Montag, 13. August 2012

Breaking Bad S05E04 - Fifty-One


ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!

Nach einer Woche Urlaub komme ich erst jetzt dazu, meine Meinung und Gedanken zu der vierten Episode der fünften Staffel von Breaking Bad zu äußern. Also ohne Umschweife und mit ein wenig Verspätung mein Senf zu Fifty-One.

Opening
Ist das Leben nicht schön? H to the E to the I to the S und so weiter. Am Opening sieht man, dass sich Schöpfer Vince Gilligan an dieser Stelle seiner Serie alles erlauben kann, selbst ein prolliges Vorgefahre der dicksten Karren, die der ansässige Autohändler Albuquerques im Angebot hat. Von der bestechenden Visualität so wie Akustik dieses Openings mal abgesehen, zeigt sie uns auch, dass sich Walter an einem Punkt befindet, an dem er etwas riskieren bzw. an dem er sein Leben einfach mal genießen will. Unlogisch handeln, aus dem Bauch heraus. Egal, was die Nachbarn denken. Wenn die wüssten.

Hank
Hank hat diese Episode ordentlich Screentime abgesahnt und tritt auch relativ zeitig in Erscheinung, als er die gute Lydia, verantwortlich für die Lieferung des Fasses Methylamin an Mr. White und Co. zur Produktion des „Blue Ice“, in die Mangel nimmt. Dabei zeigt sich recht schnell, dass Lydia labil und ein Risiko für die gesamte Operation von Walter, Jesse und Mike ist. Doch dazu später mehr. Hank hingegen beschäftigt sich nach wie vor mit dem Fring-Fall und bleibt misstrauisch. Überraschend für ihn kommt dann das Angebot, neuer Chef (ASAC) der DEA-Abteilung zu werden, nachdem Merkert letzte Folge freiwillig seinen Hut genommen hat. Warum denn nicht? Hank nimmt an und ich find’s cool. Obwohl ich einen leichten Anflug von (Selbst)Zweifel bei ihm verspürt habe. Gehört er nicht „ins Feld“? Dort, wo er seine Stärken ausspielen kann? Aber Hank ist ein helles Köpfchen, das wissen wir schon längst. Ich bin gespannt, wie sich seine Rolle in den nächsten Episoden definieren wird.

Birthday Fifty-One
Bevor ich zum wohl längsten Absatz bis dato komme, noch drei weitere Punkte, welche ich gerne erwähnen möchte. Zum einen Walt’s Geburtstag. Walter wird 51 und es ist fast genau ein Jahr her, als er seine Diagnose bekommen hat. Ein Jahr. „Seems like longer, doesn’t it?“ sagt Marie. Absolut. Ein Jahr ist vergangen seit Beginn der allerersten Staffel von Breaking Bad. Unglaublich. Mir kommt es wie eine Ewigkeit vor. Es ist so viel passiert, es hat sich so viel dermaßen drastisch verändert. In dem Moment, als Walt diesen Punkt in Fifty-One erwähnt, musste ich kurz inne halten. Ein Jahr. Wahnsinn.

Birthday Fifty-Two
An dieser Stelle verweise ich noch mal auf die erste Folgeder fünften Staffel von Breaking Bad, als wir im Opening einen etwas abgehalfterten Walter White sehen, der sich in einem einfachen Diner mit Bacon eine „52“ auf seinen Teller zaubert. Ein Jahr später als zur „aktuellen“ Zeit. Ich bin wahnsinnig gespannt darauf, wie diese Zeitthematik am Ende dann gelöst wird bzw. was es mit dem Opening aus Live Free or Die auf sich hat.

Jesse
Jesse bekommt man in Fifty-One nicht allzu oft zusehen, dennoch soll er hier nicht unerwähnt bleiben. So setzt sich Jesse der Gutherzige für Lydia und gegen ihre „Beseitigung“ ein, nachdem Mike (Full measures!) die Dame („Lunatic“) um die Ecke bringen will. Letzterer geht nämlich davon aus, dass der Tracker unter dem Fass Methylamin von Lydia selbst und nicht wie von Jesse vermutet von der Polente dort angebracht wurde. Mike erkennt das Risiko, dass mit der Zusammenarbeit mit Lydia einhergeht. Nicht, weil sie die drei Amigos ausspielen könnte, sondern schlicht und einfach weil sie dem Druck dieses illegalen Gebarens nicht Stand halten kann. Das könnte früher oder später ein großes Problem werden. Mr. White hat dann das Schlusswort, wobei man ihm deutlich anmerkt, dass er ganz andere Probleme hat (dazu gleich mehr). Seine Aussage: Die Maschinerie muss weiterlaufen, egal wie, das Methylamin ist notwendig, um das Meth herzustellen, nichts darf diesen Prozess unterbrechen. Doch direkt gegen die Ermordung Lydia’s hat er sich auch nicht ausgesprochen. Denn der Walt bzw. Heisenberg im Normalzustand hätte wohl nicht lange gefackelt und sich auch gegen Lydia entschieden. Das Risiko ist einfach zu groß.

The Skyler Diaries
Das zentrale Thema dieser Episode. Ich hatte es schon ein klein wenig prognostiziert, was nicht schwer zu erkennen gewesen ist. Wir erleben in der fünften Staffel von Breaking Bad eine sehr apathische, teilnahmslose Skyler White, welche große Probleme damit hat, sich an die neue Situation bzw. an ihr neues Umfeld inklusive skrupellosen Ehemann anzupassen. Schuldgefühle, Sorgen um den Nachwuchs und Todesängste plagen Sky. In Fifty-One läuft das Fass letztendlich über. Das fängt damit an, dass sie Junior aus Walt’s Umfeld entfernen möchte („New environment“, „Boarding school“), „gipfelt“ vorläufig in dem Versuch sich selbst umzubringen und endet in einer gut sechsminütigen Szene, in welcher wir einen der besten Dialoge dieser Staffel (Mutig: oder gar dieser Serie?) bis dato zu sehen bekommen.

Unmittelbar vor Skyler’s vermeintlichen Selbstmordversuch sehen wir Sky, Marie, Hank und Walter noch recht entspannt beisammensitzen. Doch hier stimmt etwas nicht. „Great dinner, Skyler.“ Sagt Hank, doch jeder am Tisch weiß, dass es nicht so ist. Es ist furchtbar unangenehm, für Sky, für Marie und Hank, für den Zuschauer. Auch für Walter? Ich denke nicht so sehr wie für die anderen, unterschätzt er die Situation doch ein wenig. Das Walter White sich je in irgendeiner Form mal unterschätzen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen können. Als Skyler sich dann erhebt, geistesabwesend wie sie ist, und gen Pool bewegt, ahnen wir, was kommen wird. Der Ausdruck in ihrer Augen, wie Walt im Hintergrund herzerwärmend in den Erinnerungen des vergangenen Jahres schwelgt; Skyler sieht in diesem Moment nur einen Ausweg: Dieses unnatürliche, schimmernde Pool-Blau. Und als sie dann unter Wasser ist hört sie nichts mehr. Nur noch dumpfe Geräusche, die kaum zu verstehen sind. Isolation von alldem, was ihr Kopfzerbrechen bereitet. Der einzige Ausweg. Und dann dieses kleine Lächeln, kurz bevor Walt sie aus dem Wasser fischt. Freude darüber, dass gleich alles vorbei ist? Dass sie nicht mehr all die Dinge hören muss, die ihr solche Ängste und Sorgen machen? Eine fantastische Szene, über welche man stundenlang reden/ diskutieren könnte.

Es folgt ein kleines Gespräch zwischen Walter, Hank und Marie, in welchem die beiden letzteren anbieten, Holly und Junior für eine Weile mit zu sich zu nehmen. Walt erkennt relativ schnell, dass dies Skyler’s Idee gewesen ist, will sie doch die Kinder vor seinem Einfluss schützen. Und prompt befinden wir uns im Schlafzimmer, Skyler gegen Walt, darauf haben wir gewartet. Dabei kommt erstere ohne Umschweife aus den Startlöchern, darauf hinweisend, dass sie die Kindern nicht mehr in diesem Haus haben möchte. „It isn’t safe.“ Skyler legt ihre Ängste (abermals) offen, Walt bleibt (noch) rational und versucht, seine Frau zu beruhigen. Man bekommt anfangs das Gefühl, dass Skyler aufgrund ihrer Emotionalität leicht die Oberhand gewinnt und Walt keinen Stich sieht, erfolgreich ihrer Argumentation entgegenzuwirken. Doch dann wird der Schalter umgelegt (nach etwa 3 ½ Minuten des Gesprächs), Walt’s out, Heisenberg’s in. Walt wirkt wie ausgewechselt, schlagartig bedrohlicher und sucht von hier an die direkte Konfrontation. What is your next move?“ (Walt zu Sky) Es schaukelt sich hoch, doch Walt behält den kühleren Kopf. Teilweise diskutiert er sie in Grund und Boden. Skyler erkennt, dass sie Walt nichts entgegenzusetzen, bis auf den einen Trumpf, welcher selbst Walter hart trifft. How are you going to save our kids from this terrible environment?Walt zu Skyler. Walt thront über ihr, was kann sie jetzt noch tun? „What’s the plan [Skyler]?“ Und Skyler offenbart sich, mit dem Rücken zur Wand. Jede Minute, in der die Kinder nicht in der Nähe von Walter sind, ist ein Erfolg für sie. Sie ist machtlos. „All I can do is wait, hold on.” (Sky) “What are you waiting for?(Walt) “For the cancer to come back.” (Sky) Boom. Sie wünscht sich den Tod Walt’s. Für die Sicherheit ihrer Familie. Puh.

Das scheint angekommen zu sein, sehen wir doch Walt am Ende der Episode gehorsam und unterwürfig. Der Riss ist eindeutig erkennbar, Walt versucht die Angelegenheit noch zu kitten, doch Skyler beachtet ihn nicht.

Birthday Present
Das darf nicht vergessen werden. Jesse’s Geburtstagsgeschenk für Walt. Eine Uhr. Ein Symbol für Zeit. Ein Symbol für Zeit, die abläuft. Walt’s Zeit? Fifty-One hat einiges deutlich gemacht, insbesondere, dass Walt’s Zeit, in welcher Form auch immer (metaphorisch für sein Leben, seine Beziehung mit Skyler etc.) am Ablaufen ist. Auch hier trifft das Schlussbild mal wieder ins Schwarze, ein Close-up von Walt’s neuer Uhr. Tick-tick-ticking… Wir erinnern uns.

Gesamteindruck
Sehr gut. Viele Dialoge, viele neue Erkenntnisse bzw. Dinge, welche uns an mancher Stelle schon mehr oder weniger klar gewesen sind und nun endlich auch ausgesprochen wurden und sich bestätigt haben. Bryan Cranston hat sich mal wieder famos geschlagen und gerade auch Anna Gunn zeigte im Zusammenspiel mit ersterem, was für eine gute Schauspielerin sie ist. Skyler beschäftigt mich nach wie vor, ich kann sie nicht wirklich gut leiden, doch oftmals ihre Punkte gut nachvollziehen. Ich hätte ihr zugetraut, Walt’s Leben höchstpersönlich zu beenden, doch in Anbetracht des „Geburtstags-Bacons“ hier in Fifty-One und in Episode 1, Live Free or Die, schwant mir ein eher unschönes Ende für sie.


Das waren auch schon wieder meine Gedanken zu Episode 4 der fünften Staffel von Breaking Bad, Fifty-One. Wie man erkennen kann, stand dieses Mal Skyler etwas mehr im Mittelpunkt, verzeiht mir den etwas ausführlicheren Absatz, aber das musste ich einfach loswerden.

Gestern (Uff!) lief bereits Folge 5, Dead Freight, also geht dieser kleiner Text ja bereits schon als Re-Review durch. Meine Gedanken zu Dead Freight folgen dann die Tage, eventuell sogar schon morgen. Double Feature sozusagen. Kritik, Anregungen, Theorien etc. gerne in den Kommentarbereich, ich freue mich auf euren Input. 

Dienstag, 31. Juli 2012

Breaking Bad S05E03 - Hazard Pay



ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!

Meine Gedanken zu Hazard Pay, die dritte Episode der fünften Staffel von Breaking Bad.


Opening
Eine recht unspektakuläre, aber dennoch sehr bedeutende Eröffnung dieser Folge. Hazard Pay steht eindeutig im Zeichen des (Neu)Aufbaus eines „laufenden Geschäfts“, so muss Mike erst einmal seine Schäfchen zusammenhalten und sicher gehen, dass auch keines von diesen auspackt, wie z.B. Dennis (Mike Batayeh), ehemals verantwortlich für die Wäscherei über Gus’ Drogenlabor. Beeindruckend hier ist wie so oft Mike’s unvergleichbare, ruhige Art, potentielle Probleme kühl und mit klarem Kopf anzupacken.

Walt Whitman
Ein Lächeln huscht über das Gesicht von Walter. Beim Auspacken seiner Umzugskartons hält er Whitman’s Leaves of Grass in den Händen und erinnert sich wohl an Gale Boetticher (David Costabile) und wie dieser ihm das Gedicht When I heard the Learn’d Astronomer rezitierte (S03E06 Sunset). Oder denkt er eher an Hank und wie dieser ihn darum bat, ihm bei den Ermittlung rund um den Mord von Gale und dessen Verbindungen zum Drogengeschäft zu helfen (S04E04 Bullet Points)? Diese Widmung an „W.W.“ in Gale’s Notizbuch, welche, so Walt zu Hank damals, eindeutig für Walter Whitman und nichts anderes steht, obwohl Walt es besser weiß und eine eigene Vermutung hat, wofür das "W.W." stehen könnte. Eine kleine, unscheinbare Szene in Hazard Pay, doch sie hat in diesem Moment eine unglaublich Tiefe.

Grow a pair
Walt, Jesse und Saul sitzen beisammen und insbesondere letzterem soll klar gemacht werden, wie es von jetzt an weiterlaufen wird. Aus den drei werden vier „Amigos“, Mike ist mit an Bord und macht auch gleich deutlich, dass er die gesamte Kontrolle über das geplante Vorhaben hat. Und Walt stimmt dem zu. Wie jetzt? Aber halt, das wäre ja auch zu einfach. „He handles the business, I handle him.“ Kann man so verstehen, dass Walter dafür sorgt, dass das Arbeiten mit Mike problemlos vonstattengeht. Oder auch so, dass Walt die Kontrolle über denjenigen behält, welcher die Kontrolle hat und somit schlussendlich doch kein Weg an Mr. White vorbeiführt. Nebenbei gemerkt, beim Anblick Huell’s (Lavell Crawford) gibt es bei mir kein halten. Grandios, wie Mike dem im Stehen eingeschlafen Bodyguard einen Blick zuwirft.

It’s perfect – Vamonos Pest
Und wo wird „gekocht“? Saul zeigt Walt, Mike und Jesse ein paar Möglichkeiten, wo man einen neues Drogenlabor errichten könnte, darunter natürlich auch seine allerliebste Lastertag-Arena, doch so richtig ist nichts wirklich brauchbares dabei. Bis sie zu einem Unternehmen für Insektenvernichtung kommen und Walt den Geistesblitz schlechthin hat. Die Drogenküche wird einfach in einem abgesperrten Haus errichtet, in welchem eben jenes Unternehmen für Ungezieferbekämpfung einen Auftrag zu erledigen hat. Die Gerüche und Abgase fallen so nicht weiter auf, weil eh jeder denkt, dass es sich um Giftgase zur Bekämpfung von Insekten handelt. Interessante Idee, doch bis auf Walt ist man skeptisch. Und auch ich bin es. So absolut sicher erscheint mir der Einfall nicht, in Häusern wildfremder Menschen kurzfristig ein Meth lab aufzubauen. Früher oder später muss da etwas passieren bzw. schief gehen. Da es aber einfach keine bessere Möglichkeit gibt, entscheidet man sich dennoch für Walt’s Idee.

„We take a vote?“ – „Why?“
Mike’s Frage, Walt’s Antwort. Passend zu den beiden oben genannten Punkten. Zum einen gibt es anscheinend wirkliche keine bessere Option, zum anderen zeigt Walt Mike indirekt, dass dieser sich seiner Kontrolle in dieser „Geschäftsgruppierung“ nicht allzu sicher sein soll.

Drug Lab
Ehrlich zugegeben, mich überkam schon ein seltsames Gefühl der Freude, als Walter und Jesse ihr mobiles Drogenlabor aufgebaut haben. Die Art und Weise, wie diese Szene gedreht wurde, wie beide wieder Hand in Hand arbeiten, das habe ich mir wirklich sehr gerne angeschaut. Komisch, was diese Serie mit einem macht.

Walter / Brock
Interessant wurde es bereits vorher, als Walt mit Jesse zusammensitzt und auf Andrea und Brock trifft. Ja genau, jener Brock welchen Walt beinahe… ihr wisst schon. Auch hier ist es nur ein kurzer Moment, ein kurzer Ausdruck in Walt’s Gesicht, der aber so viel zu sagen hat. Großartig.

Walter / Jesse
Diese kolossale Drecksau. Jedes Mal, wenn Walter das Gespräch mit Jesse sucht, verfolgt er einen Zweck. Da gibt es keinen wertlosen Smalltalk, da ist alles vorkalkuliert und eingeplant. So erneut, als Walt Jesse zu Andrea und Brock befragt. Wie er ihn zum aberzigsten Mal manipuliert und Zweifel in Jesse sät, das kann einen nur anwidern. Walter spielt zwar die „Persönliche Erfahrung“-Karte, aber ich kann es ihm nicht abnehmen. Er versucht, Jesse immer näher an sich heranzuziehen, selbstsüchtig und ohne Rücksicht auf Jesse selbst. Umso trauriger ist es, dass diese Manipulation Früchte trägt. Dazu später mehr.

Skyler
Skyler hat nach wie vor große Probleme. Da zeigt sich eindrucksvoll, als sie einen totalen Breakdown erlebt. Marie (nervtötend wie eh und je und indirekt Auslöser, neben Walt's Einzug zurück ins Haus) muss diesen über sich ergehen lassen und ist sichtlich geschockt. (Neugierig und) Besorgt, wie Marie nun mal ist, verlangt sie von Walt eine Erklärung für den Zusammenbruch ihrer Schwester. Und Walt ist mal wieder ein A***. Gezwungenermaßen, weil sein Geheimnis ja wohl behütet werden muss, aber dennoch. So erzählt er Marie von Skyler’s Affäre mit Ted Beneke und dass dessen Unfall sie sehr mitgenommen hat. Somit schiebt er den Grund für Sky’s Kollaps von sich weg und, an dieser Stelle war ich etwas schockiert, lächelt leicht, als Marie ihn zum Abschied umarmt. Stolz darauf, dass er seine Schwägerin so leicht abwimmeln konnte? Die Grenzen verschwimmen immer mehr und Walt verfestigt weiter seine neue, scham- und reuelose Persönlichkeit.

Scarface
Eine unfassbare Szene. Walt schaut sich mit Holly auf dem Schoß und Junior neben ihm Brian de Palma’s Scarface an, genauer die finale Szene mit wilder Schießerei und etliche Toten. Skyler’s konsternierter Gesichtsausdruck sagt alles. Und die Analogie zu Walter White’ „Werdegang“ ist offensichtlich.

Hazard Pay
Es bleibt nicht viel übrig. Walter, Mike und Jesse haben ihren ersten Umsatz gemacht, jedoch wird dieser gleich drastisch reduziert. Mike macht deutlich, warum er Teil dieser Partnerschaft ist und rechnet Walt vor, welche Kosten zu berücksichtigen und welche Schulden noch zu tilgen sind. Das kann der ambitionierte Walt anfangs nur schwer nachvollziehen und flugs haben wir diese altbekannte Spannung zwischen Walter und Mike in der Luft. Dabei zeigt Jesse sogar noch Opferbereitschaft, um den Konflikt zu lösen. Doch Walt akzeptiert (vorerst…) die neue Situation. Man kann halt nicht so einfach in die großen Fußstapfen eines Gustavo Fring treten. Daran muss er sich zwar noch gewöhnen, aber was bleibt ihm erst einmal anderes übrig? „Just because you shot Jesse James don’t make you Jesse James.“ (Gleichzeitig ein sehr gut platzierter, allgemeiner Kommentar Mike’s über Walt’s Ego.)

How are you feeling?
Die Episode endet mit einem hervorragenden Dialog zwischen Walt und Jesse. Mit dieser Frage erkundigt sich Walter natürlich nicht nach Jesse’s persönlichem Gemütszustand, sondern danach, was er von dem geringen Ertrag ihrer Arbeit hält. Dabei hat Jesse offensichtlich ganz andere Sachen im Kopf, nachdem er sich nun doch von Andrea getrennt hat (Bravo, Walter). Dennoch macht Jesse einer sehr gefassten Eindruck und nimmt ironischerweise die Rolle eines Walter White von vor drei, vier Staffeln ein, als er dem ungeduldigen Jesse Pinkman immer wieder gesagt hat, dass es Zeit braucht etwas aufzubauen. Tolle Szene. Und ein toller Abschluss. Denn auf einmal gibt es einen Anflug von Selbstzweifel (mit Verweis auf Victor, S04E01 Box Cutter) in Mr. White, welcher auch Jesse etwas verwundert dreinschauen lässt und welchen ich selbst schwer einordnen kann. „Maybe he flew to close to the sun…“

Gesamteindruck
Eine ruhige, aufbauende Folge. Viele direkte und indirekte Querverweise zu älteren Episoden, welche sehr gut die Tiefe von Breaking Bad hervorheben. Walt wird immer düsterer und schauerlicher, Bryan Cranston trifft es mit seinem Schauspiel auf den Punkt. Jesse macht einen äußerst gereiften und cleveren Eindruck, was mir sehr gut gefällt, jedoch irgendwann auch viel Konfliktpotential zwischen ihm und Mr. White heraufbeschwören kann bzw. wird. Skyler’s weitere Entwicklung interessiert mich brennend. Sie ist zwar beileibe keiner meiner Lieblingscharaktere, aber es droht ernsthaft zu eskalieren.

Ich bin äußerst gespannt auf die nächste Folge von Breaking Bad, Fifty-One, jedoch kommt hier sogleich der Wehrmutstropfen: Urlaub. Ich bin ab Freitag für eine Woche außer Landes und werde daher die nächste Episode leider verpassen bzw. erst am 12. August nachholen können. Nichtsdestotrotz werde ich ein paar Zeilen dazu verfassen, nur halt etwas später als sonst und höchstwahrscheinlich zu einem Zeitpunkt, zu dem Folge 5 schon ausgestrahlt wurde. Aber das soll ja nicht weiter stören.

Zurück zur aktuellen Episode: Wie hat euch Hazard Pay gefallen, was ist euch aufgefallen? Habt ihr langsam aber sich auch ein „Problem“ mit Walter White, so wie ich? Oder bin ich einfach zu "empfindlich"? Was denkt ihr über Skyler? Teilt euch mit, ich freue mich jedwede Diskussion, Anregung oder auch Kritik.


PS: Ach ja, Skinny Pete (Charles Baker) und Badger (Matt Jones) sind zurück. Wie wir sie kennen, ziemlich... einfach gestrickt. Und deswegen werden sie in den zukünftigen Geschäften Jesse's wohl auch keine Rolle spielen. Oder doch? Wer weiß...

Dienstag, 24. Juli 2012

Breaking Bad S05E02 - Madrigal


ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!

Meine Gedanken zu Madrigal, Episode Zwei der fünften Staffel von Breaking Bad.


Germans! (Opening)
Hoppla. Es wird deutsch gesprochen. Das finde ich ja „echt prima“. Ein paar Kittelträger präsentieren einem potenziellen Kunden diverse Fast Food-Saucensorten. Darunter auch Ketchup, welcher eigentlich nur ganz normaler Ketchup ist. Wie dem auch sei, der potenzielle Kunde entpuppt sich als ein gewisser Herr Schuler, bei Madrigal, ein deutsches Unternehmen für Elektromotoren, angestellt. (Madrigal, wir erinnern uns: Die Firma, welche auch die Wäscherei besitzt/besaß, unter jener Gus’ Drogenlabor situiert war und ebenso die Luftfilter für dasselbige hergestellt hat.) Herr Schuler scheint recht dicke mit dem verschiedenen Gustavo Fring gewesen zu sein. Ein Problem gibt es aber, denn die Polizei ist Schuler schon auf den Fersen. Also defibrilliert er sich in einer durchaus angespannten Szene selbst zu Tode. Da kann Kriminalinspektor Kunst so dolle klopfen wie er will, die verschlossene Toilettentür wird Herr Schuler nicht mehr öffnen. Interessanter Einstieg. Und mit einem recht offensichtlichen Fingerzeig in Richtung Ende der Ära Fring bzw. dessen Demontage (zu offensichtlich...).

Poor Jesse, double-faced Walter
Jesse ist ziemlich aufgewühlt. Er sucht nach wie vor das in einer Zigarette versteckte Ricin, mit welchem er ursprünglich Gus ausschalten sollte und welches als überaus bedeutsames Plot Device in der vorangegangen Staffel 4 diente. Nicht dass noch jemand unschuldiges aus Versehen das Ricin einnimmt und daran ein jähes Ende findet. Wir haben Jesse als durchaus emotionalen und labilen Charakter kennengelernt, auch diese Angelegenheit macht ihm eindeutig zu schaffen. Wo könnte das Ricin wohl sein? Natürlich, bei Walter. Saul gab ihm die Zigarette samt Ricin in der letzten Folge, Live Free or Die, doch Jesse weiß von alledem nichts. So kann Walter sich in aller Ruhe Gedanken machen, wie er den guten Jesse auf ein Neues manipulieren und das spezielle Band zwischen den beiden gar noch stärker machen kann. Fürchterlich. In solchen Momenten widert mich Walt einfach an. Aber genau das ist ja gerade eine der Stärken von Breaking Bad, oder?

Whitey – Stay on the Outside
Der wunderbare Song, welcher während der Suchaktion (wunderbar gedrehte Montage) in Jesse’s Haus gespielt wird. Wird jetzt wahrscheinlich öfters zu hören sein, ob auf Facebook, Twitter etc. geteilt oder gar im Radio. Ist aber auch alles andere als schlecht.


Go forward. Go forward where?
Ambitioniert wie Walter nun mal ist, möchte er am liebsten gleich wieder ins Drogengeschäft einsteigen. „There is a market to be filled and currently no one to fill it.“ Jesse ist dabei, doch auch Mike soll mit einsteigen, ist man sich doch dessen besonderen Fähigkeiten mehr als bewusst. Aber Mike hat keine Lust. Und der Grund dafür ist einleuchtend: „You are trouble… You are a time bomb. Tick-tick-ticking. And I have no intention of being around for the boom.“ (Mike zu Walt) Got a point there, Mike. Einen ziemlich guten sogar. 

Right under my nose
Nette Anspielung. Hank’s Boss Merkert (Michael Shamus Wiles) erinnert sich an Gustavo Fring und wie er diesen ein Mal zu sich nach Hause zum Grillen eingeladen hatte. Und jetzt hat sich herausgestellt hat, dass Mr. Fring ganz und gar nicht derjenige gewesen ist, für wen er sich lange Zeit ausgegeben hat. Wenn Hank wüsste, was direkt unter seiner Nase (noch?) alles im Verborgenen liegt…

Mike
Nochmal zurück zu Mike, welcher in Madrigal besonders viel Screentime bekommt. Wir stellen erneut fest, dass Mike Ehrmantraut („Close enough.“) feste Prinzipien und Ideale hat. Vertrauen spielt dabei wohl die allerwichtigste Rolle. Er steht bedingungslos zu seinen Leuten, weshalb es für ihn auch absolut nicht in Frage kommt, den Großteil von diesen einfach so zu eliminieren. Jedoch wird auch klar, dass, sollte jemand sein Vertrauen missbrauchen, die Strafe auf dem Fuß folgt. Jonathan Banks spielt diese Rolle einfach großartig. In Staffel 4 feierte Mike seinen „Durchbruch“ und auch in Staffel 5 scheint seine Figur für den weiteren Verlauf der Geschichte von großer Bedeutung zu sein.

Mike II
Ein weitere Eigenschaft Mike's: Du kannst ihn nicht reinlegen, das funktioniert einfach nicht. Er ist dir immer einen Schritt voraus. Nun, den Anschein hat man die meiste Zeit, zumindest bis er auf Hank trifft. Eine fantastische Szene. Hank und Gomey (Steven Michael Quezada) verhören Mike zu der ganzen Gustavo Fring-Geschichte. Und Mike schlägt sich wie erwartet souverän und zeigt sich von den wilden Spekulationen und Vorwürfen Hank’s unbeeindruckt. Aber Hank ist nun mal Hank. Und Hank ist nun mal ein ähnlicher Typ wie Mike. Immer ein Ass im Ärmel. Und wenn er das ausspielt, dann sitzt es auch richtig. In dieser Szene treffen zwei absolute Alphatiere aufeinander und es ist eine große Freude Dean Norris und Jonathan Banks dabei zuzuschauen. Mehr davon.

Mike III
Als Mike zum Ende die junge Frau, welche einen seiner „Jungs” engagiert hat, um Mike und Kollegen den Garaus zu machen, in ihrem Haus zur Rechenschaft ziehen will, zeigt sich zum wiederholten Male Mike’s strikte Devise „No half measures.“ Doch was ist das? Er lässt sich erweichen, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass er selbst eine kleine Enkeltochter hat und sich in die flehende Mutter hineinversetzen kann. Stoiber-esque gesagt, Mike weiß, was es bedeutet, Mutter von drei kleinen (in diesem Fall nur eins) Kindern zu sein. Außerdem könnte diese anscheinend das Methylamin besorgen, welches Walter, Jesse und er zur Herstellung ihres „Products“ benötigen. Mike hat sich jetzt nämlich doch dazu entschieden, Teil des "Blue Sky"-Triumvirats zu sein. Die DEA geht ihm nämlich an die Kohlen und irgendwie muss der Rubel ja rollen. Wenn nicht für ihn, dann zumindest für seine Familie, speziell seine Enkeltochter. Also verschont Mike die Dame. Was mich wiederum beunruhigt. Nicht, dass ich auf ihre "Bestrafung" bestanden hätte, aber Mike weicht von seinen Prinzipien ab, auch wenn es aufgrund des Methylamins logisch erscheint, es bleibt ein komischer Beigeschmack. Und dann steigt er doch noch bei Walter und Jesse mit ein. Da ist Reibung garantiert, insbesondere zwischen ihm und Walter. Wer weiß, was da noch auf uns zukommt. Tick-tick-ticking...

Skyler
…hat in dieser Folge nicht viel zu sagen/ tun und liegt den ganzen lieben langen Tag im Bett herum. Wie bereits letzte Woche festgestellt hat sich Walt und sein „neues“ Ich vollends akzeptiert. Skyler bekommt das anscheinend nicht so leicht hin. Auch wenn Walt ihr gut zuspricht („There’s no better reason than family.“), das Schlussbild bleibt äußerst unangenehm. Schafft es auch Skyler, die neuen Umstände und sich selbst zu akzeptieren? Ich wünsche es ihr nicht wirklich. Ihre Selbstzweifel sind ohne Frage absolut berechtigt. Und außerdem braucht Walter auf der Moralebene einen ebenbürtigen Gegenspieler. Es kann doch nicht alles schlecht sein bzw. werden, oder?

Gesamteindruck
Eine Folge für Jonathan Banks. Er hat es sich aber auch verdient. Einer meiner absoluten Lieblingscharaktere. Aaron Paul ebenfalls mit einer typischen Aaron Paul-Breaking Bad-Performance gleich zu Beginn. Stark. Das geht immer wieder unter die Haut. Walter, Jesse und Mike bilden das neue Trio Infernale und wie wir Walter (So berechnend und manipulativ wie eh und je. Bryan Cranston superb.) kennen, wird ihm schon so mancher perfider Plan durch den Kopf gehen. Die Messlatte wird weiter hoch gehalten, eine sehr intensive zweite Folge der 5. Staffel von Breaking Bad, welche mir wirklich sehr gut gefallen hat.


Und wieder eine Woche warten. Nächsten Sonntag, den 29. Juli 2012, läuft Episode 3 der 5. Staffel von Breaking Bad, Hazard Pay. Dazu dann wieder alles hier, auf bommebastisch

Derweil bin ich sehr auf euren Input gespannt. Was ist euch aufgefallen, was fandet ihr besonders gut/ schlecht/ bemerkenswert in dieser Folge? Teilt euch via Kommentarfunktion mit, ich freue mich über jede Art der Diskussion, Anregung oder Kritik.