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Samstag, 10. März 2012

The Iron Lady / Tambien la lluvia / John Carter

Mein Kinowoche im Schnelldurchlauf:

The Iron Lady

Meryl Streep, oh Wunder, hat sich bei den Oscars 2012 bekanntermaßen die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle als ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher abgeholt, The Iron Lady selbst enttäuschte hingegen viele Kritiker. Montag war ich dann im Kino, um mir selbst ein Bild davon zu machen. Auch ich stellte fest: Enttäuschend. Es handelt sich um ein stinknormales Biopic, recht ideenlos und ziemlich langweilig. Da reicht eben keine Meryl Streep, welche nebenbei gesagt sehr gut schauspielert, für meinen Geschmack aber für ihre Darbietung ein bisschen zu heftig abgefeiert wird.

Der Inhalt ist nicht weiter erwähnenswert, man könnte es mit Eastwood's J. Edgar vergleichen, eine gealterte, demenzkranke Margaret Thatcher erinnert sich an ihre großen Tage, wie sie den Schritt in die Politik wagte und schlussendlich zur mächtigsten Frau Großbritanniens aufstieg. Die Person Thatcher ist seit jeher ein Streitpunkt, insbesondere auf der Insel. Die einen sehen sie als eine der ersten, erfolgreichen Verfechterin des Feminismus, welche sich in einer von Männern dominierten Welt durchgesetzt hat, die anderen sehen in ihr eines der größten Übel, welche Großbritannien je ereilt hat. Ihre politischen Entscheidungen (konservative Linie, IRA-Problematik, Falklandkrieg) sorgten für reichlich Wirbel und brachten unzählige Kritiker hervor. Ein derartig polarisierendes Leben zu verfilmen, könnte sich als durchaus spannend und interessant gestalten, doch wirkt das Ergebnis eher öde und belanglos.

Die Ausstattung macht einiges her, doch dies ist das Mindeste, was ich von einer zeitgenössischen Biographie erwarte. Es fesselt nicht, es plätschert einfach vor sich. Hier mal eine pathetisch-politische Rede, da ein kleiner Familienkonflikt im Hause Thatcher, insgesamt bleibt es sehr mau. Am Ende fragt man sich, was einem Regisseurin Phyllida Lloyd mit The Iron Lady eigentlich sagen will. Bei mir blieb einzig und allein Streep's überzeugender Auftritt hängen. Vielleicht fehlt mir auch der soziokulturelle Hintergrund eines Briten. In meinen Augen ein durchschnittliches Biopic, welches keine wirkliche Botschaft beinhaltet und dessen Ende gar ein klein wenig verwirrend erscheint. Meryl Streep reißt es einigermaßen raus. Dennoch, keine unbedingte Empfehlung.




También la lluvia

Ein spanischer Film. También la lluvia (dt. Titel Und dann der Regen) ist schon eine Weile raus, Dienstag lief der Film zum Spottpreis im Studiokino um die Ecke, also nichts wie ihn. Und ich bin sehr angetan gewesen. Beschreibungen zu Filmen wie eben También la lluvia einer ist, können einen schnell abschrecken, doch sollte man hier vielleicht mal einen Blick riskieren. También la lluvia ist wunderbar aktuell, metaphorisch stark und eindrucksvoll inszeniert. Es geht um einen Film im Film, ein junger Regisseur (Gael García Bernal) reist mit seinem Produzenten (Luis Tosar) und Crew nach Bolivien, um hier einen Streifen über Christoph Kolumbus zu drehen. Doch zeigt sich, dass die gesellschaftlichen Zustände in Bolivien ziemlich im Argen liegen, die Privatisierung der Wasserversorgung führt zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen im Land. Schnell werden Parallelen von dem geplanten Filmprojekt und der harten Wirklichkeit deutlich...

También la lluvia geht als Arthouse Light durch und wird wohl gerade hierzulande nicht die ganz großen Absätze feiern können. In Spanien hingegen bekam der Film viel Lob und Anerkennung sowie einige Auszeichnungen. Zurecht, wie ich finde. Der Ansatz ist erfrischend, ein Film im Film hat etwas. Das Thema, welches in vielen Dritte Welt- bzw. Entwicklungsländern Thema und ein akutes Problem ist, wird stark und nachhaltig eingefangen und vermittelt. Sei es anhand der Charakterentwicklung/-wandlung vieler Figuren im Film oder anhand der abgebildeten Szenerie des Chaos und des offenen Konflikts zwischen bolivianischer Bevölkerung und Staatsapparat selbst.

También la lluvia sollte man sich ansehen, wenn man ein klein wenig über den Tellerrand schauen sowie starke Schauspielleistungen sehen möchte. Ein ruhiger und dennoch explosiver, ausdrucksstarker Film, der sehr nachdenklich stimmt und einen wesentlich mehr zu sagen hat, als es zum Beispiel The Iron Lady tut.




John Carter

Ok, einmal Blockbuster darf in der Woche nicht fehlen. Zum Kinostart einen guten Kumpel geschnappt und mit wenig bis gar keinen Erwartungen in John Carter reingegangen, denn ganz ehrlich, das sah schon im Trailer sehr bizarr und komisch aus. Von John Carter hatte ich zuvor noch nie etwas gehört, umtriebig wie ich bin aber gleich den Wikipedia-Artikel dazu durchgelesen und mit Erstaunen festgestellt habe, dass John Carter bzw. John Carter vom Mars, ich zitiere, "eine der beliebtesten Science-Fiction-Buchreihen des Tarzan-Autors Edgar Rice Burroughs" ist. Hui. Trotzdem ist der Film Mist. Mich würde die Meinung eines eingefleischten Fans der Romane interessieren, ich fand John Carter schlimm, total verwirrend und unfassbar inkohärent.

Captain John Carter (Taylor Kitsch) steht im Mittelpunkt, ehemaliger Konföderierten-Soldat im Amerikanischen Bürgerkrieg, jetzt Schatzsucher und Taugenichts. Dank einem seltsamen Amulett findet sich jener John Carter in einer kargen Wüstenlandschaft wieder. Wie es sich später herausstellt, ist er auf dem Mars! Huch! Hier tobt ein erbarmungsloser Krieg zwischen zwei Völker, John Carter soll mit seinen speziellen Fähigkeiten den Konflikt lösen und die wunderhübsche Prinzessin Dejah Thoris (Lynn Collins) retten.

Die hanebüchene Story ist recht einfach gestrickt und strotzt nur so vor unzähligen fairy-tale-Klischees. Der unbekannte Fremde, die hilflose, aber charakterstarke Prinzessin, geheimnisvolle Bösewichte und komische Sidekicks. Tut mir Leid, ich kann damit nichts anfangen. John Carter macht teilweise überhaupt keinen Sinn, kommt mit gigantischen Plotholes daher und lässt einen mehrfach die Hände vor dem Gesicht zusammenschlagen. Anfangs findet man die Prämisse, dass John Carter aufgrund des leichteren Knochenbaus, Schwerkraftunterschied Erde Mars etc. so toll und weit und hoch springen kann ja ganz nett, aber irgendwann ist das alles einfach zu abgedreht, nicht nur das wilde Herumgehüpfe. John Carter kann nur was für Fans sein, denn Unwissenden gibt der Film nicht wirklich die Möglichkeit, das Universum nachvollziehen zu können. Zu hastig, zu oberflächlich, zu konfus. Ich zweifle nicht an der Qualität des John Carter-Stoffes, den Büchern etc., aber der Film ist mies. Das Geld kann man sich definitiv sparen. Insbesondere, wenn man noch einen 3D-Film-Aufschlag zahlen muss...




Dienstag, 28. Februar 2012

Oscarverleihung 2012


Montagmorgen, 5:46 Uhr. Die Augen sind schwer, die Wirkung mehrerer Tassen Schwarztees hat überraschenderweise schon längst wieder nachgelassen, mühsam richte ich mich auf, verschaffe mir einen kurzen Überblick und stapfe Richtung Badezimmer. Ging das letztes Jahr auch so lange? Ich weiß es nicht mehr und es ist mir auch egal. Ich schmeiße mich ins Bett und fröne des Studenten liebster Tätigkeit: Ich schlafe. Lang.


Eine Oscarverleihung geht an die Substanz. Insbesondere, wenn sie wie hier in Deutschland erst gegen 2:30 Uhr in der Früh beginnt und vorher einschläfernd vom Red Carpet am Kodak Theatre berichtet wird. Annemarie Warnkross mit Klatsch und Tratsch, Steven Gätjen live auf dem roten Teppich, Scott Orlin, Hollywood-Kenner und bekannt wie ein bunter Hund, schustert letzteren ein paar Stars und Sternchen zu. What? Pro Seven? German TV? Oh, ok, yes, but we don't have much time... Sacha Baron Cohen ist das Gesprächsthema auf dem Red Carpet, er legt einen eher speziellen Auftritt als Borat, ich meine Brüno, ach Quatsch, als Dikator hin. Mit Tennis-Doppel-Partner Kim Jong Il unterm Arm. Beziehungsweise, dessen Überreste. Samt Malheur. Typisch. Grenzwertig. Aber auf Cohen's bekannte Eigenart komisch. Ich fand's lustig.


Niemand hat wirklich Lust etwas zu sagen. Zumindest zu Pro7 und Steven Gätjen. Aber halt, ein Wim Wenders ist da. Da spricht doch gerne mit uns. George Clooney und Freundin Stacy Keibler hören Gätjen's Fragen, doch interessieren sich nicht wirklich dafür. Und Javier Bardem, Colin Firth und Co. sehen Scott Orlin wild herumwirbeln, lassen sich aber nicht dazu hinreißen, ein paar Worte mit Steven zu wechseln.

Schluss damit. Ich möchte endlich die Verleihung sehen. Kurz vor halb 3 bewegen sich die Massen energischer, es geht los. Eine gekonnte Video-Montage nach altbekannten Schemata flimmert über das Bild, Billy Crystal feiert diverse Gastauftritte in The Descendants, Hugo, Midnight in Paris etc., sogar als Tim von The Adventures of Tintin hat er sich verkleidet. Ja, das funktioniert jedes Jahr. Doch was hat Justin Bieber in diesem Beitrag verloren?


Es folgt der Opening Monologue von Crystal selbst, welche es sich nehmen lassen kann, daraus eine Broadway-esque Gesangseinlage zu machen. Nett. Charmant. Wer einen Billy Crystal bestellt, bekommt einen Billy Crystal. Doch zeigen sich hier die ersten Schwächen. Wäre ein frecher, unverschämt-ehrlicher Stand-Up-Auftritt á la Golden Globes-Ricky Gervais von Eddie Murphy nicht besser, erfrischender gewesen? Denn mehr als ein "Nett" oder "Charmant" verdient sich der Host und die Show selbst an diesem Abend bzw. in dieser Nacht nicht.


Die ersten Oscars werden verliehen. Wie üblich wird mit den eher unbedeutenden Kategorien begonnen, Kamera, Schnitt, Szenenbild. Scorsese's Hugo wird in der ersten Stunde der Oscars 2012 zum großen Abräumer, insgesamt 5 Mal geht der kleine goldener Mann an Scorsese's Film, Beste Visuelle Effekte, Bester Tonschnitt und Bester Ton, Beste Kamera und Bestes Szenenbild. Freude, aber zugleich ein wenig Ernüchterung. Die großen Kategorien kommen noch und wir bekommen die ganzen "kleinen" Oscars? Ist die Entscheidung dahingehend für The Artist gefallen? Diese Annahme bestätigt sich.


The Artist nimmt wie Hugo fünf Oscars mit nach Hause. Darunter Beste Filmmusik und Bestes Kostümdesign in den kleineren Kategorien. Doch dann auch die Beste Regie für Michel Hazanavicius. Genehmigt. Bester Hauptdarsteller für Jean Dujardin. Genehmigt. Und schlussendlich auch Bester Film. Genehmigt. Niemand ist überrascht. Spannung? Nur ein wenig.

Meryl Streep und Christopher Plummer holen sich wie erwartet ihre Auszeichnung als Beste Hauptdarstellerin bzw. Bester Nebendarsteller ab, Nick Nolte schaut finster und verunzelt in die Kamera. Octavia Spencer erleidet beinahe einen Nervenzusammenbruch, sie wird als Beste Nebendarstellerin für ihre Rolle in The Help ausgezeichnet. Woody Allen ist nicht da und gewinnt trotzdem. Die Academy hat ihn noch nie interessiert. Bestes Originaldrehbuch für Midnight in Paris. Meine Oscar-Tipps bestätigen sich allmählich. The Descendants für Bestes adaptiertes Drehbuch? Hätte ich nicht gedacht. Rango für Bester Animationsfilm! Juche!


George Clooney geht leer aus. Kopf hoch, du kannst es sogar bestimmt noch ein bisschen besser als in The Descendants. Beim nächsten Mal vielleicht. Auch Brad Pitt bzw. Moneyball muss die Segel streichen. Kein Preis. Schade. The Tree of Life. Nichts. Spielberg's War Horse. Nichts. So einfach geht es dann doch nicht lieber Steven, trotz toller Kameraarbeit von Janusz Kaminski und Filmmusik von John Williams.

Billy Crystal versucht sich als Gedankenleser. Nett. Charmant. Moment mal... Ich möchte ihm kein Unrecht tun, lustig war's. Aber kein Reißer. Die Laudatoren machen das Nötigste, Robert Downey Jr. und Gwyneth Paltrow treten als Tony Stark und Pepper Potts auf, Downey Jr. dreht nebenbei eine kleine Dokumentation, er holt sich seine Lacher ab. Chris Rock zeigt, wie eine Oscarverleihung mit Eddie Murphy hätte aussehen können. Eine verpasste Chance. Emma Watson weist Ben Stiller in die Schranken und macht großen Spaß. Die Bridemaids lassen sich auf der Bühne zu einem Trinkspiel hinreißen.Und Will Ferrell legt zusammen mit Zach Galifianakis einen orchestralen Auftritt hin. Ein paar Lichtblicke.


Tom Cruise kündigt die Kategorie Bester Film an. Irgendwas läuft hier verkehrt. Sandra Bullock spricht fließend Mandarin. Nein, sie spricht deutsch. Und das ziemlich gut. Christian Bale (der Nicht-mehr-so-Bärtige), Melissa Leo, Colin Firth, Natalie Portman, im Vorjahr die großen Gewinner. Nichts Besonderes bei ihren Ankündigungen, das Übliche halt. Michael Douglas ist zurück, gesund und munter, das freut einen. Ach ja, und dann wäre da noch Brad Pitt's Göttergattin, Angelina Jolie, welche so gleich einen neuen Trend setzt. Das Leg Bombing. Lasziv streckt sie ihr rechtes Bein hervor, ein tiefer Einschnitt in ihr Kleid lässt so manche Männerherzen höher schlagen und macht sie zum nächsten Internet-Phänomen/ Meme, Zielscheibe amüsanter Parodien und Top-Thema bei taff am Nachmittag auf ProSieben. Ohne Worte.


Insgesamt blicke ich ein wenig ernüchtert drein. Es war nicht sehr besonders. Normal, Durchschnitt. Besser als im letzten Jahr, auch wenn mir der Opening-Spoof von 2011 ein wenig besser gefiel. Billy Crystal machte es solide, doch die Academy hinkt hinterher. Der Altersschnitt der Entscheidungsträger ist erschreckend hoch. Frischer Wind ist vonnöten. Versucht es noch einmal mit Eddie Murphy. Oder eben Chris Rock oder Robert Downey Jr. Diese sind für die Bühne und die Show gemacht.

Es muss sich was ändern. Es war nicht schlecht, auf keinen Fall. Es war eine Reihe großartiger Filme, Schauspieler, Regisseure, Drehbuchautoren etc. dabei, aber fehlten ebenso auch einige, was im Vorfeld für reichlich Kopfschütteln sorgte (Michael Fassbender; Shame, Drive oder Warrior in den wichtigen Kategorien). Wohin geht die Reise? Traut sich die Academy vielleicht im nächsten Jahr etwas? Ich würde es mir wünschen. Die Golden Globes sind beliebter denn je und haben die Oscars längst überholt. Ein Grund dafür ist Ricky Gervais. Der passenden Host wird gesucht und muss gefunden werden, sonst sehe ich schwarz. Und alte Strukturen müssen aufgebrochen werden, jüngere Mitglieder braucht die Academy, ansonsten bleibt es altbacken. Auf einen neuen Versuch im nächsten Jahr. Vielleicht werde ich dann einem Billy Crystal nachtrauern, der zu der Oscarverleihung 2012 eigentlich alles richtig und vieles sehr gut gemacht hat. Aber es geht meiner Meinung nach halt noch viel besser.