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Mittwoch, 18. September 2013

Breaking Bad S05E14 - Ozymandias

Es folgen etwas verspätet meine gesammelten und wie so oft äußerst umfangreichen Gedanken zur 14. Episode der fünften Staffel von Breaking Bad, Ozymandias.

ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!

Opening
Nachdem wir letzte Woche in einem für Walt als auch den Zuschauer äußerst ungünstigen Moment eingehalten haben, wartet die Eröffnung von Ozymandias eher entspannt und gar ein wenig idyllisch auf. Wir befinden uns nach wie vor in To’hajiilee und bekommen einen Rückblick zu sehen. Walt (Bryan Cranston) und Jesse (Aaron Paul) sind ganz am Anfang ihrer Geschichte und stellen in ihrem RV Crystal Meth her. Die (Arbeits)Beziehung zwischen den beiden ist noch ziemlich frisch, Walt kleinlich wie eh und je, und Jesse so vorlaut und frech wie wir ihn in den ersten Folgen von Breaking Bad kennen gelernt hatten. Dennoch ist es für den Zuschauer ein interessanter Blick zurück in die gute, alte Zeit. Dabei wurde nicht nur die Optik der ersten Folgen von Breaking Bad gut eingefangen, auch die Szene an sich funktioniert als ein wunderbarer Reminder, um es mal ganz neudeutsch auszudrücken. Man bekommt noch einmal vor Augen geführt, welch krasse Entwicklung Breaking Bad und insbesondere Walter White genommen hat. Ein kurzes Telefongespräch zwischen ihm und Skyler erinnert uns daran, dass er eigentlich ein ganz liebenswerter Familienvater war, optimistisch, dass er seine schwere Erkrankung besiegen kann, auch wenn er dafür illegale Geschäfte betreiben muss. Etwas mehr als ein Jahr später hat er eine Entwicklung genommen, die er sich wohl hätte nie vorstellen können.

Do what you got to do
Nach dem Opening setzen wir unmittelbar in der finalen Szene der letzten Folge (To’hajiilee) ein. Dabei gibt es einen schönen Übergang zwischen dieser und der vorangegangenen Szene, da wir uns praktisch an ein und demselben Ort befinden, wo Jesse und Walt im Opening noch zum ersten Mal gemeinsam Meth gekocht haben und wo sich nun der Showdown zwischen Walt, Hank und Jack abspielt. Der Kugelhagel verstummt und langsam lichtet sich das Feld. Hank (Dean Norris) ist am Bein getroffen, sein Blick geht auf seinen Kollegen und guten Freund Gomez (Steven Michael Quezada), der nicht so glimpflich davongekommen ist und leblos auf dem sandigen Wüstenboden liegt. Von Jesse ist keine Spur, er scheint Reißaus genommen zu haben. Hank versucht noch mit letzter Kraft Gomeys Schrottflinte zu erreichen, doch steht Jack (Michael Bowen) schon parat und unterbricht diesen Versuch. Jack fackelt auch nicht lange und will Hank sogleich von seinen Leiden erlösen, wäre da nicht Walt, der auf der Rückbank des zerschossenen SUVs Deckung suchen musste und jetzt hervorschnellt, um Jack davon abzuhalten, Hank hinzurichten. Walt glaubt daran, dass er Hank irgendwie retten bzw. dass sein Schwager verschont werden kann. Er bittet Jack eindringlich, Hank nicht zu töten und bietet ihm das Geld an, welches hier in To’hajiilee unter der Erde versteckt liegt. 80 Millionen US-Dollar. „That’s a hell of an offer.“ Da staunt selbst Jack nicht schlecht. Und was hält Hank von diesem Angebot? „My name is ASAC Schrader. And you can go fuck yourself.

Walt versucht, Hank zu beschwichtigen. Hier ist noch nichts verloren, doch Hank ist sich längst bewusst, wie diese Situation enden wird. You’re the smartest guy I ever met and you’re too stupid to see. He [Jack] made up his mind ten minutes ago.(Hank zu Walt) So einfach, wie sich Walt das vorstellt, geht es nicht, 80 Millionen hin oder her. So blickt Hank Jack noch einmal fest ins Gesicht. „Do what you got to do.“ Und Jack drückt ab, unmittelbar nachdem Hank diesen Satz von sich gegeben hat. Walt. Stille. Walts Gesicht verzieht sich zu einer Grimasse des Leidens, er bricht zusammen und schlägt auf dem Boden auf. Sein Gesichtsausdruck hat fast etwas Gespenstisches. Hank ist tot. Und Walt hat großen Anteil daran, er hat dieses Unheil über Hank und somit über seine gesamte Familie gebracht.

Bevor es weitergeht muss ich mich natürlich kurz zu diesem Abschnitt im Speziellen äußern. Tja, das war’s. Ich und bestimmt auch viele andere hatten nach den letzten Episoden etwas in diese Richtung erwartet, doch dachte ich, dass man sich Hank wirklich bis zum Schluss aufhebt. Falsch gedacht. Weiterhin ziehen Vince Gilligan und Co. konsequent ihr Ding durch. Und Walt ist machtloser als je zuvor. Es gibt einfach keinen glorreichen, interfamiliären Zweikampf zwischen Hank und Walt. Breaking Bad bleibt real, hart und verteilt gnadenlos Schläge in die Magengrube. Und das gefällt mir sehr gut. Eure Eindrücke bitte in den Kommentarbereich, wir hatten da letzte Woche schon eine ähnliche Diskussion, die man anhand dieser Szene sicherlich noch einmal aufgreifen könnte.

No hard feelings
Es findet zwar kein Szenenwechsel statt, doch teile ich diese Sequenz lieber in zwei verschiedene Abschnitte. Walt liegt am Boden, vollständig geschockt. Jack wiederum zählt relativ schnell zwei und zwei zusammen, er ist ja nicht auf den Kopf gefallen. Die Koordinaten, die ihm Walt gab, sind doch schon ziemlich genau, also muss hier doch irgendetwas versteckt liegen. Und nach einer kurzen Buddeleinlage stoßen Jack und seine Mannen auch auf Walts Geldversteck. Walt liegt derweil nach wie vor regungslos im Sand, das Gesicht grässlich verzogen. Nur Todd (Jesse Plemons) sieht man etwas Mitleid für Walt an. Natürlich fragt man sich, was jetzt passieren könnte. Walt verliert gerade alles, erst wird Hank vor seinen Augen umgebracht, jetzt wird ihm sein Geld weggenommen, auch wenn ihm dies in diesem Moment nicht wirklich beschäftigt, ist er doch mit seinen Gedanken bei Hank. Dank Todds Fürsprache überlässt Jack Walt zumindest ein Fass mit Geld, und schlägt vor, die ganze Sache einfach zu vergessen. Walt scheint sich langsam wieder zu sammeln und schlägt ein.

Doch eine Sache wäre da noch: „Pinkman.“ (Walt) Walt projeziert seine gesamte Wut nun auf Jesse, der Hank theoretisch ja an diesen Ort geführt und eine Mitschuld trägt. Jack soll sich noch um Jesse kümmern. Kein Problem, sagt Jack, sobald Walt Jesse auftreiben kann und gefunden hat, kümmert er sich darum. I found him.(Walt) Die Kamera schwenkt auf Walts Wagen. Schon vorher gab es in dieser Folge einen Moment, in dem Walt das Fahrzeug entschlossen mit seinen Augen fixierte. Jetzt wird deutlich warum. Unter dem Wagen versteckt sich nämlich Jesse. Der wird prompt hervorgezogen und so scheint auch sein letztes Stündchen gezählt zu haben. Das Verrückte daran ist, dass ich mir wirklich vorstelle, dass Jesse jetzt einfach hingerichtet werden könnte, weil es den Machern von Breaking Bad schlicht und einfach zuzutrauen wäre. Doch springt abermals Todd dazwischen. Er schlägt vor, dass man Jesse erst einmal ausfragt, was er Hank denn erzählt hat, bevor man ihn um die Ecke bringt. Jack ist damit einverstanden, und auch Walt nickt es ab, doch hat er bevor Jesse abgeführt noch etwas zu sagen. I watched Jane (Krysten Ritter, Staffel 2) die. I was there. I watched her overdose and choked to death. I could have saved her. But I didn’t.” (Walt zu Jesse) Walt drückt Jesse noch einmal richtig einen rein. So wie Jesse Hank auf dem Gewissen hat (so sieht es zumindest Walt in diesem Moment), hat auch Walt jemanden auf dem Gewissen, der Jesse sehr viel bedeutete. Jesse ist wiederum von dieser Offenbarung äußerst hart getroffen und sackt kraftlos zusammen. Jesse wird ihn ein Auto verfrachtet, Jack und Co. fahren ab und Walt steht allein und zurückgelassen in der Wüste. Noch einmal gibt es den bildhaften Verweis auf das Opening. Damals, heute, die Unterschiede könnten nicht größer und dramatischer sein.

Times Are Gettin' Hard
Walt steigt in seinen Wagen ein und will diesen verhängnisvollen Ort verlassen. Interessanterweise setzen jetzt auch erst die Credits ein, man hat wohl ganz bewusst in den intensiven 20 Minuten zu Beginn der Folge darauf verzichtet, die Namen der Darsteller einzublenden. Walt ist ziemlich mitgenommen, er blickt noch einmal in den Rückspiegel, eine kleine Referenz bezüglich der zehnten Episode der fünften Staffel, Buried, als er auch in den Rückspiegel blickte und Hank dort stehen sah. Hier in To’hajiilee liegt nun sein Schwager ver- bzw. begraben, in dem Loch, wo Walt in Buried noch sein Geld versteckte. Walt macht sich auf den Weg, kommt aber nicht weit, ist der Tank seines Fahrzeuges doch beschädigt. Also rollt er das Fass voller Geldbündel durch die karge Wüstenlandschaft New Mexicos, dazu bekommen wir den melodisch eher leichten Song Take My True Love By The Hand von The Limeliters zu hören, was erst ein wenig unpassend und bizarr wirkt, aber nicht wirklich überraschend ist, kennt man solche untypischen Einlagen doch nur zu gut von Breaking Bad. Walt kommt schließlich an einer Hütte an, aus welcher ein indianischer Ureinwohner Amerikas tritt. Walt möchte dessen Pick-Up erwerben und bekommt diesen auch nachdem er ein fettes Bündel Geldscheine zückt. Mit dem Fass auf der Ladefläche geht es nun erst einmal Richtung Albuquerque.


Tell him
Marie (Betsy Brandt) betritt die Waschanlage der Familie White und wirkt äußerst erleichtert. Skyler (Anna Gunn) versucht derweil Walt zu erreichen, aber ohne Erfolg. Marie erklärt ihr in einem Vier-Augen-Gespräch auch sogleich, woran das liegt. Hank hat Walt nämlich festgenommen, der Spuk ist endgültig vorbei. Es fühlt sich wie eine Art Siegesrunde von Marie an, auch wenn das Gefühl von Euphorie eher durch Erleichterung ersetzt wird. Natürlich weiß sie nichts von dem schrecklichen Schicksal ihres Gatten. Skyler wiederum sieht während des gesamten Gesprächs sehr betroffen und aufgewühlt aus. Marie hofft, dass sich Skyler jetzt bessern wird und die Vergangenheit hinter sich lassen kann. Sie kann auf jeden Fall mit ihrer und Hanks Unterstützung rechnen. Doch es gibt Bedingungen. Zum einen muss das Video, dass Walt und Skyler angefertigt hatten, um Hank zu schaden, samt aller bestehenden Kopien vernichtet werden. Zum anderen muss Skyler Junior (RJ Mitte) erzählen, wer sein Vater wirklich ist. Das kommt für Skyler nicht in Frage, doch lässt Marie ihr keine andere Wahl. „You tell him or I will!“ (Marie zu Skyler)

Let’s cook
Für Jesse sieht es nicht so gut aus. Er ist eingekerkert und wurde ordentlich zu gerichtet. Die „Befragung“ durch Todd hat ihre Spuren hinterlassen, körperlich als auch geistig. So ist Jesse auch sehr verängstigt, als Todd ihn aus seinem Gefängnis holen will. Jesse hat anscheinend schon längst gesungen, was wollen sie jetzt noch von ihm? Eigentlich gibt es da ja nur noch eine Sache… Doch bleibt Jesse (vorerst?) am Leben und wird von Todd in die Lagerhalle geführt, in welcher sich das Drogenlabor befindet. Er blickt sich um und wird sogleich von Todd wie ein Hund (rabid dog?) an die Leine gelegt. Sein Blick wird auf ein Bild gelenkt, das an einer dünnen Metallstange hängt. Da er sich relativ frei bewegen kann, nähert er sich diesen Bild und erkennt darauf Andrea und Brock. Ein Druckmittel. Jack hat ihn in der Hand, und sollte er nicht spuren, wird er Andrea und Brock etwas antun. Todd tritt wieder in Erscheinung. „Let’s cook.“ (Todd zu Jesse) Jesse ist jetzt das Laboräffchen und ihm bleibt keine andere Wahl, als zu gehorchen. Was in dieser Szene und gerade am Ende sehr auffällt sind die beiden verschiedenen Gesichtshälften Jesses, welche irgendwie an das unrühmliche Ende von Gustavo Fring (Giancarlo Esposito) erinnern, ob gewollt oder nicht (sicherlich gewollt).

Liar
Zurück im Büro der Waschanlage erzählt Skyler in Anwesenheit von Marie ihrem Sohn Junior von seinem Vater. Junior kann es nicht glauben und ist sehr aufgebracht. Er ist kaum zu beruhigen und bezichtigt seine Mutter und sein Tante, Lügnerinnen zu sein. Für Junior ist sein Vater ein aufrichtiger Mensch, er hat ihn über die Jahre idealisiert, diese Geschichten über ihn können nicht stimmen. Toll zu sehen, dass auch RJ Mitte ein guter Schauspieler ist. Seine Auftritte sind ja eher reserviert und bestehen größtenteils daraus, dass er Frühstück isst, doch hier bringt er seine Aufgebrachtheit sehr gut rüber. Auch Skyler hat ihre Probleme, mit der Situation umzugehen und bricht in Tränen aus. Junior stürmt aus dem Büro und Marie rät Skyler, mit ihm erst einmal nach Hause zu fahren, er wird sich schon beruhigen.

We are family
Walt ist zu Hause angekommen und packt jetzt hektisch Koffer, hier können er und seine Familie nicht bleiben. Zur gleichen Zeit fahren Skyler und Junior (und Holly) vor. Junior ist logischerweise immer noch sehr aufgebracht. „If all this is true and you knew about it, than you’re as bad as him.(Junior zu Skyler) Korrekt. Und das weiß auch Skyler selbst. Skyler bemerkt den Pick-Up in der Einfahrt und prompt tritt auch Walt aus dem Haus heraus. Er hat es eilig und will, dass Skyler und Junior schnellstmöglich ihre Sachen packen, sie müssen weg von hier. Junior löchert seinen Vater mit Fragen, doch dieser wimmelt ihn ab. Skyler ist verwundert, dass Walt hier ist, erzählte ihr doch Marie, dass Hank ihn festgenommen hat. „Where is Hank?“ fragt sie ihn, Walt versucht auszuweichen, hat aber selbst mit sich und seinen Emotionen zu kämpfen. Man merkt Skyler schon eine gewisse Ahnung an. Wieder fragt sie ihn. Where is Hank?Walt redet auf Skyler ein, sie haben viel Geld, sie müssen einfach nur noch fort von hier und alles hinter sich lassen. Dann spricht es Skyler aus. „You killed him. You killed Hank.“ Es folgt die totale Eskalation.

Während Walt sich Juniors unzähligen Fragen stellen muss, bekommen wir eine verhängnisvolle Aufnahme zu sehen. Auf dem Küchentresen steht sowohl ein Telefon als auch ein Messerblock, im Hintergrund nähert sich Skyler langsam diesen beiden Gegenständen. Sie könnte die Polizei rufen, doch greift sie nach einem Messer und schon im nächsten Moment stellt sich schützend vor ihren Sohn und bedroht Walt mit der vorgehaltener Klinge. „Get out.“ Es reicht. Bis hierhin und nicht weiter. Walt versucht sie zu beruhigen, doch wie aus dem nichts greift Skyler an! Walt reißt die Hände hoch und bekommt einen ordentlichen Schnitt an seiner rechten Hand verpasst. Jetzt eskaliert die Situation endgültig. Walt und Skyler ergeben sich in ein wildes Getümmel, das Küchenmesser mittendrin, während Junior versucht die Gemüter zu beruhigen. Doch gerade dieses Küchenmesser lässt mich einfach nicht los, ich sehe vor meinem geistigen Auge schon Junior mit dem Messer im Bauch auf dem Teppichboden liegen 

Walt gewinnt die Oberhand und drückt Skyler zu Boden, Junior springt beherzt dazwischen und stellt sich schützend vor seine Mutter. „What the hell is wrong with you! We are family!“ brüllt Walt Skyler entgegen. Ja aber, what the hell is wrong with you Walt? Er hat komplett die Beherrschung verloren und hätte beinahe vor den Augen Juniors Skyler wohlmöglich etwas Unverzeihliches angetan. Junior greift zum Telefon und ruft die Polizei. Langsam realisiert Walt, was er getan hat. Er schnappt sich Holly und flieht, Skyler rennt ihm hinterher und versucht ihn aufzuhalten, jedoch ohne Erfolg. Walt biegt mit seinem Wagen um die Ecke, Skyler sackt völlig aufgelöst auf der offenen Straße zusammen und so endet dieser äußerst packende und dramatische Moment in Ozymandias, der einen etwas fassungslos hinterlässt.

No mama
Walt hat erfolgreich die Flucht ergriffen und kümmert sich erst einmal um Baby Holly, deren Windeln gewechselt werden müssen. Der kleinen Holly kommen dann ein paar herzzerreißende Worte über die Lippen. „No mama.“ Walts Blick sagt mehr als tausend Worte. Alles ist im Argen. So weit hat er es getrieben, er ist praktisch für Hanks Tod verantwortlich und er hat seine Frau, die Mutter seiner Kinder angegriffen. Hier gibt es nichts mehr zu kitten. Der Tiefpunkt.

Do not cross me
Wieder zurück im White-Haus ist bereits die Polizei vor Ort, ebenso wie Marie. Die stammelt ungläubig ein paar Dinge vor sich hin, man hat ihr anscheinend von Hanks Tod erzählt. Das Telefon klingelt. Walt ist am anderen Ende der Leitung und verlangt von Skyler, dass sie abhebt. Manch einer würde eventuell mit einer Entschuldigung Walts rechnen, aber weit gefehlt. Er rechtfertigt sich gegenüber Skyler, was arg seltsam anmutet. Er hatte sie gewarnt, was passieren würde, wenn man ihm zu nahe kommen würde. Walt wirkt sehr angefressen und redet Tacheles, harte Formulierung („You stupid bitch!“, Walt zu Skyler) und Drohungen inbegriffen. Skyler erkennt, wie gefährlich Walt gerade in diesem Moment ist, außerdem hat er ihre Tochter, also spielt sie mit. Walt meint es todernst, so hört es sich zumindest für Skyler an. Könnte sie ihn sehen, wusste sie, wie schwer es ihm fällt, diese Worte auszusprechen. Natürlich kommen sie auf Hank zu sprechen, und es ist wie es ist, Hank ist tot. You never gonna see Hank again. He crossed me. You think about that. Family or no. You let that sink in.(Walt zu Skyler) Harte Worte, doch sehen wir auch, wie unglaublich schwer sich Walt tut, diese Fassade aufrechtzuerhalten. Nicht nur Marie und Skyler haben Tränen in den Augen, auch Walt selbst ist emotional sehr betroffen. Ein letztes Mal bittet Skyler Walt, ihr Holly zurückzubringen und selbst nach Hause zu kommen. Mit brüchiger Stimme antwortet er ihr: „I’ve still got things left to do.“ Dann legt er auf. Unter Tränen zerstört er das Mobiltelefon und blickt in seinen Wagen, wo sich Holly befindet. Er hat längst erkannt, dass er alles verloren hat. 

Im Hintergrund sehen wir eine Feuerwehrwache. Die Feuerwehrleute darin werden auf einmal aufmerksam, als in der Garage die Signallichter eines Löschfahrzeugs aufleuchten. Ein Feuerwehrmann schaut sich das etwas genauer an und findet im besagten Löschfahrzeug Holly sitzen, die von Walt dort zurückgelassen wurde. Gut so Walt.

Interessant ist eventuell noch der Blick auf das Schachspiel zwischen zwei Feuerwehrmännern, welches man kurz vorher zu sehen bekommt. Der weiße König (My name is Ozymandias, king of kings...) wird hinter zwei weißen Bauern in Sicherheit gebracht, im Hintergrund sieht man noch einen weißen Springer und mehrere schwarze Spielfiguren. Ein schönes kleines und vor allem symbolträchtiges Detail. Es sieht schlecht aus für den weißen König. Er scheint noch eine minimale Chance zu haben, doch hat er eigentlich jede bedeutende Spielfigur verloren. Nur noch zwei Bauern bleiben ihm und wer weiß, wie lange diese ihn noch schützen können.

Adios
Walt sitzt an derselben Stelle, wo wir in Jesse noch in Confessions haben sitzen sehen. Offensichtlich ist Walt mit Saul in Kontakt getreten und hat nun selbst den Kerl angeheuert, der Jesse aus Albuquerque schaffen sollte. Mit ein paar Koffern und dem Plastikfass voller Geld steigt er in den vorfahrenden Wagen. Ein kurzer Blick in den Seitenspiegel und weg ist er. Ein herumstreunender Hund (rabid dog? #2) überquert die Straße. Das war Ozymandias.

Gesamteindruck
Hart und gnadenlos. Mit dem Tod Hanks hatte man ja irgendwie gerechnet, ich auf jeden Fall, dass er jetzt „schon“ kam überraschte mich ein wenig. Wenn man jedoch kurz überlegt dann verwundert es nicht wirklich. So ist nun mal Breaking Bad. In Ozymandias gab es wirklich viel, was mir sehr gut gefiel. Erstens, der endgültige Tiefpunkt Walter Whites, dieser gefühlt endgültige Abschluss seiner Entwicklung. Auch die Familie ist im letztendlich komplett entglitten, jetzt gibt es nur noch ihn. Zweitens, die Darsteller, obwohl das eigentlich immer zutrifft. Bryan Cranston macht das fantastisch, aber auch Anna Gunn gefiel mir außerordentlich gut. Generell muss man sagen, dass sehr viel mit Nahaufnahmen gearbeitet und viel Augenmerk auf die Mimik der Darsteller gelegt wurde. Wenn man dann noch Leute wie Cranston, Gunn, Dean Norris, Aaron Paul, Betsy Brandt oder RJ Mitte hat, kann eigentlich nur etwas sehr gutes dabei herumkommen, wie man ja dann auch schlussendlich sehen konnte. Rian Johnson, unter anderem Regisseur vom sehr guten Looper und welcher bereits bei der für meinen Geschmack wahnsinnig guten Folge Fly in der dritten Staffel (S03E10) und Fifty-One (S05E01) Regie führte, hat Ozymandias meiner Meinung nach ganz hervorragend inszeniert, mit vielen kleinen Details und Verweisen, mit sehr ausführlichen und intensiven Szenen und vor allem mit einer großartigen Eindringlichkeit. Sehr gut.

Wie geht’s nun weiter? Natürlich hat man Zauselbart-Walt und sein Maschinengewehr aus der ersten Folge der fünften Staffel (Live Free or Die) im Hinterkopf. Zieht sich Walt nun erst einmal zurück, um dann mit geballter Ladung zurückzuschlagen? Und was ist mit Jesse? Ich bin sehr gespannt, was als nächstes passieren wird. Zwei Folgen noch, Freunde. Aber erst einmal interessiere ich mich für eure Meinung über Ozymandias. Wie hat’s euch gefallen, was hat euch überrascht, was war in euren Augen nicht so gut? Was kommt jetzt auf uns zu? Vielleicht ein kleiner Zeitsprung? Läuft Walt demnächst Amok, eventuell schon nächste Woche? Eure Vermutungen, Ideen, Kritik und gerne auch Feedback in den Kommentarbereich. Dicken Dank dafür und die Beteiligung in den letzten Wochen. So macht mir das hier doch gleich viel mehr Spaß.

Ja, nächste Woche. Da gibt es dieses Problem. Urlaub. Ein Woche lang. Ob die auf Mallorca Internet haben? Da ich erst nächste Woche Samstag wieder im Lande bin, verschiebt sich die Veröffentlichung der Rezension der nächsten Folge, namentlich Granite State, ein wenig nach hinten. Tja. Das kommt davon, wenn man in seiner Urlaubsplanung das Serienfinale von Breaking Bad nicht berücksichtigt. Aber ich liefer es nach, versprochen. Bis dahin.

Dienstag, 27. August 2013

Breaking Bad S05E11 - Confessions

Es folgen meine gesammelten und wie so oft äußerst umfangreichen Gedanken zur 11. Episode der fünften Staffel von Breaking Bad, Confessions.

ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!! 

Opening
Wir steigen mit einer Szene ein, die wie so oft eher losgelöst von der restlichen Handlung einer Episode ist. Todd (Jesse Plemons), welcher letzte Woche noch gemeinsam mit seinem Onkel und dessen White Supremacy-Gang auf Anweisung Lydias Declan und seinen Schergen den Garaus gemacht hat, steht vor einem Diner an der Route 66 und versucht, Walter bzw. Heisenberg zu erreichen, um ihm mitzuteilen, dass es eine kleine Veränderung bezüglich der Meth-Herstellung („change in management“) gibt. Was folgt ist ein eher normales Gespräch zwischen Todd, seinem Onkel und einem Gang-Mitglied. Todd berichtet von dem spektakulären Zugüberfall, den er, Walt und Jesse vor kurzem gemeinsam verübt hatten (S05E05 Dead Freight). Die Szene wirkt nicht wirklich wie etwas besonderes, doch bekommt sie mit längerer Beobachtung einen sehr speziellen Beigeschmack. Todd’s Onkel Jack und dessen Kollege suchen vor dem Verlassen des Diners noch einmal schnell die sanitären Einrichtungen auf. Dabei registriert Jack etwas Blut an seinem Stiefel, wischt es mit einem Stück Papier ab und spült dieses die Toilette runter. Todd und Co. verlassen das Gebäude, sie steigen in ihr Fahrzeug und überqueren sogleich die Grenze nach New Mexico, „Land of Enchantment“ (welch Ironie). Was mich an diesem Opening wohl am meisten fasziniert, ist die Normalität mit der die Beteiligten hier auftreten. Alle drei haben vor wenigen Stunden auf grausamste Art und Weise mehrere Menschen hingerichtet, wenn nicht sogar förmlich abgeschlachtet. Insbesondere der Moment, als Jack sich das Blut vom Stiefel wischt, als wäre es das Normalste der Welt für ihn, lässt die Szene sehr bizarr für mich erscheinen. Keine Gnade. Keine Reue. Wie passend für Breaking Bad.

Not to you
Wir erleben noch einmal die Befragung Jesse’s (Aaron Paul) durch die beiden Polizisten der letzten Woche durch seine Augen, dieses Mal jedoch in einem Zeitraffer. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Drogentrip, alles rast an Jesse vorbei, er ist einfach nicht in der Lage, Dinge aufzunehmen oder zu begreifen. Hank (Dean Norris) tritt in den Raum, womit der Bogen zu Buried geschlossen wäre. Wir erinnern uns, Hank sieht die Möglichkeit, Jesse wichtige Informationen bezüglich Walt bzw. Heisenberg zu entlocken, um diesen dingfest machen zu können. Hank kommt dann auch sofort auf den Punkt (nachdem er die im Raum befindliche Kamera ausgeschaltet hat, versteht sich). Er sagt Jesse, dass er weiß, dass sein Schwager Heisenberg ist. Dies ist dann auch der Moment, in dem Jesse endlich mal wieder eine Reaktion zeigt. „Oh yeah. That’s the look.“ (Hank zu Jesse) Hank möchte Jesse natürlich davon überzeugen, einen Deal mit ihm einzugehen. Er ist in der Lage, Jesse zu helfen („[I can] make all this go away“). Was er natürlich nicht weiß ist, dass Jesse nur noch schwer zu helfen ist, dann die Schuldgefühle die ihn zerfressen werden ihn bis in alle Ewigkeit verfolgen. Hank spürt, dass es zwischen Jesse und Walt zu kriseln scheint und eine gewisse Spannung existiert. Vielleicht kann er dies ja ausnutzen. Und auf einmal… Jesse spricht! „Eat me.“ Grob übersetzt: Hank kann ihn mal. Es folgt eine süffisante Bemerkung bezüglich Hank’s Arbeitsmethoden (S03E07 One Minute), doch behält Hank einen kühlen Kopf und lässt nicht locker. Aus dem Zwist zwischen Jesse und Walt muss sich doch ein Vorteil ziehen lassen können. He really did a number on you, didn’t he?“ (Hank zu Jesse über Walt) Mehr als nur eine. Hank hat einen wunden Punkt getroffen, denn Jesse ist sich sicherlich bewusst, dass Walt ihn mehr als nur einmal gespielt und getäuscht hat. Help me out here, Jesse. Help me put him away. I know you want that.“ Jesse’s bedrücktem Gesichtsausdruck zufolge könnte Hank gar nicht mal so falsch liegen. Doch beißt er auf Granit. Hank: „I think you wanna talk.” Jesse: „Not to you.Eine eindringliche Szene von Dean Norris und Aaron Paul, besonders letzterer weiß mal wieder mit seinem ausgezeichneten Mienenspiel zu überzeugen.

Im nächsten Moment stürmt Saul Goodman (Bob Odenkirk) in den Raum und grätscht erst einmal gehörig dazwischen, bissige Kommentare mit Hinblick auf Hank’s vergangenen Umgang mit Jesse inklusive. Nachdem Hank den Raum verlassen hat, gibt Saul dem guten Jesse erstmal eine ordentliche Standpauke. Die Situation ist angespannt, und Jesse verhält sich nicht gerade clever. „Things have gotten nuclear.“ (Saul zu Jesse.)

Work your magic
Wir befinden uns im Hause White. Walt wird von Saul via Telefon bezüglich der aktuellen Situation rund um Jesse in Kenntnis gesetzt. Walt’s Reaktion, wie so oft: Saul soll sich einfach darum kümmern. („Work your magic.“) Während sich Walt im Schlafzimmer bzw. im Bad seines Hauses befindet, betritt Sohnemann Junior (RJ Mitte) das Haus. Walt versucht, die Spuren zu kaschieren, welche Hank auf seinem Gesicht hinterlassen hat, da klingelt im anderen Teil des Hauses das Telefon. Wir hören, wie Junior abhebt. Am anderen Ende der Leitung: Marie (Betsy Brandt). Sie bittet Junior, vorbeizukommen und ihr bei einem Computer-Problem zu helfen. Walt weiß natürlich, um was es wirklich geht. Marie kennt seine wahre Identität, sie könnte seinem Sprössling davon erzählen und das kann er selbstverständlich nicht zulassen. Also sprintet er zur Eingangstür, wo Junior gerade das Haus verlassen möchte. Er nimmt sich seinen Sohn beiseite und beginnt ein Gespräch: „I just don’t want to keep things from you. You deserve to know what’s happening.“ (Walt zu Junior) So erzählt er Junior von seiner Krebserkrankung, dass es wieder schlimmer geworden ist etc. Interessant ist zum einen, dass Walt Junior wirklich die Wahrheit sagt, auch wenn es nicht DIE eine ganz bestimmte Wahrheit ist. Was zum anderen auffällt ist Walt’s Antwort auf Junior’s Frage „What now?“ - Walt: „What not is that we go on, like always.“ Dies lässt sich in zweierlei Hinsicht deuten: Walt wird den Krebs ganz normal bekämpfen, wie er es bis jetzt immer getan hat. Die andere Interpretationsmöglichkeit ist, dass sich Walt der gegenwärtigen Situation um Hank und Marie bewusst ist, und dass er weiß, dass diese beiden sein Geheimnis kennen. Doch auch dafür wird er eine Lösung finden, like always. RJ Mitte ist nach der unschönen Botschaft, dass der Krebs seines Vaters zurück ist, die Betroffenheit ins Gesicht geschrieben. Sogleich verwirft Junior auch seine Pläne, zu seiner Tante zu fahren. Walt hat es mal wieder geschafft. Er hat seinen Sohn erfolgreich manipuliert, auch wenn es dieses Mal keine Lügen waren. Das macht es vielleicht nicht ganz zu schlimm, doch nichtsdestotrotz bleibt ein kleiner Beigeschmack.

My job
Hank kommt nach Hause und wird sofort von Marie bearbeitet. Diese wartet eigentlich noch auf Flynn bzw. Junior, doch kümmert sie sich nach dem Eintreffen ihres Gatten erst einmal um ihn und möchte wissen, ob er seine Kollegen über Walt aka Heisenberg informiert hat. Hat er nicht. Das findet Marie wiederum überhaupt nicht gut, macht sie sich doch große Sorge um Hank und den Umstand, dass dieser auch angeklagt werden könnte, weil er eben niemanden über seinen Schwager und dessen Aktivitäten in Kenntnis gesetzt hat. Hank wirkt nach wie vor sehr angespannt. Die ungeduldige und aufgelöste Art Marie’s macht ihm ein wenig zu schaffen. „Don’t tell me how to do my job.“ (Hank zu Marie) Jeder weitere Schritt muss wohl überlegt sein.

This is my confession
Wir wechseln wieder rüber zur White-Residenz. Wir sehen das Schlafzimmer, und aus dem Off hören wir Skyler’s (Anna Gunn) Stimmer erklingen. Walt, are you sure about this?“ Walt: „It’s the only way.Wir warten gespannt darauf, was als nächstes passiert. Vor dem Bett steht eine Vieokamera. Walt setzt sich auf die Bettkante. Skyler drückt auf Aufnahme. Walt stellt sich kurz vor, wie er heißt und wo er wohnt. Und dann… „This is my confession.“ (Walt) Aha. Walt scheint sein Geständnis aufzunehmen. Resigniert er? Schauen wir mal, wo uns das hinführen wird.

Anything else?
Es folgt eine von sehr vielen sehr guten Szenen in Confessions. Wir sehen ein gut besuchtes mexikanisches Restaurant. Walt und Skyler sitzen an einem Tisch und warten anscheinend auf jemanden. They’re here.(Walt zu Skyler) Die Kamera wechselt und wir sehen Hank und Marie im Eingangsbereich des Restaurants. Das große Aussprechen also. Mit Spannung erwarten wir den weiteren Verlauf der Szene. Hank und Marie nehmen Platz, Walt möchte das Gespräch beginnen, doch fährt ihm just in diesem Moment ein äußerst engagierter Kellner in die Parade. Dieser kann erst einmal abgewimmelt werden, es gibt wichtigeres als die tagesaktuelle Spezial-Guacamole. Hank’s Gesichtsausdruck wirkt unerbittlich, wie Granit. Walt teilt Hank und Marie seine Sorgen um Junior mit, doch beide, auch Marie, reagieren eher gnadenlos und angewidert von Walt. Walt macht noch einmal deutlich, dass Hank keinerlei Beweise hat. Wieder kommt der junge Kellner an den Tisch, unwissend, dass es wohl gerade nicht der beste Augenblick ist, um nach der Bestellung zu fragen. Doch auch dieses Mal kann die Bedienung vertröstet werden, die Anwesenden brauchen noch ein wenig Zeit. Marie versucht nun, Skyler zu bearbeiten. Diese stellt sich aber eher schützend vor Walt. Dessen Leben als Drogenbaron ist längst vorbei. It’s in the past. It’s over. There’s nothing to go after here. There’s nothing to accomplish.” (Skyler) Marie kann nicht recht glauben was sie da hört, das Vertrauen in ihre Schwester ist komplett erloschen. Hank lässt kurz seinem Zorn freien Lauf, auch gegenüber Skyler, und Walt fragt ihn, was er denn tun könnte, um ihn und Marie zu überzeugen. Marie’s eher fragwürdiger, zumindest für Walt und Skyler, aber in ihren Augen einzig logischer Lösungsvorschlag: „Just kill yourself.“ (Marie zu Walt) Hank wiederum wäre das zu einfach („He’s not getting off that easy.“), Walt und auch Skyler müssen ihre gerechte Strafe erhalten. There’s only one solution. Step up, be a man and admit what you’ve done.“ (Hank zu Walt) Walt erhebt sich langsam. Er holt eine Disk hervor, legt sie auf den Tisch und schiebt sie in Richtung Hank und Marie. Walt und Skyler verlassen das Restaurant. Aus dem Off hören wir den Anfang der Aufnahme des vermeintlichen Geständnisses von Walt. Hat dieser gerade Hank den entscheidenen Beweis, sein Schuldbekenntnis übergeben? So recht mag man nicht daran glauben.

Doch bevor es gefühlt ungeschnitten weitergeht, kurz ein paar Worte zu dieser Szene. Hier sitzen vier ausgezeichnete Schauspieler an einem Tisch und liefern allesamt eine fantastische Performance ab. Es ist eine intensive Szene, in der es eine Freude ist, jeden einzelnen Gesichtsausdruck der Beteiligten bis aufs kleinste Detail zu beobachten und zu deuten. Vom Inhalt des Gesprächs mal ganz zu schweigen. Hinzukommt die so Breaking Bad-typisch untypische Szenerie, dieses überfüllte Restaurant, die Musik im Hintergrund, der junge, über-engagierte Kellner, der fast schon wie eine Comic Relief-Figur wirkt. Einfach sehr sehr gut.

… for what he really is
Weiter geht’s, wie bereits gesagt, gefühlt ungeschnitten. Hank und Marie stehen in ihrem Wohnzimmer vor dem Fernsehgerät und schauen sich die Disk an, welche ihnen Walt gegeben hat. Es ist Walt’s Geständnis, und der Zuschauer erwartet mit Spannung, was wohl als nächstes passieren wird. Und dann passiert es. „If you’re watching this tape, I’m probably dead. Murdered, by my brother-in-law, Hank Schrader. Hank has been building a meth empire for over a year now and using me as his chemist.(Walt) Walt schiebt Hank die komplette Schuld zu. Hank hat ihn ausgenutzt, Hank hat gemeinsame Sache mit Gustavo Fring gemacht und diesen dann später umgebracht etc. Walt verrät die ganze komplexe Geschichte plus Details, nur dass anstelle seines Namens der von Hank steht. Dieser kann es nicht fassen. Marie ist ebenfalls entsetzt, beide starren bewegungsunfähig auf den Bildschirm. Es ist einfach unfassbar. All das, was Walt da im Video von sich gibt, ändert sogleich auch unsere Sichtweise als Zuschauer auf die Szenen zuvor. Im Schlafzimmer von Walter und Skyler, als letztere ihn fragt, ob er das wirklich tun will, ob wirklich dieses „Geständnis“ aufnehmen möchte. Im Restaurant, als Walt um eine Lösung bemüht schien und dann augenscheinlich Hank sein Geständnis überlässt. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Drohung, und auch Hank stellt dies schnell fest. Es ist einfach absurd und falsch, was Walt in diesem Video sagt. All I could hope to do was to make this video and hope that the world will finally see this man for what he really is.(Walt über Hank) Walt ist den Tränen nahe, ein jeder würde ihm diesen Oscar-würdigen Auftritt abkaufen. Walt vertauscht die Rollen und uns Zuschauern kommen so viele Dinge die er sagt bekommt vor, weil sie eben in fast identischer Art und Weise auch schon von Hank gegenüber Walt formuliert wurden. Hank und Marie ist der Schock ins Gesicht geschrieben. Es ist unbegreiflich, zu was Walt und Skyler in der Lage sind. Hinzukommt ein weiteres Geheimnis, von dem Hank keine Ahnung hatte: Nach dem Mordanschlag auf ihn (S03E07 One Minute) bezahlten diese beiden zum größten Teil die Arzt- und Reha-Kosten für Hank. They told me it was gambling money…“ schluchzt Marie. Doch es war drug money. Nun ist die Situation komplett umgedreht. Damit sitzen auch Hank und Marie in der Klemme. Hank scheint zu resignieren. („That’s the last nail in the coffin.“) What do we do?“, fragt ihn Marie. Es ist ein bizarrer Moment, denn wir erinnern uns sofort an ähnliche Szenen zwischen Walter und Skyler, als Walt’s bzw. ihr gemeinsames Geheimnis gelüftet wurde und Skyler Walt ähnliche Fragen stellte. Eine großartige Szene, mit so viel Inhalt, so symbolisch für Walt’s (und Skyler’s) Wandel zu dem, was aus ihm geworden ist und wie weit er für manche Dinge gehen würde. Hier blieb mir schlicht und einfach die Spucke weg.

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Nach dieser eindringlichen Szene finden wir uns in der weiten und trockenen Wüste New Mexico’s wieder. Saul und Jesse warten auf jemanden. Jesse bemerkt eine Vogelspinne auf dem sandigen Wüstenboden. Wir können nur vermuten, doch ist es nicht unwahrscheinlich, dass er genau wie wir an den Jungen aus der fünften Episode der fünften Staffel (S05E05 Dead Freight) denken, der eine solche Spinne in einem Glas fing und am Ende der Folge von Todd erschossen wurde. Walt tritt auf und informiert sich über das Gespräch zwischen Jesse und Hank. Walt stellt sich dann schnell als die nächste Person heraus, die Jesse unbedingt helfen will. Maybe it’s time for you to just leave all of this behind.Walter will Jesse weg haben. Weg aus Albuquerque, weg von Hank. Immerhin könnte Jesse das Droh-Video Walt’s an Hank unbedeutend machen, weil er eben weiß, was wirklich der Wahrheit entspricht. Walt hört sich in diesem Moment sehr verständnisvoll und fürsorglich an („concerning dad“), Jesse hört ihm unaufgeregt zu. Ein jeder hat wohl die ganze Zeit das Gefühl, dass Walt wahrscheinlich nur an sich selbst und seine eigenen Interessen denkt. Und dann feiert Jesse seinen großen Auftritt. „Would you just for once stop working me?“ (Jesse zu Walt) Jesse durchschaut Walt’s Manipulationsversuche. Er erkennt, dass es nicht um ihn geht, sondern Walt nur an sich selbst denkt. Wo Jesse noch in früheren Folgen oft sehr naiv und gutgläubig rüberkam, hat er eine Entwicklung durchgemacht, die ihn mit Blick auf Mr. White und dessen Methoden sensibilisiert hat. Das Vertrauen ist längst verloren, wie der Zuschauer misstraut er jetzt Walt und seinen Absichten. In diesem Moment kommt alles raus, Jesse ist es leid, ständig für Walt und seine Spielchen herhalten zu müssen. Just tell me you need this!(Jesse zu Walt) Vielleicht würde Jesse ja bereitwillig Albuquerque verlassen, wenn Walt auch nur einmal ehrlich zu ihm wäre. Walt nähert sich dem aufgewühlten Jesse langsam und nimmt ihn in den Arm. Und Jesse lässt es nach anfänglichem Zögern geschehen. Er ist nicht so gefestigt wie Walt, extrem emotional und auch labil, gerade mit Hinblick auf die fünfte Staffel. Eine packende, emotionale Szene. Walt’s Gesichtsausdruck nachdem er Jesse in den Arm genommen hat bereitet mir noch etwas Kopfzerbrechen. Denkt er wirklich nur noch an sich?  Oder meint er es gerade ernst? Ohne Frage, er war schon immer eine Art Vaterfigur für Jesse. Realisiert er vielleicht gerade in diesem Moment, was aus Jesse geworden ist? Wie kaputt er eigentlich ist, was Walt aus diesem jungen Menschen gemacht hat? Fühlt er sich an seine Verantwortung für Jesse erinnert? Eure Ideen dazu bitte in den Kommentarbereich.

Come to the dark side
Szenenwechsel. Wir befinden uns in der Waschanlage der Whites. Walter betritt das Büro, wo sich Skyler befindent, abwesend und in ihren Gedanken versunken. Das falsche Geständnis Walt’s machen ihr anscheinend schwer zu schaffen. Ihr Verständnis für Moral ist ihr wohl noch nicht ganz abhanden gekommen, ganz im Gegenteil zu ihrem Gatten. Dieser versucht sie zu beruhigen. „It worked.“ (Walt zu Skyler) Recht offensichtlich aber nicht minder effektiv kommt die Positionierung von Walt und Skyler und die Lichtgestaltung im Raum daher. Skyler ist weiß gekleidet und sitzt in einem Lichtschein. Sie scheint der einzig helle Punkt im ganzen Raum zu sein. Walt steht im Schatten, man erkennt nicht einmal richtig seine Gesichtszüge. Er steht in der Dunkelheit, eben jene Dunkelheit, die langsam aber sicher Skyler umschließt. „We’re fine.“, versichert Walt Skyler. Eine tolle Bildsprache, die mehr als tausend Worte sagt.

Out for a walk
Wir sehen eine kurze Szene mit Hank im Mittelpunkt. Dieser sitzt in seinem Büro in der DEA-Behörde, nachdenklich und etwas abwesend. Gomez (Steven Michael Quezada) tritt herein. Hank scheint ein paar Leute auf Jesse angesetzt zu haben, Gomez findet das gar nicht gut, denn hat Hank bekanntermaßen eine eher unschöne Vergangenheit bezüglich Jesse Pinkmann. Gomez wird nicht wirklich schlau aus Hank, dieser wirkt wie durch den Wind. Das Überwachungsteam wird abgezogen und Hank verlässt sein Büro. Er muss hier raus. Andere Dinge beschäftigen ihn viel zu sehr.

Mr. Credit to Society
Jesse befindet sich mit Saul in dessen Büro. Anscheinend ist Jesse auf das Angebot Walt’s eingegangen, Saul kümmert sich um eine neue Identität für ihn. Nun lässt sich wieder diskutieren, ob Walt’s Manipulationsversuche wieder einmal erfolgreich waren oder ob Jesse selbst aus freien Stücken diese Entscheidung gefallen hat und sein von Schuld zerfressenes Leben irgendwie hinter sich lassen will (ich sage letzteres). Dennoch, Jesse ist angespannt und will sich dementsprechend entspannen, doch nicht einmal das gönnt ihm Saul. Dieser erklärt Jesse dann den weiteren Ablauf, drückt ihm ein Mobiltelefon für den Notfall in die Hand („Seriously? Hello Kitty?“) und wünscht ihm auf seinem weiteren Weg alles Gute. Jesse verlässt das Büro, wird noch kurz von Huell angerempelt und ist dann auf dem Weg zu dem Ort, an dem er abgeholt werden soll.

Wilmington Cigarretes
Es folgt eine eher anspruchsvolle Szene, die dem geneigten Zuschauer von Breaking Bad ein bisschen was abverlangt. Im Grunde genommen muss man sich einfach nur erinnern. Jesse steht an einer Straße und wartet auf seine Abholung. Er tastet seine Taschen ab, möchte er sich nachdem Saul es ihm verboten hatte doch einen Glimmstängel der besonderen Art gönnen. Doch kann er den Beutel mit dem Marihuana nicht finden, den er eben noch in seine Tasche gesteckt hatte. Dafür zaubert er eine Packung Zigaretten hervor. Und auf einmal fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Huell hat ihm das Marihuana abgenommen (was man bei genauerem Hinsehen auch deutlich erkennen kann), genau wie Huell ihm einst die Packung Zigaretten mitsamt der Ricin-Kapsel abgenommen hat, die Jesse so viele schlaflose Nächte bereitet hatte, gerade auch in Hinblick auf die fast tödliche Vergiftung Brock’s am Ende der vierten Staffel (S04E12 End Times / S04E13 Face Off. Diese Szene ist nicht ganz leicht nachzuvollziehen, auch ich hatte wie viele andere Menschen da draußen Probleme, sofort eine Verbindung herzustellen. Und da es bereits einen Artikel gibt, der sich ganz vorzüglich mit dieser Problematik beschäftigt hat, verlinke ich diesen an dieser Stelle: Breaking Bad Episode 511: Recap, Explanations And A Timeline. Hier wird noch einmal detailliert erklärt, was sich hinter dieser Szene verbirgt. Wie gesagt, dafür bin auch ich sehr dankbar. Für diese Szene in Confessions ist nun erst einmal nur wichtig zu wissen, dass Jesse festgestellt hat, das Walter den jungen Brock damals vergiftet hat, nachdem, so lässt es sich auch im Artikel hinter dem Link noch einmal nachlesen, Walt Jesse eindringlich versicherte, dass er nichts damit zu tun hatte. Eine Breaking Bad-typische, blecherne Musik setzt ein. Wutentbrannt verlässt Jesse die Szenerie. Den Wagen, der ihn abholen sollte, lässt er links liegen.

Tell me one more time to calm down
Jesse stürmt in Saul’s Büro und dreht frei. Uns wird der Gedankengang Jesse’s erklärt, er hat es durchschaut, Walt hat Brock vergiftet, Saul und Huell haben ihre kleinen Rollen in dieser Aufführung gespielt. Saul muss ordentlich einstecken, eine äußerst spannende Szene entspinnt sich, zugegeben, in diesem Moment hätte ich Jesse fast alles zugetraut. Saul gibt alles zu (Confessions!) und Jesse ist die Wut auf Walt wahrlich ins Gesicht geschrieben (Aaron Paul liefert grandios ab). Er schnappt sich Saul’s Wagenschlüssel und verlässt entzürnt das Büro.

Frosty Snub
Wir wechseln noch einmal rüber in die Waschanlage. Skyler bedient gerade einen Kunden, als wir im Hintergrund äußerst rasant Walt vorfahren sehen. Er ist aufgebracht, hat ihn doch Saul sogleich von dem Vorfall mit Jesse berichtet. Walt überprüft zum einen, ob es Skyler gut geht, zum anderen will er sich auf eine mögliche Konfrontation mit Jesse vorbereiten. In einem Getränkeautomaten versteckt befindet sich sein Revolver, bekannt z.B. aus S04E02 Thirty-Eight Snub. Mit diesem bewaffnet verlässt Walt die Waschanlage. Kommt es noch zum großen Knall?

Gasoline
Jesse brettert in die Auffahrt des Hauses der Familie Walt. Er schnappt sich einen Kanister Benzin und stürmt auf die Eingangstür zu. Mit einem beherzten Tritt verschafft er sich Zutritt. Erneut hören wir spannungsgeladene, dröhnende Musik. Jesse schüttet in totaler Rage den Inhalt des Benzinkanisters über die Einrichtung und den Boden des Hauses. Die finale Einstellung zeigt ihn wie besessen, brüllend entleert er das Benzin über die Kamera, die dieses Bild einfängt. Und Ende.

Gesamteindruck
Holla. Das war sehr gut. Meiner Meinung nach die bisher beste Folge der zweiten Hälfte der fünften Staffel von Breaking Bad, auch wenn sich die bisher erschienenen drei Folgen von der Qualität nur um Nuancen voneinander unterscheiden. Confessions hatte für mich unglaublich viele gute Szenen, in denen die komplette Schauspielerriege von vorne bis hinten einfach nur glänzen konnte, vor allem Aaron Paul und Bryan Cranston. Die Szene im Restaurant, Walt’s Geständnis, Walt und Jesse in der Wüste, Jesse’s Epiphanie und das fulminante Schlussbild. Das war stark. Nebenbei gab es noch ein paar sehr gute Ideen in der visuellen Umsetzung und bezüglich der Kameraarbeit, handwerklich gibt es an Breaking Bad einfach absolut nichts auszusetzen. Der Moment, in dem Jesse feststellt, dass Walter Brock vergiftet hatte, mag eventuell ein wenig kryptisch rüberkommen, aber dennoch wird der neuerliche abgrundtiefe Hass Jesse’s gegenüber Walt außerordentlich gut transportiert. Das Tischtuch scheint endgültig zerschnitten, wir dürfen äußerst gespannt sein, was uns nächste Woche erwartet. Fackelt Jesse tatsächlich Walt’s Haus ab? Im Opening bzw. Rückblick in Buried (S05E09), als ein zersauster Walt das verlassene Haus der Whites betritt, sah man jetzt nicht wirklich irgendwelche Brandschäden...

Wie hat euch Confessions gefallen? Teilt ihr meine Meinung, dass dies als erster kleiner Höhepunkt der zweiten Hälfte der fünften Staffel von Breaking Bad durchgehen könnte? Was fandet ihr besonders gut, was hat euch eventuell gestört? Gibt es Dinge, die ich vergessen habe zu erwähnen, wollt ihr eure eigenen Gedanken, Ideen oder Theorien mit mir und dem Internet teilen, dann immer raus damit. Wie immer bin ich natürlich auch offen für Kritik, freue mich über Feedback und jedwede Art der Beteiligung. 

Nächste Woche Sonntag folgt dann Episode 12 der fünften Staffel von Breaking Bad, Bergfest bzw. Halbzeit sozusagen, und ich bin schon ein wenig arg doll aufgeregt. Titel der nächsten Folge: Rabid Dog. Tollwütiger Hund. Wer damit wohl gemeint ist. Wovon wir aber ausgehen können: Die Episode Rabid Dog wird ordentlich Biss haben. Aua. Bis nächste Woche.