Sonntag, 19. August 2012

Prometheus

Prometheus. Viele haben Ridley Scott's Prequel/Nicht-Prequel/Alien-Universum-Film entgegengefiebert, dessen Wide Release eigentlich schon vor gut zwei Monaten war. Also in den Staaten. Oder in Großbritannien. Oder im Vietnam. Aber nicht in Deutschland. Da wurde der Kinostart eiskalt verschoben (Vielen Dank, Euro 2012). Aber ich will auch gar nicht meckern, seit 09. August läuft Prometheus ja endlich in den deutschen Lichtspielhäusern.

Und es wird viel darüber diskutiert. Die einen waren doch recht begeistert, die anderen mehr oder weniger verstimmt. Die einen schoben dieses Unbehagen gegenüber dem Film der zu hohen Erwartungshaltung, die anderen den irreführenden Werbekampagnen rund um Prometheus zu. Und so weiter und so fort, man kommt bei Prometheus anscheinend auf keinen gemeinsamen Nenner. Was ich persönlich gut finde, denn (sinnvolle) Diskussion ist immer gut.

Ich war mit meinem guten Kumpel Adrian im Kino, damit wir uns selbst ein Bild von Prometheus machen konnten. Alien ist super, Aliens ist auch super und an der Rest der Serie erinnern wir uns nicht... Wir waren auf jeden Fall sehr gespannt und ihr dürft euch jetzt an unserer kleinen Kurzbesprechung erfreuen.

Wie uns Prometheus gefallen hat, was gut, was schlecht oder was besonders erwähnenswert daran ist, dass hört ihr hier direkt unter diesem Absatz. Ein bisschen Palaver, frei heraus, ungezwungen und viel länger als gedacht. Vielleicht haben wir an irgendeiner Stelle auch irgendetwas verplant. Dennoch: Viel Spaß.

Prometheus Cast by YohnFerrari
47:16 min

Kritik, Anregungen oder eure eigene Meinung können wie immer gerne im Kommentarbereich hinterlassen werden, ich bzw. wir freuen uns darüber. Und an alle Alien-Cracks: Seid gnädig.

Prometheus Trailer


Dienstag, 14. August 2012

Breaking Bad S05E05 - Dead Freight


Was für eine Folge. Das war ganz groß. Es folgen meine Gedanken zur fünften Episode der fünften Staffel von Breaking Bad, Dead Freight.

ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!


Opening
Typisch.Wir befinden uns einer steppenartigen Umgebung und beobachten, wie ein Junge mit seinem Motorrad durch die Gegend heizt. Bis er auf einmal anhält und eine Spinne erspäht. Fasziniert von diesem Tierchen verfrachtet er es in ein übliches Einmachglas. In der Ferne ist ein Zug zu hören… In dieser Szene ist auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches zu erkennen. Bis auf den Zug in der Ferne. Der Auftakt zu einer grandiosen Episode.

Skyler doesn’t love me any more
Die große Show des Walter White. Wie mich dieser Charakter fasziniert, anwidert, begeistert, den Kopf schütteln lässt. Walter stattet Hank in seinem neuen ASAC-Büro einen Besuch ab und legt die Karten offen auf den Tisch. Ein gebeutelter Mann, dessen Frau ihn nicht mehr liebt, Tränen kullern über seine Wangen, Walter hat die ganze Geschichte mit Skyler anscheinend doch ziemlich mitgenommen. Anscheinend. Denn als Hank dem betroffenen Walter einen Kaffee holen möchte und das Zimmer verlässt, zeigen sich Walt’s wahre Absichten. Flugs befestigt er Spionageelektronik an Hank’s Rechner, ebenso verwanzt er das Büro, sodass er und seine „Partner“ genau wissen, was bei seinem Schwager so abgeht. Walt ist so falsch und skrupel- und gewissenlos, doch das stört einen nicht mehr. Man erwartet solche Dinge von Walter. So weit sind wir schon.

Lydia
Interessant wird es dann, als der eigentliche Grund für die „Verwanzung“ von Hank’s Büro klar wird. Walter, Jesse und Mike sind sich nach wie vor nicht sicher, ob der Tracker am Methylamin-Fass von Lydia oder von der Polizei dort angebracht wurde. Mike lässt mal wieder eine seiner speziellen Fähigkeit aufblitzen und Lydia wird eiskalt ausgespielt. Wo Jesse noch nichts überstürzen möchte, ist sich Mike seiner Sache sicher (Herrlich: “Everyone sounds like Meryl Streep with a gun to their head.”). An Methylamin kommt man auch auf andere Weise, Walt nickt es ab und so scheinen die Tage von Lydia gezählt. Denkste. Denn wie es sich (in letzter Sekunde) herausstellt, hat das DEA-Büro in Houston, Texas das Fass markiert, und nicht nur dieses, sondern auch noch alle restlichen dazu. Dadurch ist das Madrigal-Lagerhaus vom Tisch und Lydia (welche einen persönlichen Erfolg und Aufschwung dadurch feiern kann) darf vorerst weiterleben.

Heist?
Nachdem das Lagerhaus tabu ist, wo bekommen Walter, Jesse und Mike ihr Methylamin her? Und wer hätte es gedacht, Lydia hat einen Vorschlag. Ein Zug mit allerlei Chemikalien an Bord, darunter auch eine beachtliche Menge an Methylamin, durchquert Halb Amerika, darunter auch New Mexiko, wo sich eine Gelegenheit bietet, das Methylamin zu „ergattern.“ Denn in New Mexiko durchfährt jener Zug sogenanntes Dark Territory bzw. eine Dead Zone. Sprich ein signalfreier Streckenabschnitt, mit keinen Kontaktmöglichkeiten zu wem auch immer. That’s where you do it.“ (Lydia) „That’s where we do what exactly?“ (Walt) “Get your methylamine.” (Lydia) “Like… rob it? Like JESSE James?” (Jesse) Oh boy. Ein Zugüberfall. Wie gut wäre das denn bitte? Mike stellt recht schnell klar, was bei so einem Vorhaben zu beachten ist und welche Risiken zu berücksichtigen sind. Der klassische Mike. Er hat Zweifel. Vor allem gegenüber Lydia. Kein Wunder, wollte diese ihn doch umbringen lassen. Zurück zum möglichen Zugüberfall. Ob ihr es mir glaubt oder nicht, aber just in diesem Moment als Lydia den Vorschlag machte, dachte ich sofort an das Opening dieser Episode. Das Geräusch eines Zuges in weiter Ferne. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war ich dermaßen angespannt und übertrieben neugierig, wie es in Dead Freight weitergehen würde.

The Junior-Insertion
Ein kurzer Einwurf. Holly und Junior sind bei Marie und Hank untergekommen, wollen doch Skyler und Walt etwas Zeit für sich haben, um diverse Probleme aus der Welt zu schaffen. Das denken zumindest Marie und Hank. Junior nimmt das ziemlich stark mit, möchte er doch wissen, warum er nicht mehr zu Hause wohnen darf. Ich bin wahnsinnig gespannt darauf, welche Rolle er in den letzten 11 Episoden von Breaking Bad (übergreifend) einnehmen wird. Wird er seinen Vater bis zum bitteren Ende so wahrnehmen wie bisher auch? Oder erfährt die Wahrheit über seinen Dad? Und, auf letzteren Fall bezogen, wie wird Junior dann darauf reagieren? Mal schauen, was sich Vince Gilligan einfallen lässt bzw. schon hat einfallen lassen.

Heist!
Die drei Amigos beraten sich erneut. Wir sehen ein klassisches Streitgespräch zwischen Walter und Mike, ein Auf- und Abwiegen der Möglichkeiten, Risiken etc. Und Jesse sitzt wie so oft zwischen zwei Stühlen. Doch dann hat er den (in dieser Staffel nach „Magnets bitch!“ in Live Free or Die bereits den zweiten richtig guten) Geistesblitz. Jesse James halt. Er hat die Idee, wie sie an das Methylamin auf dem Zug herankommen können…

Preparation
Es ist so cool. Prompt kommen in mir die Gefühle für einen Good Ol’ Western Train Robbery hoch. Walter, Jesse und Mike haben sich eine Stelle ausgeguckt, an welcher der „Überfall“ ablaufen soll. Es zeigt sich wieder einmal, dass Jesse doch ein helles Köpfchen besitzt. So wird an einer kleinen Brücke, welche der Zug überqueren wird, eine Grube ausgehoben, in welche zwei Tanks eingelassen werden. Einer davon ist leer, der andere mit Wasser gefüllt. Wenn der Zug zum Stehen kommt, wird der Tank-Wagon mit dem Methylamin angezapft und der Inhalt in einen der Tanks abgefüllt. Wenn dies geschehen ist, wird das Wasser aus dem anderen Tank in den ehemals mit Methylamin gefüllten Tank-Wagon geleitet. Dadurch entsteht der Eindruck, der Tank-Wagon wäre nach wie vor unangerührt und niemand schöpft Verdacht. Natürlich nur bis zu dem Zeitpunkt, wenn der Tank-Wagon an seinem Zielort geöffnet wird, doch da sind Walter, Jesse und Mike schon längst über alle Berge. Keine Zeugen, keine Probleme. Cooler Plan. Und das scheinen auch Walter und Jesse zu wissen (Mike - same procedure as every time – bleibt vorsichtig/ skeptisch), denn irgendwie merkt man ihnen an, dass sie sich schon selbst ein bisschen geil finden. Insbesondere, als sie Todd (Jesse Plemons) (Vamonos Pest) das Vorhaben erklären. Der junge Todd ist also offensichtlich als Helfer mit an Bord. Und das macht mich misstrauisch. Breaking Bad hat es geschafft, dass ich wirklich jeder Figur, sobald sie in Erscheinung tritt, sofort misstraue. Traue niemand. Und deswegen bin ich auch bei Todd skeptisch. Was ist das eigentlich für ein Typ? Wenn ich zu diesem Zeitpunkt der Folge gewusst hätte, wie es weitergeht…

Out burying bodies?
Eine kurze, aber wunderbare Szene. Skyler zickt mal wieder rum und bemerkt die verstaubte Kleidung Walt’s. „Out burying bodies?“ (Skyler). Kurze Pause. Und dann mit einer Lässigkeit und Coolness, die ihresgleichen sucht: „Robbing a train.“ (Walter) Skyler’s Blick. Unbezahlbar. In einer ganz eigenartigen Art ein wenig Genugtuung für Walter, sogar ein wenig Genugtuung für mich, den Zuschauer.

Now, go go go!
Und da ist er, dieser Moment in dem jener Teil in Dead Freight beginnt, welcher vielen, ach was rede ich, jedem, der diese Serie schaut, für immer in Erinnerung bleiben wird. Der Überfall. Die Ausführung des Plans. Großartig. Es liegt eine gewisse Anspannung in der Luft. Mit einem Shot aus der Ego-Perspektive des sich nähernden Zuges setzt die Musik ein, einfach aber effektvoll. Mit einem Lastwagen als Blockade auf dem nahe liegenden Bahnübergang wird der Zug langsam zum Stehen gebracht. Walter, Jesse und Todd warten unter der kleinen Brücke auf den Moment, an dem der Startschuss fällt. Der Zug hält, die Musik setzt aus. „Now, go go go!“ (Walter) Hektische, mitreißende Musik setzt ein. Walter, Jesse und Todd stolpern unter der Brücke hervor und rasen Hals über Kopf zu ihren jeweiligen Positionen. Während der „Lockvogel“ die Zugführer ablenkt, machen sich Jesse und Todd an den Tank-Wagon ran. Ein Rädchen greift ins andere, man kann die Anspannung in den Gesichtern der Beteiligten sehen. Es läuft. Wortwörtlich.

The Good Samaritan
Oh oh.” (Mike) Aus dem nichts taucht ein Ungetüm von Fahrzeug auf, mit einem äußerst hilfsbereiten Fahrer am Steuern. Für den ist es ein leichtes, den LKW, welcher die Gleise blockiert, vom Bahnübergang zu schieben. Die Blockade wird aufgelöst.

Hold it!
Tempo, Freunde. Mike drückt auf Tube, doch Walter will alles herauskitzeln. Die Spannung steigt unaufhörlich, beide Zugführer befinden sich wieder in der Lokomotive, doch der Methylamin-Wasser-Austausch ist noch nicht komplett. „Hold it! Hold it steady!“ (Walt) … „Now!“ Die Prozedur ist beendet, doch jetzt geht es erst richtig los. Der Zug kommt langsam wieder ins Rollen, Jesse und Todd müssen zusehen, dass sie den Tank-Wagon wieder verschlossen kriegen. Ersterer bleibt ungefährdet im Gleisbett liegen, letzterer springt vom anfahrenden Zug. Done. They made it. „Yeah bitch!“ (Jesse)

The Kid with the Motorbike
Walter, Jesse und Todd sind noch ganz aufgewühlt, da passiert es. Das, was diese Serie so besonders macht. Das, was uns als Zuschauer sofort wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Vor wenigen Sekunden haben wir uns noch mit den dreien gefreut, dass der Plan so gut funktioniert hat und sie ihn erfolgreich durchziehen konnten. Doch dann passiert es. Walt schaltet die Pumpe aus, doch wir hören weiterhin ein motorenartiges Geräusch. Walt sieht ihn als erstes. Dann Jesse. Dann Todd. Der Junge mit dem Motorrad. Er hat sie gesehen. Er winkt ihnen leicht ungläubig zu. Ein Shot auf das entgeisterte Gesicht Jesse’s, ein Shot auf das entgeisterte Gesicht Walt’s. Was geht in diesem Moment in ihren Köpfen vor? Todd winkt dem Jungen zurück. Und dann zieht er eine Waffe und erschießt ihn. Der Junge fällt zu Boden. Mit ihm das Glas mit der eingefangenen Spinne. Jesse’s „No!“ kommt zu spät. Ein schockierendes Ende. Ein Schlag in die Magengrube. Das ist Breaking Bad.

Gesamteindruck
Ist überragend übertrieben? Nein. Diese Episode war überragend. Man spürte förmlich, wie viel Spaß (während des Heist zum Beispiel) es den Darstellern gemacht haben muss, als sie Dead Freight gedreht haben. Das Sounddesign, die Kameraführung, der Heist an sich und dann natürlich das Ende. Dieses Ende wird einiges in Gang setzen. Insbesondere Jesse wird hart betroffen sein. Niemand sollte zu Schaden kommen, und vor allem kein kleines Kind. Ich würde gar behaupten, dass diese Folge schon den Anfang vom Staffelfinale markiert. Es ist einfach so ein Gefühl. Spekulativ: Es könnte zu einer Kettenreaktion kommen. Was ist mit Walter? Was ging ihm durch den Kopf, als Todd den Jungen erschoss? Seine Reaktion war in keiner Weise so dramatisch wie die von Jesse. War ihm bereits klar, was getan werden musste und was passieren würde? Hat er rational schon so weit gedacht, dass es nur eine Lösung für dieses „Problem“ geben würde? Und wer ist Todd wirklich? In dieser Konstellation nimmt er die Position von Mike ein und mich beschleicht das Gefühl, dass er mit diesem mehr zu tun haben könnte, als von Walter und Jesse gedacht. Nach dieser Episode war ich erst einmal ziemlich mitgenommen und musste eine Nacht darüber schlafen. Ein starkes Brett. Dead Freight. Fehlfracht. Oder einfach Ballast. Dies trifft hier in vielerlei Hinsicht zu.


Wie hat euch Dead Freight gefallen, wart ihr vom Ende ähnlich mitgenommen wie ich? Was ist euch aufgefallen, welche Fragen stellt ihr euch nach dieser Episode? Hinterlasst einen Kommentar, eure Meinung, Anregungen oder Kritik, ich freue mich darüber.

Am Sonntag, den 19. August, läuft Episode 6 der fünften Staffel von Breaking Bad, Buyout. Dazu dann wieder meine Gedanken hier, auf bommebastisch.blogspot.de.

Montag, 13. August 2012

Breaking Bad S05E04 - Fifty-One


ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!

Nach einer Woche Urlaub komme ich erst jetzt dazu, meine Meinung und Gedanken zu der vierten Episode der fünften Staffel von Breaking Bad zu äußern. Also ohne Umschweife und mit ein wenig Verspätung mein Senf zu Fifty-One.

Opening
Ist das Leben nicht schön? H to the E to the I to the S und so weiter. Am Opening sieht man, dass sich Schöpfer Vince Gilligan an dieser Stelle seiner Serie alles erlauben kann, selbst ein prolliges Vorgefahre der dicksten Karren, die der ansässige Autohändler Albuquerques im Angebot hat. Von der bestechenden Visualität so wie Akustik dieses Openings mal abgesehen, zeigt sie uns auch, dass sich Walter an einem Punkt befindet, an dem er etwas riskieren bzw. an dem er sein Leben einfach mal genießen will. Unlogisch handeln, aus dem Bauch heraus. Egal, was die Nachbarn denken. Wenn die wüssten.

Hank
Hank hat diese Episode ordentlich Screentime abgesahnt und tritt auch relativ zeitig in Erscheinung, als er die gute Lydia, verantwortlich für die Lieferung des Fasses Methylamin an Mr. White und Co. zur Produktion des „Blue Ice“, in die Mangel nimmt. Dabei zeigt sich recht schnell, dass Lydia labil und ein Risiko für die gesamte Operation von Walter, Jesse und Mike ist. Doch dazu später mehr. Hank hingegen beschäftigt sich nach wie vor mit dem Fring-Fall und bleibt misstrauisch. Überraschend für ihn kommt dann das Angebot, neuer Chef (ASAC) der DEA-Abteilung zu werden, nachdem Merkert letzte Folge freiwillig seinen Hut genommen hat. Warum denn nicht? Hank nimmt an und ich find’s cool. Obwohl ich einen leichten Anflug von (Selbst)Zweifel bei ihm verspürt habe. Gehört er nicht „ins Feld“? Dort, wo er seine Stärken ausspielen kann? Aber Hank ist ein helles Köpfchen, das wissen wir schon längst. Ich bin gespannt, wie sich seine Rolle in den nächsten Episoden definieren wird.

Birthday Fifty-One
Bevor ich zum wohl längsten Absatz bis dato komme, noch drei weitere Punkte, welche ich gerne erwähnen möchte. Zum einen Walt’s Geburtstag. Walter wird 51 und es ist fast genau ein Jahr her, als er seine Diagnose bekommen hat. Ein Jahr. „Seems like longer, doesn’t it?“ sagt Marie. Absolut. Ein Jahr ist vergangen seit Beginn der allerersten Staffel von Breaking Bad. Unglaublich. Mir kommt es wie eine Ewigkeit vor. Es ist so viel passiert, es hat sich so viel dermaßen drastisch verändert. In dem Moment, als Walt diesen Punkt in Fifty-One erwähnt, musste ich kurz inne halten. Ein Jahr. Wahnsinn.

Birthday Fifty-Two
An dieser Stelle verweise ich noch mal auf die erste Folgeder fünften Staffel von Breaking Bad, als wir im Opening einen etwas abgehalfterten Walter White sehen, der sich in einem einfachen Diner mit Bacon eine „52“ auf seinen Teller zaubert. Ein Jahr später als zur „aktuellen“ Zeit. Ich bin wahnsinnig gespannt darauf, wie diese Zeitthematik am Ende dann gelöst wird bzw. was es mit dem Opening aus Live Free or Die auf sich hat.

Jesse
Jesse bekommt man in Fifty-One nicht allzu oft zusehen, dennoch soll er hier nicht unerwähnt bleiben. So setzt sich Jesse der Gutherzige für Lydia und gegen ihre „Beseitigung“ ein, nachdem Mike (Full measures!) die Dame („Lunatic“) um die Ecke bringen will. Letzterer geht nämlich davon aus, dass der Tracker unter dem Fass Methylamin von Lydia selbst und nicht wie von Jesse vermutet von der Polente dort angebracht wurde. Mike erkennt das Risiko, dass mit der Zusammenarbeit mit Lydia einhergeht. Nicht, weil sie die drei Amigos ausspielen könnte, sondern schlicht und einfach weil sie dem Druck dieses illegalen Gebarens nicht Stand halten kann. Das könnte früher oder später ein großes Problem werden. Mr. White hat dann das Schlusswort, wobei man ihm deutlich anmerkt, dass er ganz andere Probleme hat (dazu gleich mehr). Seine Aussage: Die Maschinerie muss weiterlaufen, egal wie, das Methylamin ist notwendig, um das Meth herzustellen, nichts darf diesen Prozess unterbrechen. Doch direkt gegen die Ermordung Lydia’s hat er sich auch nicht ausgesprochen. Denn der Walt bzw. Heisenberg im Normalzustand hätte wohl nicht lange gefackelt und sich auch gegen Lydia entschieden. Das Risiko ist einfach zu groß.

The Skyler Diaries
Das zentrale Thema dieser Episode. Ich hatte es schon ein klein wenig prognostiziert, was nicht schwer zu erkennen gewesen ist. Wir erleben in der fünften Staffel von Breaking Bad eine sehr apathische, teilnahmslose Skyler White, welche große Probleme damit hat, sich an die neue Situation bzw. an ihr neues Umfeld inklusive skrupellosen Ehemann anzupassen. Schuldgefühle, Sorgen um den Nachwuchs und Todesängste plagen Sky. In Fifty-One läuft das Fass letztendlich über. Das fängt damit an, dass sie Junior aus Walt’s Umfeld entfernen möchte („New environment“, „Boarding school“), „gipfelt“ vorläufig in dem Versuch sich selbst umzubringen und endet in einer gut sechsminütigen Szene, in welcher wir einen der besten Dialoge dieser Staffel (Mutig: oder gar dieser Serie?) bis dato zu sehen bekommen.

Unmittelbar vor Skyler’s vermeintlichen Selbstmordversuch sehen wir Sky, Marie, Hank und Walter noch recht entspannt beisammensitzen. Doch hier stimmt etwas nicht. „Great dinner, Skyler.“ Sagt Hank, doch jeder am Tisch weiß, dass es nicht so ist. Es ist furchtbar unangenehm, für Sky, für Marie und Hank, für den Zuschauer. Auch für Walter? Ich denke nicht so sehr wie für die anderen, unterschätzt er die Situation doch ein wenig. Das Walter White sich je in irgendeiner Form mal unterschätzen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen können. Als Skyler sich dann erhebt, geistesabwesend wie sie ist, und gen Pool bewegt, ahnen wir, was kommen wird. Der Ausdruck in ihrer Augen, wie Walt im Hintergrund herzerwärmend in den Erinnerungen des vergangenen Jahres schwelgt; Skyler sieht in diesem Moment nur einen Ausweg: Dieses unnatürliche, schimmernde Pool-Blau. Und als sie dann unter Wasser ist hört sie nichts mehr. Nur noch dumpfe Geräusche, die kaum zu verstehen sind. Isolation von alldem, was ihr Kopfzerbrechen bereitet. Der einzige Ausweg. Und dann dieses kleine Lächeln, kurz bevor Walt sie aus dem Wasser fischt. Freude darüber, dass gleich alles vorbei ist? Dass sie nicht mehr all die Dinge hören muss, die ihr solche Ängste und Sorgen machen? Eine fantastische Szene, über welche man stundenlang reden/ diskutieren könnte.

Es folgt ein kleines Gespräch zwischen Walter, Hank und Marie, in welchem die beiden letzteren anbieten, Holly und Junior für eine Weile mit zu sich zu nehmen. Walt erkennt relativ schnell, dass dies Skyler’s Idee gewesen ist, will sie doch die Kinder vor seinem Einfluss schützen. Und prompt befinden wir uns im Schlafzimmer, Skyler gegen Walt, darauf haben wir gewartet. Dabei kommt erstere ohne Umschweife aus den Startlöchern, darauf hinweisend, dass sie die Kindern nicht mehr in diesem Haus haben möchte. „It isn’t safe.“ Skyler legt ihre Ängste (abermals) offen, Walt bleibt (noch) rational und versucht, seine Frau zu beruhigen. Man bekommt anfangs das Gefühl, dass Skyler aufgrund ihrer Emotionalität leicht die Oberhand gewinnt und Walt keinen Stich sieht, erfolgreich ihrer Argumentation entgegenzuwirken. Doch dann wird der Schalter umgelegt (nach etwa 3 ½ Minuten des Gesprächs), Walt’s out, Heisenberg’s in. Walt wirkt wie ausgewechselt, schlagartig bedrohlicher und sucht von hier an die direkte Konfrontation. What is your next move?“ (Walt zu Sky) Es schaukelt sich hoch, doch Walt behält den kühleren Kopf. Teilweise diskutiert er sie in Grund und Boden. Skyler erkennt, dass sie Walt nichts entgegenzusetzen, bis auf den einen Trumpf, welcher selbst Walter hart trifft. How are you going to save our kids from this terrible environment?Walt zu Skyler. Walt thront über ihr, was kann sie jetzt noch tun? „What’s the plan [Skyler]?“ Und Skyler offenbart sich, mit dem Rücken zur Wand. Jede Minute, in der die Kinder nicht in der Nähe von Walter sind, ist ein Erfolg für sie. Sie ist machtlos. „All I can do is wait, hold on.” (Sky) “What are you waiting for?(Walt) “For the cancer to come back.” (Sky) Boom. Sie wünscht sich den Tod Walt’s. Für die Sicherheit ihrer Familie. Puh.

Das scheint angekommen zu sein, sehen wir doch Walt am Ende der Episode gehorsam und unterwürfig. Der Riss ist eindeutig erkennbar, Walt versucht die Angelegenheit noch zu kitten, doch Skyler beachtet ihn nicht.

Birthday Present
Das darf nicht vergessen werden. Jesse’s Geburtstagsgeschenk für Walt. Eine Uhr. Ein Symbol für Zeit. Ein Symbol für Zeit, die abläuft. Walt’s Zeit? Fifty-One hat einiges deutlich gemacht, insbesondere, dass Walt’s Zeit, in welcher Form auch immer (metaphorisch für sein Leben, seine Beziehung mit Skyler etc.) am Ablaufen ist. Auch hier trifft das Schlussbild mal wieder ins Schwarze, ein Close-up von Walt’s neuer Uhr. Tick-tick-ticking… Wir erinnern uns.

Gesamteindruck
Sehr gut. Viele Dialoge, viele neue Erkenntnisse bzw. Dinge, welche uns an mancher Stelle schon mehr oder weniger klar gewesen sind und nun endlich auch ausgesprochen wurden und sich bestätigt haben. Bryan Cranston hat sich mal wieder famos geschlagen und gerade auch Anna Gunn zeigte im Zusammenspiel mit ersterem, was für eine gute Schauspielerin sie ist. Skyler beschäftigt mich nach wie vor, ich kann sie nicht wirklich gut leiden, doch oftmals ihre Punkte gut nachvollziehen. Ich hätte ihr zugetraut, Walt’s Leben höchstpersönlich zu beenden, doch in Anbetracht des „Geburtstags-Bacons“ hier in Fifty-One und in Episode 1, Live Free or Die, schwant mir ein eher unschönes Ende für sie.


Das waren auch schon wieder meine Gedanken zu Episode 4 der fünften Staffel von Breaking Bad, Fifty-One. Wie man erkennen kann, stand dieses Mal Skyler etwas mehr im Mittelpunkt, verzeiht mir den etwas ausführlicheren Absatz, aber das musste ich einfach loswerden.

Gestern (Uff!) lief bereits Folge 5, Dead Freight, also geht dieser kleiner Text ja bereits schon als Re-Review durch. Meine Gedanken zu Dead Freight folgen dann die Tage, eventuell sogar schon morgen. Double Feature sozusagen. Kritik, Anregungen, Theorien etc. gerne in den Kommentarbereich, ich freue mich auf euren Input.