Dienstag, 8. April 2014

A Letter of Ice and Fire to the Unsung Heroes and Anti-Heroes of Westeros #1

Da ist es. A Letter of Ice and Fire to the Unsung Heroes and Anti-Heroes of Westeros. Hätte man sich ja denken können. Hier werde ich mich von nun an im wöchentlichen Rhythmus den mehr oder minder unbedeutenden Nebenfiguren des gewaltigen Game of Thrones-Universums widmen. Und zwar in Form eines liebevollen Briefes, der in Euch vielleicht noch einmal die eine oder andere Erinnerung wecken wird. Die wichtigsten Charaktere der Show kriegen ja an anderer Stelle ihr Fett weg, hier dominiert der Bodensatz von King's Landing, hundsgemeine Bastarde, stille Helden und lässige Springinsfelde, welche den Arrivierten gerne mal die Schau stehlen. Trottel, Huren, Trunkenbolde, Fahnenschwinger, die einfachsten Lakaien, in A Letter of Ice and Fire to the Unsung Heroes and Anti-Heroes of Westeros kann jeder glänzen. Oder eben auch auf den Deckel bekommen. Wie zum Beispiel in dieser ersten Ausgabe zur ersten Episode der vierten Staffel von Game of Thrones, namentlich Two Swords. Heute mit: Janos Slynt. "Janos wer?", werdet Ihr Euch vielleicht jetzt fragen (oder auch nicht). Lasst mich Euch auf die Sprünge helfen.

(Es folgt eine obligatorische Spoilerwarnung. Ich bin zwar mit den Büchern der A Song of Ice and Fire-Reihe vertraut, werde aber nur auf die Handlung der TV-Serie Bezug nehmen. Dadurch können sich natürlich trotzdem einige Spoiler einschleichen, vor allem zu der jeweiligen Episode der vierten Staffel von Game of Thrones.)

ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!


Lieber Janos Slynt,

Du bist weitgekommen. Wirklich. Wenn man bedenkt, dass du einst der Oberbefehlshaber der Stadtwache von King's Landing gewesen bist und du dich jetzt im brutalen Norden an der Wall in einer führenden Position innerhalb der Night's Watch wiederfindest, ist das schon eine beachtliche Entwicklung, die du durchgemacht hast. Oder besser: Durchmachen musstest.

Viele erinnern sich eher ungern an dich zurück. Du warst mir von Anfang an suspekt, als du ohne zu zögern jeden Befehl von Queen Cersei oder auch Littlefinger ausführtest. Die richtige Art der Bezahlung bestimmte dein Handeln, für die Gunst der Königsfamilie hast du die furchtbarsten Dinge getan. Was ist mit Eddard Stark, der doch tatsächlich dachte, dass er auf dich und deine Gold Cloaks zählen könnte, und welchen du dann doch hinterhältig betrogen hast? Seine Männer wurden abgeschlachtet, der ehemalige Warden of the North in ein dunkles Verließ geschmissen und später zu Unrecht enthauptet, während du entspannt in deiner Nase bohrtest.

Oder King Roberts Bastardkinder, deren Auslöschung du und deine Soldaten übernahmen. Befehle hin, Befehle her, wie kann man so etwas mit seinem Gewissen vereinbaren? Ein Neugeborenes vor den Augen seiner Mutter abstechen, als wäre es das Einfachste der Welt. Janos, was sollen wir nur mit dir machen?

Doch dein Plan ging auf. Loyal sei er, der Janos Slynt. Der Krone treu ergeben. Deine Belohnung folgte auf dem Fuße, denn so durftest du dein eigenes Haus proklamieren, House Slynt, mit dir an seiner Spitze. Ein tolles Gefühl, oder? Und natürlich, die malerische Ruine Harrenhal ging ja auch noch in deinen Besitz über. Du Glückspilz. Ein verfluchtes Wrack von einem Schloss, mittendrin im Krieg der fünf Könige, unerreichbar für dich loyalen Diener der Krone. Aber was man hat, das hat man, nicht wahr? Wer bekommt vom König von Westeros schon einen Titel und ein altehrwürdigen Sitz geschenkt?

Aber die Rechnung kommt immer zum Schluss, lieber Janos. Von dem guten Tyrion in Rage gebracht hast du ihn, wie viele andere zuvor auch schon, als Gnom bezeichnet. Doch dieser Imp, zum Zeitpunkt des Gesprächs zwischen dir und ihm noch Hand of the King, durchschaute dich schnell und sprach wahre Worte. Janos Slynt und Ehre? Das passe genauso gut zusammen wie Robert Baratheon und ein Leben in absoluter Abstinenz von Wein und leichten Dirnen.

"Schaut mich an, ich bin Janos Slynt, Oberhaupt des Hauses Slynt! Du kannst mir nichts, du kleiner Wicht!" Anscheinend doch, denn du, lieber Janos, bist doch nur eine von vielen austauschbaren Variablen in dieser schnelllebigen Welt. Wie wäre es mit einem Szenenwechsel? Das täte dir doch sicherlich gut. Harrenhal? Das übernimmt Littlefinger, denn du wirst an der Wall und im Dienst der Night's Watch sicherlich keine Verwendung mehr dafür haben. Ja genau, die Night's Watch. Dort führt dich deine neue Aufgabe hin. Und weil wir gnädig sind, bekommst du dort sogar einen Posten von Format, als Handlanger von Ser Alliser Thorne, obwohl wir uns eigentlich ziemlich sicher sind, dass du diese Position nicht verdient hast. Aber bevor sich der König echauffiert, lassen wir dir zumindest diesen kleinen Wermutstropfen.

Und da sitzt du nun neben dem grantigen Ser Alliser Thorne und dem fragilen, aber weisen Maester Aemon. Du hälst dich immer noch für ein hohes Tier, du, der mit dafür verantwortlich war, den "Verräter" Eddard Stark zur Strecke zu bringen. Jetzt thronst du an dieser hölzernen Tafel und urteilst über Jon Snow, den Bastardsohn von Eddard Stark. Und Du machst dich ein wenig lächerlich. You know nothing Janos Slynt. Riesen? Da lacht er nur. Ein unsicherer Blick in Richtung Thorne und dem Maester und sein ungläubiges, abschätziges Grunzen verstummt sofort. Janos, du hast ja keine Vorstellung, wo du hier gelandet bist. Wo dich deine Reise hinführen wird? Ehrlich zugegeben, den meisten ist es wohl egal, warum sollten wir auch unsere Gedanken an dich verschwenden. Wie bereits geschrieben, lieber Janos, die Rechnung kommt immer zum Schluss. Und vielleicht hast du gerade erst damit angefangen, diese zu bezahlen.

Hals- und Beinbruch, werter ehemaliger Lord Janos Slynt, Herr des berühmt-berüchtigten Haus Slynts mit vormaligen Sitz in Harrenhal. Es mag zwar sehr kalt an der Wall sein, doch wenn einer an diesen erbarmungslosen Ort gehört, dann du, lieber Janos.

Nur das Beste,
Dein Felix.
Ser Janos Slynt. Ein feiner Kerl.
(c) HBO

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Die vierte Staffel von Game of Thrones läuft seit dem 6. April immer sonntags auf HBO. Die Artikelreihe A Letter of Ice and Fire to the Unsung Heroes and Anti-Heroes of Westeros begleitet die Ausstrahlung der vierten Staffel von Game of Thrones, neue Ausgaben dazu erscheinen hier auf bommebastisch.blogspot.com immer wöchentlich wenige Tage nach der Ausstrahlung der aktuellen Episode. Kritik, Anregungen und Kommentare sind selbstredend erwünscht.

Mittwoch, 2. April 2014

Auf mich ist Verlass + etwas Neues

Auf mich ist Verlass. Schon immer gewesen. Naja, nicht immer. Zum Beispiel hier auf diesem kleinen Blog. In mehr unregelmäßigen als regelmäßigen Abständen benutze ich diese Plattform hier, um mich mitzuteilen. Jetzt war hier eine ganze Weile lang nicht wirklich viel los, wofür es (wie immer) viele Gründe gibt, die an dieser Stelle keine Rolle spielen sollen. Ich hasse übrigens diese Art von Blogbeiträgen, in denen man sich erklärt und darauf hinweist, dass auf dem jeweiligen Blog eine ganze Weile nicht wirklich viel losgewesen ist.

Nachdem ich wöchentlich die erste Hälfte der finalen fünften Staffel von Breaking Bad hier rezensierte und dann hochmotiviert die zweite Hälfte eben jener finalen fünften Staffel ins Visier genommen hatte, habe ich dann kurz vor dem Ende von Breaking Bad die Segel gestrichen. Im Nachhinein war das ziemlich doof von mir und deswegen ist eine Entschuldigung angebracht an all diejenigen, welche hier mitgelesen hatten und die ich vielleicht enttäuscht habe. Generell habe ich das Blog sehr vernachlässigt, wie mir gerade auffällt. Diese sprunghafte "Jetzt mache ich wieder was für drei Monate, dann lass ich das Ding für ein dreiviertel Jahr lang ruhen."-Mentalität gefällt mir selbst nicht. Zum bazillionsten Male Besserung zu loben wäre jedoch auch Quatsch. Ihr kennt mich. Oder auch nicht.

Genug der Heucheleien, welche gesagt werden mussten und ich in Wirklichkeit eh nicht ernst meine. (Natürlich meine ich sie ernst, ich möchte nur cool wirken.) Zum eigentlich Anliegen der Blog-Wiederbelebung. Ich hatte vor kurzem mal wieder eine Idee, und diese Idee gefiel mir persönlich so gut, dass ich sie gerne mit dem Internet teilen möchte.

Ich weiß nicht, ob Ihr es mitbekommen habt (bestimmt nicht), doch diese Woche Sonntag startet ja die vierte Staffel von Game of Thrones. Ich möchte dazu keine Reviews und Rezensionen schreiben, denn davon gibt es im Internet genug bzw. wird es demnächst sicherlich wieder mehr als genug zu finden geben.

Ich habe mir eine andere Sache überlegt, eine unbedeutende Kleinigkeit, die dem einen oder anderen vielleicht ein wenig Spaß machen könnte. Die neue Artikelreihe, welche sich hier auf bommebastisch.blogspot.de der vierten Staffel von Game of Thrones widmen wird, trägt das äußerst knackige Kürzel ALoIaFttUHaAHoW. Was sich dahinter verbirgt? Tja, ich werde den Teufel tun und Euch das jetzt an dieser Stelle verraten. Wer will, kann ja raten. So viele verschiedene Möglichkeiten gibt es ja nicht.

Der erste Beitrag zu dem Themenkomplex ALoIaFttUHaAHoW kommt dann nach dem 6. April und der Ausstrahlung der ersten Folge der vierten Staffel von Game of Thrones. Da ich mich bis Dienstag noch im Urlaub befinde, kann es passieren, dass die erste Ausgabe von ALoIaFttUHaAHoW erst am Mittwoch erscheint. Und weil ALoIaFttUHaAHoW so schön von der Hand geht, schreibe ich es glatt noch einmal: ALoIaFttUHaAHoW.

Kreative Einfälle, was sich hinter ALoIaFttUHaAHoW verstecken könnte bitte in den Kommentarbereich. Ansonsten liest man sich in gut einer Woche. Haltet mir die Treue.

Euer continuity mastermind Felix.

Donnerstag, 7. November 2013

TV-Mini-Serie: Top of the Lake


Die neuseeländische TV-Miniserie Top of the Lake feierte nicht nur auf diversen Film-Festivals dieses Jahres ihre große Premiere, darunter das Sundance Film Festival und die Berlinale 2013, auch die internationale TV-Ausstrahlung der siebenteiligen (bzw. sechsteiligen) Kriminal-Serie konnte viel Kritikerlob einheimsen. Zu Recht, denn schaffen es Serienschöpfer Jane Campion und Gerard Lee nicht nur eine spannende und geheimnisvolle Geschichte zu erzählen, ihnen gelingt es auch einen packenden Mikrokosmos rund um das kleine neuseeländische Städtchen Laketop und seine Bewohner zu kreieren, welcher wiederum nur einer von vielen Gründen ist, warum sich Top of the Lake von den altbekannten Serien-Einheitsbrei klar abhebt.

In Top of the Lake dreht sich anfangs alles um das 12jährige Mädchen Tui, von dessen Selbstmordversuch wir bereits in der ersten Episode des Formats Zeuge werden. Nach der Rettung des äußerst stillen und verschlossenen Mädchens wird die Polizeibeamtin Robin Wright (Elisabeth Moss, Mad Men) zu Rate gezogen, welche eigentlich in Sydney tätig ist und nur in ihre Heimatstadt Laketop zurückgekehrt ist, um bei ihren schwerkranken Mutter zu sein. Wright ist Expertin im Umgang mit traumatisierten Kindern, welche Opfer von Gewalt wurden, und sogleich beginnt sie auch die Ermittlung bezüglich Tui und dem Geheimnis, welches diese umgibt, denn wie sich herausstellt ist die junge Tui bereits im fünften Monat schwanger. Wright vermutet das Schlimmste. Bei ihren Nachforschungen muss sie sich nicht nur mit dubiosen Arbeitskollegen, darunter auch dem örtlichen Polizeichef Al Parker (David Wenham), sowie dem Vater von Tui und heimlichen Strippenzieher illegaler Geschäfte in Laketop Matt Mitcham (Peter Mullan) herumschlagen, sie taucht auch in eine Welt ein, welcher sie bereits vor langer Zeit den Rücken gekehrt hatte und eigentlich nie wieder betreten wollte… 

Eine der großen Stärken von Top of the Lake ist ohne Frage das unverbrauchte Setting. Jane Campion und Gerard Lee entführen den Zuschauer in eine für ihn relativ unbekannte Welt, fernab bekannter amerikanischer Großstädte, die in den letzten Jahren immer wieder als Schauplätze für TV-Serien herhalten mussten. In Top of the Lake wird einem die Natürlichkeit Neuseelands von ihrer schönsten Seite gezeigt, lange Helikopteraufnahmen fangen die Unberührtheit als auch Zurückgezogenheit des Terrains großartig ein, und mehr als nur einmal fühlt man sich an die wunderschönen Aufnahmen Peter Jackson aus seiner The Lord of the Rings-Trilogie erinnert. Darüber hinaus arbeitet Top of the Lake mit einer sehr kühlen Bildsprache, welche passend zum Thema der Miniserie die oft sehr unangenehme und geheimnisvolle Atmosphäre der Serie untermauert und visuell in jeder Hinsicht zu überzeugen weiß.

Betrachtet man den dramaturgischen Aspekt von Top of the Lake, wird auch hier schnell auffällig, dass sich Serienmacher an einer sehr ruhigen und oft behäbig wirkenden Erzählweise orientiert haben. Dies passt natürlich ins Gesamtkonzept, doch wäre es auch nicht verwunderlich, wenn der eine oder andere Zuschauer seine Probleme mit dem schleichenden Erzähltempo hätte. Top of the Lake nimmt sich all die Zeit, die die Serie braucht, und dabei wird nicht nur der Hauptfall rund um das kleine Mädchen Tui vorangetrieben, sondern auch ein genauer Blick auf die Protagonistin Robin Wright geworfen. Campion und Lee gehen sogar so weit, dass sie die eigentliche Hauptgeschichte auf der Hälfte der Strecke vernachlässigen und sich voll und ganz Wright und ihrer Hintergrundgeschichte widmen. Das mag auf den ersten Blick ein wenig befremdlich wirken, doch gelingt es den Autoren auch auf starke und eindringliche Weise, die verschieden Handlungsstränge zu verbinden, für den Zuschauer frei interpretierbare Metaphern und Analogien bereitzustellen, als auch mit so mancher schockierender Enthüllung aufzuwarten, welche durch Mark und Bein gehen und einen gespannt die Handlung weiterverfolgen lassen.

Mit verantwortlich dafür sind natürlich auch die einzelnen Darsteller in Top of the Lake, wobei Hauptdarstellerin Elisabeth Moss wohl am meisten auftrumpfen kann. Moss gehört spätestens seit ihrer Rolle der Peggy Olson in Mad Men zu den talentiertesten Schauspielerinnen im Serien-Geschäft, und auch in Top of the Lake liefert sie eine teilweise überragende Leistung ab. Für Moss scheint es wie ein Kinderspiel, die Zielstrebigkeit als auch Unsicherheit ihrer Figur wiederzugeben. Mit jeder weiteren Entwicklung, die ihr Charakter durchmacht, entwickelt auch Moss ihr Schauspiel weiter, sodass wir als Zuschauer nicht nur vollends von der Stärke Robin Wrights, sondern auch von ihrer Verletzlichkeit überzeugt sind. So verwundert es auch keinesfalls, dass Moss für ihre Darbietung in Top of the Lake eine Nominierung für den diesjährigen Emmy-Award im Bereich der besten weiblichen Hauptdarstellerin erhalten hat. Doch auch die Nebendarsteller wissen zu überzeugen. Das schließt nicht nur die junge Jacquelin Joe in der Rolle der Tui ein, sondern zum Beispiel auch Peter Mullan, welcher sich ebenfalls über eine Emmy-Award-Nominierung für den besten männlichen Nebendarsteller freuen durfte. Mullan verkörpert Tuis Vater Matt Mitchum, dessen psychopathischen Ausbrüche und unheimlichen Charakterzüge der schottische Schauspieler Mullan gekonnt wiedergibt. Ebenso nachhaltig kann sich der in Australien geborenen David Wenham, bekannt aus The Lord of the Rings oder 300, präsentieren. Seine Figur des Polizeichefs Al Parker umgibt wie fast jeden in Laketop etwas Geheimnisvolles. So richtig trauen möchte man ihm nicht, und doch fügt Wenham seinem Charakter einen gewissen Charme zu, welcher es selbst Hauptfigur Robin Wright schwer macht, ihn richtig einzuschätzen.

Natürlich ist in Top of the Lake nicht alles Gold was glänzt. So dreht sich die komplizierteste Nebengeschichte in Top of the Lake um eine Gruppe von Frauen, welche in der Nähe von Laketop an einem Ort namens Paradise ihr Lager aufgeschlagen haben. Diese Frauen werden von der bis zur Unkenntlichkeit mit Make-Up und Prosthetics bearbeiteten Holly Hunter angeführt und befinden sich augenscheinlich auf einem spirituellen Trip, der sie von all dem lösen soll, was sie in ihrem bisherigen Leben belastet und runtergezogen hat. Immer wieder kehren wir zu dieser Gruppe von Frauen zurück, immer wieder treffen die einzelnen Charaktere auf diese etwas seltsam anmutende Gesellschaft. Campion und Lee lassen dem Zuschauer hinsichtlich dieses Elements ihrer Serie viel Freiraum zur Interpretation, immer wieder ertappt man sich bei dem Versuch, diesen Aspekt mit dem Gesamtkonstrukt von Top of the Lake in Verbindung zu setzen. Doch ist dies oft weitaus schwerer als man denken würde, unter anderem aufgrund sehr doppeldeutiger und kryptischer Dialoge. Dies kann wiederum abschrecken und verwirrend sein, doch entpuppt es sich auch als ein sehr einzigartiges und oft äußerst tiefsinniges Charakteristikum von Top of the Lake.

So bleibt am Ende nur noch zu sagen, dass die Neuseeländerin Jane Campion und der Australier Gerard Lee mit Top of the Lake vor allen Dingen etwas sehr Eigenes geschaffen haben. Die Szenerie, die Charaktere, der gelegentlich schwer verständliche neuseeländische Akzent, dass alles und viel mehr trägt zu der Einzigartigkeit von Top of the Lake bei. Es ist ein ruhiges, unspektakuläres Format, das den Zuschauer Folge für Folge immer mehr in seinen Bann zieht. Man taucht tief in die Umgebung des Orts Laketop als auch in die Gedankenwelt der einzelnen Figuren, allen voran der von Elisabeth Moss’ Robin Wright, ein. Top of the Lake baut nicht auf Effekthascherei, es ist eine konsequente und bodenständige Serie, die genau in den richtigen Momenten das Tempo anzuziehen und den Zuschauer schwer verdauliche Überraschungen zu präsentieren weiß. Die Miniserie wird wahrscheinlich nicht als Meisterwerk in die Fernsehgeschichte eingehen, doch ist es ohne Frage ein sehr sehenswertes als auch originelles Format, welches nicht zu Unrecht in sechs bzw. acht (zählt man die Creative Arts Emmy Award dazu) Kategorien bei der diesjährigen Emmy-Verleihung im September nominiert wurde.  

(Und wer Lucy "Xena" Lawless wiedererkennt, bekommt ein Extra-Sternchen von mir.)

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Am 07. November zeigt der deutsch-französische Sender ARTE ab 20:15 Uhr die ersten drei Folgen von Top of the Lake, eine Woche später am 14. November folgen dann zur selben Zeit die restlichen drei Episoden. ARTE übernimmt hier dieselben Schnittfassungen, welche bereits im Juli bzw. August dieses Jahres von BBC Two in Großbritannien ausgestrahlt wurden. Die siebenteilige Fassung wurde in dieser Form z.B. auf dem Sundance Filmfestival gezeigt. Jedoch nehmen sich beide Fassungen inhaltlich nichts. 

Wenn ihr es euch anschaut, dann lasst mich doch bitte wissen, wie euch Top of the Lake gefallen hat. Eure Meinung, eure Kritik (auch an meinem Beitrag), euer Feedback bitte in den Kommentarbereich.

Trailer Top of the Lake