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Mittwoch, 18. September 2013

Breaking Bad S05E14 - Ozymandias

Es folgen etwas verspätet meine gesammelten und wie so oft äußerst umfangreichen Gedanken zur 14. Episode der fünften Staffel von Breaking Bad, Ozymandias.

ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!

Opening
Nachdem wir letzte Woche in einem für Walt als auch den Zuschauer äußerst ungünstigen Moment eingehalten haben, wartet die Eröffnung von Ozymandias eher entspannt und gar ein wenig idyllisch auf. Wir befinden uns nach wie vor in To’hajiilee und bekommen einen Rückblick zu sehen. Walt (Bryan Cranston) und Jesse (Aaron Paul) sind ganz am Anfang ihrer Geschichte und stellen in ihrem RV Crystal Meth her. Die (Arbeits)Beziehung zwischen den beiden ist noch ziemlich frisch, Walt kleinlich wie eh und je, und Jesse so vorlaut und frech wie wir ihn in den ersten Folgen von Breaking Bad kennen gelernt hatten. Dennoch ist es für den Zuschauer ein interessanter Blick zurück in die gute, alte Zeit. Dabei wurde nicht nur die Optik der ersten Folgen von Breaking Bad gut eingefangen, auch die Szene an sich funktioniert als ein wunderbarer Reminder, um es mal ganz neudeutsch auszudrücken. Man bekommt noch einmal vor Augen geführt, welch krasse Entwicklung Breaking Bad und insbesondere Walter White genommen hat. Ein kurzes Telefongespräch zwischen ihm und Skyler erinnert uns daran, dass er eigentlich ein ganz liebenswerter Familienvater war, optimistisch, dass er seine schwere Erkrankung besiegen kann, auch wenn er dafür illegale Geschäfte betreiben muss. Etwas mehr als ein Jahr später hat er eine Entwicklung genommen, die er sich wohl hätte nie vorstellen können.

Do what you got to do
Nach dem Opening setzen wir unmittelbar in der finalen Szene der letzten Folge (To’hajiilee) ein. Dabei gibt es einen schönen Übergang zwischen dieser und der vorangegangenen Szene, da wir uns praktisch an ein und demselben Ort befinden, wo Jesse und Walt im Opening noch zum ersten Mal gemeinsam Meth gekocht haben und wo sich nun der Showdown zwischen Walt, Hank und Jack abspielt. Der Kugelhagel verstummt und langsam lichtet sich das Feld. Hank (Dean Norris) ist am Bein getroffen, sein Blick geht auf seinen Kollegen und guten Freund Gomez (Steven Michael Quezada), der nicht so glimpflich davongekommen ist und leblos auf dem sandigen Wüstenboden liegt. Von Jesse ist keine Spur, er scheint Reißaus genommen zu haben. Hank versucht noch mit letzter Kraft Gomeys Schrottflinte zu erreichen, doch steht Jack (Michael Bowen) schon parat und unterbricht diesen Versuch. Jack fackelt auch nicht lange und will Hank sogleich von seinen Leiden erlösen, wäre da nicht Walt, der auf der Rückbank des zerschossenen SUVs Deckung suchen musste und jetzt hervorschnellt, um Jack davon abzuhalten, Hank hinzurichten. Walt glaubt daran, dass er Hank irgendwie retten bzw. dass sein Schwager verschont werden kann. Er bittet Jack eindringlich, Hank nicht zu töten und bietet ihm das Geld an, welches hier in To’hajiilee unter der Erde versteckt liegt. 80 Millionen US-Dollar. „That’s a hell of an offer.“ Da staunt selbst Jack nicht schlecht. Und was hält Hank von diesem Angebot? „My name is ASAC Schrader. And you can go fuck yourself.

Walt versucht, Hank zu beschwichtigen. Hier ist noch nichts verloren, doch Hank ist sich längst bewusst, wie diese Situation enden wird. You’re the smartest guy I ever met and you’re too stupid to see. He [Jack] made up his mind ten minutes ago.(Hank zu Walt) So einfach, wie sich Walt das vorstellt, geht es nicht, 80 Millionen hin oder her. So blickt Hank Jack noch einmal fest ins Gesicht. „Do what you got to do.“ Und Jack drückt ab, unmittelbar nachdem Hank diesen Satz von sich gegeben hat. Walt. Stille. Walts Gesicht verzieht sich zu einer Grimasse des Leidens, er bricht zusammen und schlägt auf dem Boden auf. Sein Gesichtsausdruck hat fast etwas Gespenstisches. Hank ist tot. Und Walt hat großen Anteil daran, er hat dieses Unheil über Hank und somit über seine gesamte Familie gebracht.

Bevor es weitergeht muss ich mich natürlich kurz zu diesem Abschnitt im Speziellen äußern. Tja, das war’s. Ich und bestimmt auch viele andere hatten nach den letzten Episoden etwas in diese Richtung erwartet, doch dachte ich, dass man sich Hank wirklich bis zum Schluss aufhebt. Falsch gedacht. Weiterhin ziehen Vince Gilligan und Co. konsequent ihr Ding durch. Und Walt ist machtloser als je zuvor. Es gibt einfach keinen glorreichen, interfamiliären Zweikampf zwischen Hank und Walt. Breaking Bad bleibt real, hart und verteilt gnadenlos Schläge in die Magengrube. Und das gefällt mir sehr gut. Eure Eindrücke bitte in den Kommentarbereich, wir hatten da letzte Woche schon eine ähnliche Diskussion, die man anhand dieser Szene sicherlich noch einmal aufgreifen könnte.

No hard feelings
Es findet zwar kein Szenenwechsel statt, doch teile ich diese Sequenz lieber in zwei verschiedene Abschnitte. Walt liegt am Boden, vollständig geschockt. Jack wiederum zählt relativ schnell zwei und zwei zusammen, er ist ja nicht auf den Kopf gefallen. Die Koordinaten, die ihm Walt gab, sind doch schon ziemlich genau, also muss hier doch irgendetwas versteckt liegen. Und nach einer kurzen Buddeleinlage stoßen Jack und seine Mannen auch auf Walts Geldversteck. Walt liegt derweil nach wie vor regungslos im Sand, das Gesicht grässlich verzogen. Nur Todd (Jesse Plemons) sieht man etwas Mitleid für Walt an. Natürlich fragt man sich, was jetzt passieren könnte. Walt verliert gerade alles, erst wird Hank vor seinen Augen umgebracht, jetzt wird ihm sein Geld weggenommen, auch wenn ihm dies in diesem Moment nicht wirklich beschäftigt, ist er doch mit seinen Gedanken bei Hank. Dank Todds Fürsprache überlässt Jack Walt zumindest ein Fass mit Geld, und schlägt vor, die ganze Sache einfach zu vergessen. Walt scheint sich langsam wieder zu sammeln und schlägt ein.

Doch eine Sache wäre da noch: „Pinkman.“ (Walt) Walt projeziert seine gesamte Wut nun auf Jesse, der Hank theoretisch ja an diesen Ort geführt und eine Mitschuld trägt. Jack soll sich noch um Jesse kümmern. Kein Problem, sagt Jack, sobald Walt Jesse auftreiben kann und gefunden hat, kümmert er sich darum. I found him.(Walt) Die Kamera schwenkt auf Walts Wagen. Schon vorher gab es in dieser Folge einen Moment, in dem Walt das Fahrzeug entschlossen mit seinen Augen fixierte. Jetzt wird deutlich warum. Unter dem Wagen versteckt sich nämlich Jesse. Der wird prompt hervorgezogen und so scheint auch sein letztes Stündchen gezählt zu haben. Das Verrückte daran ist, dass ich mir wirklich vorstelle, dass Jesse jetzt einfach hingerichtet werden könnte, weil es den Machern von Breaking Bad schlicht und einfach zuzutrauen wäre. Doch springt abermals Todd dazwischen. Er schlägt vor, dass man Jesse erst einmal ausfragt, was er Hank denn erzählt hat, bevor man ihn um die Ecke bringt. Jack ist damit einverstanden, und auch Walt nickt es ab, doch hat er bevor Jesse abgeführt noch etwas zu sagen. I watched Jane (Krysten Ritter, Staffel 2) die. I was there. I watched her overdose and choked to death. I could have saved her. But I didn’t.” (Walt zu Jesse) Walt drückt Jesse noch einmal richtig einen rein. So wie Jesse Hank auf dem Gewissen hat (so sieht es zumindest Walt in diesem Moment), hat auch Walt jemanden auf dem Gewissen, der Jesse sehr viel bedeutete. Jesse ist wiederum von dieser Offenbarung äußerst hart getroffen und sackt kraftlos zusammen. Jesse wird ihn ein Auto verfrachtet, Jack und Co. fahren ab und Walt steht allein und zurückgelassen in der Wüste. Noch einmal gibt es den bildhaften Verweis auf das Opening. Damals, heute, die Unterschiede könnten nicht größer und dramatischer sein.

Times Are Gettin' Hard
Walt steigt in seinen Wagen ein und will diesen verhängnisvollen Ort verlassen. Interessanterweise setzen jetzt auch erst die Credits ein, man hat wohl ganz bewusst in den intensiven 20 Minuten zu Beginn der Folge darauf verzichtet, die Namen der Darsteller einzublenden. Walt ist ziemlich mitgenommen, er blickt noch einmal in den Rückspiegel, eine kleine Referenz bezüglich der zehnten Episode der fünften Staffel, Buried, als er auch in den Rückspiegel blickte und Hank dort stehen sah. Hier in To’hajiilee liegt nun sein Schwager ver- bzw. begraben, in dem Loch, wo Walt in Buried noch sein Geld versteckte. Walt macht sich auf den Weg, kommt aber nicht weit, ist der Tank seines Fahrzeuges doch beschädigt. Also rollt er das Fass voller Geldbündel durch die karge Wüstenlandschaft New Mexicos, dazu bekommen wir den melodisch eher leichten Song Take My True Love By The Hand von The Limeliters zu hören, was erst ein wenig unpassend und bizarr wirkt, aber nicht wirklich überraschend ist, kennt man solche untypischen Einlagen doch nur zu gut von Breaking Bad. Walt kommt schließlich an einer Hütte an, aus welcher ein indianischer Ureinwohner Amerikas tritt. Walt möchte dessen Pick-Up erwerben und bekommt diesen auch nachdem er ein fettes Bündel Geldscheine zückt. Mit dem Fass auf der Ladefläche geht es nun erst einmal Richtung Albuquerque.


Tell him
Marie (Betsy Brandt) betritt die Waschanlage der Familie White und wirkt äußerst erleichtert. Skyler (Anna Gunn) versucht derweil Walt zu erreichen, aber ohne Erfolg. Marie erklärt ihr in einem Vier-Augen-Gespräch auch sogleich, woran das liegt. Hank hat Walt nämlich festgenommen, der Spuk ist endgültig vorbei. Es fühlt sich wie eine Art Siegesrunde von Marie an, auch wenn das Gefühl von Euphorie eher durch Erleichterung ersetzt wird. Natürlich weiß sie nichts von dem schrecklichen Schicksal ihres Gatten. Skyler wiederum sieht während des gesamten Gesprächs sehr betroffen und aufgewühlt aus. Marie hofft, dass sich Skyler jetzt bessern wird und die Vergangenheit hinter sich lassen kann. Sie kann auf jeden Fall mit ihrer und Hanks Unterstützung rechnen. Doch es gibt Bedingungen. Zum einen muss das Video, dass Walt und Skyler angefertigt hatten, um Hank zu schaden, samt aller bestehenden Kopien vernichtet werden. Zum anderen muss Skyler Junior (RJ Mitte) erzählen, wer sein Vater wirklich ist. Das kommt für Skyler nicht in Frage, doch lässt Marie ihr keine andere Wahl. „You tell him or I will!“ (Marie zu Skyler)

Let’s cook
Für Jesse sieht es nicht so gut aus. Er ist eingekerkert und wurde ordentlich zu gerichtet. Die „Befragung“ durch Todd hat ihre Spuren hinterlassen, körperlich als auch geistig. So ist Jesse auch sehr verängstigt, als Todd ihn aus seinem Gefängnis holen will. Jesse hat anscheinend schon längst gesungen, was wollen sie jetzt noch von ihm? Eigentlich gibt es da ja nur noch eine Sache… Doch bleibt Jesse (vorerst?) am Leben und wird von Todd in die Lagerhalle geführt, in welcher sich das Drogenlabor befindet. Er blickt sich um und wird sogleich von Todd wie ein Hund (rabid dog?) an die Leine gelegt. Sein Blick wird auf ein Bild gelenkt, das an einer dünnen Metallstange hängt. Da er sich relativ frei bewegen kann, nähert er sich diesen Bild und erkennt darauf Andrea und Brock. Ein Druckmittel. Jack hat ihn in der Hand, und sollte er nicht spuren, wird er Andrea und Brock etwas antun. Todd tritt wieder in Erscheinung. „Let’s cook.“ (Todd zu Jesse) Jesse ist jetzt das Laboräffchen und ihm bleibt keine andere Wahl, als zu gehorchen. Was in dieser Szene und gerade am Ende sehr auffällt sind die beiden verschiedenen Gesichtshälften Jesses, welche irgendwie an das unrühmliche Ende von Gustavo Fring (Giancarlo Esposito) erinnern, ob gewollt oder nicht (sicherlich gewollt).

Liar
Zurück im Büro der Waschanlage erzählt Skyler in Anwesenheit von Marie ihrem Sohn Junior von seinem Vater. Junior kann es nicht glauben und ist sehr aufgebracht. Er ist kaum zu beruhigen und bezichtigt seine Mutter und sein Tante, Lügnerinnen zu sein. Für Junior ist sein Vater ein aufrichtiger Mensch, er hat ihn über die Jahre idealisiert, diese Geschichten über ihn können nicht stimmen. Toll zu sehen, dass auch RJ Mitte ein guter Schauspieler ist. Seine Auftritte sind ja eher reserviert und bestehen größtenteils daraus, dass er Frühstück isst, doch hier bringt er seine Aufgebrachtheit sehr gut rüber. Auch Skyler hat ihre Probleme, mit der Situation umzugehen und bricht in Tränen aus. Junior stürmt aus dem Büro und Marie rät Skyler, mit ihm erst einmal nach Hause zu fahren, er wird sich schon beruhigen.

We are family
Walt ist zu Hause angekommen und packt jetzt hektisch Koffer, hier können er und seine Familie nicht bleiben. Zur gleichen Zeit fahren Skyler und Junior (und Holly) vor. Junior ist logischerweise immer noch sehr aufgebracht. „If all this is true and you knew about it, than you’re as bad as him.(Junior zu Skyler) Korrekt. Und das weiß auch Skyler selbst. Skyler bemerkt den Pick-Up in der Einfahrt und prompt tritt auch Walt aus dem Haus heraus. Er hat es eilig und will, dass Skyler und Junior schnellstmöglich ihre Sachen packen, sie müssen weg von hier. Junior löchert seinen Vater mit Fragen, doch dieser wimmelt ihn ab. Skyler ist verwundert, dass Walt hier ist, erzählte ihr doch Marie, dass Hank ihn festgenommen hat. „Where is Hank?“ fragt sie ihn, Walt versucht auszuweichen, hat aber selbst mit sich und seinen Emotionen zu kämpfen. Man merkt Skyler schon eine gewisse Ahnung an. Wieder fragt sie ihn. Where is Hank?Walt redet auf Skyler ein, sie haben viel Geld, sie müssen einfach nur noch fort von hier und alles hinter sich lassen. Dann spricht es Skyler aus. „You killed him. You killed Hank.“ Es folgt die totale Eskalation.

Während Walt sich Juniors unzähligen Fragen stellen muss, bekommen wir eine verhängnisvolle Aufnahme zu sehen. Auf dem Küchentresen steht sowohl ein Telefon als auch ein Messerblock, im Hintergrund nähert sich Skyler langsam diesen beiden Gegenständen. Sie könnte die Polizei rufen, doch greift sie nach einem Messer und schon im nächsten Moment stellt sich schützend vor ihren Sohn und bedroht Walt mit der vorgehaltener Klinge. „Get out.“ Es reicht. Bis hierhin und nicht weiter. Walt versucht sie zu beruhigen, doch wie aus dem nichts greift Skyler an! Walt reißt die Hände hoch und bekommt einen ordentlichen Schnitt an seiner rechten Hand verpasst. Jetzt eskaliert die Situation endgültig. Walt und Skyler ergeben sich in ein wildes Getümmel, das Küchenmesser mittendrin, während Junior versucht die Gemüter zu beruhigen. Doch gerade dieses Küchenmesser lässt mich einfach nicht los, ich sehe vor meinem geistigen Auge schon Junior mit dem Messer im Bauch auf dem Teppichboden liegen 

Walt gewinnt die Oberhand und drückt Skyler zu Boden, Junior springt beherzt dazwischen und stellt sich schützend vor seine Mutter. „What the hell is wrong with you! We are family!“ brüllt Walt Skyler entgegen. Ja aber, what the hell is wrong with you Walt? Er hat komplett die Beherrschung verloren und hätte beinahe vor den Augen Juniors Skyler wohlmöglich etwas Unverzeihliches angetan. Junior greift zum Telefon und ruft die Polizei. Langsam realisiert Walt, was er getan hat. Er schnappt sich Holly und flieht, Skyler rennt ihm hinterher und versucht ihn aufzuhalten, jedoch ohne Erfolg. Walt biegt mit seinem Wagen um die Ecke, Skyler sackt völlig aufgelöst auf der offenen Straße zusammen und so endet dieser äußerst packende und dramatische Moment in Ozymandias, der einen etwas fassungslos hinterlässt.

No mama
Walt hat erfolgreich die Flucht ergriffen und kümmert sich erst einmal um Baby Holly, deren Windeln gewechselt werden müssen. Der kleinen Holly kommen dann ein paar herzzerreißende Worte über die Lippen. „No mama.“ Walts Blick sagt mehr als tausend Worte. Alles ist im Argen. So weit hat er es getrieben, er ist praktisch für Hanks Tod verantwortlich und er hat seine Frau, die Mutter seiner Kinder angegriffen. Hier gibt es nichts mehr zu kitten. Der Tiefpunkt.

Do not cross me
Wieder zurück im White-Haus ist bereits die Polizei vor Ort, ebenso wie Marie. Die stammelt ungläubig ein paar Dinge vor sich hin, man hat ihr anscheinend von Hanks Tod erzählt. Das Telefon klingelt. Walt ist am anderen Ende der Leitung und verlangt von Skyler, dass sie abhebt. Manch einer würde eventuell mit einer Entschuldigung Walts rechnen, aber weit gefehlt. Er rechtfertigt sich gegenüber Skyler, was arg seltsam anmutet. Er hatte sie gewarnt, was passieren würde, wenn man ihm zu nahe kommen würde. Walt wirkt sehr angefressen und redet Tacheles, harte Formulierung („You stupid bitch!“, Walt zu Skyler) und Drohungen inbegriffen. Skyler erkennt, wie gefährlich Walt gerade in diesem Moment ist, außerdem hat er ihre Tochter, also spielt sie mit. Walt meint es todernst, so hört es sich zumindest für Skyler an. Könnte sie ihn sehen, wusste sie, wie schwer es ihm fällt, diese Worte auszusprechen. Natürlich kommen sie auf Hank zu sprechen, und es ist wie es ist, Hank ist tot. You never gonna see Hank again. He crossed me. You think about that. Family or no. You let that sink in.(Walt zu Skyler) Harte Worte, doch sehen wir auch, wie unglaublich schwer sich Walt tut, diese Fassade aufrechtzuerhalten. Nicht nur Marie und Skyler haben Tränen in den Augen, auch Walt selbst ist emotional sehr betroffen. Ein letztes Mal bittet Skyler Walt, ihr Holly zurückzubringen und selbst nach Hause zu kommen. Mit brüchiger Stimme antwortet er ihr: „I’ve still got things left to do.“ Dann legt er auf. Unter Tränen zerstört er das Mobiltelefon und blickt in seinen Wagen, wo sich Holly befindet. Er hat längst erkannt, dass er alles verloren hat. 

Im Hintergrund sehen wir eine Feuerwehrwache. Die Feuerwehrleute darin werden auf einmal aufmerksam, als in der Garage die Signallichter eines Löschfahrzeugs aufleuchten. Ein Feuerwehrmann schaut sich das etwas genauer an und findet im besagten Löschfahrzeug Holly sitzen, die von Walt dort zurückgelassen wurde. Gut so Walt.

Interessant ist eventuell noch der Blick auf das Schachspiel zwischen zwei Feuerwehrmännern, welches man kurz vorher zu sehen bekommt. Der weiße König (My name is Ozymandias, king of kings...) wird hinter zwei weißen Bauern in Sicherheit gebracht, im Hintergrund sieht man noch einen weißen Springer und mehrere schwarze Spielfiguren. Ein schönes kleines und vor allem symbolträchtiges Detail. Es sieht schlecht aus für den weißen König. Er scheint noch eine minimale Chance zu haben, doch hat er eigentlich jede bedeutende Spielfigur verloren. Nur noch zwei Bauern bleiben ihm und wer weiß, wie lange diese ihn noch schützen können.

Adios
Walt sitzt an derselben Stelle, wo wir in Jesse noch in Confessions haben sitzen sehen. Offensichtlich ist Walt mit Saul in Kontakt getreten und hat nun selbst den Kerl angeheuert, der Jesse aus Albuquerque schaffen sollte. Mit ein paar Koffern und dem Plastikfass voller Geld steigt er in den vorfahrenden Wagen. Ein kurzer Blick in den Seitenspiegel und weg ist er. Ein herumstreunender Hund (rabid dog? #2) überquert die Straße. Das war Ozymandias.

Gesamteindruck
Hart und gnadenlos. Mit dem Tod Hanks hatte man ja irgendwie gerechnet, ich auf jeden Fall, dass er jetzt „schon“ kam überraschte mich ein wenig. Wenn man jedoch kurz überlegt dann verwundert es nicht wirklich. So ist nun mal Breaking Bad. In Ozymandias gab es wirklich viel, was mir sehr gut gefiel. Erstens, der endgültige Tiefpunkt Walter Whites, dieser gefühlt endgültige Abschluss seiner Entwicklung. Auch die Familie ist im letztendlich komplett entglitten, jetzt gibt es nur noch ihn. Zweitens, die Darsteller, obwohl das eigentlich immer zutrifft. Bryan Cranston macht das fantastisch, aber auch Anna Gunn gefiel mir außerordentlich gut. Generell muss man sagen, dass sehr viel mit Nahaufnahmen gearbeitet und viel Augenmerk auf die Mimik der Darsteller gelegt wurde. Wenn man dann noch Leute wie Cranston, Gunn, Dean Norris, Aaron Paul, Betsy Brandt oder RJ Mitte hat, kann eigentlich nur etwas sehr gutes dabei herumkommen, wie man ja dann auch schlussendlich sehen konnte. Rian Johnson, unter anderem Regisseur vom sehr guten Looper und welcher bereits bei der für meinen Geschmack wahnsinnig guten Folge Fly in der dritten Staffel (S03E10) und Fifty-One (S05E01) Regie führte, hat Ozymandias meiner Meinung nach ganz hervorragend inszeniert, mit vielen kleinen Details und Verweisen, mit sehr ausführlichen und intensiven Szenen und vor allem mit einer großartigen Eindringlichkeit. Sehr gut.

Wie geht’s nun weiter? Natürlich hat man Zauselbart-Walt und sein Maschinengewehr aus der ersten Folge der fünften Staffel (Live Free or Die) im Hinterkopf. Zieht sich Walt nun erst einmal zurück, um dann mit geballter Ladung zurückzuschlagen? Und was ist mit Jesse? Ich bin sehr gespannt, was als nächstes passieren wird. Zwei Folgen noch, Freunde. Aber erst einmal interessiere ich mich für eure Meinung über Ozymandias. Wie hat’s euch gefallen, was hat euch überrascht, was war in euren Augen nicht so gut? Was kommt jetzt auf uns zu? Vielleicht ein kleiner Zeitsprung? Läuft Walt demnächst Amok, eventuell schon nächste Woche? Eure Vermutungen, Ideen, Kritik und gerne auch Feedback in den Kommentarbereich. Dicken Dank dafür und die Beteiligung in den letzten Wochen. So macht mir das hier doch gleich viel mehr Spaß.

Ja, nächste Woche. Da gibt es dieses Problem. Urlaub. Ein Woche lang. Ob die auf Mallorca Internet haben? Da ich erst nächste Woche Samstag wieder im Lande bin, verschiebt sich die Veröffentlichung der Rezension der nächsten Folge, namentlich Granite State, ein wenig nach hinten. Tja. Das kommt davon, wenn man in seiner Urlaubsplanung das Serienfinale von Breaking Bad nicht berücksichtigt. Aber ich liefer es nach, versprochen. Bis dahin.

Dienstag, 10. September 2013

Breaking Bad S05E13 - To'hajiilee

Es folgen meine gesammelten und wie so oft äußerst umfangreichen Gedanken zur 13. Episode der fünften Staffel von Breaking Bad, To'hajiilee.

ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!

Opening
Wir steigen diese Woche mit Todd (Jesse Plemons), seinem Onkel Jack (Michael Bowen) und Lydia (Laura Fraser) ein. Todd hat zusammen mit seinem Onkel die Meth-Produktion neu angeleiert und Lydia macht sich nun einen eigenen Blick von der Operation. Das Labor in einer alten Lagerhalle wird seinen Zweck erfüllen, und Todd scheint ebenfalls etwas fähiger als Declans Schergen zuvor zu sein. Doch hapert es nach wie vor an der Qualität der Ware. Zwar kann Todd den prozentuale Reinheit der Droge erhöhen, doch befindet man sich immer noch ein gutes Stück hinter der Qualität, die einst Heisenberg persönlich abgeliefert hat. Hinzukommt, dass das Blue Sky nicht mehr blau, sondern farblos ist, was sich auf dem Markt als Problem herausstellen könnte. (Lydia: „Blue is our brand.“) Doch kann Jack Lydia abwimmeln, für ihn sieht die breiige Masse, aus der später das Crystal Meth wird, sogar ein wenig blau aus. Man merkt Lydia ihre Ungewissheit an, ihr scheint das neue Arbeitsverhältnis noch nicht ganz geheuer, deswegen tastet sie sich erst einmal vorsichtig heran, auch mit dem Hintergedanken, zu was Jack und Co. in der Lage sind (siehe Declan). Also bleibt erst einmal so, wie es ist, wobei sich Todd gegenüber Lydia verständnisvoll gibt und ihr versichert, dass er das Produkt verbessern kann und wird. Dabei merkt man Todd auch eine gewisse Hingezogenheit zu Lydia an, welche dessen Gefühle aber in keinster Weise erwidert. Auch Drogenköche empfinden Liebe, doch Todd bleibt nur der Lippenstiftabdruck auf Lydias Tasse. Wie auch immer, nachdem Lydia die Szenerie verlassen hat, klingelt auch sogleich Todds Telefon. Am anderen Ende der Leitung: Mr. White (Bryan Cranston). Es ist dasselbe Gespräch wie am Ende der letzten Folge Rabid Dog, Walter benötigt wieder einmal die Hilfe von Todds Onkel Jack. „Just one target. Jesse Pinkman.“ (Walt) „You got it.“ (Todd) Damit ist der verhängnisvolle Anruf getätigt und wir erwarten mit großer Spannung den weiteren Verlauf dieser Episode.

Evidence
Nach dem missglückten Treffen zwischen Walt und Jesse (Aaron Paul), ist die Stimmung bei Hank (Dean Norris) und Gomey (Steven Michael Quezada) gehörig im Keller. Insbesondere letzterer ist ziemlich angefressen. Doch hat Jesse einen neuen Plan, wie man an Walter herankommen könnte: Sein Geld. Das ist sein Schwachpunkt, und wenn die drei auch nur irgendwie ihre Finger daran bekommen könnten, dann besteht definitiv die Möglichkeit, Walt ein für alle Mal dingfest zu machen. Also beginnen die Vorbereitungen, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Dafür verschmiert Hank zum Beispiel auch eine glibberige Tierhirnmasse auf den Küchenboden seines Hauses, was nicht nur uns, sondern auch Jesse etwas verwirrt. Doch folgt die Erklärung dafür auf dem Fuße.

Nice poker face
So haben Hank und Co. wohl eines der vermeintlich schwächsten Glieder in dem Personenkonstrukt rund um Walter White ausgemacht. In einem safe house sitzt der stark beleibte Huell (Lavell Crawford), Hank und Gomey betreten den Raum und kommen gleich zur Sache. Walt ist böse, ein Monster, ein Killer, ja ja ja, dass weiß Huell doch bestimmt schon alles. Doch jetzt wird es interessant: Hanks Informationen zufolge ist Huell der nächste auf Walts Todesliste. Das kann doch gar nicht sein, denkt sich Huell, was hat er denn je getan? Tja, Walt räumt auf, so erklärt es zumindest Hank, keiner seiner ehemaligen Arbeitspartner und Helfershelfer ist sicher. Selbst Jesse Pinkman hat er schon erwischt. Hank zaubert sein Telefon hervor und zeigt Huell ein Bild, auf dem Jesse leblos mit aufgerissenen Augen auf dem Boden liegt, um ihm herum schmoddrige Hirnmasse verteilt (Tadaa!). Huell bekommt es mit der Angst zu tun (was teilweise urkomisch mit anzusehen ist), Hank bleibt cool und locker. Jetzt hat er ihn. Hank spielt seine gesamte Erfahrung aus und ist nun kurz davor, entscheidende Informationen aus Huell herauszubekommen. Der weiß im ersten Moment leider aber nicht all zu viel zu erzählen. Er berichtet von dem Geld („Seven barrels?“) und dem Van, dass Walt sich mit einer Schaufel auf den Weg gemacht hatte, und ein paar Stunden später mit einem verdreckten Van zurückkam. Das könnte doch ein Anhaltspunkt sein. Hank lässt sich weiterhin nichts anmerken und bedankt sich bei Huell für dessen Hilfe. Dieser sollte aber besser erst einmal hier im safe house bleiben, immerhin steht er auf Heisenbergs Abschussliste. Und kein Telefon! Man könnte Huells Anrufe rückverfolgen und dann klopft Walter schneller an die Tür, als es Huell wahrscheinlich lieb ist. Eine sehr amüsante Szene, in welcher Hank nach seinem Belieben Huell wie ein Musikinstrument spielt. Und dann hat er auch noch wichtige Informationen bekommen, die den großen Masterplan vorantreiben könnten. Schauen wir mal, wo uns dies hinführt.

One Cook
Walt trifft sich mit Todd, Jack und Kenny (Kevin Rankin), um die Details bezüglich des Mordanschlags auf Jesse zu besprechen. Zwar beteuert Walt wieder einmal, dass ihm Jesse etwas bedeutet („Jesse is like family to me.“), doch scheint ihm jetzt einfach keine andere Wahl mehr zu bleiben. Jesse ist eine Gefahr für seine wirkliche Familie. Dennoch soll sich Jack kurz und schmerzlos um Jesse kümmern. Als es an den Preis für diesen Auftrag geht, kommt es aber zu einer kleinen Überraschung. We don’t want your money. We want you to cook for us.(Jack zu Walt) Walt hört wohl nicht richtig. Er wollte nie wieder als Drogenkoch tätig sein und schmettert Jacks Forderung sofort ab. Walts skeptischer Blick hinsichtlich Jack und Co. lässt uns aber etwas nicht all zu Gutes erahnen. Jack wird ein wenig aufmüpfig, nicht, dass dies am Ende noch schwere Folgen nach sich zieht. Walt wird nun auch an dieser Front Acht geben müssen. Am Ende bleibt ihm jedoch nichts anderes übrig, als einzuwilligen. Jetzt muss erst einmal Jesse aufgetrieben werden. Doch kann Walt nicht sagen, wo sich dieser befindet. I don’t know where he is - but I know how to flush him out.” Er wäre nicht Walter White, wenn er keinen Plan hätte.

Bait
Nach einem Cut finden wir uns in dem Haus von Jesses ehemaliger Freundin Andrea (Emily Rios) wieder, die wild umherwuselt und Sohnemann Brock (Ian Posada), welcher entspannt seine Froot Loops verspeist, für die Schule fertigmacht. Es klopft an der Tür, und siehe da, Walter White steht auf der Schwelle. Dieser hat ein wichtiges Anliegen, welches er Andrea unverzüglich mitteilen muss. Walt wird hereingebeten. Bevor er sich mit Andrea unterhält, kommt es noch zu einer kleinen irgendwie makabren Szene zwischen ihm und Brock („How you doin’ Brock?“), die einen faden Beigeschmack hinterlässt. Im Gespräch zwischen Walt und Andrea erzählt er ihr von Jesse, und dass dieser wieder einen Drogenrückfall hatte. Walt hat bereits versucht, ihn zu erreichen, doch kommt er nicht durch, was auch daran liegen könnte, dass es im Vorfeld einen kleinen Streit zwischen ihm und Jesse gab. Vielleicht kann es ja mal Andrea probieren, Jesse zu erreichen. Gesagt, getan. Walt benutz Andrea als Mittel zum Zweck, als Köder für Jesse, der, sobald er hört, dass Walt bei Andrea und Brock ist, sicherlich sofort dort hinstürmen wird. Auch Andrea kann nur eine Nachricht auf Jesses Mailbox hinterlassen, doch ist die Falle so oder so ausgelegt, Walt bedankt und verabschiedet sich. Draußen auf der Straße warten auch schon die hitmen und Walt versichert ihnen, dass nur eine Frage der Zeit ist, bis Jesse auftaucht.

Nice try #2
Denkste. Die Nachricht von Andrea kommt an, jedoch nicht bei Jesse, sondern bei Hank, welche nach wie vor in Besitz von Jesses Telefon ist. Hank durchschaut natürlich sofort Walts Masche („Nice try asshole.“, siehe letzte Folge). Wo Jesse sich wahrscheinlich wutentbrannt in Richtung Andrea und Brock aufgemacht hätte, bewahrt Hank einen kühlen Kopf, ganz abgesehen davon, dass Andrea und Brock natürlich auch keinen emotionalen Wert für ihn haben, so hart das klingen mag. Doch Walts Lockversuch bringt Hank auf eine clevere Idee, wie er selbst einen Köder für seinen Schwager auslegen könnte. Ein kleiner Bluff und Walt könnte ratzfatz in Hanks Netz zappeln...

Have an A-1 day
Wir befinden uns im Kassenbereich der White-Waschanlage, Skyler (Anna Gunn) arbeitet gerade Junior (RJ Mitte) ein, welcher sich als Kassierer versucht. So richtig viel Spaß macht ihm das aber anscheinend nicht, es ist Samstag, er will zu Hause abhängen und nicht arbeiten. Doch Skyler besteht darauf, dass Junior an ihrer Seite bleibt. Jesse Pinkman ist irgendwo da draußen, also gibt sie umso mehr Acht um ihre Kinder. Im nächsten Moment kommt Saul (Bod Odenkirk) hereinspaziert („You’re that lawyer guy!“). Er sieht immer noch ziemlich mitgenommen aus („What happened to your face?“ – „Occupational hazard.“), nachdem ihn Jesse in Confessions ordentlich vermöbelt hatte. Walt tritt zwischendurch kurz herein, tauscht einen vielsagenden „We need to talk“-Blick mit Saul aus und verlässt das Gebäude sogleich auch wieder.

It’s me he wants
Walt und Saul unterhalten sich im Außenbereich der Waschanlage. Dabei teilt Saul Walt erst einmal mit, dass Huell verschwunden ist. Und auch auf dessen Frage, ob er denn weiß, wo sich Jesse gerade befindet, kann Walt Saul keine Antwort geben. Walt geht davon aus, dass Jesse schon wieder auftauchen wird und gerade wahrscheinlich einfach nur high ist. Saul ist wie immer skeptisch, und das mit Recht, denn er sagt es selbst, „The kid is not as dumb as you think.“ (Saul zu Walt) Saul ist besorgt, doch Walt ist sich sicher, dass sich Jesse nicht auf einem killing spree befindet. Er will Walt, niemand anderen.

Zurück im Kassenbereich fragt ihn Skyler gleich, ob es irgendwelche Neuigkeit gibt, doch ist dies nicht der Fall. Walter blickt besorgt in Richtung seines Sohnes, der an der Kasse steht. Auf einmal macht sein Telefon ein Geräusch und eine neue Nachricht bzw. ein Foto ploppt auf dem Bildschirm auf. Wir sehen ein Fass, randvoll mit Geldbündeln. Die Musik zieht kurz an und Besorgnis macht sich im Gesicht von Walt breit. Das Telefon klingelt. „Jesse?“ - „Got my photo bitch? That barrel look familiar? ‘Cause I just found six more exactly like it.” Treibende, brummend-dröhnende Musik ein, Walt rennt hastig aus der Waschanlage, Skyler schaut ihm angsterfüllt hinterher.

You better hurry
Es folgt eine sehr rasante Sequenz. Walt jagt mit seinem Wagen die Straße entlang, um schnellstmöglich an dem Ort anzukommen, wo er in Buried sein Geld vergraben hatte: To’hajiilee. Derweil hat er Jesse am Telefon, der ihm gehörig Druck macht und davon berichtet, wie er an die Fässer rangekommen ist. „How do you like that, genius?“ (Jesse zu Walt). So droht Jesse Walt auch damit, sollte sich dieser nicht sputen, seine geliebten Geldbündel eins nach dem anderen anzuzünden. Es ist eine nervenaufreibende, tolle Szene, in der Walt absolut hilflos scheint und irgendwie versucht, sein Geld zu retten. Jesse ist der Boss, und das scheint er in vollen Zügen zu genießen. „Don’t you touch my money!“, brüllt Walter Jesse wütend entgegen, doch er ist machtlos. Natürlich kommt Walter auf seine Familie zu sprechen, dass Geld sei für seine Frau und die Kinder, doch Jesse ist unbeeindruckt, ja, er findet es geradezu grotesk, dass Walt seine Kinder ins Spiel bringt, nachdem was er Brock angetan hat. Es entwickelt sich ein sehr hitziges Gespräch, in dem Walt versucht, Jesse noch einmal zu erklären, warum er die Dinge tat, die er einfach tun musste. Doch auf einmal ist Funkstille. Jesse ist nicht mehr am Telefon, was Walt gleich noch mal viel panischer erscheinen lässt.

Walt kommt an der Stelle an, wo sein Geld vergraben liegt, doch ist niemand zu sehen. Da steht kein Jesse, der Walts Geld gefunden hat und jetzt damit droht, es zu verbrennen. Und langsam dämmert es Walt. „Son of a bitch… Son of a bitch. Son of a bitch!” Walt hat sich von Jesse spielen lassen. Es war alles nur eine Finte, Walt hat seinen kühlen Kopf verloren und er ist fuchsteufelswild, als er selbst erkennt. Walt schaut sich um, ob ihm jemand gefolgt ist, doch ist niemand zu sehen. Doch fallen ihm die Staubschwaden auf, die er hinterlassen hat. Und dann dämmert’s ihm erneut. Jesse’s coming. Er hat ihn hierher gelockt, um Walt umzubringen. Walt sucht Deckung und ruft panisch Jack an. Dieser soll seine Jungs schnellstmöglich aufsatteln lassen. Und diese verstehen sich darauf, haben sie doch ein beeindruckendes Waffenarsenal zur Verfügung. Walt gibt die Koordinaten seines Standortes durch (der Lotterieschein), als plötzlich ein Geländewagen vorfährt. It looks like it could be three men total… wait a minute...(Walt zu Jack) Und dann stellt Walt mit Entsetzen fest, wer diese drei Männer sind: Jesse, Agent Gomez und sein Schwager, Hank. „Walter, what is it?“ (Jack) Walt ist nicht in der Lage zu antworten. Alles, wofür er gearbeitet und geschuftet hat, steht nun auf dem Spiel. Aber was soll er denn tun, er kann doch nicht Hank töten lassen. Walter zerreißt es, innerlich als auch äußerlich. Doch sein Gewissen siegt. „Forget it. Don’t come.“ (Walt zu Jack) Walt legt auf. Er ist erschöpft. Er ist sich bewusst, dass dies das Ende ist. Im Hintergrund hören wir Hank nach Walt rufen. Ein leichtes Glitzern in Walts Augenwinkel zeigt, wie mitgenommen er ist. Er musste sogar eine Träne verdrücken, so schwer scheint ihm die Entscheidung gefallen zu sein. Es war alles umsonst, alles was er bis diesem Zeitpunkt getan. Doch Hank ist nun mal Familie.

Ein fantastischer Abschnitt dieser Episode, der mit einer aufregenden Autofahrt beginnt und nicht minder aufregend endet. Das Telefongespräch zwischen Walt und Jesse hat man ausgezeichnet gelöst, als wäre überhaupt kein Telefon, überhaupt keine Distanz zwischen den beiden. Dass man Jesse während des Gespräches nicht gesehen hat, war natürlich auch ein cleverer Schachzug. Das Ende dieser Szene hallt natürlich auch nach, gerade Cranstons wunderbares Schauspiel und wie er die Zerrissenheit seiner Figur wiedergibt. Aber Moment, wir sind ja noch nicht am Ende. Es kommt noch etwas. Also bitte anschnallen.

Come on out Walt
Nach ein paar schönen Landschaftsaufnahmen sehen wir Jesse, Gomez und Hank, die nach wie vor Ausschau nach Walt halten. „Got him.“ lässt Hank verlauten, Walt kommt langsam hinter seiner Deckung hervor. Hank hat ihn fest im Visier. Eine äußerst angespannte Szene, in der komplette Ruhe herrscht. Ein Blick auf Jesse verrät, dass dieser es schwer glauben kann, dass es nun endlich vorbei ist. Das Leuchten in seinen Augen zeigt, wie sehr er sich diesen Moment herbeigesehnt hat. Fast feierlich legt Hank Walt die Handschellen an, Zufriedenheit und Genugtuung machen sich breit, sowohl bei Hank als auch bei Jesse. Hank bindet Walt auf die Nase, wie er ihn gelinkt hat. Walt lässt die Schmähung über sich ergehen. Auch Jesse wird ein wenig selbstgefällig. Seine Bemerkung, dass dies doch der Ort sei, wo er und Mr. White das erste Mal zusammen Meth gekocht haben versprüht einen Hauch Nostalgie. Die Reise, die hier einst begann, scheint beendet zu sein. Hank verliest Walt seine Rechte, ein fast befreiender Akt für ihn. Jetzt ist es offiziell. „Coward.“ faucht Walt Jesse entgegen, welcher ihm prompt ins Gesicht spuckt. Walt bricht noch einmal aus sich heraus und attackiert Jesse, kann jedoch nicht viel ausrichten.

Dead to rights
Hank ruft nach der Festnahme Walts sofort Marie (Betsy Brandt) an, um ihr von der tollen Neuigkeit zu berichten. Hey baby, I got him, dead to rights.(Hank zu Marie) Hank ist beflügelt, Marie sichtlich erleichtert. „Baby, you okay?“ (Hank) – „I’m much better now.“ (Marie) Hank verabschiedet sich und sagt die Worte, die mich als Zuschauer nichts Gutes ahnen lassen. I got to go. It’ll maybe a while before I get home. I love you.” (Hank zu Marie) Oh oh. Irgendetwas sagt mir, dass es wirklich eine Weile dauern wird, bis Hank zu Hause sein wird...

Don’t do it
Ruhige Musik. Walt, der von Hank in dessen Wagen verfrachtet wurde, schaut wehmütig auf seinen Schwager. Das war’s also, aus und vorbei. Walts Blick wird auf den Rückspiegel des Fahrzeugs gelenkt. Zwei Wagen. Er sieht, wie zwei Wagen vorfahren. Erneut ist ihm das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Jack. Er hat die Koordinaten von Walt bekommen. Und jetzt ist er hier. Panisch versucht Walt Hank zu warnen, immer wieder brüllt er dessen Namen. Die Hintergrundmusik spannt uns auf die Folter. Die beiden Wagen halten an und auf einmal zieht die Inszenierung unglaublich an. Mit einer schnellen Kamerafahrt stehen wir direkt vor Jack und seinen Schergen, welche ihre gezogenen Waffen auf Hank und Gomez richten. Auch Hank und Gomez haben ihre Schusswaffen sofort im Anschlag. Die Musik hämmert eindringlich auf uns ein. Walt schreit Jack noch zu („Don’t do it!“), doch wie bereits zuvor, Walt ist machtlos. Es ist kaum noch auszuhalten, die Szene spitzt sich mehr und mehr zu. Beide Seiten bellen sich unverfroren an, und Walt befindet sich mit Handschellen gefesselt mittendrin, ohne jedwede Möglichkeit effektiv einzugreifen. Ein kurzer Blick auf Jesse verrät, dass es auch dieser verständlicherweise mit der Angst zu tun bekommt. Hank und Gomez stehen einer Armada gegenüber, der Ausgang dieser Situation scheint auf der Hand zu liegen. Dem Gesichtsausdruck Jacks zufolge kann dieser Walt hören, denkt aber nicht daran, dass zu tun, was dieser von ihm verlangt. Die Musik fährt kurz runter, die Aufnahme wechselt in die Zeitlupe. Mit einem einfachen Wink gibt Jack Kenny ein Zeichen, das Feuer zu eröffnen. All hell breaks loose (sorry Elmore). Die Situation eskaliert. Beide Seiten eröffnen das Feuer und verballern alles, was ihnen zur Verfügung steht. Walt versucht irgendwie Schutz zu suchen, benutzen Hank Und Gomez den Wagen in dem er sich befindet doch als Deckung. Normale Aufnahmen und Zeitlupen wechseln sich ab. Es entspinnt sich eine wilde Schießerei, der es zwar an Genauigkeit mangelt, aber nicht an Durchschlagskraft. Und just auf diesem Höhepunkt, diesem nervenaufreibenden Moment, in dem jede Sekunde eine beteiligte Person das Zeitliche segnen könnte, wird ausgeblendet. Zur Hölle. Unfair.

Gesamteindruck
Frechheit. Machen die einfach Schluss. Ein fieses Ende, welches das Warten auf die nächste Folge unerträglich macht. Gilligan und Co. zeigen Mut mit der Entscheidung für ein derartiges Episodenende. Dafür werden sie sich wohl einiges anhören müssen, doch wird man es ihnen verzeihen können, denn gerade dafür schätzen wir doch alle diese fantastische Serie. Generell muss ich zu To’hajiilee sagen, dass es eine sehr temporeiche und die bisher wohl kurzweiligste Folge der zweiten Hälfte der fünften Staffel von Breaking Bad ist. To’hajiilee baut sich von Minute zu Minute immer weiter auf, es gibt viele kleine Einzelszenen, die sich dann zu einem großen Ganzen zusammensetzen und schlussendlich wird uns ein großartiges Finale präsentiert. Der Weg dorthin ist teilweise überragend gut, spätestens im letzten Drittel von To’hajiilee kommt man vollsten auf seine Kosten. So stelle ich mir das vor. Nicht vergessen darf man die wieder einmal exzellenten schauspielerischen Leistungen, vor allem Bryan Cranston liefert überragend gut ab. Nächste Woche erwartet uns dann wohl oder übel die Auflösung der Schießerei, mich graut es schon ein wenig davor, wer wird leben, wer wird sterben, eure Tipps dazu vielleicht in den Kommentarbereich.

Ansonsten interessiert es mich natürlich, wie euch To’hajiilee gefallen hat. Wurdet ihr ähnlich mitgerissen wie ich? Könnt ihr den Machern die miserablen Schützen in der Endszene verzeihen, weil es dramaturgisch nun mal einfach Sinn gemacht hat, dass sie niemanden getroffen haben? Was erwartet ihr von der drittletzten Folge von Breaking Bad? Fragen über Fragen, hinterlasst eure Antworten dazu, andere Bemerkungen, Feedback oder Kritik gerne im Kommentarbereich unter diesem Blogbeitrag.

Nächste Woche Sonntag gibt es dann Folge 14 zu sehen, die drittletzte Folge überhaupt von Breaking Bad. Ozymandias ist der Name dieser Episode, und ein Verweis auf ein Promo-Video im Vorfeld der Start der zweiten Hälfte der fünften Staffel von Breaking Bad darf an dieser Stelle nicht fehlen.


Verhängnisvoll. Das Ende naht. Auch der king of kings wird irgendwann fallen.

Noch eine Kleinigkeit in eigener Sache. Jetzt kommen die drei Wochen, vor denen ich bereits zu Beginn der zweiten Hälfte der fünften Staffel von Breaking Bad ein bisschen Angst hatte. Ich bin jetzt nämlich ein wenig auf Achse. Nächste Woche werde ich meine Gedanken zu Breaking Bad wohl erst etwas später veröffentlichen können. Am Donnerstag wahrscheinlich, vielleicht aber doch schon am Mittwoch, wer weiß. In den beiden darauf folgenden Wochen bin ich gar komplett im Urlaub, also verschieben sich meine Texte zur vorletzten und allerletzten Folge von Breaking Bad (Arg. Das muss man sich mal vorstellen…) komplett nach hinten. Naja. Steckste nicht drin. Dazu dann noch einmal nächste Woche ein paar Worte, bis dahin.