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Mittwoch, 18. September 2013

Breaking Bad S05E14 - Ozymandias

Es folgen etwas verspätet meine gesammelten und wie so oft äußerst umfangreichen Gedanken zur 14. Episode der fünften Staffel von Breaking Bad, Ozymandias.

ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!

Opening
Nachdem wir letzte Woche in einem für Walt als auch den Zuschauer äußerst ungünstigen Moment eingehalten haben, wartet die Eröffnung von Ozymandias eher entspannt und gar ein wenig idyllisch auf. Wir befinden uns nach wie vor in To’hajiilee und bekommen einen Rückblick zu sehen. Walt (Bryan Cranston) und Jesse (Aaron Paul) sind ganz am Anfang ihrer Geschichte und stellen in ihrem RV Crystal Meth her. Die (Arbeits)Beziehung zwischen den beiden ist noch ziemlich frisch, Walt kleinlich wie eh und je, und Jesse so vorlaut und frech wie wir ihn in den ersten Folgen von Breaking Bad kennen gelernt hatten. Dennoch ist es für den Zuschauer ein interessanter Blick zurück in die gute, alte Zeit. Dabei wurde nicht nur die Optik der ersten Folgen von Breaking Bad gut eingefangen, auch die Szene an sich funktioniert als ein wunderbarer Reminder, um es mal ganz neudeutsch auszudrücken. Man bekommt noch einmal vor Augen geführt, welch krasse Entwicklung Breaking Bad und insbesondere Walter White genommen hat. Ein kurzes Telefongespräch zwischen ihm und Skyler erinnert uns daran, dass er eigentlich ein ganz liebenswerter Familienvater war, optimistisch, dass er seine schwere Erkrankung besiegen kann, auch wenn er dafür illegale Geschäfte betreiben muss. Etwas mehr als ein Jahr später hat er eine Entwicklung genommen, die er sich wohl hätte nie vorstellen können.

Do what you got to do
Nach dem Opening setzen wir unmittelbar in der finalen Szene der letzten Folge (To’hajiilee) ein. Dabei gibt es einen schönen Übergang zwischen dieser und der vorangegangenen Szene, da wir uns praktisch an ein und demselben Ort befinden, wo Jesse und Walt im Opening noch zum ersten Mal gemeinsam Meth gekocht haben und wo sich nun der Showdown zwischen Walt, Hank und Jack abspielt. Der Kugelhagel verstummt und langsam lichtet sich das Feld. Hank (Dean Norris) ist am Bein getroffen, sein Blick geht auf seinen Kollegen und guten Freund Gomez (Steven Michael Quezada), der nicht so glimpflich davongekommen ist und leblos auf dem sandigen Wüstenboden liegt. Von Jesse ist keine Spur, er scheint Reißaus genommen zu haben. Hank versucht noch mit letzter Kraft Gomeys Schrottflinte zu erreichen, doch steht Jack (Michael Bowen) schon parat und unterbricht diesen Versuch. Jack fackelt auch nicht lange und will Hank sogleich von seinen Leiden erlösen, wäre da nicht Walt, der auf der Rückbank des zerschossenen SUVs Deckung suchen musste und jetzt hervorschnellt, um Jack davon abzuhalten, Hank hinzurichten. Walt glaubt daran, dass er Hank irgendwie retten bzw. dass sein Schwager verschont werden kann. Er bittet Jack eindringlich, Hank nicht zu töten und bietet ihm das Geld an, welches hier in To’hajiilee unter der Erde versteckt liegt. 80 Millionen US-Dollar. „That’s a hell of an offer.“ Da staunt selbst Jack nicht schlecht. Und was hält Hank von diesem Angebot? „My name is ASAC Schrader. And you can go fuck yourself.

Walt versucht, Hank zu beschwichtigen. Hier ist noch nichts verloren, doch Hank ist sich längst bewusst, wie diese Situation enden wird. You’re the smartest guy I ever met and you’re too stupid to see. He [Jack] made up his mind ten minutes ago.(Hank zu Walt) So einfach, wie sich Walt das vorstellt, geht es nicht, 80 Millionen hin oder her. So blickt Hank Jack noch einmal fest ins Gesicht. „Do what you got to do.“ Und Jack drückt ab, unmittelbar nachdem Hank diesen Satz von sich gegeben hat. Walt. Stille. Walts Gesicht verzieht sich zu einer Grimasse des Leidens, er bricht zusammen und schlägt auf dem Boden auf. Sein Gesichtsausdruck hat fast etwas Gespenstisches. Hank ist tot. Und Walt hat großen Anteil daran, er hat dieses Unheil über Hank und somit über seine gesamte Familie gebracht.

Bevor es weitergeht muss ich mich natürlich kurz zu diesem Abschnitt im Speziellen äußern. Tja, das war’s. Ich und bestimmt auch viele andere hatten nach den letzten Episoden etwas in diese Richtung erwartet, doch dachte ich, dass man sich Hank wirklich bis zum Schluss aufhebt. Falsch gedacht. Weiterhin ziehen Vince Gilligan und Co. konsequent ihr Ding durch. Und Walt ist machtloser als je zuvor. Es gibt einfach keinen glorreichen, interfamiliären Zweikampf zwischen Hank und Walt. Breaking Bad bleibt real, hart und verteilt gnadenlos Schläge in die Magengrube. Und das gefällt mir sehr gut. Eure Eindrücke bitte in den Kommentarbereich, wir hatten da letzte Woche schon eine ähnliche Diskussion, die man anhand dieser Szene sicherlich noch einmal aufgreifen könnte.

No hard feelings
Es findet zwar kein Szenenwechsel statt, doch teile ich diese Sequenz lieber in zwei verschiedene Abschnitte. Walt liegt am Boden, vollständig geschockt. Jack wiederum zählt relativ schnell zwei und zwei zusammen, er ist ja nicht auf den Kopf gefallen. Die Koordinaten, die ihm Walt gab, sind doch schon ziemlich genau, also muss hier doch irgendetwas versteckt liegen. Und nach einer kurzen Buddeleinlage stoßen Jack und seine Mannen auch auf Walts Geldversteck. Walt liegt derweil nach wie vor regungslos im Sand, das Gesicht grässlich verzogen. Nur Todd (Jesse Plemons) sieht man etwas Mitleid für Walt an. Natürlich fragt man sich, was jetzt passieren könnte. Walt verliert gerade alles, erst wird Hank vor seinen Augen umgebracht, jetzt wird ihm sein Geld weggenommen, auch wenn ihm dies in diesem Moment nicht wirklich beschäftigt, ist er doch mit seinen Gedanken bei Hank. Dank Todds Fürsprache überlässt Jack Walt zumindest ein Fass mit Geld, und schlägt vor, die ganze Sache einfach zu vergessen. Walt scheint sich langsam wieder zu sammeln und schlägt ein.

Doch eine Sache wäre da noch: „Pinkman.“ (Walt) Walt projeziert seine gesamte Wut nun auf Jesse, der Hank theoretisch ja an diesen Ort geführt und eine Mitschuld trägt. Jack soll sich noch um Jesse kümmern. Kein Problem, sagt Jack, sobald Walt Jesse auftreiben kann und gefunden hat, kümmert er sich darum. I found him.(Walt) Die Kamera schwenkt auf Walts Wagen. Schon vorher gab es in dieser Folge einen Moment, in dem Walt das Fahrzeug entschlossen mit seinen Augen fixierte. Jetzt wird deutlich warum. Unter dem Wagen versteckt sich nämlich Jesse. Der wird prompt hervorgezogen und so scheint auch sein letztes Stündchen gezählt zu haben. Das Verrückte daran ist, dass ich mir wirklich vorstelle, dass Jesse jetzt einfach hingerichtet werden könnte, weil es den Machern von Breaking Bad schlicht und einfach zuzutrauen wäre. Doch springt abermals Todd dazwischen. Er schlägt vor, dass man Jesse erst einmal ausfragt, was er Hank denn erzählt hat, bevor man ihn um die Ecke bringt. Jack ist damit einverstanden, und auch Walt nickt es ab, doch hat er bevor Jesse abgeführt noch etwas zu sagen. I watched Jane (Krysten Ritter, Staffel 2) die. I was there. I watched her overdose and choked to death. I could have saved her. But I didn’t.” (Walt zu Jesse) Walt drückt Jesse noch einmal richtig einen rein. So wie Jesse Hank auf dem Gewissen hat (so sieht es zumindest Walt in diesem Moment), hat auch Walt jemanden auf dem Gewissen, der Jesse sehr viel bedeutete. Jesse ist wiederum von dieser Offenbarung äußerst hart getroffen und sackt kraftlos zusammen. Jesse wird ihn ein Auto verfrachtet, Jack und Co. fahren ab und Walt steht allein und zurückgelassen in der Wüste. Noch einmal gibt es den bildhaften Verweis auf das Opening. Damals, heute, die Unterschiede könnten nicht größer und dramatischer sein.

Times Are Gettin' Hard
Walt steigt in seinen Wagen ein und will diesen verhängnisvollen Ort verlassen. Interessanterweise setzen jetzt auch erst die Credits ein, man hat wohl ganz bewusst in den intensiven 20 Minuten zu Beginn der Folge darauf verzichtet, die Namen der Darsteller einzublenden. Walt ist ziemlich mitgenommen, er blickt noch einmal in den Rückspiegel, eine kleine Referenz bezüglich der zehnten Episode der fünften Staffel, Buried, als er auch in den Rückspiegel blickte und Hank dort stehen sah. Hier in To’hajiilee liegt nun sein Schwager ver- bzw. begraben, in dem Loch, wo Walt in Buried noch sein Geld versteckte. Walt macht sich auf den Weg, kommt aber nicht weit, ist der Tank seines Fahrzeuges doch beschädigt. Also rollt er das Fass voller Geldbündel durch die karge Wüstenlandschaft New Mexicos, dazu bekommen wir den melodisch eher leichten Song Take My True Love By The Hand von The Limeliters zu hören, was erst ein wenig unpassend und bizarr wirkt, aber nicht wirklich überraschend ist, kennt man solche untypischen Einlagen doch nur zu gut von Breaking Bad. Walt kommt schließlich an einer Hütte an, aus welcher ein indianischer Ureinwohner Amerikas tritt. Walt möchte dessen Pick-Up erwerben und bekommt diesen auch nachdem er ein fettes Bündel Geldscheine zückt. Mit dem Fass auf der Ladefläche geht es nun erst einmal Richtung Albuquerque.


Tell him
Marie (Betsy Brandt) betritt die Waschanlage der Familie White und wirkt äußerst erleichtert. Skyler (Anna Gunn) versucht derweil Walt zu erreichen, aber ohne Erfolg. Marie erklärt ihr in einem Vier-Augen-Gespräch auch sogleich, woran das liegt. Hank hat Walt nämlich festgenommen, der Spuk ist endgültig vorbei. Es fühlt sich wie eine Art Siegesrunde von Marie an, auch wenn das Gefühl von Euphorie eher durch Erleichterung ersetzt wird. Natürlich weiß sie nichts von dem schrecklichen Schicksal ihres Gatten. Skyler wiederum sieht während des gesamten Gesprächs sehr betroffen und aufgewühlt aus. Marie hofft, dass sich Skyler jetzt bessern wird und die Vergangenheit hinter sich lassen kann. Sie kann auf jeden Fall mit ihrer und Hanks Unterstützung rechnen. Doch es gibt Bedingungen. Zum einen muss das Video, dass Walt und Skyler angefertigt hatten, um Hank zu schaden, samt aller bestehenden Kopien vernichtet werden. Zum anderen muss Skyler Junior (RJ Mitte) erzählen, wer sein Vater wirklich ist. Das kommt für Skyler nicht in Frage, doch lässt Marie ihr keine andere Wahl. „You tell him or I will!“ (Marie zu Skyler)

Let’s cook
Für Jesse sieht es nicht so gut aus. Er ist eingekerkert und wurde ordentlich zu gerichtet. Die „Befragung“ durch Todd hat ihre Spuren hinterlassen, körperlich als auch geistig. So ist Jesse auch sehr verängstigt, als Todd ihn aus seinem Gefängnis holen will. Jesse hat anscheinend schon längst gesungen, was wollen sie jetzt noch von ihm? Eigentlich gibt es da ja nur noch eine Sache… Doch bleibt Jesse (vorerst?) am Leben und wird von Todd in die Lagerhalle geführt, in welcher sich das Drogenlabor befindet. Er blickt sich um und wird sogleich von Todd wie ein Hund (rabid dog?) an die Leine gelegt. Sein Blick wird auf ein Bild gelenkt, das an einer dünnen Metallstange hängt. Da er sich relativ frei bewegen kann, nähert er sich diesen Bild und erkennt darauf Andrea und Brock. Ein Druckmittel. Jack hat ihn in der Hand, und sollte er nicht spuren, wird er Andrea und Brock etwas antun. Todd tritt wieder in Erscheinung. „Let’s cook.“ (Todd zu Jesse) Jesse ist jetzt das Laboräffchen und ihm bleibt keine andere Wahl, als zu gehorchen. Was in dieser Szene und gerade am Ende sehr auffällt sind die beiden verschiedenen Gesichtshälften Jesses, welche irgendwie an das unrühmliche Ende von Gustavo Fring (Giancarlo Esposito) erinnern, ob gewollt oder nicht (sicherlich gewollt).

Liar
Zurück im Büro der Waschanlage erzählt Skyler in Anwesenheit von Marie ihrem Sohn Junior von seinem Vater. Junior kann es nicht glauben und ist sehr aufgebracht. Er ist kaum zu beruhigen und bezichtigt seine Mutter und sein Tante, Lügnerinnen zu sein. Für Junior ist sein Vater ein aufrichtiger Mensch, er hat ihn über die Jahre idealisiert, diese Geschichten über ihn können nicht stimmen. Toll zu sehen, dass auch RJ Mitte ein guter Schauspieler ist. Seine Auftritte sind ja eher reserviert und bestehen größtenteils daraus, dass er Frühstück isst, doch hier bringt er seine Aufgebrachtheit sehr gut rüber. Auch Skyler hat ihre Probleme, mit der Situation umzugehen und bricht in Tränen aus. Junior stürmt aus dem Büro und Marie rät Skyler, mit ihm erst einmal nach Hause zu fahren, er wird sich schon beruhigen.

We are family
Walt ist zu Hause angekommen und packt jetzt hektisch Koffer, hier können er und seine Familie nicht bleiben. Zur gleichen Zeit fahren Skyler und Junior (und Holly) vor. Junior ist logischerweise immer noch sehr aufgebracht. „If all this is true and you knew about it, than you’re as bad as him.(Junior zu Skyler) Korrekt. Und das weiß auch Skyler selbst. Skyler bemerkt den Pick-Up in der Einfahrt und prompt tritt auch Walt aus dem Haus heraus. Er hat es eilig und will, dass Skyler und Junior schnellstmöglich ihre Sachen packen, sie müssen weg von hier. Junior löchert seinen Vater mit Fragen, doch dieser wimmelt ihn ab. Skyler ist verwundert, dass Walt hier ist, erzählte ihr doch Marie, dass Hank ihn festgenommen hat. „Where is Hank?“ fragt sie ihn, Walt versucht auszuweichen, hat aber selbst mit sich und seinen Emotionen zu kämpfen. Man merkt Skyler schon eine gewisse Ahnung an. Wieder fragt sie ihn. Where is Hank?Walt redet auf Skyler ein, sie haben viel Geld, sie müssen einfach nur noch fort von hier und alles hinter sich lassen. Dann spricht es Skyler aus. „You killed him. You killed Hank.“ Es folgt die totale Eskalation.

Während Walt sich Juniors unzähligen Fragen stellen muss, bekommen wir eine verhängnisvolle Aufnahme zu sehen. Auf dem Küchentresen steht sowohl ein Telefon als auch ein Messerblock, im Hintergrund nähert sich Skyler langsam diesen beiden Gegenständen. Sie könnte die Polizei rufen, doch greift sie nach einem Messer und schon im nächsten Moment stellt sich schützend vor ihren Sohn und bedroht Walt mit der vorgehaltener Klinge. „Get out.“ Es reicht. Bis hierhin und nicht weiter. Walt versucht sie zu beruhigen, doch wie aus dem nichts greift Skyler an! Walt reißt die Hände hoch und bekommt einen ordentlichen Schnitt an seiner rechten Hand verpasst. Jetzt eskaliert die Situation endgültig. Walt und Skyler ergeben sich in ein wildes Getümmel, das Küchenmesser mittendrin, während Junior versucht die Gemüter zu beruhigen. Doch gerade dieses Küchenmesser lässt mich einfach nicht los, ich sehe vor meinem geistigen Auge schon Junior mit dem Messer im Bauch auf dem Teppichboden liegen 

Walt gewinnt die Oberhand und drückt Skyler zu Boden, Junior springt beherzt dazwischen und stellt sich schützend vor seine Mutter. „What the hell is wrong with you! We are family!“ brüllt Walt Skyler entgegen. Ja aber, what the hell is wrong with you Walt? Er hat komplett die Beherrschung verloren und hätte beinahe vor den Augen Juniors Skyler wohlmöglich etwas Unverzeihliches angetan. Junior greift zum Telefon und ruft die Polizei. Langsam realisiert Walt, was er getan hat. Er schnappt sich Holly und flieht, Skyler rennt ihm hinterher und versucht ihn aufzuhalten, jedoch ohne Erfolg. Walt biegt mit seinem Wagen um die Ecke, Skyler sackt völlig aufgelöst auf der offenen Straße zusammen und so endet dieser äußerst packende und dramatische Moment in Ozymandias, der einen etwas fassungslos hinterlässt.

No mama
Walt hat erfolgreich die Flucht ergriffen und kümmert sich erst einmal um Baby Holly, deren Windeln gewechselt werden müssen. Der kleinen Holly kommen dann ein paar herzzerreißende Worte über die Lippen. „No mama.“ Walts Blick sagt mehr als tausend Worte. Alles ist im Argen. So weit hat er es getrieben, er ist praktisch für Hanks Tod verantwortlich und er hat seine Frau, die Mutter seiner Kinder angegriffen. Hier gibt es nichts mehr zu kitten. Der Tiefpunkt.

Do not cross me
Wieder zurück im White-Haus ist bereits die Polizei vor Ort, ebenso wie Marie. Die stammelt ungläubig ein paar Dinge vor sich hin, man hat ihr anscheinend von Hanks Tod erzählt. Das Telefon klingelt. Walt ist am anderen Ende der Leitung und verlangt von Skyler, dass sie abhebt. Manch einer würde eventuell mit einer Entschuldigung Walts rechnen, aber weit gefehlt. Er rechtfertigt sich gegenüber Skyler, was arg seltsam anmutet. Er hatte sie gewarnt, was passieren würde, wenn man ihm zu nahe kommen würde. Walt wirkt sehr angefressen und redet Tacheles, harte Formulierung („You stupid bitch!“, Walt zu Skyler) und Drohungen inbegriffen. Skyler erkennt, wie gefährlich Walt gerade in diesem Moment ist, außerdem hat er ihre Tochter, also spielt sie mit. Walt meint es todernst, so hört es sich zumindest für Skyler an. Könnte sie ihn sehen, wusste sie, wie schwer es ihm fällt, diese Worte auszusprechen. Natürlich kommen sie auf Hank zu sprechen, und es ist wie es ist, Hank ist tot. You never gonna see Hank again. He crossed me. You think about that. Family or no. You let that sink in.(Walt zu Skyler) Harte Worte, doch sehen wir auch, wie unglaublich schwer sich Walt tut, diese Fassade aufrechtzuerhalten. Nicht nur Marie und Skyler haben Tränen in den Augen, auch Walt selbst ist emotional sehr betroffen. Ein letztes Mal bittet Skyler Walt, ihr Holly zurückzubringen und selbst nach Hause zu kommen. Mit brüchiger Stimme antwortet er ihr: „I’ve still got things left to do.“ Dann legt er auf. Unter Tränen zerstört er das Mobiltelefon und blickt in seinen Wagen, wo sich Holly befindet. Er hat längst erkannt, dass er alles verloren hat. 

Im Hintergrund sehen wir eine Feuerwehrwache. Die Feuerwehrleute darin werden auf einmal aufmerksam, als in der Garage die Signallichter eines Löschfahrzeugs aufleuchten. Ein Feuerwehrmann schaut sich das etwas genauer an und findet im besagten Löschfahrzeug Holly sitzen, die von Walt dort zurückgelassen wurde. Gut so Walt.

Interessant ist eventuell noch der Blick auf das Schachspiel zwischen zwei Feuerwehrmännern, welches man kurz vorher zu sehen bekommt. Der weiße König (My name is Ozymandias, king of kings...) wird hinter zwei weißen Bauern in Sicherheit gebracht, im Hintergrund sieht man noch einen weißen Springer und mehrere schwarze Spielfiguren. Ein schönes kleines und vor allem symbolträchtiges Detail. Es sieht schlecht aus für den weißen König. Er scheint noch eine minimale Chance zu haben, doch hat er eigentlich jede bedeutende Spielfigur verloren. Nur noch zwei Bauern bleiben ihm und wer weiß, wie lange diese ihn noch schützen können.

Adios
Walt sitzt an derselben Stelle, wo wir in Jesse noch in Confessions haben sitzen sehen. Offensichtlich ist Walt mit Saul in Kontakt getreten und hat nun selbst den Kerl angeheuert, der Jesse aus Albuquerque schaffen sollte. Mit ein paar Koffern und dem Plastikfass voller Geld steigt er in den vorfahrenden Wagen. Ein kurzer Blick in den Seitenspiegel und weg ist er. Ein herumstreunender Hund (rabid dog? #2) überquert die Straße. Das war Ozymandias.

Gesamteindruck
Hart und gnadenlos. Mit dem Tod Hanks hatte man ja irgendwie gerechnet, ich auf jeden Fall, dass er jetzt „schon“ kam überraschte mich ein wenig. Wenn man jedoch kurz überlegt dann verwundert es nicht wirklich. So ist nun mal Breaking Bad. In Ozymandias gab es wirklich viel, was mir sehr gut gefiel. Erstens, der endgültige Tiefpunkt Walter Whites, dieser gefühlt endgültige Abschluss seiner Entwicklung. Auch die Familie ist im letztendlich komplett entglitten, jetzt gibt es nur noch ihn. Zweitens, die Darsteller, obwohl das eigentlich immer zutrifft. Bryan Cranston macht das fantastisch, aber auch Anna Gunn gefiel mir außerordentlich gut. Generell muss man sagen, dass sehr viel mit Nahaufnahmen gearbeitet und viel Augenmerk auf die Mimik der Darsteller gelegt wurde. Wenn man dann noch Leute wie Cranston, Gunn, Dean Norris, Aaron Paul, Betsy Brandt oder RJ Mitte hat, kann eigentlich nur etwas sehr gutes dabei herumkommen, wie man ja dann auch schlussendlich sehen konnte. Rian Johnson, unter anderem Regisseur vom sehr guten Looper und welcher bereits bei der für meinen Geschmack wahnsinnig guten Folge Fly in der dritten Staffel (S03E10) und Fifty-One (S05E01) Regie führte, hat Ozymandias meiner Meinung nach ganz hervorragend inszeniert, mit vielen kleinen Details und Verweisen, mit sehr ausführlichen und intensiven Szenen und vor allem mit einer großartigen Eindringlichkeit. Sehr gut.

Wie geht’s nun weiter? Natürlich hat man Zauselbart-Walt und sein Maschinengewehr aus der ersten Folge der fünften Staffel (Live Free or Die) im Hinterkopf. Zieht sich Walt nun erst einmal zurück, um dann mit geballter Ladung zurückzuschlagen? Und was ist mit Jesse? Ich bin sehr gespannt, was als nächstes passieren wird. Zwei Folgen noch, Freunde. Aber erst einmal interessiere ich mich für eure Meinung über Ozymandias. Wie hat’s euch gefallen, was hat euch überrascht, was war in euren Augen nicht so gut? Was kommt jetzt auf uns zu? Vielleicht ein kleiner Zeitsprung? Läuft Walt demnächst Amok, eventuell schon nächste Woche? Eure Vermutungen, Ideen, Kritik und gerne auch Feedback in den Kommentarbereich. Dicken Dank dafür und die Beteiligung in den letzten Wochen. So macht mir das hier doch gleich viel mehr Spaß.

Ja, nächste Woche. Da gibt es dieses Problem. Urlaub. Ein Woche lang. Ob die auf Mallorca Internet haben? Da ich erst nächste Woche Samstag wieder im Lande bin, verschiebt sich die Veröffentlichung der Rezension der nächsten Folge, namentlich Granite State, ein wenig nach hinten. Tja. Das kommt davon, wenn man in seiner Urlaubsplanung das Serienfinale von Breaking Bad nicht berücksichtigt. Aber ich liefer es nach, versprochen. Bis dahin.

Dienstag, 20. August 2013

Breaking Bad S05E10 - Buried

Es folgen meine gesammelten und wie so oft äußerst umfangreichen Gedanken zur 10. Episode der fünften Staffel von Breaking Bad, Buried.

ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!! 

Opening
Nachdem wir letzte Woche eine Art Foreshadowing und Blick in die nahe Zukunft des Walter Whites erhaschen konnten, lässt man diese Woche die Zukunft Zukunft sein und widmet sich der Gegenwart. Wie fast immer ist man zu Beginn des Openings etwas auf verlorenen Posten. Ein älterer Herr tritt in Erscheinungen und aus seinem Haus heraus. Er möchte soeben in sein Auto steigen, als sein Blick auf etwas fällt, dass in seiner Einfahrt liegt: ein dickes Geldbündel. Ungläubig blickt sich der Senior um und entdeckt prompt weitere Bündel dieser Art. Nicht schlecht, wird er sich wohl denken, doch ganz geheuer ist ihm das nicht. Wir als Zuschauer wissen natürlich, dass Jesse (Aaron Paul) dahinter steckt, welcher in Blood Money noch diese Geldbündel aufgrund starker (Mit)Schuldgefühle wie ein Zeitungsjunge in der Nachbarschaft verteilte. Und dieser Jesse hat auch im Opening einen kurzen, wortlosen Auftritt, doch sagt dieser wieder einmal mehr als tausend Worte. Der ältere Herr bemerkt ein Fahrzeug, dass auf dem nahe liegenden Spielplatz steht. Darin befindet sich ein Tasche gefüllt mit noch vielen mehr von diesen dubiosen Geldbündeln. Gleichzeitig vernimmt er (und auch der Zuschauer) ein unangenehmes Quietschen. Die Kamera schwenkt auf eine sich drehende Plattform wie man sie von Spielplätzen kennt. Darauf liegt Jesse, abwesend und doch beschäftigt, zumindest gedanklich. Gepaart mit dem nervenden Geräusch des verrosteten Spielgeräts, macht auch diese Szene deutlich, dass Jesse zurzeit (bzw. eigentlich schon seit einiger Zeit) einfach nicht mehr die Person ist, die er mal gewesen war. Immer wieder faszinierend sind für mich, wie zum Beispiel auch in diesen Moment, Aaron Paul’s glasige Augen, mit den er einfach wie kein anderer gekonnt ins Leere blicken kann und dadurch eine so verwundbare und am Boden zerstörte Person darstellt. Ein stiller, aber viel sagender Moment zu Beginn dieser Episode.


Objects in mirror are closer than they appear
Puh. Nachdem wir letzte Woche mit der Konfrontation von Hank und Walt aufgehört haben („Tread lightly.“), setzen wir auch gleich wieder an selber Stelle ein. Hank (Dean Norris) und Walter (Bryan Cranston) hatten ihren talk, beide schauen sich noch einmal tief in die Augen, bevor sich letzterer auf den Weg macht. Die Spannung ist förmlich greifbar. Keiner verliert sein Gesicht vor den anderen. Dass Hank’s Ermittlungen und Vorwürfe aber doch nicht ganz an Walt vorbeigehen, zeigt sich, als sich das Garagentor zwischen ihm und Hank schließt. Hektische Musik setzt ein, Walt rennt etwas panisch zu seinem Wagen und versucht sofort Skyler (Anna Gunn) zu erreichen. Er muss sie davon in Kenntnis setzten, dass Hank seinem (bzw. ihren) Geheimnis auf die Schliche gekommen ist. Jedoch kommt Walt nicht durch, Skyler telefoniert gerade. „What do you mean, she won’t get off the phone?“ (Walt). Im Hintergrund öffnet sich noch einmal das Garagentor und Hank tritt heraus. Walt blickt in den Seitenspiegel seines Autos und sieht eben diesen mit einem Telefon in der Hand bzw. am Ohr. Zu spät, Walt. Hank war schneller. Wie ein Wilder rast Walt zur Waschanlage. Doch Skyler ist nicht mehr da.

We need to talk
Wie es uns bereits in der Szene zuvor suggeriert wurde, ist Hank erfolgreich bei Skyler durchgekommen und hat sie anscheinend von Walt's eigentlicher Persönlichkeit in Kenntnis gesetzt. Doch weiß Hank natürlich nicht, dass Sky schon seit langer Zeit im Bilde ist. Viel mehr als das, Skyler kann man rein theoretisch spätestens seit dem Kauf der Waschanlage und dem systematischen Geldwaschen als Mithelferin oder auch Komplizin Walt’s bezeichnen. Skyler und Hank treffen sich in einem Diner, wobei letzterer sofort sehr fürsorglich mit seiner Schwägerin umgeht. Er versteht jetzt alles, die Probleme zwischen ihr und Walt, ihren Selbstmordversuch etc. Und er will ihr helfen. Hank wirkt dabei so verständlich und beruhigend gegenüber Skyler, aber auch so unfassbar wütend und angewidert gegenüber Walt. Dean Norris zeigt sich hier von einer sehr starken Seite. „He’s a monster.“ (Hank). Monster ist hier wohl noch eine der harmlosesten Bezeichnungen Hanks für Walt, dem der Hass und Zorn gegenüber seinem Schwager wahrlich ins Gesicht geschrieben steht und welchen er auch sogleich offen kundtut. Skyler wiederum kann ihren derzeitigen Gemütszustand gut kaschieren, was vor allem daran liegt, dass sie sehr geschockt aussieht und Hank dies als völlig natürlich einordnet. Als Zuschauer wissen wir jedoch viel mehr als Hank und so wird die Interpretation von Skyler’s Mienenspiel zu einer sehr interessanten Aufgabe. Sie scheint nicht wirklich zu wissen, wie sie auf all dies reagieren sollen, die Konsternation ist ihr ins Gesicht geschrieben. Hank will schnell handeln und bittet Skyler darum, eine Aussage zu tätigen, doch überfordert dies Skyler in jeglicher Hinsicht. Ein „Do we have to do this right now?“ bibbert über ihre Lippen. Zusätzlich erfährt sie auch noch von Hank, dass Walt’s Krebserkrankung zurück ist, was die Entscheidung über ihr weiteres Vorgehen nicht wirklich erleichtert. Skyler braucht erst einmal Zeit zum Nachdenken und versucht, die Situation zu entschleunigen. Doch Hank drängt sie. „It’s in your best interest to get out there and show the world you have nothing to hide.“ (Hank zu Skyler) – doch da liegt das Problem. Sie hat etwas zu verbergen. Die Szene endet wie man es fast erwartet hat. Für Skyler ist es einfach zu viel auf einmal, sie bekommt eine Panikattacke und stellt Hank mehrmals und sichtlich aufgelöst die Frage „Am I under arrest?!“, jedes Mal ein wenig lauter, bis sie ihn förmlich anschreit. Was Hank als eine wohlmöglich normale Reaktion ob des Inhalts des Gespräches zwischen ihr und ihm deutet, ist natürlich viel mehr als das. Skyler muss raus, sie muss weg von Hank. Alles könnte nun zusammenbrechen. Eine tolle Szene zwischen Anna Gunn und Dean Norris.

Huell McDuck
Nach diesem recht intensiven und packenden Moment wartet Buried nun mit einer kleinen Comic Relief-Szene auf. Wir sehen das Innere der Lageranlage in welcher Walt in einem der Räume diesen gigantischen Haufen Geld („Jesus, Mary and Joseph!“) aufbewahrt (S05E08 Gliding Over All). Saul’s Handlanger Huell (Lavell Crawford) und Kuby (Bill Burr) haben den Auftrag bekommen, das Geld aus dem Lager zu schaffen, es scheint dort nicht mehr sicher zu sein. Aber beim Anblick das Haufens verschlägt es Huell und Kuby die Sprache. „I got to do it man…“ gibt Huell von sich und legt sich grunzend auf das Bett aus Geldscheinen. Nach kurzem Protest gesellt sich auch sein Kollege dazu. Ein scheinbar überragendes Gefühl. „Mexico. All’s I’m sayin’…“. Huell spielt doch ernsthaft mit dem Gedanken, zuzugreifen und sich über die Staatsgrenze zu verdrücken. Kuby jedoch hat ebenfalls einen kleinen Hinweis für Huell und erinnert diesen daran, wem denn dieser Haufen Geld gehört: dem Typen, der innerhalb von zwei Minuten zehn Leute hat umbringen lassen (wieder S05E08 Gliding Over All). Also vergiss das mal lieber wieder ganz schnell Huell. Ein Grinsen beim Anblick des eher kräftigen Helfershelfer kann sich wohl niemand verkneifen.

Send him to Belize? I’ll send you to Belize.
Wir sehen Saul (Bob Odenkirk) und Walt. Saul versucht Jesse zu erreichen, jedoch ohne Erfolg. Walt wiederum erhält endlich einen Rückruf von Skyler, doch Saul verbietet ihm förmlich ranzugehen. Am anderen Ende könnte Hank mit einem Aufnahmegerät sitzen und dann wäre wirklich alles im Argen. Für Walt ist es dies schon längst, doch Saul versucht ihn zu beruhigen („It’s bad, but it could be worse.“) Was an dieser Situation allerdings noch schlimmer sein könnte, mag Walter nicht so recht einleuchten. Denn: „Hank knows.“ (Walt). Schlimmer könnte es nicht sein. Saul macht dann einen äußerst gewagten Vorschlag, Hank nach Belize zu schicken, da wo Walt auch Mike hingeschickt hat. Was sich anfangs etwas kryptisch anhört, wird relativ schnell sehr deutlich: Saul schlägt vor, dass Walt Hank doch um die Ecke bringen könnte. Walt kann gar nicht glauben, was er gerade gehört hat („Hank is family!“) und ist eher erschüttert. In diesem Moment war ich erst ein wenig erleichtert, dann mich beschleicht, wie auch schon in der ersten Hälfte der fünften Staffel mit Bezug auf Mike, das Gefühl, dass Hank weit oben auf der Abschussliste stehen könnte. Vince Gilligan und Co. wäre dies durchaus zuzutrauen. Walt’s entschiedene Haltung dagegen vermittelt erst einmal den Eindruck, dass Hank weiteres Fortbestehen (noch) relativ sicher ist. Es könnte aber natürlich auch die erste Stufe des Unvermeidbaren bzw. der erste Schritt in diese Richtung sein. Niemand hätte ja auch damit gerechnet, dass Walt irgendwann einmal Mike umbringen würde oder? Jetzt ist Walt noch überzeugend dagegen, niemals würde er so etwas tun. Bietet es sich da nicht an, gerade in Anbetracht der Erzählweise der Serie und der Entwicklung der Hauptfigur Walter White, dass er es früher oder später doch in Erwägung ziehen würde, seinen eigenen Schwager umzubringen? Eure Gedanken dazu bitte in den Kommentarbereich.

Die Szene endet damit, dass Huell und Kuby mit einem Van voll Geld bei Saul aufschlagen. Walt überprüft kurz den Inhalt von den Fässern, in denen sich das Geld aus dem Lagerraum befindet. Walt ist sich wohl bewusst, dass Huell und Kuby eventuell selbst das ein oder andere Bündel eingesteckt haben. Seine penible Art zu überprüfen, ob sein Vermögen im Großen und Ganzen komplett ist, ist zum einen menschlich und verständlich. Ganz ehrlich, wer würde sich nicht so verhalten? Dennoch ist es auch symptomatisch für Walt’s Besessenheit bezüglich dem, was er sich erarbeitet hat. Die etwas gierigen Blicke Saul’s und Co. bei der Abfahrt Walt’s und seiner Millionen runden das Bild ab und verleiten zum Schmunzeln.

Buried Indeed
Es folgen ein paar wunderschöne Aufnahmen Arizonas, wie wir sie schon so oft in Breaking Bad haben sehen können. Walt fährt mit dem Van in die karge Steppe, Schaufel und Spitzhacke im Anschlag. Zeit für ein neues Versteck für sein Geld. Damit wäre auch der Episodentitel erklärt.

You have to get him
Wir befinden uns im Hause White. Skyler versucht nach wie vor Walt zu erreichen, ohne Erfolg. Auf einmal klopft es an der Tür. Es ist Marie (Betsy Brandt). Hank hatte Skyler im Diner versichert, dass Marie noch nichts wissen würde, doch ist dies immer noch der Fall? Etwas zögerlich lässt Skyler Marie herein. Und wie es scheint weiß sie es. Marie ist zwar immer noch ungläubig ob der Dinge, welche ihr Hank erzählt hat, doch fungiert sie nun auch als dessen Mittelsfrau, um an Skyler heranzukommen. „It can’t be true.“ (Marie zu Skyler). Aber es stimmt. Marie setzt das Puzzle zusammen, langsam dämmert ihr es. Es entspinnt sich eine sehr emotionale Szene zwischen den beiden Schwestern. Marie erkennt, dass Skyler schon länger von Walt’s (ehemaligen) Aktivitäten als Drogenkoch weiß. Sofort verfolgt sie die Geschichte zurück und erinnert sich an das grausame Attentat auf Hank, dass diesem fast das Leben gekostet hätte und woran Walt indirekt und über ein paar Ecken beteiligt war (S03E07 One Minute). Skyler: „Marie, I’m so sorry.“ Marie: „You’re sorry. You’re…“ Klatsch. Eine Ohrfeige. Und die sitzt. Es kommt zu totalen Bruch zwischen Marie und Skyler, die Situation eskaliert. Marie will Sky’s Tochter Holly mitnehmen, es folgt eine unübersichtliche und laute, aber dennoch sehr intensive und angespannte Szene. Hank kann die Gemüter etwas beruhigen, doch Marie ist nun auf 180. Als beide im Auto sitzen, merkt man auch ihr (wie bereits Hank vorher in der Diner-Szene am Anfang der Episode) die Wut und Verachtung gegenüber Walt an. „You have to get him.“ (Marie zu Hank.) Marie ist wütend auf Skyler, doch ist sie viel wütender auf Walt. Er hat ihre Schwester da mit reingezogen, er hat sie verdorben, er ist Schuld. Hank und Marie wissen nach wie vor nichts von Skyler’s teilweiser Beteiligung. Ich bin gespannt, wie sich diese Sache entwickeln wird. Eine spätere Szene gibt noch einmal Einblick in die Thematik (Unterpunkt Where have you been?). Betsy Brandt, die sonst weniger zu tun hat, kann man an dieser Stelle mal ein Kompliment machen. Ein sehr guter Auftritt von ihr.

+34° 59' 20.00", -106° 36' 52.00
Walt ist immer noch am Buddeln. Es ist eine beschwerliche Arbeit für eine einzige Person, hinzukommt die sengende Hitze bei Tag und die unangenehme Kälte bei Nacht. Sofort überlegt man sich, wie lange das gut gehen soll, ist doch gerade wieder erst Walt’s Krebserkrankung aufgebrochen. Walt schafft es schlussendlich, sein Geld gut zu verstecken. Er prägt sich sorgfältig via GPS-Gerät die Koordinaten des Ortes, an dem er sein Geld vergraben hat, ein. Begleitet wird die ganze Aktion von einem sehr passend, rhythmischen Song, Quimey Neuquén von José Larralde.


(Die Koordinaten +34° 59' 20.00", -106° 36' 52.00 weisen übrigens auf den Standort der Albuquerque Studios hin, ein Produktionsort bzw. das Produktionsstudio der Serie.)

Where have you been?
Wir befinden uns erneut im Hause White. Die erste Aufnahme dieser Szene zeigt einen Lotterieschein, auf welchem Walt cleverweise die Koordinaten seines Geldverstecks eingetragen hat. Wahrhaftig ein Gewinnerlos. Es kommt zur ersten Aussprache zwischen Skyler und Walt. Skyler versichert Walt sogleich, Hank nichts verraten zu haben. Doch Walt bekommt davon nicht all zu viel mit, bricht er doch vor Erschöpfung zusammen und landet äußerst unsanft auf dem harten Badezimmerboden. Wenige Stunden später erwacht er auf demselbigen, umsorgt von Skyler. Der Krebs ist wirklich zurück, seine Aktion in der Einöde Arizonas hat ihm viel Kraft gekostet. Symbolisch lässt sich dieser Zusammenbruch natürlich auch deuten. Das gesamte Gebilde, welches Walt bis dato aufgebaut hat, droht zu kollabieren, so wie er selbst. Walt bietet Skyler an, sich zu stellen und die Schuld auf sich zu nehmen bzw. Skyler gänzlich zu entlasten, jedoch nur unter einer Bedingung: „You keep the money.“ Für sie und die Kinder. Es wirkt schon wie der finale Abgesang, die letzten Worte Walter Whites. Er will die ganzen Gräueltaten nicht umsonst begangen haben. Er wirkt sogar ein wenig schuldbewusst, den Gedanken an ein Empire hat er längst aufgegeben, jetzt geht es um das Essentielle, seine Familie. Doch Skyler mag die Flinte nicht ins Korn werfen. Hank hat bis jetzt nur Vermutungen und keine handfesten Beweise. „So maybe our best move her eis to stay quiet.“ (Skyler zu Walt). Eine interessante Entwicklung. Walt wäre bereit, sich zu opfern, doch Skyler hält an ihm fest. Es gab Momente in Breaking Bad, die diese Verbundenheit der beiden zueinander belegt hatten, aber ebenso gab es genügend Momente die uns deutlich machten, dass zwischen den beiden sehr viel im Argen liegen würde. Das scheint sich wieder geändert zu haben. Nahe liegend ist aber auch die Vermutung, dass Skyler sich der Tatsache bewusst ist, dass mit Walt’s Aufgabe nicht viel gekonnt wäre. Nicht nur er wäre hinter Gitter, auch das Geld wäre weg. Zugegeben, ich tue mich schwer Skyler einzuschätzen, es ist nun mal ein sehr ambivalenter Charakter, was ich wiederum äußerst positiv finde.

Fire in the Hole
Ein Szenenwechsel, der nicht ganz in den bisherigen Verlauf der Episode passt, aber mir dennoch gut gefiel. Lydia (Laura Fraser) trifft sich mit Drogendealer Declan (Louis Ferreira). Schon in Blood Money machte sie gegenüber Walter deutlich, dass sie nicht mit der Qualität der Ware einverstanden ist. Jetzt packt sie das Problem direkt an und bekommt, vermutlich auch aufgrund ihrer aufdringlich-ungeduldigen Art, eine Audienz bei Declan, samt einer Führung durch die Drogenküche. Lyida ist nicht wirklich vom „Labor begeistert, welches zur Herstellung des Crystal Meths dient. Sie schlägt Declan vor, Todd (Jesse Plemons) zu engagieren, dieser arbeitete doch schon gut mit Heisenberg zusammen. Aber Declan hält nicht viel von diesem Vorschlag, er vertraut nur seinen eigenen Leuten, und dazu zählt nun mal nicht Todd. Und plötzlich… „We have a problem.“ Declan verlässt das Labor-Kabuff und der Zuschauer wird mit Lydia zusammen alleine gelassen. Lydia verhielt sich schon die ganze Zeit etwas auffällig, jedoch weiß man bei ihr nie, ob das ihr komischer Charakter, eine Macke oder wirklich ein Anhaltspunkt für etwas Verdächtiges ist. Wir warten gespannt auf das, was als nächstes passiert. Lydia geht in Kauerstellung und sucht Deckung. Man hört ein paar Stimmen. Schüsse fallen. Eine Patronenhülse fällt durch den Lüftungsschacht vor die Füße Lydias. Die Luke zum Labor öffnet sich. Und siehe da, es ist Todd. „It’s safe to come up whenever you want.“ (Todd zu Lydia). Lydia überrascht in dieser Szene. Zum einem kam sie mir immer wie ein äußerst schwacher und labiler Charakter vor, eventuell sogar ein wenig unfähig ob ihrer Ungeduld und gesteigerten Ambitionen. Hier hat sie nun anscheinend ein tödlicher Auftrag erteilt, was ich so nicht zugetraut hätte. Doch zeigt sich auch ihr Unbehagen, denn sie möchte nicht wirklich sehen, was Todd und seine Helfer dort draußen angerichtet haben. Dieser Helfer sind übrigens sein Onkel und dessen White Supremacist-Gang, bekannt aus S05E08 Gliding Over All und verantwortlich für die von Walt veranlassten Gefängnismorde. Diese haben hier ein wahres Blutbad angerichtet. Drogendealer Declan kriecht mit letzter Kraft über den Boden, wird aber sogleich kaltblütig hingerichtet. Breaking Bad gehört nun mal zu den gnadenlosesten Shows im TV, auch das wird hier mal wieder deutlich. Und: Todd is back. Lydia scheint einen neuen Koch für ihre Ware gefunden zu haben…

You have to tell them
Jetzt drängt Marie Hank, endlich etwas zu unternehmen. Er muss mit seinen neuen Erkenntnissen umgehend zu seinen Kollegen und sie einweihen. Doch Hank muss sich vorbereiten. Er ist erfahren genug und weiß selbst, dass er bis jetzt nur vage Vermutungen zur Hand hat. („I go in there, I bring in proof, not suspicions.“ (Hank zu Marie)) Was Hank viel mehr zu schaffen macht, ist der Fakt, dass er, nachdem seine Kollege informiert wären, seine Karriere vorbei ist. Es ist für ihn nach wie vor schwer greifbar, dass sein Schwager Heisenberg ist bzw. sein könnte. Damit zerstört Walt all das, was Hank sich aufgebaut hat. „The day I go in with this, it’s the last day of my career.“ (Hank) Marie macht sich natürlich sorgen, dass Hank’s Wartetaktik nach hinten losgehen könnte. Was, wenn Walt vorher geschnappt wird? Hank könnte als Mittäter angeklagt werden, der den Behörden die Aktivitäten seines Schwagers bewusst verschwiegen haben könnte. Ein wichtiger Punkt. Walt darf ihm nicht alles nehmen. Hank wagt doch den Schritt ins Büro.

Just another day at the office? Not really.
Hank betritt das Büro seiner DEA-Abteilung und wird herzlich willkommen geheißen (unter anderem von Legendary-Beard-Guy). Gut, dass er wieder da ist. Doch für Hank ist dies sichtlich keine einfache Situation. Wie geht er vor? Es rattert in seinem Kopf. Auch Steven „Gomie“ Gomez (Steven Michael Quezada) heißt ihn willkommen, ein bissiger Kommentar darf da nicht fehlen. Gomez weiht Hank auch gleich in den Tagesablauf ein, doch plant Hank ein wenig anders. Gomez soll einen conference call mit DEA Special Agen in Charge Ramey (Todd Terry) organisieren. Hank hat ihm ja schließlich etwas mitzuteilen. Bevor Gomez Hank’s Büro verlässt kommt er noch auf einen alten „Freund“ Hank’s zu sprechen: Jesse Pinkman. Den hatte Hank ja mal äußerst übel zugerichtet (auch in S03E07 One Minute). Pinkman ist in Gewahrsam und Hank wird ihm aller Voraussicht nach einen Besuch abstatten.

B-024
Jesse wird in einer kleinen Zelle von zwei Polizisten befragt. Diese spielen sich ein bisschen auf, können aber kein Wort aus Jesse herausbekommen. Er ist wieder einmal abwesend und nicht wirklich im Raum. Am Ende der Folge wird er nicht ein einziges Wort in dieser Episode gesagt haben. Hank tritt auf und sieht die Möglichkeit, Jesse bezüglich Walt zu befragen. Pinkman passt irgendwie in diesem verworrenen Gebilde mit rein. Vielleicht kann Hank wichtige Informationen bekommen, die ihm helfen könnte, Walt wirklich dingfest zu machen. Hank öffnet die Tür zur Befragungszelle und tritt ein. Wir müssen uns aber gedulden, was dieses Gespräch zwischen Jesse und Hank eventuell hervorbringt. Denn das heben sich die Macher für die nächste Episode auf.

Gesamteindruck
Auch in dieser Episode wurden uns einige sehr starke Auftritte der beteiligten Schauspieler präsentiert. Dean Norris läuft langsam aber sicher zur Höchstform auf, er liefert erneut eine sehr starke Performance ab. Aber auch Betsy Brandt, die eigentlich eher selten im Fokus steht, hat eine tolle Szene mit Anna Gunn, welche wiederum auch sehr zu überzeugen weiß. In Sachen Aaron Paul werden wir ein wenig auf die Folter gespannt, nächste Woche könnte es äußerst interessant werden, gerade mit Blick auf das Gespräch zwischen Jesse und Hank. Der kurze Schwenk zum Massaker rund um Lydia und Declan in der Wüste ist eine gute Erinnerung daran, wie hart Breaking Bad ist und schon immer war. Für mich persönlich war in den ersten beiden Folgen noch nicht der ganz große, überragende Moment dabei, doch werde ich keinesfalls ungeduldig. Blood Money und Buried bilden zusammen einen sehr guten Einstieg in die zweite Hälfte der fünften Staffel von Breaking Bad, nicht nur visuell, sondern vor allem auch schauspielerisch wird wieder  einmal deutlich, warum Breaking Bad zur Crème de la Crème der internationalen Serienlandschaft gehört.

Wie hat euch Buried gefallen? Ich hatte schon angedeutet, dass ich mir ein Ableben Hanks definitiv vorstellen könnte (ich bin kurz davor sehr fest daran zu glauben), wie sieht eure Meinung dazu aus? Oder habt ihr andere Punkte, die in meinen Ausführungen nicht erwähnt wurden, aber eurer Meinung nach sehr wichtig sind? In die Kommentare damit. Ansonsten freue ich mich wie immer über Feedback, konstruktive Kritik und rege Beteiligung.

Nächste Woche Sonntag läuft den Folge Numero 11 der fünften Staffel von Breaking Bad. Titel: Confessions. Hank und Jesse besprechen 45 Minuten lang Usher’s Erfolgsalbum aus dem Jahre 2004. Ich kann es kaum erwarten.

Montag, 13. August 2012

Breaking Bad S05E04 - Fifty-One


ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!

Nach einer Woche Urlaub komme ich erst jetzt dazu, meine Meinung und Gedanken zu der vierten Episode der fünften Staffel von Breaking Bad zu äußern. Also ohne Umschweife und mit ein wenig Verspätung mein Senf zu Fifty-One.

Opening
Ist das Leben nicht schön? H to the E to the I to the S und so weiter. Am Opening sieht man, dass sich Schöpfer Vince Gilligan an dieser Stelle seiner Serie alles erlauben kann, selbst ein prolliges Vorgefahre der dicksten Karren, die der ansässige Autohändler Albuquerques im Angebot hat. Von der bestechenden Visualität so wie Akustik dieses Openings mal abgesehen, zeigt sie uns auch, dass sich Walter an einem Punkt befindet, an dem er etwas riskieren bzw. an dem er sein Leben einfach mal genießen will. Unlogisch handeln, aus dem Bauch heraus. Egal, was die Nachbarn denken. Wenn die wüssten.

Hank
Hank hat diese Episode ordentlich Screentime abgesahnt und tritt auch relativ zeitig in Erscheinung, als er die gute Lydia, verantwortlich für die Lieferung des Fasses Methylamin an Mr. White und Co. zur Produktion des „Blue Ice“, in die Mangel nimmt. Dabei zeigt sich recht schnell, dass Lydia labil und ein Risiko für die gesamte Operation von Walter, Jesse und Mike ist. Doch dazu später mehr. Hank hingegen beschäftigt sich nach wie vor mit dem Fring-Fall und bleibt misstrauisch. Überraschend für ihn kommt dann das Angebot, neuer Chef (ASAC) der DEA-Abteilung zu werden, nachdem Merkert letzte Folge freiwillig seinen Hut genommen hat. Warum denn nicht? Hank nimmt an und ich find’s cool. Obwohl ich einen leichten Anflug von (Selbst)Zweifel bei ihm verspürt habe. Gehört er nicht „ins Feld“? Dort, wo er seine Stärken ausspielen kann? Aber Hank ist ein helles Köpfchen, das wissen wir schon längst. Ich bin gespannt, wie sich seine Rolle in den nächsten Episoden definieren wird.

Birthday Fifty-One
Bevor ich zum wohl längsten Absatz bis dato komme, noch drei weitere Punkte, welche ich gerne erwähnen möchte. Zum einen Walt’s Geburtstag. Walter wird 51 und es ist fast genau ein Jahr her, als er seine Diagnose bekommen hat. Ein Jahr. „Seems like longer, doesn’t it?“ sagt Marie. Absolut. Ein Jahr ist vergangen seit Beginn der allerersten Staffel von Breaking Bad. Unglaublich. Mir kommt es wie eine Ewigkeit vor. Es ist so viel passiert, es hat sich so viel dermaßen drastisch verändert. In dem Moment, als Walt diesen Punkt in Fifty-One erwähnt, musste ich kurz inne halten. Ein Jahr. Wahnsinn.

Birthday Fifty-Two
An dieser Stelle verweise ich noch mal auf die erste Folgeder fünften Staffel von Breaking Bad, als wir im Opening einen etwas abgehalfterten Walter White sehen, der sich in einem einfachen Diner mit Bacon eine „52“ auf seinen Teller zaubert. Ein Jahr später als zur „aktuellen“ Zeit. Ich bin wahnsinnig gespannt darauf, wie diese Zeitthematik am Ende dann gelöst wird bzw. was es mit dem Opening aus Live Free or Die auf sich hat.

Jesse
Jesse bekommt man in Fifty-One nicht allzu oft zusehen, dennoch soll er hier nicht unerwähnt bleiben. So setzt sich Jesse der Gutherzige für Lydia und gegen ihre „Beseitigung“ ein, nachdem Mike (Full measures!) die Dame („Lunatic“) um die Ecke bringen will. Letzterer geht nämlich davon aus, dass der Tracker unter dem Fass Methylamin von Lydia selbst und nicht wie von Jesse vermutet von der Polente dort angebracht wurde. Mike erkennt das Risiko, dass mit der Zusammenarbeit mit Lydia einhergeht. Nicht, weil sie die drei Amigos ausspielen könnte, sondern schlicht und einfach weil sie dem Druck dieses illegalen Gebarens nicht Stand halten kann. Das könnte früher oder später ein großes Problem werden. Mr. White hat dann das Schlusswort, wobei man ihm deutlich anmerkt, dass er ganz andere Probleme hat (dazu gleich mehr). Seine Aussage: Die Maschinerie muss weiterlaufen, egal wie, das Methylamin ist notwendig, um das Meth herzustellen, nichts darf diesen Prozess unterbrechen. Doch direkt gegen die Ermordung Lydia’s hat er sich auch nicht ausgesprochen. Denn der Walt bzw. Heisenberg im Normalzustand hätte wohl nicht lange gefackelt und sich auch gegen Lydia entschieden. Das Risiko ist einfach zu groß.

The Skyler Diaries
Das zentrale Thema dieser Episode. Ich hatte es schon ein klein wenig prognostiziert, was nicht schwer zu erkennen gewesen ist. Wir erleben in der fünften Staffel von Breaking Bad eine sehr apathische, teilnahmslose Skyler White, welche große Probleme damit hat, sich an die neue Situation bzw. an ihr neues Umfeld inklusive skrupellosen Ehemann anzupassen. Schuldgefühle, Sorgen um den Nachwuchs und Todesängste plagen Sky. In Fifty-One läuft das Fass letztendlich über. Das fängt damit an, dass sie Junior aus Walt’s Umfeld entfernen möchte („New environment“, „Boarding school“), „gipfelt“ vorläufig in dem Versuch sich selbst umzubringen und endet in einer gut sechsminütigen Szene, in welcher wir einen der besten Dialoge dieser Staffel (Mutig: oder gar dieser Serie?) bis dato zu sehen bekommen.

Unmittelbar vor Skyler’s vermeintlichen Selbstmordversuch sehen wir Sky, Marie, Hank und Walter noch recht entspannt beisammensitzen. Doch hier stimmt etwas nicht. „Great dinner, Skyler.“ Sagt Hank, doch jeder am Tisch weiß, dass es nicht so ist. Es ist furchtbar unangenehm, für Sky, für Marie und Hank, für den Zuschauer. Auch für Walter? Ich denke nicht so sehr wie für die anderen, unterschätzt er die Situation doch ein wenig. Das Walter White sich je in irgendeiner Form mal unterschätzen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen können. Als Skyler sich dann erhebt, geistesabwesend wie sie ist, und gen Pool bewegt, ahnen wir, was kommen wird. Der Ausdruck in ihrer Augen, wie Walt im Hintergrund herzerwärmend in den Erinnerungen des vergangenen Jahres schwelgt; Skyler sieht in diesem Moment nur einen Ausweg: Dieses unnatürliche, schimmernde Pool-Blau. Und als sie dann unter Wasser ist hört sie nichts mehr. Nur noch dumpfe Geräusche, die kaum zu verstehen sind. Isolation von alldem, was ihr Kopfzerbrechen bereitet. Der einzige Ausweg. Und dann dieses kleine Lächeln, kurz bevor Walt sie aus dem Wasser fischt. Freude darüber, dass gleich alles vorbei ist? Dass sie nicht mehr all die Dinge hören muss, die ihr solche Ängste und Sorgen machen? Eine fantastische Szene, über welche man stundenlang reden/ diskutieren könnte.

Es folgt ein kleines Gespräch zwischen Walter, Hank und Marie, in welchem die beiden letzteren anbieten, Holly und Junior für eine Weile mit zu sich zu nehmen. Walt erkennt relativ schnell, dass dies Skyler’s Idee gewesen ist, will sie doch die Kinder vor seinem Einfluss schützen. Und prompt befinden wir uns im Schlafzimmer, Skyler gegen Walt, darauf haben wir gewartet. Dabei kommt erstere ohne Umschweife aus den Startlöchern, darauf hinweisend, dass sie die Kindern nicht mehr in diesem Haus haben möchte. „It isn’t safe.“ Skyler legt ihre Ängste (abermals) offen, Walt bleibt (noch) rational und versucht, seine Frau zu beruhigen. Man bekommt anfangs das Gefühl, dass Skyler aufgrund ihrer Emotionalität leicht die Oberhand gewinnt und Walt keinen Stich sieht, erfolgreich ihrer Argumentation entgegenzuwirken. Doch dann wird der Schalter umgelegt (nach etwa 3 ½ Minuten des Gesprächs), Walt’s out, Heisenberg’s in. Walt wirkt wie ausgewechselt, schlagartig bedrohlicher und sucht von hier an die direkte Konfrontation. What is your next move?“ (Walt zu Sky) Es schaukelt sich hoch, doch Walt behält den kühleren Kopf. Teilweise diskutiert er sie in Grund und Boden. Skyler erkennt, dass sie Walt nichts entgegenzusetzen, bis auf den einen Trumpf, welcher selbst Walter hart trifft. How are you going to save our kids from this terrible environment?Walt zu Skyler. Walt thront über ihr, was kann sie jetzt noch tun? „What’s the plan [Skyler]?“ Und Skyler offenbart sich, mit dem Rücken zur Wand. Jede Minute, in der die Kinder nicht in der Nähe von Walter sind, ist ein Erfolg für sie. Sie ist machtlos. „All I can do is wait, hold on.” (Sky) “What are you waiting for?(Walt) “For the cancer to come back.” (Sky) Boom. Sie wünscht sich den Tod Walt’s. Für die Sicherheit ihrer Familie. Puh.

Das scheint angekommen zu sein, sehen wir doch Walt am Ende der Episode gehorsam und unterwürfig. Der Riss ist eindeutig erkennbar, Walt versucht die Angelegenheit noch zu kitten, doch Skyler beachtet ihn nicht.

Birthday Present
Das darf nicht vergessen werden. Jesse’s Geburtstagsgeschenk für Walt. Eine Uhr. Ein Symbol für Zeit. Ein Symbol für Zeit, die abläuft. Walt’s Zeit? Fifty-One hat einiges deutlich gemacht, insbesondere, dass Walt’s Zeit, in welcher Form auch immer (metaphorisch für sein Leben, seine Beziehung mit Skyler etc.) am Ablaufen ist. Auch hier trifft das Schlussbild mal wieder ins Schwarze, ein Close-up von Walt’s neuer Uhr. Tick-tick-ticking… Wir erinnern uns.

Gesamteindruck
Sehr gut. Viele Dialoge, viele neue Erkenntnisse bzw. Dinge, welche uns an mancher Stelle schon mehr oder weniger klar gewesen sind und nun endlich auch ausgesprochen wurden und sich bestätigt haben. Bryan Cranston hat sich mal wieder famos geschlagen und gerade auch Anna Gunn zeigte im Zusammenspiel mit ersterem, was für eine gute Schauspielerin sie ist. Skyler beschäftigt mich nach wie vor, ich kann sie nicht wirklich gut leiden, doch oftmals ihre Punkte gut nachvollziehen. Ich hätte ihr zugetraut, Walt’s Leben höchstpersönlich zu beenden, doch in Anbetracht des „Geburtstags-Bacons“ hier in Fifty-One und in Episode 1, Live Free or Die, schwant mir ein eher unschönes Ende für sie.


Das waren auch schon wieder meine Gedanken zu Episode 4 der fünften Staffel von Breaking Bad, Fifty-One. Wie man erkennen kann, stand dieses Mal Skyler etwas mehr im Mittelpunkt, verzeiht mir den etwas ausführlicheren Absatz, aber das musste ich einfach loswerden.

Gestern (Uff!) lief bereits Folge 5, Dead Freight, also geht dieser kleiner Text ja bereits schon als Re-Review durch. Meine Gedanken zu Dead Freight folgen dann die Tage, eventuell sogar schon morgen. Double Feature sozusagen. Kritik, Anregungen, Theorien etc. gerne in den Kommentarbereich, ich freue mich auf euren Input.