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Dienstag, 28. Februar 2012

Oscarverleihung 2012


Montagmorgen, 5:46 Uhr. Die Augen sind schwer, die Wirkung mehrerer Tassen Schwarztees hat überraschenderweise schon längst wieder nachgelassen, mühsam richte ich mich auf, verschaffe mir einen kurzen Überblick und stapfe Richtung Badezimmer. Ging das letztes Jahr auch so lange? Ich weiß es nicht mehr und es ist mir auch egal. Ich schmeiße mich ins Bett und fröne des Studenten liebster Tätigkeit: Ich schlafe. Lang.


Eine Oscarverleihung geht an die Substanz. Insbesondere, wenn sie wie hier in Deutschland erst gegen 2:30 Uhr in der Früh beginnt und vorher einschläfernd vom Red Carpet am Kodak Theatre berichtet wird. Annemarie Warnkross mit Klatsch und Tratsch, Steven Gätjen live auf dem roten Teppich, Scott Orlin, Hollywood-Kenner und bekannt wie ein bunter Hund, schustert letzteren ein paar Stars und Sternchen zu. What? Pro Seven? German TV? Oh, ok, yes, but we don't have much time... Sacha Baron Cohen ist das Gesprächsthema auf dem Red Carpet, er legt einen eher speziellen Auftritt als Borat, ich meine Brüno, ach Quatsch, als Dikator hin. Mit Tennis-Doppel-Partner Kim Jong Il unterm Arm. Beziehungsweise, dessen Überreste. Samt Malheur. Typisch. Grenzwertig. Aber auf Cohen's bekannte Eigenart komisch. Ich fand's lustig.


Niemand hat wirklich Lust etwas zu sagen. Zumindest zu Pro7 und Steven Gätjen. Aber halt, ein Wim Wenders ist da. Da spricht doch gerne mit uns. George Clooney und Freundin Stacy Keibler hören Gätjen's Fragen, doch interessieren sich nicht wirklich dafür. Und Javier Bardem, Colin Firth und Co. sehen Scott Orlin wild herumwirbeln, lassen sich aber nicht dazu hinreißen, ein paar Worte mit Steven zu wechseln.

Schluss damit. Ich möchte endlich die Verleihung sehen. Kurz vor halb 3 bewegen sich die Massen energischer, es geht los. Eine gekonnte Video-Montage nach altbekannten Schemata flimmert über das Bild, Billy Crystal feiert diverse Gastauftritte in The Descendants, Hugo, Midnight in Paris etc., sogar als Tim von The Adventures of Tintin hat er sich verkleidet. Ja, das funktioniert jedes Jahr. Doch was hat Justin Bieber in diesem Beitrag verloren?


Es folgt der Opening Monologue von Crystal selbst, welche es sich nehmen lassen kann, daraus eine Broadway-esque Gesangseinlage zu machen. Nett. Charmant. Wer einen Billy Crystal bestellt, bekommt einen Billy Crystal. Doch zeigen sich hier die ersten Schwächen. Wäre ein frecher, unverschämt-ehrlicher Stand-Up-Auftritt á la Golden Globes-Ricky Gervais von Eddie Murphy nicht besser, erfrischender gewesen? Denn mehr als ein "Nett" oder "Charmant" verdient sich der Host und die Show selbst an diesem Abend bzw. in dieser Nacht nicht.


Die ersten Oscars werden verliehen. Wie üblich wird mit den eher unbedeutenden Kategorien begonnen, Kamera, Schnitt, Szenenbild. Scorsese's Hugo wird in der ersten Stunde der Oscars 2012 zum großen Abräumer, insgesamt 5 Mal geht der kleine goldener Mann an Scorsese's Film, Beste Visuelle Effekte, Bester Tonschnitt und Bester Ton, Beste Kamera und Bestes Szenenbild. Freude, aber zugleich ein wenig Ernüchterung. Die großen Kategorien kommen noch und wir bekommen die ganzen "kleinen" Oscars? Ist die Entscheidung dahingehend für The Artist gefallen? Diese Annahme bestätigt sich.


The Artist nimmt wie Hugo fünf Oscars mit nach Hause. Darunter Beste Filmmusik und Bestes Kostümdesign in den kleineren Kategorien. Doch dann auch die Beste Regie für Michel Hazanavicius. Genehmigt. Bester Hauptdarsteller für Jean Dujardin. Genehmigt. Und schlussendlich auch Bester Film. Genehmigt. Niemand ist überrascht. Spannung? Nur ein wenig.

Meryl Streep und Christopher Plummer holen sich wie erwartet ihre Auszeichnung als Beste Hauptdarstellerin bzw. Bester Nebendarsteller ab, Nick Nolte schaut finster und verunzelt in die Kamera. Octavia Spencer erleidet beinahe einen Nervenzusammenbruch, sie wird als Beste Nebendarstellerin für ihre Rolle in The Help ausgezeichnet. Woody Allen ist nicht da und gewinnt trotzdem. Die Academy hat ihn noch nie interessiert. Bestes Originaldrehbuch für Midnight in Paris. Meine Oscar-Tipps bestätigen sich allmählich. The Descendants für Bestes adaptiertes Drehbuch? Hätte ich nicht gedacht. Rango für Bester Animationsfilm! Juche!


George Clooney geht leer aus. Kopf hoch, du kannst es sogar bestimmt noch ein bisschen besser als in The Descendants. Beim nächsten Mal vielleicht. Auch Brad Pitt bzw. Moneyball muss die Segel streichen. Kein Preis. Schade. The Tree of Life. Nichts. Spielberg's War Horse. Nichts. So einfach geht es dann doch nicht lieber Steven, trotz toller Kameraarbeit von Janusz Kaminski und Filmmusik von John Williams.

Billy Crystal versucht sich als Gedankenleser. Nett. Charmant. Moment mal... Ich möchte ihm kein Unrecht tun, lustig war's. Aber kein Reißer. Die Laudatoren machen das Nötigste, Robert Downey Jr. und Gwyneth Paltrow treten als Tony Stark und Pepper Potts auf, Downey Jr. dreht nebenbei eine kleine Dokumentation, er holt sich seine Lacher ab. Chris Rock zeigt, wie eine Oscarverleihung mit Eddie Murphy hätte aussehen können. Eine verpasste Chance. Emma Watson weist Ben Stiller in die Schranken und macht großen Spaß. Die Bridemaids lassen sich auf der Bühne zu einem Trinkspiel hinreißen.Und Will Ferrell legt zusammen mit Zach Galifianakis einen orchestralen Auftritt hin. Ein paar Lichtblicke.


Tom Cruise kündigt die Kategorie Bester Film an. Irgendwas läuft hier verkehrt. Sandra Bullock spricht fließend Mandarin. Nein, sie spricht deutsch. Und das ziemlich gut. Christian Bale (der Nicht-mehr-so-Bärtige), Melissa Leo, Colin Firth, Natalie Portman, im Vorjahr die großen Gewinner. Nichts Besonderes bei ihren Ankündigungen, das Übliche halt. Michael Douglas ist zurück, gesund und munter, das freut einen. Ach ja, und dann wäre da noch Brad Pitt's Göttergattin, Angelina Jolie, welche so gleich einen neuen Trend setzt. Das Leg Bombing. Lasziv streckt sie ihr rechtes Bein hervor, ein tiefer Einschnitt in ihr Kleid lässt so manche Männerherzen höher schlagen und macht sie zum nächsten Internet-Phänomen/ Meme, Zielscheibe amüsanter Parodien und Top-Thema bei taff am Nachmittag auf ProSieben. Ohne Worte.


Insgesamt blicke ich ein wenig ernüchtert drein. Es war nicht sehr besonders. Normal, Durchschnitt. Besser als im letzten Jahr, auch wenn mir der Opening-Spoof von 2011 ein wenig besser gefiel. Billy Crystal machte es solide, doch die Academy hinkt hinterher. Der Altersschnitt der Entscheidungsträger ist erschreckend hoch. Frischer Wind ist vonnöten. Versucht es noch einmal mit Eddie Murphy. Oder eben Chris Rock oder Robert Downey Jr. Diese sind für die Bühne und die Show gemacht.

Es muss sich was ändern. Es war nicht schlecht, auf keinen Fall. Es war eine Reihe großartiger Filme, Schauspieler, Regisseure, Drehbuchautoren etc. dabei, aber fehlten ebenso auch einige, was im Vorfeld für reichlich Kopfschütteln sorgte (Michael Fassbender; Shame, Drive oder Warrior in den wichtigen Kategorien). Wohin geht die Reise? Traut sich die Academy vielleicht im nächsten Jahr etwas? Ich würde es mir wünschen. Die Golden Globes sind beliebter denn je und haben die Oscars längst überholt. Ein Grund dafür ist Ricky Gervais. Der passenden Host wird gesucht und muss gefunden werden, sonst sehe ich schwarz. Und alte Strukturen müssen aufgebrochen werden, jüngere Mitglieder braucht die Academy, ansonsten bleibt es altbacken. Auf einen neuen Versuch im nächsten Jahr. Vielleicht werde ich dann einem Billy Crystal nachtrauern, der zu der Oscarverleihung 2012 eigentlich alles richtig und vieles sehr gut gemacht hat. Aber es geht meiner Meinung nach halt noch viel besser.

Sonntag, 5. Februar 2012

The Artist / The Descendants

Da die letzte Woche Klausurvorbereitungen auf dem Plan standen, könnte ich nicht sofort ein paar Worte zu diesen beiden großen Oscar-Favoriten loswerden. Da der Großteil der Prüfungen jetzt aber geschafft ist, habe ich wieder die Zeit und Muße dazu. Bitteschön.

The Artist

Der große Oscar-Kandidat 2012. Mit Fug und Recht möchte ich behaupten. Selten hat man so viel Mut bewiesen, einen Stummfilm in Zeiten von 3D-Technologie und Bombast-Kino auf die Leinwand zu bringen. The Artist ist eine tiefe Verbeugung vor dem Film und seinen Ursprüngen selbst. Der geneigte Kinoliebhaber sollte diesen Film definitiv gesehen haben.

Kurz zum Inhalt. Wir bekommen den elegant-charmanten George Valentin (Jean Dujardin) zu sehen, die Stummfilm-Ikone schlechthin in den 20er Jahren Amerikas. Der geborene Entertainer, ein Meister seines Fachs, doch wohl auch etwas egozentrisch. Dieser George Valentin hat eigentlich alles, was man sich wünschen könnte und lernt dazu auch noch die bildhübsche Peppy Miller (Bérénice Bejo) kennen, welche jedoch, ohne dass es einer von den beiden ahnt, seine Karriere beenden wird. Denn der Stummfilm ist am Aussterben, der Ton erobert die Kinosäle. Das kommt Peppy Miller zu Gute, sie wird der neue Stern am Tonfilm-Himmel. George Valentin winkt nur ab, der Stummfilm ist die treibende Kraft, Filme mit Ton, wer braucht das schon? Doch er täuscht sich. Niemand interessiert sich mehr für den Stummfilm, Valentin versinkt in Vergessenheit, muss sein letztes Hemd hergeben und verfällt dem Alkohol...

Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Freude einem The Artist macht. Meine Generation kam ja nie wirklich mit dem Medium Stummfilm in Kontakt, vielleicht hat man mal Charles Chaplin's Modern Times oder Laurel und Hardy auf arte gesehen. Doch dieses Gefühl einer neuen Technologie, die ersten bewegte Bilder, das konnte einer wie ich nie selbst erfahren. Umso schöner, dass Regisseur und Drehbuchautor Michel Hazanavicius sich diesem Thema angenommen hat und uns eine Welt zeigt, die schon lange vergangen und vielleicht sogar vergessen ist.

Konzentriert verfolgt man das Geschehen auf der Leinwand, exzellente Musikstücke begleiten dabei jene Schwarz-Weiß-Aufnahmen, welche einen ins Staunen versetzen. Der Film gewinnt unglaublich an Intensität, aufmerksam folgt man der Handlung, kein Detail möchte man übersehen, wo man sich sonst notfalls noch auf seine Ohren verlassen kann, wenn es um relevante Dialoge geht, das müssen jetzt die Augen durch reine Beobachtung übernehmen. Es gibt Aufnahmen und Szenenbilder, welche ein wenig klischeehaft wirken, was keinesfalls negativ zu verstehen ist, denn Hazanavicius und Co. geben ganz bewusst diesen speziellen Einblick in diese besondere Zeit des Filmemachens. Besonders schön gefällt mir die Prämisse, dass wir einen Stummfilm zu sehen bekommen, der zeigt, wie Stummfilme produziert und wahrgenommen wurden. Und selbst dann, als der Tonfilm bekannt und beliebt wird, bleibt The Artist trotzdem stumm und verzichtet auch weiterhin auf die Stimmen seiner Darsteller. Bis zum Ende zumindest, als wirklich gekonnt noch einmal diese Thematik aufgegriffen wird.

Wo wir schon bei den Darstellern sind. Großes Kompliment an jeden in diesem Film, ich stelle es mir nicht einfach vor, derartige Schauspielleistungen abzuliefern, welche nur auf Gestik und Mimik fußen. Jean Dujardin wurde bereits der Golden Globe verliehen und der Franzose hat ihn sich auch allemal verdient. Der heimliche Star ist jedoch ein kleiner Hund namens Uggie, welcher als stetiger Begleiter Valentin's zu sehen ist. Dieser Vierbeiner macht großen Spaß und zaubert einen ein Lächeln auf die Lippen.

The Artist ist ein außergewöhnlicher Film, der wunderbar an alte Zeiten erinnert und eindrucksvoll zeigt, welche Bedeutung der Film hatte und teilweise immer noch hat, auch wenn jährlich unzählige herzlose 0815-Blockbuster den Markt überschwemmen. The Artist lässt den Zuschauer schwelgen und genießen, das ist Kino für die Seele. Ich hätte mir vielleicht ein etwas tragischeres Ende gewünscht, doch spricht hier meine persönliche Präferenz. The Artist endet so, wie so viele Filme seiner Art: Mit einem Happy End. Denn das brauchten die Menschen in den 20er und 30er Jahren. Gebeutelt von der Finanzkrise und arg mitgenommen, konnte man sich immerhin noch auf eine Sache freuen: Das Kino. Und Filme wie es The Artist einer ist. 




The Descendants

Auch The Descendants gehört zum Kreis der heißen Oscar-Favoriten und vor allem George Clooney darf sich berechtigte Hoffnungen machen. Wie Jean Dujardin bekam auch er dieses Jahr einen Golden Globe als bester Hauptdarsteller, hier im Bereich Drama. Und ja, Clooney trägt The Descendants. Doch nicht alleine. Hier stimmt das Gesamtpaket und so bekommt man ein hervorragendes Familiendrama mit reichlich Tiefe zu sehen.

Beim Inhalt bediene ich mich beim Trailer (siehe unten): Matt King (George Clooney) hat es nicht leicht. Doch das geht vielen so, selbst im Urlaubsparadies Hawaii. Wie Hawaii? Da ist doch alles schön und da gibt's doch rund um die Uhr nur Cocktails zu schlürfen oder? Weit gefehlt, Hawaii, besser gesagt dessen Bewohner haben wie viele andere auch kleine bis mittelgroße Probleme zu bewältigen. Und einer dieser Bewohner ist eben Matt, der mit ansehen muss, wie seine Frau (Patracia Hastie), nach einem Motorbootunfall im Koma, langsam vor sich hinstirbt. Hinzukommt allerlei bürokratischer Stress für den Anwalt, welcher ein gigantisches Familiengrundstück demnächst im Sinne seiner Sippschaft für einen guten Preis verkaufen muss. Und natürlich machen ihm auch seine Kinder zu schaffen. Für diese hatte er nämlich nie wirklich Zeit und muss sich nun nach dem Unfall seiner Frau umso mehr um seine beiden Töchter Scottie (Amara Miller) und Alexandra (Shailene Woodley) kümmern. Wäre dies alles nicht genug, erfährt Matt auch noch, dass seine Frau ein Verhältnis mit einem anderem Mann hatte. Life's hard...

Dramen solcher Art findet man alle Jahre immer wieder, auf den ersten Blick erwartet man nichts Besonderes und eher Altbekanntes. Was The Descendants jedoch von dem Gros solcher Filme abhebt, ist die Nähe zur Realität. Regisseur Alexander Payne (Sideways) gelingt es unheimlich gut, ein lebensechtes Setting mitsamt passenden Charakteren zu schaffen. The Descendants fühlt sich nicht gespielt an, viele Aufnahmen wirken recht beiläufig und ohne Intention, eher so, als wenn man die Charaktere auf ihren Wegen einfach begleitet. Zusätzlich wird mit der Kulisse Hawaiis ein wunderschönes Szenenbild mit tollen Einstellungen aufgebaut, typisch volkstümliche hawaiianische Klänge dudeln melancholisch, aber oft auch sehr stimmungsvoll im Hintergrund, optisch und akustisch macht The Descendants wirklich was her.

Kommen wir zum entscheidenden Kriterium eines Dramas, die Charaktere und so auch ihre Darsteller. Hier greift erneut die Prämisse so lebensnah wie möglich. Clooney überzeugt vollends als überforderter Familienvater, der sich nicht nur auf die Suche nach Antworten auf seine vielen Fragen begibt, sondern auch auf eine Reise, die ihm zeigt, was wirklich wichtig ist. Dabei deckt Clooney sämtliche Facetten seines Charakters ab, doch bleibt vor allem sein großartiges Gespür für Understatement und Subtilität sowie seine Eigenart eines beherzten Sprints im Gedächtnis. An seiner Seite brillieren Shailene Woodley und Amara Miller, die beiden Töchter im Film. Insbesondere Woodley zeigt ihr ganzes Schauspielrepertoire. Ihre Rolle umfasst die Charakterzüge einer dickköpfigen, zickigen Heranwachsenden, doch spielt sie diese im keinsten Sinne klischeehaft, im Gegenteil, sie verleiht ihre Figur sehr viel Tiefe. Für ein paar komische Momente ist dann Nick Krause (Sid) verantwortlich, welcher einen Freund von Woodley's Alexandra spielt und die Familie King begleitet. Auch dieser Charakter bereichert den Film ungemein.

Der größte Schwachpunkt in The Descendants und ein möglicher Grund, warum sich einige nicht sehr angesprochen fühlen könnten, ist wohl, dass dieser Film in vielen Momenten nur dahinplätschert. Für ein Drama ist das Pacing in meinen Augen ausgezeichnet, vielen wird es jedoch stellenweise zu langatmig und ausladend erscheinen.

Wenn man sich jedoch die Zeit nimmt, dann kann einen The Descendants sehr berühren. Viele Aufnahmen wirken einfach und unkompliziert, doch sagen sie auch jedes mal eine ganze Menge aus. Hier muss oft zwischen den Zeilen gelesen werden, wovon man sich nicht abschrecken lassen sollte, da es sich wiederum lohnt. Beeindruckt hat mich das Bild von Hawaii, nicht nur optisch, sondern auch die Menschen, welche Alexander Payne uns zeigt. Vieles wirkt wie eine Maskerade, aber jeder hat seinen Kummer und eine Last, die er mit sich rumträgt, selbst der dümmlich-grinsende Sid. The Descendants ist ein schöner, sehr gut geschriebener Film, aus dem man viel mitnehmen kann und welchen man sich auf jeden Fall anschauen kann, vielleicht sogar sollte.



Dienstag, 24. Januar 2012

Oscars 2012 - Die Nominierungen

Heute Nachmittag wurden die diesjährigen Nominierten für die Oscars präsentiert. Heiße Kandidaten wie The Artist (10 Nominierung), Scorsese's Hugo Cabret (11 Nom.) oder The Descendants (5 Nom.) mischen natürlich auch hier wieder ordentlich mit. Aber auch die bei den Golden Globes leer ausgegangenen Moneyball und War Horse dürfen sich mit je 6 Nominierungen Hoffnungen auf einen Oscar in einer bedeutenen Kategorie machen.

Dennoch, es gab wie jedes Jahr auch einige Überraschungen. Große Überraschungen, die das Web beschäftigen und zahlreiche Unkenrufe provozieren. Doch erst einmal ein kleiner Überblick über die Nominierten in den wichtigsten Kategorien der Oscars 2012.

Bester Film
The Artist
The Descendants
Extremely Loud & Incredibly Close
The Help
Hugo
Midnight in Paris
Moneyball
The Tree of Life
War Horse

Beste Regie
The Artist - Michel Hazanavicius
The Descendants - Alexander Payne
Hugo - Martin Scorsese
Midnight in Paris - Woody Allen
The Tree of Life - Terrence Malick

Bester Hauptdarsteller
Demián Bichir - A Better Life
George Clooney - The Descendants
Jean Dujardin - The Artist
Gary Oldman - Tinker Tailor Soldier Spy
Brad Pitt - Moneyball

Bester Nebendarsteller
Kenneth Branagh - My Week With Marilyn
Jonah Hill - Moneyball
Nick Nolte - Warrior
Christopher Plummer - Beginners
Max von Sydow - Extremely Loud & Incredibly Close

Beste Hauptdarstellerin
Glenn Close - Albert Nobbs
Viola Davis - The Help
Rooney Mara - The Girl with the Dragon Tattoo
Meryl Streep - The Iron Lady
Michelle Williams - My Week With Marilyn

Beste Nebendarstellerin
Bérénice Bejo - The Artist
Jessica Chastain - The Help
Melissa McCarthy - Bridesmaids
Janet McTeer - Albert Nobbs
Octavia Spencer - The Help

Bestes adaptiertes Drehbuch
The Descendants - Alexander Payne & Nat Faxon & Jim Rash
Hugo - John Logan
The Ides of March - George Clooney & Grant Heslov and Beau Willimon
Moneyball - Screenplay by Steven Zaillian and Aaron Sorkin, Story by Stan Chervin
Tinker Tailor Soldier Spy - Bridget O’Connor & Peter Straughan

Bestes Originaldrehbuch
The Artist - Michel Hazanavicius
Bridesmaids - Annie Mumolo & Kristen Wiig
Margin Call - J.C. Chandor
Midnight in Paris - Woody Allen
A Separation - Asghar Farhadi

Bester Animationsfilm
A Cat in Paris
Chico & Rita
Kung Fu Panda 2
Puss in Boots
Rango

Das sind die für mich auf den ersten Blick interessantesten Kategorien, es gibt natürlich noch weit mehr, ob Editing, Sound, Score und so weiter. Wer Interesse dafür zeigt, der kann jetzt HIER draufklicken und wird dann zu den Artikel über die Oscar-Nominierungen vom Empire Magazine weitergeleitet, wo man sich noch einmal in aller Ruhe einen Überblick verschaffen kann.

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Da ich vor den Oscars eh noch einen Beitrag dazu verfassen werde, wer wahrscheinlich meiner Meinung nach in welcher Kategorie das Rennen machen wird, eine kleine Prognose abgeben und meine persönliche Favoriten vorstellen werde, kommen jetzt nur ein paar "kurze" Kommentare zu den Nominierung und der Academy an sich. Und ab dafür:

  • A Separation ist für die Kategorie Bestes Originaldrehbuch (und wieder bester fremdsprachiger Film) nominiert worden und wieder wird mir klar, dass ich diesen Film irgendwie noch nachholen muss. Clooney's Ides of March holt sich zumindest eine Nominierung für das beste adaptierte Drehbuch ab.
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Wer fehlt, was fällt auf?

  • Viel betroffener macht mich die Nichtberücksichtigung von Drive. Kann ich nicht nachvollziehen. Da ist die Nominierung für bestes Sound Editing ja fast beleidigend. Hier bin ich sehr enttäuscht, liebe Academy.
  • Ebenso wurde Steve McQueen's Shame ignoriert. Hab ich noch nicht gesehen, aber nur Gutes darüber gehört. Wie bei Drive haben sich auch hier viele aufgeregt. Ist das Thema (Sexbesessenheit, Promiskuität etc., kurzer Artikel zum Inhalt) zu heikel ? Oder liegt's an Carey Mulligan? Sowohl in Drive als auch in Shame spielt sie mit. Zufall? Was hat sie verbrochen? 
  • Kein Ryan Gosling, kein Michael Fassbender. Zwei ganz herausragende, junge, talentierte Schauspieler. Schließt sich gleich an den Nichberücksichtigungen von Drive und Shame an. Gosling hätte aber selbst wegen Crazy, Stupid, Love oder mindestens The Ides of March ein Kandidat sein müssen.
  • Keine Nominierungen für Carnage (Roman Polanski's fault?), keine Nominierungen für The Adventures of Tintin. Mmh. In meinen Augen auch sehr zweifelhaft. 
  • Andy Serkis hatte noch irgendwo unterkommen können, im Vorfeld wurde ein wenig über seine Arbeit bei Prevolution gemunkelt. Am Ende kam nichts bei herum.
  • Interessiert mich eigentlich überhaupt nicht, aber vollständigkeitshalber: Tja, Fanboys, kein Harry Potter in den großen Kategorien. Wer hat denn das wirklich für möglich gehalten? Tröstet euch mit den Nominierungen für beste Visual Effects (sieh an), bestes Make-Up und Art Direction. 

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So weit, so gut. Die Academy wird sich auf jeden Fall noch einiges anhören lassen müssen. Die größten Überraschungen waren wohl eher negativer Natur, ansonsten bestätigen sich die Trends der Golden Globes. Am 26. Februar ist es dann soweit. Vorher werden noch am 12. Februar die BAFTA Film Awards verliehen, mal abwarten, wie hier die Ergebnisse ausfallen werden. Kurz vor der Oscarverleihung kommt wie bereits weiter oben angekündigt ein Artikel mit Prognosen und Wunschvorstellungen meinerseits. Bis dahin.

Montag, 16. Januar 2012

Golden Globe Awards 2012

Die Golden Globes haben sich in den letzten Jahren wirklich gemausert, für manch einen haben sie die Oscars in Sachen Unterhaltungswert längst überholt. Das wurde insbesondere im vorangegangenen Jahr deutlich, als der grandiose Ricky Gervais mit einer eher unkonventionellen und überaus amüsanten Leitung der Globes für Furore sorgte und wenige Wochen später Anne Hathaway (welche noch die Bessere war) und James Franco die Oscarverleihung 2011 in den Augen vieler gegen die Wand fuhren. Die Golden Globes sind über die Zeit unterhaltsamer, abwechslungsreicher und weitaus lockerer als die Oscars (Hugh Jackman bei den Oscars 2009 mal ausgenommen, das war klasse) geworden, was nicht nur daran liegt, dass auch Awards für TV-Serien und ihre Darsteller vergeben werden.

Dieses Jahr wurde Ricky Gervais erneut die Ehre zu Teil (er selbst würde es wohl kaum als Ehre bezeichnen), die Golden Globe Awards 2012 zu moderieren. Jubelstürme brachen aus, denn im Vorjahr lieferte Gervais wirklich eine hervorragende Show ab. Und auch dieses Jahr legte er wieder ordentlich los und war sich nicht zu Schade dafür die Hollywood Foreign Press Association (für die Globes verantwortlich), NBC oder die versammelte Belegschaft durch den Kakao zu ziehen. Die Pointen saßen, Rücksicht wurde keine genommen, die F-Bombe ist hochgegangen, ich habe mich köstlich amüsiert. Sein Einstiegsmonolog sei an dieser Stelle nocheinmal verlinkt.


ABER, irgendwie haben sie den Gervais für meinen Geschmack etwas ausgebremst. Der Einstieg war glänzend, danach wurde er ein klein wenig gezügelt. Zwar machten die jeweiligen Laudatoren einen grundsoliden Eindruck, (Seth Rogen hatte mit einer "massive erection" zu kämpfen, bekam es dann aber doch noch irgendwie hin) der Ricky Gervais vom letzten Jahr war es jedoch nicht ganz. Man hatte den Host wohl mit Absicht etwas mehr zurückgehalten. Ganz spurlos scheinen die Golden Globes im Jahr zuvor doch nicht an der Hollywood Foreign Press Association vorbeigegangen zu sein, obwohl gerade dadurch ordentlich Publicity gemacht werden konnte. Aber Ricky Gervais wäre nicht Ricky Gervais, wenn er sich nicht trotzdem ständig im Grenzbereich bzw. hart am Limit bewegen würde. Und die Unterschiede zwischen den Globes 2011 und den diesjährigen waren insgesamt allen in allen nicht allzu groß und wenn überhaupt minimal. So war es bezüglich des Unterhaltungsfaktors erneut eine sehr gute Verleihung.

Zum Bereich Film:

Die Erkenntnis der Globes: The Artist und The Descendants gingen als Gewinner der Veranstaltung hervor und sind wohl somit auch große Kandidaten im Rennen um die Oscars. The Artist holte sich gleich drei Globes, bester Film Komödie/Musical, bester Hauptdarsteller Komödie/Musical mit dem charmanten Franzosen Jean Dujardin und die beste Filmmusik. Ein Stummfilm sorgt heutzutage eben für reichlich Wirbel und avanciert so schnell zum Kritikerliebling. Ich freue mich auch schon sehr auf den Kinobesuch, am 26. Januar ist deutschlandweiter Kinostart. George Clooney (der sich wunderbar mit Brad Pitt die Bälle zu spielte) heimste den Golden Globe für den besten Darsteller in einem Drama ab, The Descendants wurde außerdem noch zum besten Film im Bereich Drama gekürt. Eine weitere Empfehlung, The Descendants läuft ebenfalls am 26. Januar 2012 an.


Altmeister Martin Scorsese wurde für Hugo Cabret mit der besten Regiearbeit ausgezeichnet, auch hier darf man sich wohl auf einen wunderschönen Tribut an das Kino per se samt Verbeugung freuen, die Kritiker sind voll des Lobes, ab 09. Februar im Kino. Meryl Streep bekam den Globe für ihre Darbietung als Margaret "The Iron Lady" Thatcher, ich hätte mich für Rooney Mara sehr gefreut, aber Streep kann man ihre Klasse schwer übel nehmen, auch wenn The Iron Lady eher durchschnittlich aufgenommen wurde. In Deutschland erst post-Oscars ab 01. März zu sehen. Es war eine bunte Mischung, bis auf Clooney's Ides of March, Moneyball mit Brad Pitt und David Fincher's Girl with the Dragon Tattoo konnte sich jeder der vorher auserkorenen Favoriten einen Golden Globe sichern. Woody Allen war nicht anwesend und bekam trotzdem für sein Midnight in Paris die Auszeichnung für das beste Drehbuch. Genehmigt. Octavia Spencer (The Help) und Michelle Williams (My Week with Marylin) bekamen den Preis für die beste Nebendarstellerin im Bereich Drama bzw. die beste Hauptdarstellerin in einer Komödie/Musical. Steven Spielberg schaute mit War Horse vorerst in die Röhre, durfte sich dann aber doch noch über den Globe für The Adventures of Tintin freuen. Das fand ich sehr gut, auch für mich vor Rango der beste Animationsfilm des Jahres. Schauspiel-Veteran Christopher Plummer holte sich seinen verdienten Preis für seine Nebenrolle in Beginners ab und der iranische Film A Seperation, über den ich auch nur gutes gehört habe, wurde als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Ach ja, Madonna bekam auch irgendein Preis, but who cares?

Insgesamt gab es wenig Überraschungen, die Auswahl war buntgemischt und qualitativ stark. The Artist und The Descendants stehen wohl auch für die Oscars hoch im Kurs. Dahinter kann alles passieren. Man darf gespannt sein.

Kurz zum Bereich Serie:

Hier hatte ich jetzt nicht wirklich den ganz großen Überblick. Gefreut habe ich mich für Peter Dinklage und Idris Elba. Ersterer wurde für seine ausgezeichnete Darbietung in HBO'S Game of Thrones in der Rolle des Tyrion Lannister (Imp!) geehrt und das völlig verdient. Idris Elba bekam den Globe als bester Hauptdarsteller in einer Mini-Serie für Luther. Auch sehr gut, in Luther sollte man mal allein wegen Idris Elba reingeschaut haben. Zooey Deschanel und ihre neue Serie New Girl sind leider leer ausgegangen, auch wenn es wirklich ein erfrischend komisches Format ist. Gegen das grandiose Modern Family hat man es eben Jahr für Jahr immer wieder sehr schwer. Homeland stach Serien wie das fabelhafte Boardwalk Empire oder Game of Thrones aus und sicherte sich den Golden Globe für die beste Serie in Bereich Drama. Auch in Homeland sollte man mal reinschauen, ich werd's die nächsten Wochen mal versuchen in Angriff zu nehmen und dann berichten. Und Bryan Cranston (Breaking Bad) und Steve Buscemi (Boardwalk Empire) mussten sich letztendlich Kelsey Grammer (Boss, ehemals Frasier) in Sachen bester Serien-Hauptdarsteller Drama geschlagen geben.

Morgan "God of Voices" Freeman wurde dann obendrein noch der Cecil B. DeMille Award für sein Lebenswerk überreicht. Ein wunderbarer Schauspieler, der auch zu meinen persönlichen Favoriten zählt.


Gut acht Wochen und die Oscarverleihung 2012 steht auf dem Plan. Eddie Murphy und Brett Ratner sind nach etwas Hickhack und desletzteren homophoben Äußerungen nicht mehr dabei, Billy Crystal springt dafür (bereits zum neunten Mal) in die Bresche. Doch bis dahin wird noch einiges an Zeit vergehen und ich werde mir einige Filme ansehen, denn wieder einmal haben die Golden Globes als Oscar-Preview ihren Soll erfüllt (es ist doch so...) und mich in vielen Fällen sehr neugierig gemacht.


PS: Was war mit Ryan Gosling? Was war mit Drive? Gerade Drive, jener Film, welcher dermaßen abgefeiert wird. Freitag bin ich in der Vorpremiere, es folgt eine Kritk und vielleicht eine Antwort (aber wohl eher ein lauter Aufruf des Entsetzens, warum dieser Film nicht nominiert wurde) auf diese Fragen.