Posts mit dem Label law werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label law werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 22. Februar 2012

Hugo

Hugo

Last but not least, Hugo Cabret. Martin Scorsese's neuester Film wurde ähnlich wie The Artist ordentlich abgefeiert und der 69-jährige Altmeister konnte sich so schon im Januar über eine Auszeichnung in Form eines Golden Globes für die beste Regie in einem Film freuen. Ich selbst wollte mir Hugo schon vor gut zwei Wochen gleich zum Kinostart ansehen, jedoch kam immer wieder etwas dazwischen, sodass ich erst gestern Abend dazu kam. Meine Erwartungen waren recht hoch, weil man nur Gutes über diesen Film lesen konnte. Und Hugo ist gut. Sehr gut sogar. Und vor allen Dingen schön. Ein wunderbares Gesamtpaket.

Paris, Anfang der 1930er. Wir sehen eine prunkvolle Pariser Bahnhofsanlage, hier tummeln sich tausende Menschen, es gibt etliche kleine Läden, aus der einen Ecke tönt stilvolle Musik, an den Gleisen fahren gewaltige Dampflokomotiven ein. Hier lebt der kleine Hugo (Asa Butterfield), ein neugieriges Kerlchen und nachdem sein Vater (Jude Law) verstorben ist ein Waise, welcher sich darum kümmert, dass die Uhren in diesem Bahnhof auch richtig funktionieren. Doch den Tod seines Vaters, einst Uhrenmacher, hat er noch lange nicht verkraftet und so schöpft er ein klein wenig Hoffnung, als er mühsam eine eigenartige Apparatur, eine Art mechanischer Mensch, zusammensetzt, da er sich sicher ist, dass sein Vater in deren Konstruktion für ihn eine Nachricht hinterlassen hat. Er trifft auf die junge Isabelle (Chloë Grace Moretz), Patentochter des mysteriösen Spielzeugladenbesitzers Georges (Ben Kingsley) und gemeinsam wollen sie den Geheimnissen jener einzigartigen Maschine auf den Grund gehen, nichts ahnend, was dieses Abenteuer und ihre Suche nach Antworten ans Licht bringen werden...

Scorsese bediente sich bei der Umsetzung von Hugo am gleichnamigen Roman "Die Entdeckung des Hugo Cabret" von Brian Selznick und Hugo war von Beginn an ein Herzensprojekt für den erfahrenen Regisseur. Ebenso ist es auch Scorsese's erster 3D-Film. Ein neues Terrain und das in diesem Alter? Pah. Scorsese liefert hier wahrlich eine wunderbare Regiearbeit und einen hervorragenden Film ab. Hugo sieht von der ersten bis zur letzten Minute grandios aus, der 3D-Effekt wird genau richtig eingesetzt und verleiht dem Film buchstäblich seine visuelle Tiefe. Den Szenenbilder sind imposant und bemerkenswert, Hugo fühlt sich echt und zugleich malerisch an. Ein Fest für die Augen.

Die Geschichte mag anfangs noch etwas lahm und zögerlich wirken (hier liegt in meinen Augen auch eine der weniger Schwächen des Films) doch wird die Entwicklung der Story eben langsam vorangetrieben und macht mehr und mehr Spaß, birgt Spannung und präsentiert schließlich ein märchenhaftes Ende. Pluspunkt hier ist vor allem der mysteriöse Charakter des Films. Es ist ein großes Puzzle, welches Protagonisten sowie Zuschauer Stück für Stück zusammensetzen müssen und einen bei der Stange hält. Oft wirkt es gar ein wenig zu undurchsichtig und schleierhaft, doch fängt sich Hugo schnell wieder und funktioniert bis zum Ende außerordentlich gut.

Wenn Scorsese ruft, kann man schwer nein sagen, für Hugo hat man eine beeindruckende Schar ein Schauspielern versammelt. Die beiden jungen Darsteller Asa Butterfield und Chloë Grace Moretz wissen mehr als zu überzeugen, zwar habe ich sehr oft Probleme mit kindlicher Naivität in Filmen, doch machten mir diese beiden Jung-Schauspieler Spaß. Für die Lacher ist Sacha Baron Cohen als penibler Bahnhofsvorsteher zuständig. Viele Charaktere, wie auch der von Baron Cohen, wirken derartig überzeichnet, dass es einen schon wieder große Freude macht, sie zu beobachten. Jude Law mimt für kurze Zeit Hugo's Vater und Sir Christopher Lee spielt eine kleine Nebenrolle, doch büßt er deswegen keineswegs seine gigantische Strahlkraft ein. Sir Ben Kingsley heimst hier den Großteil der Lorbeeren ein, ein fabelhafter Auftritt, der Brite ist einer der ganz Großen seiner Zunft und das beweist er mit seiner Rolle als rätselhafter Spielzeugladenbesitzer zum wiederholten Male eindrucksvoll. Zu dessen Rolle möchte ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Das würde einiges kaputt machen.

Hugo wird von vielen Kritikern als Hommage an das Filmemachen bezeichnet. Und ja, ähnlich wie bei The Artist bekommt man dieses Gefühl, man spürt die wachsende Bedeutung des Mediums Film zu dieser Zeit (20er, 30er Jahre), wie es die Menschen begeistern, fesseln und verzaubern kann. Hugo ist ein ehrlicher Kniefall Scorsese's vor den bedeutenden Machern des Films, welche diese Kunstform auf ihren Weg gebracht, groß gemacht und Scorsese selbst stark beeinflusst haben. Dies wird nicht nur über unzählige Anspielungen im Film, sondern auch direkt in der zweiten Hälfte von Hugo Cabret deutlich. Wer Kino erleben und ein rundum mehr als gelungenes Gesamtpaket, gerne mit der Familie oder Freunden, sehen möchte, für den ist Hugo definitiv etwas. Ein toller, sehr charmanter Film, der nicht nur sehr gut aussieht, sondern auch sehr tiefgründig ist und mit Bestimmtheit nachhaltig bedeutsam sein wird.




Damit sind die neun Filme in der Oscar-Kategorie Bester Film komplett. Morgen folgt dann meine Prognose zu neun von mir persönlich ausgewählten und in meinen Augen auch wichtigsten Kategorien der Oscarverleihung 2012.

Sonntag, 8. Januar 2012

Die Lincoln Verschwörung, Der Gott des Gemetzels und Das Sherlock Holmes 2

Diese Woche gab es seit langer Zeit mal wieder Kino satt. Drei Filme habe ich mir angesehen und ich bin mir sicher, dass für jeden was dabei sein wird.

Die Lincoln Verschwörung (The Conspirator)

Der Film kam zwar schon vor einer ganzen Weile in die deutschen Kinos und wurde auch flugs wieder aus dem Programm genommen, nichtsdestotrotz möchte ich ein paar Worte dazu verlieren. Glücklicherweise zeigt ein kleines Kino bei um die Ecke zur Zeit Die Lincoln Verschwörung und aus persönlichen Interesse musste ich mal einen Blick riskieren.

Kurz zusammengefasst geht es um das Lincoln-Attentat vom 14. April 1865 samt dessen Tod am Folgetag und Verschwörung gegenüber dem damaligen amerikanischen Präsidenten und Nationalhelden. Ein paar fiese Gestalten mit John Wilkes Booth an ihrer Spitze hatten es auf good old Abe abgesehen. Jedoch werden sie nach dem Attentat gefasst bzw. Booth auf der Flucht erschossen. Unter den Verdächtigen befindet sich auch eine ältere Dame, Mary Surratt, welche den Verschwörern Obdach geboten haben soll und sich deshalb zur Mitverschwörerin gemacht hat. Paradoxerweise bekommt Unions-Militärikone und Jetzt-Anwalt Frederick Aiken den Auftrag, Südstaatlerin Mary Surratt zu verteidigen, was auch ihn wiederum zum gefühlten Verräter macht, weil er eben für jemanden in die Bresche springt, welche höchstwahrscheinlich an der Ermordung von Abraham Lincoln beteiligt war und dann noch aus den Südstaaten kommt.

Vom historischen Standpunkt her ist Die Lincoln Verschwörung wirklich interessant, Regisseur Robert Redford hat kaum geschichtliche Ungereimtheiten eingebaut und arbeitete nah an der Materie. Die Darsteller machen durch die Bank einen guten Eindruck, James McAvoy in der Rolle des Freddie Aiken und Robin Wright als Mary Surratt stechen hierbei hervor. Komplettiert wird dies noch durch zwei alte Hasen, Tom Wilkinson und Kevin Kline, deren Performance ebenso gefällt. Zwar muss man sich auf ein paar langatmige Passagen einstellen, da größtenteils Gerichtsverhandlungen zu sehen sind, doch kann man sich auch von der Frage, ob Mary Surratt nun schuldig oder unschuldig ist, mitreißen lassen. Belebend wirkt die Thematik, einen Schuldigen bzw. Sündenbock um der Verurteilungs willen zu finden. Ein netter Fingerzeig auf die heutige Zeit. Am Ende flimmern klischeehaft ein paar schlaue Sätze über die Leinwand, dennoch funktionieren die letzten Minuten gut. In einem brisanten Fall wie dem der Ermordung Lincolns wurde die Rechstaatlichkeit ausgesetzt und gegen reine Willkür ausgetauscht, ob schuldig oder nicht. Ebenso der Appell an Rechtsvertreter, an der Unschuld ihres Mandanten festzuhalten, bis diese auch beweiskräftig wiederlegt ist.

In den Staaten kam Die Lincoln Verschwörung eher mau an, wer sich ein wenig für diesen Teil der amerikanischen Geschichte interessiert, nichts gegen eine begrenzte Anzahl von Szenenbildern, Anwaltsgedöhns oder Gerichtsverhandlungen hat, dem kann ich Die Lincoln Verschwörung empfehlen. Mir hat er gut gefallen.



Der Gott des Gemetzels (Carnage)

Roman Polanski's neuester Streifen wird jetzt schon als Oscar-Kandidat gehandelt. Die Idee basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück "Le dieu de carnage" von Yasmina Reza (hat das Drehbuch mitgeschrieben) und ist äußerst simpel: Zwei Ehepaare treffen sich, um einen Vorfall zu bereden, welcher sich zwischen ihren Söhnen ereignet hat. Der eine, mit einem Stock bewaffnet, Verzeihung, ausgestattet, hat dem anderem zwei Zähne ausgeschlagen und eine dicke Lippe verpasst. Das muss natürlich ausdiskutiert werden, wer trägt die Schuld, wer soll sich bei wem in wessem Beisein entschuldigen und warum klingelt eigentlich andauernd das Telefon?

Eine herrlich komische Komödie, deren Einfachheit gut tut. Polanski wechselt das Szenenbild überhaupt nicht, wir befinden uns die ganze Zeit in der Wohnung von Penelope und Michael Longstreet (Jodie Foster und John C. Reilly), deren Sohn so fürchterlich entstellt wurde. Zu Besuch sind Nancy und Alan Cowan (Kate Winslet und Christoph Waltz), um Verantwortungsbewusstsein zu zeigen. Die gesamte Szenerie schaukelt sich immmer höher, schnell kommt man vom Thema ab, was anfangs noch recht harmlos wirkt, entwickelt sich zu einer urkomischen Zusammenkunft von geblendeten Idealisten und gehässigen Pessimisten. Wo sich erst noch die Longstreets und Cowans gegenüberstehen, sieht man bald, wie sich die Frauen gegen die Männern verbrüdern bzw. verschwestern. Ob Erziehungsstile, unmenschliche Charaktereigenschaften oder Klospülungen aller Art, die Themen dieses Zwiegesprächs sind abwechslungsreich. Die Schauspieler stehen hier natürlich im Mittelpunkt, John C. Reilly (möchtegern-schlichtend und Hamster-Sadist), Jodie Foster (Besserwisser-Pädagogin und kunstversessen) oder Kate Winslet (verträgt kein Alkohol und muss sich übergeben), sie alle tragen dazu bei, dass Der Gott des Gemetzels großen Spaß macht. Und vor allem Christoph Waltz. Ja, ich bin ein Christoph-Waltz-Fanboy, aber in Carnage merkt man ihm (wieder einmal) einfach seine Klasse an. In meinen Augen steht er nochmal eine Stufe über seinen Kollegen. Analytisch-penibel, sarkastisch, unbewusst unhöflich, mehr dem Handy zugetan als seiner Ehefrau. Ganz großartig. Hinzukommt die eigentliche, für jeden frei interpretierbare Botschaft Polanskis, mit einem wunderbar einfachen Ende und vielsagenden Schlussbild.

Wer sich etwas weniger als 90 Minuten hervorragend unterhalten lassen, tolle schauspielerische Leistungen und ausgezeichnete Dialoge will, der ist hier genau richtig. Von der simple Prämisse sollte man sich nicht abschrecken lassen. Diese funktioniert in Der Gott des Gemetzels prächtig.




Sherlock Holmes - Spiel im Schatten (A Game of Shadows)

Der letzte Film, auf den ich zu sprechen kommen möchte. Der erste Sherlock Holmes von Guy Ritchies Adaption der berühmten Romanfigur Arthur Conan Doyles hat mir sehr gut gefallen. Das war erfrischend und äußerst belebend, Guy Ritchie eben. Dementsprechend habe ich mich auch auf die Fortsetzung gefreut und dann auch noch reichlich gute Kritiken dazu gelesen. Insgesamt war ich aber dennoch ein wenig enttäuscht.

Wie bereits in den letzten Minuten des ersten Teils angedeutet, dreht sich in A Game of Shadows alles um den berüchtigten Professor James Moriarty (Jared Harris). Der soll bei so manchen verheerenden Bombenanschlägen und Attentaten überall in Europa seine Finger im Spiel haben. Klare Sache, dass Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) diesen aufzuhalten zu versucht, was immer das Mastermind auch ausgeheckt hat. Holmes zur Seite steht wie so oft der getreue Dr. John Watson (Jude Law), zusammen begeben sich beide auf eine wilde Hatz quer über den europäischen Kontinent, Schussgefechte, Schlägereien und knifflige Rätsel inklusive, um Moriarty schlussendlich überführen zu können und den Garaus auszumachen.

Im Vorfeld war zu lesen, dass Ritchie sich selber treu geblieben ist. Heißt, Spaß und Unterhaltung satt. Und das stimmt auch, Sherlock 2 macht eine Menge Laune, seien es fulminante Actionssequenzen oder amüsante Wortscharmützel. Downey Jr. und Law als Sherlock Holmes und Dr. Watson machen ihre Sache erneut gut, liefern wie versprochen ordentliche Action und nette Wortwitze ab. Ebenso wird noch expliziter auf die latent homoerotische Beziehung zwischen den beiden eingegangen, was anfangs ganz komisch ist, in meinen Augen später jedoch etwas zu überstrapaziert wird. Generell plagte mich das Gefühl, dass Ritchie und Co. beim zweiten Teil zu viel wollten. An manchen Stellen wirkt es auf mich zu langatmig und verwirrend umfangreich, man hätte hier und da etwas schneiden und rausnehmen können. Desweiteren fehlte mir persönlich in vielen Momenten der sogenannte "Drive", der Zug zum bzw. Sinn für's Wesentliche, das war mir teilweise zu überladen. Da gefiel mir der erste Teil in Sachen Geradlinigkeit besser. Punkten kann A Game of Shadows mit dem unscheinbaren Auftritt von Jared Harris als Prof. Moriarty, welcher eine bessere Bösewicht-Figur als Mark Strong im ersten Teil macht. Noomi Rapace in der Rolle der Zigeunerbraut Simza hätte man sich komplett sparen können, Rachel McAdams sieht für kurze Zeit wieder wunderbar aus, ähnlich wie Kelly Reilly als Watson's Ehefrau Mary. Und Stephen Fry verkörpert Sherlock's Bruder Mycroft und sorgt für wahrlich komische Momente.

Zwar kann man sich mit diesem Blockbuster-Entertainment schon zufrieden geben, für meinen Geschmack war das aber zu wenig. Ja, stellenweise reißen einen Ritchie-esque rasante Schnitte und Zeitlupenaufnahmen mit, der einzigartig-analytische Charakter Holmes' und der hervorragende Gegenspieler Moriarty tragen ihren Teil zu einem mehr als soliden Kinofilm bei, doch war ich nicht so angetan wie nach dem ersten Teil. Einfach ein wenig zu viel des Guten oder auf Neudeutsch "too much". Abwarten was der dritte Teil bringen wird, eine weitere Fortsetzung wird es mit Bestimmheit geben.



Schluss jetzt. Mein "kurzer" Kommentar zu Die Lincoln Verschwörung, Der Gott des Gemetzels und Sherlock Holmes - Spiel im Schatten. Viel Spaß im Kino. Oder auch nicht. Wie man's eben nimmt.