Polizeichef Al Parker (David Wenham), sowie dem Vater von Tui und heimlichen Strippenzieher illegaler Geschäfte in Laketop Matt Mitcham (Peter Mullan) herumschlagen, sie taucht auch in eine Welt ein, welcher sie bereits vor langer Zeit den Rücken gekehrt hatte und eigentlich nie wieder betreten wollte… 

Eine der großen Stärken von Top of the Lake ist ohne Frage das unverbrauchte Setting. Jane Campion und Gerard Lee entführen den Zuschauer in eine für ihn relativ unbekannte Welt, fernab bekannter amerikanischer Großstädte, die in den letzten Jahren immer wieder als Schauplätze für TV-Serien herhalten mussten. In Top of the Lake wird einem die Natürlichkeit Neuseelands von ihrer schönsten Seite gezeigt, lange Helikopteraufnahmen fangen die Unberührtheit als auch Zurückgezogenheit des Terrains großartig ein, und mehr als nur einmal fühlt man sich an die wunderschönen Aufnahmen Peter Jackson aus seiner The Lord of the Rings-Trilogie erinnert. Darüber hinaus arbeitet Top of the Lake mit einer sehr kühlen Bildsprache, welche passend zum Thema der Miniserie die oft sehr unangenehme und geheimnisvolle Atmosphäre der Serie untermauert und visuell in jeder Hinsicht zu überzeugen weiß.

Betrachtet man den dramaturgischen Aspekt von Top of the Lake, wird auch hier schnell auffällig, dass sich Serienmacher an einer sehr ruhigen und oft behäbig wirkenden Erzählweise orientiert haben. Dies passt natürlich ins Gesamtkonzept, doch wäre es auch nicht verwunderlich, wenn der eine oder andere Zuschauer seine Probleme mit dem schleichenden Erzähltempo hätte. Top of the Lake nimmt sich all die Zeit, die die Serie braucht, und dabei wird nicht nur der Hauptfall rund um das kleine Mädchen Tui vorangetrieben, sondern auch ein genauer Blick auf die Protagonistin Robin Wright geworfen. Campion und Lee gehen sogar so weit, dass sie die eigentliche Hauptgeschichte auf der Hälfte der Strecke vernachlässigen und sich voll und ganz Wright und ihrer Hintergrundgeschichte widmen. Das mag auf den ersten Blick ein wenig befremdlich wirken, doch gelingt es den Autoren auch auf starke und eindringliche Weise, die verschieden Handlungsstränge zu verbinden, für den Zuschauer frei interpretierbare Metaphern und Analogien bereitzustellen, als auch mit so mancher schockierender Enthüllung aufzuwarten, welche durch Mark und Bein gehen und einen gespannt die Handlung weiterverfolgen lassen.

Mit verantwortlich dafür sind natürlich auch die einzelnen Darsteller in Top of the Lake, wobei Hauptdarstellerin Elisabeth Moss wohl am meisten auftrumpfen kann. Moss gehört spätestens seit ihrer Rolle der Peggy Olson in Mad Men zu den talentiertesten Schauspielerinnen im Serien-Geschäft, und auch in Top of the Lake liefert sie eine teilweise überragende Leistung ab. Für Moss scheint es wie ein Kinderspiel, die Zielstrebigkeit als auch Unsicherheit ihrer Figur wiederzugeben. Mit jeder weiteren Entwicklung, die ihr Charakter durchmacht, entwickelt auch Moss ihr Schauspiel weiter, sodass wir als Zuschauer nicht nur vollends von der Stärke Robin Wrights, sondern auch von ihrer Verletzlichkeit überzeugt sind. So verwundert es auch keinesfalls, dass Moss für ihre Darbietung in Top of the Lake eine Nominierung für den diesjährigen Emmy-Award im Bereich der besten weiblichen Hauptdarstellerin erhalten hat. Doch auch die Nebendarsteller wissen zu überzeugen. Das schließt nicht nur die junge Jacquelin Joe in der Rolle der Tui ein, sondern zum Beispiel auch Peter Mullan, welcher sich ebenfalls über eine Emmy-Award-Nominierung für den besten männlichen Nebendarsteller freuen durfte. Mullan verkörpert Tuis Vater Matt Mitchum, dessen psychopathischen Ausbrüche und unheimlichen Charakterzüge der schottische Schauspieler Mullan gekonnt wiedergibt. Ebenso nachhaltig kann sich der in Australien geborenen David Wenham, bekannt aus The Lord of the Rings oder 300, präsentieren. Seine Figur des Polizeichefs Al Parker umgibt wie fast jeden in Laketop etwas Geheimnisvolles. So richtig trauen möchte man ihm nicht, und doch fügt Wenham seinem Charakter einen gewissen Charme zu, welcher es selbst Hauptfigur Robin Wright schwer macht, ihn richtig einzuschätzen.

Natürlich ist in Top of the Lake nicht alles Gold was glänzt. So dreht sich die komplizierteste Nebengeschichte in Top of the Lake um eine Gruppe von Frauen, welche in der Nähe von Laketop an einem Ort namens Paradise ihr Lager aufgeschlagen haben. Diese Frauen werden von der bis zur Unkenntlichkeit mit Make-Up und Prosthetics bearbeiteten Holly Hunter angeführt und befinden sich augenscheinlich auf einem spirituellen Trip, der sie von all dem lösen soll, was sie in ihrem bisherigen Leben belastet und runtergezogen hat. Immer wieder kehren wir zu dieser Gruppe von Frauen zurück, immer wieder treffen die einzelnen Charaktere auf diese etwas seltsam anmutende Gesellschaft. Campion und Lee lassen dem Zuschauer hinsichtlich dieses Elements ihrer Serie viel Freiraum zur Interpretation, immer wieder ertappt man sich bei dem Versuch, diesen Aspekt mit dem Gesamtkonstrukt von Top of the Lake in Verbindung zu setzen. Doch ist dies oft weitaus schwerer als man denken würde, unter anderem aufgrund sehr doppeldeutiger und kryptischer Dialoge. Dies kann wiederum abschrecken und verwirrend sein, doch entpuppt es sich auch als ein sehr einzigartiges und oft äußerst tiefsinniges Charakteristikum von Top of the Lake.

So bleibt am Ende nur noch zu sagen, dass die Neuseeländerin Jane Campion und der Australier Gerard Lee mit Top of the Lake vor allen Dingen etwas sehr Eigenes geschaffen haben. Die Szenerie, die Charaktere, der gelegentlich schwer verständliche neuseeländische Akzent, dass alles und viel mehr trägt zu der Einzigartigkeit von Top of the Lake bei. Es ist ein ruhiges, unspektakuläres Format, das den Zuschauer Folge für Folge immer mehr in seinen Bann zieht. Man taucht tief in die Umgebung des Orts Laketop als auch in die Gedankenwelt der einzelnen Figuren, allen voran der von Elisabeth Moss’ Robin Wright, ein. Top of the Lake baut nicht auf Effekthascherei, es ist eine konsequente und bodenständige Serie, die genau in den richtigen Momenten das Tempo anzuziehen und den Zuschauer schwer verdauliche Überraschungen zu präsentieren weiß. Die Miniserie wird wahrscheinlich nicht als Meisterwerk in die Fernsehgeschichte eingehen, doch ist es ohne Frage ein sehr sehenswertes als auch originelles Format, welches nicht zu Unrecht in sechs bzw. acht (zählt man die Creative Arts Emmy Award dazu) Kategorien bei der diesjährigen Emmy-Verleihung im September nominiert wurde.  

(Und wer Lucy "Xena" Lawless wiedererkennt, bekommt ein Extra-Sternchen von mir.)

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Am 07. November zeigt der deutsch-französische Sender ARTE ab 20:15 Uhr die ersten drei Folgen von Top of the Lake, eine Woche später am 14. November folgen dann zur selben Zeit die restlichen drei Episoden. ARTE übernimmt hier dieselben Schnittfassungen, welche bereits im Juli bzw. August dieses Jahres von BBC Two in Großbritannien ausgestrahlt wurden. Die siebenteilige Fassung wurde in dieser Form z.B. auf dem Sundance Filmfestival gezeigt. Jedoch nehmen sich beide Fassungen inhaltlich nichts. 

Wenn ihr es euch anschaut, dann lasst mich doch bitte wissen, wie euch Top of the Lake gefallen hat. Eure Meinung, eure Kritik (auch an meinem Beitrag), euer Feedback bitte in den Kommentarbereich.

Trailer Top of the Lake

Sonntag, 14. Juli 2013

Serien-Neustarts: Under the Dome / Ray Donovan

In den letzten zwei Wochen gab es in den Staaten zwei Serien-Neustarts, Under the Dome und Ray Donovan, welche ich mir mal etwas genauer angeschaut habe. Zwei kurze Texte mit zwei sehr verschiedenen Meinungen zu zwei ganz neuen Serienformaten.

Under the Dome


Der CBS-Serien-Neustart Under the Dome basiert auf dem gleichnamigen Roman von Stephen King und bekam gleich zu Beginn der Ausstrahlung einige gute Kritiken. Im seriellen Sommerloch erntete die leichte Drama-Serie einiges an Lob und wurde von vielen Kritikern als durchaus unterhaltsames Format mit Potential nach oben bezeichnet. Auch die Einschaltquoten konnten sich sehen lassen. In Under the Dome dreht sich alles um die amerikanische Kleinstadt Chester’s Mill, die wie aus dem nichts von einer unsichtbaren Wand, die sich dann als gigantische Kuppel herausstellt, umschlossen wird. Unter dieser Kuppel zusammengepfercht und ahnungslos, wie es nun weitergehen wird, müssen sich die Bewohner Chester’s Mills und ein paar Durchreisende nun gezwungenermaßen dieser neuen Situation stellen und sich dementsprechend anpassen. Dabei kommt es natürlich zu einigen Konflikten unter den Betroffenen, Menschen offenbaren ihren wahren Charakter und generell scheint in Chester's Mill und was die handelnden Personen betrifft wohl mehr im Busch zu sein, als man auf dem ersten Blick erwarten würde...

Die Idee an sich finde ich gar nicht so übel. Und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, mich nicht an den Simpsons-Film erinnert gefühlt zu haben. Doch haben wir hier in Under the Dome natürlich ein wesentlich ernsthafteres Setting. Und eine derartige Extremsituation wie hier dargestellt, mit den verschiedensten Charakteren mit den wohlmöglich dunkelsten Abgründen zusammen auf engsten Raum - das könnte doch ganz interessant werden. Könnte. Denn nach zwei Folgen habe ich Under the Dome frustriert gleich wieder ad acta gelegt. Man konnte zwar einige gute Darsteller verpflichten, darunter auch Breaking Bad’s Dean Norris, doch entpuppt sich Under the Dome gleich zu Beginn als dramaturgisch äußerst dünn. In der Pilotfolge wirkt so gut wie alles absehbar, es wird recht schnell deutlich, dass sich die Handlung um gut eine Handvoll Allerwelts-Figuren entspinnen wird, wovon jede auf irgendeine Art und Weise mit der anderen verbunden ist, weil das ja immer supergut funktioniert und man dadurch eine komplex-verwobene Geschichte erzählen kann. Doch fande ich diese Figuren schon in der ersten beiden Episoden derartig platt und stereotyp, dass sich jede Interaktion der verschiedenen Charaktere miteinander als äußerst langweilig und inhaltlich vorhersehbar herausstellte. Das gesamte Paket fühlte sich unheimlich zweckmäßig an, in der Pilotfolge reiht sich ein gelegener Zufall an den anderen. Trotz viel versprechenden Rahmen riecht Under the Dome nach einem ganz üblen 0815-Network-Produkt, das mir Null Innovation oder charakteristische Besonderheiten verspricht. Die zweite Folge schoss dann den Vogel gänzlich ab. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viel Dummheit ertragen musste (wer es gesehen hat: Es geht um diesen komischen Priester und das Feuer. Gott, lass Hirn regnen...). Ich verharrte wohl mehrere Minuten kopfschüttelnd und mit flacher Hand auf meiner Stirn. Danke, aber nein danke, das muss nicht sein. Ich bezweifle stark, dass ich hier irgendwann noch einmal einschalten werde. Definitiv nichts für mich und meiner Meinung nach alles andere als empfehlenswert.


Under the Dome läuft seit dem 24. Juni immer montags auf CBS. 

Hierzulande hat sich die ProSiebenSat.1-Gruppe die Rechte für Under the Dome gesichert. Demnach soll Under the Dome noch in diesem Sommer wohlmöglich in Form einer Eventprogrammierung im deutschen Fernsehen zu sehen sein. Ein genauer Termin dafür steht bis dato jedoch noch nicht fest. (Serienjunkies / DWDL)


Ray Donovan


Kommen wir zu etwas Erfreulicherem: Showtime’s Ray Donovan. Vor gut drei Wochen startete der Kabelsender dieses neue Format, welches nicht nur überragend gut mit tollen Schauspielern besetzt ist, sondern mir auch gerade mal nach zwei Folgen schon große Freude bereitet hat. Kurz zum Inhalt: In Ray Donovan geht es um Ray Donovan (Liev Schreiber), welcher in Los Angeles lebt und seine Brötchen als eine Art Mädchen für alles bzw. Problemlöser verdient. Er und sein Team kümmern sich um die Probleme der Reichen und Schönen Hollywoods, ob diese nun erpresst oder aufgrund eines Fauxpas von den Medien zerrissen werden, Donovan und Co. haben für alles eine Lösung. Ray’s Leben läuft eigentlich in jeder Hinsicht ganz gut, wenn nicht sogar ausgezeichnet, doch ändert sich dies recht schnell als sein Vater (Jon Voight), ein ehemaliger Hochstapler und mit einer düsteren Vergangenheit behaftet, wieder in das Leben von Ray und seiner Familie tritt. Ärger ist hier vorprogrammiert, denn zwischen Ray und seinem alten Herren scheint weit mehr als nur eine alte Rechnung offen zu sein...

Wenn man sich das Grundkonzept von Ray Donovan so anschaut, kommt man schnell auf den Gedanken, es könnte sich hier um ein klassisches Procedural handeln: Der Hauptcharakter muss Woche für Woche in einer Episode ein bestimmtes Problem lösen, eine Art Nemesis (hier der Vater) erschwert dies. Und wenn man sich die Pilotfolge von Ray Donovan anschaut, macht die Serie auch genau diesen Eindruck. Deswegen kommt der Pilot auch nicht wirklich so überzeugend und etwas absehbar daher, trotz ein paar sehr starken Momenten und einer tollen Besetzung. Jedoch sollte man Ray Donovan nicht gleich wieder abschreiben und sich trotz insgesamt mittelmäßiger Pilotfolge auch noch die zweite Folge anschauen. Hier wird man sogleich eine ungemeine Qualitätssteigerung bemerken, da es sich vielmehr nach wirklichen Serien-Drama anfühlt als noch zuvor. Erstaunlich, wie zwei aufeinanderfolgende Episoden sich doch so stark unterscheiden können. Die verschiedenen Charaktere wirken viel besser als noch in der ersten Folge, man bekommt ein weitaus besseren Zugang zu ihnen und ihren Motiven, und das Gesamtpaket fühlt sich einfach unglaublich rund an. Wenn die Erzählform der zweiten Folge so in dieser Art für die gesamte Serie beibehalten werden kann, könnte sich das von vielen Kritikern positiv aufgenommene Format Ray Donovan zu einem kleinen Geheimtipp des Serien-Sommerlochs entwickeln. Ray Donovan wirkt eher ruhig und bedächtig, und dennoch gibt es zahlreiche Momente der Spannung und gnadenloser Deutlichkeit, als auch des leicht-lockeren Witzes gepaart mit einer guten Portion Charme - insbesondere Liev Schreiber kommt mit seiner Art sehr stark rüber. Ray’s Vater Micky bringt eine Prise Geheimnisvolles mit sich, die komplexe Familiensituation um Ray’s Frau, seinen Kindern, seinen Brüdern und dem eben wieder aufgetauchten Vater verspricht reichlich Konfliktpotenzial für die Zukunft. Jetzt muss man es nur noch richtig ausspielen. Die starke Besetzung, ob jetzt Liev Schreiber (extrem cool und lässig), Jon Voight (eine unheimliche Präsenz), Eddie Marsan (anspruchsvolle Rolle, stark umgesetzt) oder sogar Elliott Gould, Ray Donovan kann neben dem Fakt, dass es ziemlich gut aussieht, einfach aber äußerst effektiv und stilsicher gefilmt ist, auch mit einer Reihe hoch dotierter Schauspieler aufwarten. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird und bleibe am Ball. Definitiv einen Blick wert.


Ray Donovan läuft seit 30. Juni immer sonntags auf Showtime.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

The Dark Knight Rises Traileranalyse


Am 26. Juli 2012 dürfen wir uns alle freuen. Oder zumindest jene, welche etwas für Christopher Nolan, Batman oder gar beides übrig haben. An diesem Tag feiert nämlich der dritte und letzte Teil der Batman-Reihe von Nolan seine deutschlandweite Premiere. Bis dahin ist schon einiges an Zeit vergangen und wird noch einiges von derselbigen vergehen. Und kommt Zeit kommen Gerüchte. Info-Schnipsel, abgefilmte Screenings, Bilder vom Set, Plotspekulationen etc. Der Hype um The Dark Knight Rises, in welchem der Comic-Urtyp diesmal auf Nemesis Bane treffen wird, ist gigantisch. Und auch ich bin diesen komplett erlegen. Auch nur die allerkleinste Neuigkeit, ich muss sie lesen, so banal sie auf den ersten Blick auch erscheinen mag. Dabei tappt man größtenteils nachwievor im Dunkeln, was sich Mastermind Nolan ausgedacht hat, denn auch hier setzt man wieder auf eine äußerst zurückhaltende Werbekampagne und lässt nur spärlich Informationen durchsickern. Hinzukommt virales Marketing vom feinsten, wo man sich nie sicher sein kann, wie und ob man Gesehenes und Gelesenes überhaupt glauben und/ oder deuten kann.

Nolan schickte sich an, wie bereits bei The Dark Knight, den Prolog seines neuesten Batmans in ausgewählten IMAX-Kinos in den USA und Großbritannien zu zeigen. Die ersten 6 Minuten des Films, welche die Presse und den Otto Normalkinogänger ziemlich weggeblasen haben sollen. Unsereins muss sich gedulden und kann nur mit ein wenig Glück einen Blick auf diesen Prolog erhaschen, sei es am ehesten noch über eine schlecht abgefilmte Version im Netz, welche kurzerhand eh wieder gelöscht wird.

Vergangenes Wochenende sorgte dann ein weiterer abgefilmter Video-Schnipsel bei den Interessierten für Aufruhr. Der zweite Trailer zu The Dark Knight Rises wurde geleakt, ein wenig aussagekräftiger als der erste und mit der üblichen Länge von etwas mehr als 2 Minuten. So schlecht die Qualität dieser Version auch wahr, ich habe mir den Trailer oft angesehen. Sehr oft. Und am Montag, dem 19. Dezember wurde es dann auch offiziell gemacht: Der Release des zweiten Trailers zu The Dark Knight Rises, in allerbester Qualität, HD und Pipapo.

Auch diesen Trailer habe ich mir wiederum sehr oft angesehen. Ich war und bin nachwievor begeistert. Es folgen eine kleine Analyse und meine Gedanken dazu. Nachdem ihr euch den Trailer (eventuell auch schon zum wiederholten Male) angesehen habt.




Die Hysterie um The Dark Knight Rises hat mich einfach gepackt. Man wartet und wartet auf bewegte Bilder, dann ist der Trailer auf einmal da und ich bekomme das Gefühl, dass hier einfach alles stimmt. Die suggerierte Harmonie und der Frieden, welcher in Gotham Einzug gefunden hat. Die Abstinenz eines Batmans, der nicht mehr gebraucht wird. Und die Gefahr und die Bedrohung, welche sich hinter dieser Fassade verbirgt und durch die Berserker-/ Zerstörer-Figur des Bane real wird. Ich möchte den Film am liebsten jetzt sofort sehen. Und dann nochmal. Dieser Trailer hat bei mir schlicht das hervorgerufen, was ein jeder Trailer tun sollte: Absolute und gar gesteigerte Vorfreude auf diesen Film.

Objektiv betrachtet, was gibt uns der Trailer überhaupt? Wir sehen einen kleinen Jungen, wie er in einem mit Menschen überfüllten Footballstadium die amerikanische Nationalhymne trällert, ein Bild der schutzlosen Öffentlichkeit, Mütter, Väter, Großeltern und Kinder im Publikum. Wir sehen Bane. Erste Gedanken keimen auf. Dieser Kerl ist ein Badass wie er im Buche steht, hier wird gleich irgendetwas passieren. Alfred (Sir Michael Caine) spricht im Off mit übertriebenen englischen Akzent, ein sichtlich schwachen Bruce Wayne (Christian Bale) ist zu sehen. Die Zeit des Batman ist vorbei. Auch seine einstigen Verbündeten, wie zum Beispiel Commissioner Gordon (Gary Oldman), werden abrasiert. Zwei Anzugsmenschen unterhalten sich. "The mayor's gonna dump him [Gordon] in the spring." - "Really? But he's a hero." - "A war hero. This is peace time." Es gibt keine Bedrohungen mehr, kein Platz für Helden.

Selina Kyle (Anne Hathaway aka Catwoman) lächelt amüsiert über diese Vorstellung, tadelt Wayne und seinesgleichen und verspricht, dass ein Sturm aufzieht. Und niemand kann sich vor diesem verstecken. Erneut kurze Cuts auf Bane (Tom Hardy), die aufsteigende Gefahr wird greifbarer. Chaos. Die vermeintliche Idylle Gothams wird gestört. Wieder Bane. Diesmal im Katakombenaufgang des Footballstadiums zu erkennen. Das Monster hat sich seinen Weg zu den aller wehrlosesten Opfern gebannt. Wayne in einem seltsamen Gebäudetrakt, ein wiederkehrender Sprechchor, in welchem lautstark "Deshi Basara" skandiert wird. Was bedeutet das? "Rise.", anwortet der Mann im Hintergrund. Sich erheben, Auferstehen. Gotham brauch wieder einen Batman.

Bane im Stadionaufgang zum Spielfeld. Eine Handbewegung. Ein Spieler bahnt sich seinen Weg in Richung Endzone, nichtsahnend, dass hinter ihm das Spielfeld in sich zusammenbricht. Das erste Mal, dass der Regisseur uns in großes Erstaunen und leicht angrenzende Fassungslosigkeit versetzen zu versucht. Die Stimme von Bane. Wayne am Boden. "When Gotham is ashes... you have my permission to die." Ein Indiz dafür, dass Bane weiß, wer Batman wirklich ist. Ein Indiz dafür, dass er eine alleszerstörende Bestie ist, die nicht ruhen wird, bis Gotham und sein ehemaliges Wahrzeichen komplett zerstört sein wird.

Schnelle Cuts. Weitere Charaktere werden eingeführt, Marion Cotillard (Miranda Tate), Joseph Gordon-Levitt (John Blake) und Anne Hathaway (Selina Kyle/Catwoman) sind zu sehen, ein Zweikampf zwischen Bane und Batman, das Gefolge des Ersteren, ein Batwing, mehrere Tumbler, welche Teil der Streitkraft Banes sind. "The epic conclusion to the Dark Knight legend" flimmernd durch das Bild. Hans Zimmer leistet seinen musikalischen Beitrag. "The Dark Knight Rises". "The Legend". "Ends".

Dieser Trailer ist nicht das Großartigste, was ich je gesehen habe. Schlichte Schnitte, ständiger Wechsel der Perspektiven zwischen gebrochenen Mann (Wayne/Batman) und unaufhaltbare Bedrohung (Bane). Doch er erfüllt seinen Zweck. Er schürt die Spannung. Er lässt mich voller Vorfreude warten. Er bedient den Hype. Doch lebt er auch von diesem. Chris Nolan hat die Erwartungen auf ein Level gehoben, auf welchem man eigentlich nur noch scheitern kann. Aber nicht Chris Nolan. Er wird diese Reihe fabulös beenden. Daran habe ich keine Zweifel. Egal, welche Spekulationen noch entstehen, welche geheimen Details bis Kinostart noch gelüftet werden, das Gesamtbild, der finale Film, wird ganz groß. Ganz groß.