Die neuseeländische TV-Miniserie Top
of the Lake feierte nicht nur auf diversen Film-Festivals dieses Jahres
ihre große Premiere, darunter das Sundance Film Festival und die Berlinale
2013, auch die internationale TV-Ausstrahlung der siebenteiligen (bzw. sechsteiligen) Kriminal-Serie
konnte viel Kritikerlob einheimsen. Zu Recht, denn schaffen es Serienschöpfer
Jane Campion und Gerard Lee nicht nur eine spannende und geheimnisvolle
Geschichte zu erzählen, ihnen gelingt es auch einen packenden Mikrokosmos rund
um das kleine neuseeländische Städtchen Laketop und seine Bewohner zu kreieren,
welcher wiederum nur einer von vielen Gründen ist, warum sich Top of the Lake von den altbekannten
Serien-Einheitsbrei klar abhebt.
In Top of the Lake dreht sich anfangs alles um das 12jährige Mädchen
Tui, von dessen Selbstmordversuch wir bereits in der ersten Episode des Formats
Zeuge werden. Nach der Rettung des äußerst stillen und verschlossenen Mädchens
wird die Polizeibeamtin Robin Wright (Elisabeth Moss, Mad Men) zu Rate gezogen,
welche eigentlich in Sydney tätig ist und nur in ihre Heimatstadt Laketop
zurückgekehrt ist, um bei ihren schwerkranken Mutter zu sein. Wright ist
Expertin im Umgang mit traumatisierten Kindern, welche Opfer von Gewalt wurden,
und sogleich beginnt sie auch die Ermittlung bezüglich Tui und dem Geheimnis,
welches diese umgibt, denn wie sich herausstellt ist die junge Tui bereits im
fünften Monat schwanger. Wright vermutet das Schlimmste. Bei ihren
Nachforschungen muss sie sich nicht nur mit dubiosen Arbeitskollegen, darunter
auch dem örtlichen Polizeichef Al Parker (David Wenham), sowie dem Vater von
Tui und heimlichen Strippenzieher illegaler Geschäfte in Laketop Matt Mitcham
(Peter Mullan) herumschlagen, sie taucht auch in eine Welt ein, welcher sie
bereits vor langer Zeit den Rücken gekehrt hatte und eigentlich nie wieder
betreten wollte…
Eine der großen Stärken von Top of the Lake ist ohne Frage das
unverbrauchte Setting. Jane Campion und Gerard Lee entführen den Zuschauer in
eine für ihn relativ unbekannte Welt, fernab bekannter amerikanischer
Großstädte, die in den letzten Jahren immer wieder als Schauplätze für
TV-Serien herhalten mussten. In Top of
the Lake wird einem die Natürlichkeit Neuseelands von ihrer schönsten Seite
gezeigt, lange Helikopteraufnahmen fangen die Unberührtheit als auch
Zurückgezogenheit des Terrains großartig ein, und mehr als nur einmal fühlt man
sich an die wunderschönen Aufnahmen Peter Jackson aus seiner The Lord of the Rings-Trilogie erinnert.
Darüber hinaus arbeitet Top of the Lake
mit einer sehr kühlen Bildsprache, welche passend zum Thema der Miniserie die
oft sehr unangenehme und geheimnisvolle Atmosphäre der Serie untermauert und
visuell in jeder Hinsicht zu überzeugen weiß.
Betrachtet man den
dramaturgischen Aspekt von Top of the
Lake, wird auch hier schnell auffällig, dass sich Serienmacher an einer
sehr ruhigen und oft behäbig wirkenden Erzählweise orientiert haben. Dies passt
natürlich ins Gesamtkonzept, doch wäre es auch nicht verwunderlich, wenn der
eine oder andere Zuschauer seine Probleme mit dem schleichenden Erzähltempo
hätte. Top of the Lake nimmt sich all
die Zeit, die die Serie braucht, und dabei wird nicht nur der Hauptfall rund um
das kleine Mädchen Tui vorangetrieben, sondern auch ein genauer Blick auf die
Protagonistin Robin Wright geworfen. Campion und Lee gehen sogar so weit, dass
sie die eigentliche Hauptgeschichte auf der Hälfte der Strecke vernachlässigen
und sich voll und ganz Wright und ihrer Hintergrundgeschichte widmen. Das mag
auf den ersten Blick ein wenig befremdlich wirken, doch gelingt es den Autoren auch
auf starke und eindringliche Weise, die verschieden Handlungsstränge zu
verbinden, für den Zuschauer frei interpretierbare Metaphern und Analogien
bereitzustellen, als auch mit so mancher schockierender Enthüllung aufzuwarten,
welche durch Mark und Bein gehen und einen gespannt die Handlung
weiterverfolgen lassen.
Mit verantwortlich dafür sind
natürlich auch die einzelnen Darsteller in Top
of the Lake, wobei Hauptdarstellerin Elisabeth Moss wohl am meisten
auftrumpfen kann. Moss gehört spätestens seit ihrer Rolle der Peggy Olson in Mad Men zu den talentiertesten
Schauspielerinnen im Serien-Geschäft, und auch in Top of the Lake liefert sie eine teilweise überragende Leistung ab.
Für Moss scheint es wie ein Kinderspiel, die Zielstrebigkeit als auch
Unsicherheit ihrer Figur wiederzugeben. Mit jeder weiteren Entwicklung, die ihr
Charakter durchmacht, entwickelt auch Moss ihr Schauspiel weiter, sodass wir
als Zuschauer nicht nur vollends von der Stärke Robin Wrights, sondern auch von
ihrer Verletzlichkeit überzeugt sind. So verwundert es auch keinesfalls, dass
Moss für ihre Darbietung in Top of the
Lake eine Nominierung für den diesjährigen Emmy-Award im Bereich der besten
weiblichen Hauptdarstellerin erhalten hat. Doch auch die Nebendarsteller wissen
zu überzeugen. Das schließt nicht nur die junge Jacquelin Joe in der Rolle der
Tui ein, sondern zum Beispiel auch Peter Mullan, welcher sich ebenfalls über
eine Emmy-Award-Nominierung für den besten männlichen Nebendarsteller freuen
durfte. Mullan verkörpert Tuis Vater Matt Mitchum, dessen psychopathischen
Ausbrüche und unheimlichen Charakterzüge der schottische Schauspieler Mullan
gekonnt wiedergibt. Ebenso nachhaltig kann sich der in Australien geborenen
David Wenham, bekannt aus The Lord of the
Rings oder 300, präsentieren.
Seine Figur des Polizeichefs Al Parker umgibt wie fast jeden in Laketop etwas
Geheimnisvolles. So richtig trauen möchte man ihm nicht, und doch fügt Wenham
seinem Charakter einen gewissen Charme zu, welcher es selbst Hauptfigur Robin
Wright schwer macht, ihn richtig einzuschätzen.
Natürlich ist in Top of the Lake nicht alles Gold was
glänzt. So dreht sich die komplizierteste Nebengeschichte in Top of the Lake um eine Gruppe von
Frauen, welche in der Nähe von Laketop an einem Ort namens Paradise ihr Lager
aufgeschlagen haben. Diese Frauen werden von der bis zur Unkenntlichkeit mit
Make-Up und Prosthetics bearbeiteten Holly Hunter angeführt und befinden sich
augenscheinlich auf einem spirituellen Trip, der sie von all dem lösen soll,
was sie in ihrem bisherigen Leben belastet und runtergezogen hat. Immer wieder
kehren wir zu dieser Gruppe von Frauen zurück, immer wieder treffen die
einzelnen Charaktere auf diese etwas seltsam anmutende Gesellschaft. Campion
und Lee lassen dem Zuschauer hinsichtlich dieses Elements ihrer Serie viel
Freiraum zur Interpretation, immer wieder ertappt man sich bei dem Versuch,
diesen Aspekt mit dem Gesamtkonstrukt von Top
of the Lake in Verbindung zu setzen. Doch ist dies oft weitaus schwerer als
man denken würde, unter anderem aufgrund sehr doppeldeutiger und kryptischer
Dialoge. Dies kann wiederum abschrecken und verwirrend sein, doch entpuppt es sich
auch als ein sehr einzigartiges und oft äußerst tiefsinniges Charakteristikum
von Top of the Lake.
So bleibt am Ende nur noch zu
sagen, dass die Neuseeländerin Jane Campion und der Australier Gerard Lee mit Top of the Lake vor allen Dingen etwas
sehr Eigenes geschaffen haben. Die Szenerie, die Charaktere, der gelegentlich
schwer verständliche neuseeländische Akzent, dass alles und viel mehr trägt zu
der Einzigartigkeit von Top of the Lake
bei. Es ist ein ruhiges, unspektakuläres Format, das den Zuschauer Folge für
Folge immer mehr in seinen Bann zieht. Man taucht tief in die Umgebung des Orts
Laketop als auch in die Gedankenwelt der einzelnen Figuren, allen voran der von
Elisabeth Moss’ Robin Wright, ein. Top of
the Lake baut nicht auf Effekthascherei, es ist eine konsequente und
bodenständige Serie, die genau in den richtigen Momenten das Tempo anzuziehen
und den Zuschauer schwer verdauliche Überraschungen zu präsentieren weiß. Die
Miniserie wird wahrscheinlich nicht als Meisterwerk in die Fernsehgeschichte
eingehen, doch ist es ohne Frage ein sehr sehenswertes als auch originelles Format,
welches nicht zu Unrecht in sechs bzw. acht (zählt man die Creative Arts Emmy
Award dazu) Kategorien bei der diesjährigen Emmy-Verleihung im September
nominiert wurde.
(Und wer Lucy "Xena" Lawless wiedererkennt, bekommt ein Extra-Sternchen von mir.)
Am 07. November zeigt der deutsch-französische Sender ARTE ab 20:15 Uhr die ersten drei Folgen von Top of the Lake, eine Woche später am 14. November folgen dann zur selben Zeit die restlichen drei Episoden. ARTE übernimmt hier dieselben Schnittfassungen, welche bereits im Juli bzw. August dieses Jahres von BBC Two in Großbritannien ausgestrahlt wurden. Die siebenteilige Fassung wurde in dieser Form z.B. auf dem Sundance Filmfestival gezeigt. Jedoch nehmen sich beide Fassungen inhaltlich nichts.
Wenn ihr es euch anschaut, dann lasst mich doch bitte wissen, wie euch Top of the Lake gefallen hat. Eure Meinung, eure Kritik (auch an meinem Beitrag), euer Feedback bitte in den Kommentarbereich.
Es folgen etwas verspätet meine gesammelten und wie so oft äußerst
umfangreichen Gedanken zur 14. Episode der fünften Staffel von Breaking Bad, Ozymandias.
ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!
Opening
Nachdem wir letzte Woche in einem für Walt als auch den
Zuschauer äußerst ungünstigen Moment eingehalten haben, wartet die Eröffnung
von Ozymandias eher entspannt und gar ein wenig idyllisch auf. Wir befinden uns
nach wie vor in To’hajiilee und bekommen einen Rückblick zu sehen. Walt (Bryan
Cranston) und Jesse (Aaron Paul) sind ganz am Anfang ihrer Geschichte und
stellen in ihrem RV Crystal Meth her. Die (Arbeits)Beziehung zwischen den
beiden ist noch ziemlich frisch, Walt kleinlich wie eh und je, und Jesse so
vorlaut und frech wie wir ihn in den ersten Folgen von Breaking Bad kennen
gelernt hatten. Dennoch ist es für den Zuschauer ein interessanter Blick zurück
in die gute, alte Zeit. Dabei wurde nicht nur die Optik der ersten Folgen von
Breaking Bad gut eingefangen, auch die Szene an sich funktioniert als ein
wunderbarer Reminder, um es mal ganz neudeutsch auszudrücken. Man bekommt noch einmal vor Augen geführt, welch krasse
Entwicklung Breaking Bad und insbesondere Walter White genommen hat. Ein kurzes
Telefongespräch zwischen ihm und Skyler erinnert uns daran, dass er eigentlich
ein ganz liebenswerter Familienvater war, optimistisch, dass er seine schwere
Erkrankung besiegen kann, auch wenn er dafür illegale Geschäfte betreiben muss.
Etwas mehr als ein Jahr später hat er eine Entwicklung genommen, die er sich
wohl hätte nie vorstellen können.
Do what you got to do
Nach dem Opening setzen wir unmittelbar in der finalen Szene
der letzten Folge (To’hajiilee) ein. Dabei gibt es einen schönen Übergang
zwischen dieser und der vorangegangenen Szene, da wir uns praktisch an ein und
demselben Ort befinden, wo Jesse und Walt im Opening noch zum ersten Mal
gemeinsam Meth gekocht haben und wo sich nun der Showdown zwischen Walt, Hank und
Jack abspielt. Der Kugelhagel verstummt und langsam lichtet sich das Feld. Hank
(Dean Norris) ist am Bein getroffen, sein Blick geht auf seinen Kollegen und
guten Freund Gomez (Steven Michael Quezada), der nicht so glimpflich
davongekommen ist und leblos auf dem sandigen Wüstenboden liegt. Von Jesse ist
keine Spur, er scheint Reißaus genommen zu haben. Hank versucht noch mit
letzter Kraft Gomeys Schrottflinte zu erreichen, doch steht Jack (Michael
Bowen) schon parat und unterbricht diesen Versuch. Jack fackelt auch nicht
lange und will Hank sogleich von seinen Leiden erlösen, wäre da nicht Walt, der
auf der Rückbank des zerschossenen SUVs Deckung suchen musste und jetzt
hervorschnellt, um Jack davon abzuhalten, Hank hinzurichten. Walt glaubt daran,
dass er Hank irgendwie retten bzw. dass sein Schwager verschont werden kann. Er
bittet Jack eindringlich, Hank nicht zu töten und bietet ihm das Geld an,
welches hier in To’hajiilee unter der Erde versteckt liegt. 80 Millionen
US-Dollar. „That’s a hell of an offer.“ Da staunt selbst Jack nicht schlecht.
Und was hält Hank von diesem Angebot? „My name is ASAC Schrader. And you can go fuck yourself.“
Walt versucht, Hank zu beschwichtigen. Hier ist noch nichts
verloren, doch Hank ist sich längst bewusst, wie diese Situation enden wird. „You’re the smartest guy I ever met
and you’re too stupid to see. He [Jack] made up his mind ten minutes ago.“ (Hank
zu Walt) So einfach, wie sich Walt das vorstellt, geht es nicht, 80 Millionen
hin oder her. So blickt Hank Jack noch einmal fest ins Gesicht. „Do what you
got to do.“ Und Jack drückt ab, unmittelbar nachdem Hank diesen Satz von sich
gegeben hat. Walt. Stille. Walts Gesicht verzieht sich zu einer Grimasse des
Leidens, er bricht zusammen und schlägt auf dem Boden auf. Sein
Gesichtsausdruck hat fast etwas Gespenstisches. Hank ist tot. Und Walt hat
großen Anteil daran, er hat dieses Unheil über Hank und somit über seine gesamte Familie gebracht.
Bevor es weitergeht muss ich mich natürlich kurz zu diesem
Abschnitt im Speziellen äußern. Tja, das war’s. Ich und bestimmt auch viele
andere hatten nach den letzten Episoden etwas in diese Richtung erwartet, doch dachte
ich, dass man sich Hank wirklich bis zum Schluss aufhebt. Falsch gedacht. Weiterhin
ziehen Vince Gilligan und Co. konsequent ihr Ding durch. Und Walt ist machtloser
als je zuvor. Es gibt einfach keinen glorreichen, interfamiliären Zweikampf
zwischen Hank und Walt. Breaking Bad bleibt real, hart und verteilt gnadenlos
Schläge in die Magengrube. Und das gefällt mir sehr gut. Eure Eindrücke bitte
in den Kommentarbereich, wir hatten da letzte Woche schon eine ähnliche
Diskussion, die man anhand dieser Szene sicherlich noch einmal aufgreifen
könnte.
No hard feelings
Es findet zwar kein Szenenwechsel statt, doch teile ich
diese Sequenz lieber in zwei verschiedene Abschnitte. Walt liegt am Boden, vollständig geschockt. Jack wiederum zählt relativ schnell zwei
und zwei zusammen, er ist ja nicht auf den Kopf gefallen. Die Koordinaten, die
ihm Walt gab, sind doch schon ziemlich genau, also muss hier doch irgendetwas
versteckt liegen. Und nach einer kurzen Buddeleinlage stoßen Jack und seine
Mannen auch auf Walts Geldversteck. Walt liegt derweil nach wie vor regungslos
im Sand, das Gesicht grässlich verzogen. Nur Todd (Jesse Plemons) sieht man
etwas Mitleid für Walt an. Natürlich fragt man sich, was jetzt passieren könnte. Walt
verliert gerade alles, erst wird Hank vor seinen Augen umgebracht, jetzt wird
ihm sein Geld weggenommen, auch wenn ihm dies in diesem Moment nicht wirklich
beschäftigt, ist er doch mit seinen Gedanken bei Hank. Dank Todds Fürsprache
überlässt Jack Walt zumindest ein Fass mit Geld, und schlägt vor, die ganze
Sache einfach zu vergessen. Walt scheint sich langsam wieder zu sammeln und
schlägt ein.
Doch eine Sache wäre da noch: „Pinkman.“ (Walt) Walt
projeziert seine gesamte Wut nun auf Jesse, der Hank theoretisch ja an diesen
Ort geführt und eine Mitschuld trägt. Jack soll sich noch um Jesse kümmern.
Kein Problem, sagt Jack, sobald Walt Jesse auftreiben kann und gefunden hat,
kümmert er sich darum. „I found
him.“ (Walt) Die Kamera schwenkt auf Walts Wagen. Schon vorher gab es in
dieser Folge einen Moment, in dem Walt das Fahrzeug entschlossen mit seinen Augen fixierte. Jetzt wird deutlich warum. Unter dem Wagen versteckt sich nämlich Jesse. Der wird prompt
hervorgezogen und so scheint auch sein letztes Stündchen gezählt zu haben. Das
Verrückte daran ist, dass ich mir wirklich vorstelle, dass Jesse jetzt einfach
hingerichtet werden könnte, weil es den Machern von Breaking Bad schlicht und einfach zuzutrauen
wäre. Doch springt abermals Todd dazwischen. Er schlägt vor, dass man Jesse
erst einmal ausfragt, was er Hank denn erzählt hat, bevor man ihn um die Ecke
bringt. Jack ist damit einverstanden, und auch Walt nickt es ab, doch hat er
bevor Jesse abgeführt noch etwas zu sagen. „I watched Jane (Krysten Ritter, Staffel 2) die. I was there. I watched
her overdose and choked to death. I could have saved her. But I didn’t.”
(Walt zu Jesse) Walt drückt Jesse noch einmal richtig einen rein. So wie Jesse
Hank auf dem Gewissen hat (so sieht es zumindest Walt in diesem Moment), hat
auch Walt jemanden auf dem Gewissen, der Jesse sehr viel bedeutete. Jesse ist
wiederum von dieser Offenbarung äußerst hart getroffen und sackt kraftlos
zusammen. Jesse wird ihn ein Auto verfrachtet, Jack und Co. fahren ab und Walt
steht allein und zurückgelassen in der Wüste. Noch einmal gibt es den
bildhaften Verweis auf das Opening. Damals, heute, die Unterschiede könnten
nicht größer und dramatischer sein.
Times Are Gettin' Hard
Walt steigt in seinen Wagen ein und will diesen
verhängnisvollen Ort verlassen. Interessanterweise setzen jetzt auch erst die
Credits ein, man hat wohl ganz bewusst in den intensiven 20 Minuten zu Beginn
der Folge darauf verzichtet, die Namen der Darsteller einzublenden. Walt ist
ziemlich mitgenommen, er blickt noch einmal in den Rückspiegel, eine kleine
Referenz bezüglich der zehnten Episode der fünften Staffel, Buried, als er
auch in den Rückspiegel blickte und Hank dort stehen sah. Hier in To’hajiilee
liegt nun sein Schwager ver- bzw. begraben, in dem Loch, wo Walt in Buried noch sein
Geld versteckte. Walt macht sich auf den Weg, kommt aber nicht weit, ist der
Tank seines Fahrzeuges doch beschädigt. Also rollt er das Fass voller Geldbündel durch
die karge Wüstenlandschaft New Mexicos, dazu bekommen wir den melodisch eher leichten Song Take
My True Love By The Hand von The Limeliters zu hören, was erst ein wenig
unpassend und bizarr wirkt, aber nicht wirklich überraschend ist, kennt man
solche untypischen Einlagen doch nur zu gut von Breaking Bad. Walt kommt
schließlich an einer Hütte an, aus welcher ein indianischer Ureinwohner
Amerikas tritt. Walt möchte dessen Pick-Up erwerben und bekommt diesen auch
nachdem er ein fettes Bündel Geldscheine zückt. Mit dem Fass auf der Ladefläche
geht es nun erst einmal Richtung Albuquerque.
Tell him
Marie (Betsy Brandt) betritt die Waschanlage der Familie
White und wirkt äußerst erleichtert. Skyler (Anna Gunn) versucht derweil Walt
zu erreichen, aber ohne Erfolg. Marie erklärt ihr in einem Vier-Augen-Gespräch
auch sogleich, woran das liegt. Hank hat Walt nämlich festgenommen, der Spuk
ist endgültig vorbei. Es fühlt sich wie eine Art Siegesrunde von Marie an, auch
wenn das Gefühl von Euphorie eher durch Erleichterung ersetzt wird. Natürlich weiß sie nichts
von dem schrecklichen Schicksal ihres Gatten. Skyler wiederum sieht während des
gesamten Gesprächs sehr betroffen und aufgewühlt aus. Marie hofft, dass sich Skyler jetzt bessern
wird und die Vergangenheit hinter sich lassen kann. Sie kann auf jeden Fall mit
ihrer und Hanks Unterstützung rechnen. Doch es gibt Bedingungen. Zum einen muss
das Video, dass Walt und Skyler angefertigt hatten, um Hank zu schaden, samt
aller bestehenden Kopien vernichtet werden. Zum anderen muss Skyler Junior (RJ
Mitte) erzählen, wer sein Vater wirklich ist. Das kommt für Skyler nicht in
Frage, doch lässt Marie ihr keine andere Wahl. „You tell him or I will!“ (Marie
zu Skyler)
Let’s cook
Für Jesse sieht es nicht so gut aus. Er ist eingekerkert und
wurde ordentlich zu gerichtet. Die „Befragung“ durch Todd hat ihre Spuren
hinterlassen, körperlich als auch geistig. So ist Jesse auch sehr verängstigt,
als Todd ihn aus seinem Gefängnis holen will. Jesse hat anscheinend schon
längst gesungen, was wollen sie jetzt noch von ihm? Eigentlich gibt es da ja
nur noch eine Sache… Doch bleibt Jesse (vorerst?) am Leben und wird von Todd in die Lagerhalle geführt, in welcher
sich das Drogenlabor befindet. Er blickt sich um und wird sogleich von Todd wie
ein Hund (rabid dog?) an die Leine gelegt. Sein Blick wird auf ein Bild gelenkt,
das an einer dünnen Metallstange hängt. Da er sich relativ frei bewegen kann,
nähert er sich diesen Bild und erkennt darauf Andrea und Brock. Ein
Druckmittel. Jack hat ihn in der Hand, und sollte er nicht spuren, wird er
Andrea und Brock etwas antun. Todd tritt wieder in Erscheinung. „Let’s cook.“
(Todd zu Jesse) Jesse ist jetzt das Laboräffchen und ihm bleibt keine andere
Wahl, als zu gehorchen. Was in dieser Szene und gerade am Ende sehr auffällt
sind die beiden verschiedenen Gesichtshälften Jesses, welche irgendwie an das
unrühmliche Ende von Gustavo Fring (Giancarlo Esposito) erinnern, ob gewollt
oder nicht (sicherlich gewollt).
Liar
Zurück im Büro der Waschanlage erzählt Skyler in Anwesenheit
von Marie ihrem Sohn Junior von seinem Vater. Junior kann es nicht glauben und
ist sehr aufgebracht. Er ist kaum zu beruhigen und bezichtigt seine Mutter und
sein Tante, Lügnerinnen zu sein. Für Junior ist sein Vater ein aufrichtiger
Mensch, er hat ihn über die Jahre idealisiert, diese Geschichten über ihn
können nicht stimmen. Toll zu sehen, dass auch RJ Mitte ein guter Schauspieler
ist. Seine Auftritte sind ja eher reserviert und bestehen größtenteils daraus,
dass er Frühstück isst, doch hier bringt er seine Aufgebrachtheit sehr gut rüber.
Auch Skyler hat ihre Probleme, mit der Situation umzugehen und bricht in Tränen
aus. Junior stürmt aus dem Büro und Marie rät Skyler, mit ihm erst einmal nach Hause
zu fahren, er wird sich schon beruhigen.
We are family
Walt ist zu Hause angekommen und packt jetzt hektisch
Koffer, hier können er und seine Familie nicht bleiben. Zur gleichen Zeit
fahren Skyler und Junior (und Holly) vor. Junior ist logischerweise immer noch sehr aufgebracht. „If all this is
true and you knew about it, than you’re as bad as him.” (Junior zu
Skyler) Korrekt. Und das weiß auch Skyler selbst. Skyler bemerkt den Pick-Up in
der Einfahrt und prompt tritt auch Walt aus dem Haus heraus. Er hat es eilig
und will, dass Skyler und Junior schnellstmöglich ihre Sachen packen, sie
müssen weg von hier. Junior löchert seinen Vater mit Fragen, doch dieser
wimmelt ihn ab. Skyler ist verwundert, dass Walt hier ist, erzählte ihr doch
Marie, dass Hank ihn festgenommen hat. „Where is Hank?“ fragt sie ihn, Walt
versucht auszuweichen, hat aber selbst mit sich und seinen Emotionen zu
kämpfen. Man merkt Skyler schon eine gewisse Ahnung an. Wieder fragt sie ihn. „Where is Hank?“ Walt redet
auf Skyler ein, sie haben viel Geld, sie müssen einfach nur noch fort von hier und alles hinter sich lassen. Dann
spricht es Skyler aus. „You killed him. You killed Hank.“ Es folgt die totale Eskalation.
Während Walt sich Juniors unzähligen Fragen stellen muss,
bekommen wir eine verhängnisvolle Aufnahme zu sehen. Auf dem Küchentresen steht
sowohl ein Telefon als auch ein Messerblock, im Hintergrund nähert sich
Skyler langsam diesen beiden Gegenständen. Sie könnte die Polizei rufen, doch
greift sie nach einem Messer und schon im nächsten Moment stellt sich schützend
vor ihren Sohn und bedroht Walt mit der vorgehaltener Klinge. „Get out.“ Es reicht. Bis
hierhin und nicht weiter. Walt versucht sie zu beruhigen, doch wie aus dem
nichts greift Skyler an! Walt reißt die Hände hoch und bekommt einen
ordentlichen Schnitt an seiner rechten Hand verpasst. Jetzt eskaliert die
Situation endgültig. Walt und Skyler ergeben sich in ein wildes Getümmel, das
Küchenmesser mittendrin, während Junior versucht die Gemüter zu beruhigen. Doch gerade dieses Küchenmesser lässt mich einfach nicht
los, ich sehe vor meinem geistigen Auge schon Junior mit dem Messer im Bauch auf dem Teppichboden liegen
Walt gewinnt die Oberhand und drückt Skyler zu Boden, Junior
springt beherzt dazwischen und stellt sich schützend vor seine Mutter. „What the
hell is wrong with you! We are family!“ brüllt Walt Skyler entgegen. Ja aber, what the hell is wrong with
you Walt? Er hat komplett die Beherrschung verloren und hätte beinahe
vor den Augen Juniors Skyler wohlmöglich etwas Unverzeihliches angetan. Junior
greift zum Telefon und ruft die Polizei. Langsam realisiert Walt, was er getan
hat. Er schnappt sich Holly und flieht, Skyler rennt ihm hinterher und versucht
ihn aufzuhalten, jedoch ohne Erfolg. Walt biegt mit seinem Wagen um die Ecke,
Skyler sackt völlig aufgelöst auf der offenen Straße zusammen und so endet
dieser äußerst packende und dramatische Moment in Ozymandias, der einen etwas
fassungslos hinterlässt.
No mama
Walt hat erfolgreich die Flucht ergriffen und kümmert sich
erst einmal um Baby Holly, deren Windeln gewechselt werden müssen. Der kleinen
Holly kommen dann ein paar herzzerreißende Worte über die Lippen. „No mama.“ Walts
Blick sagt mehr als tausend Worte. Alles ist im Argen. So weit hat er es
getrieben, er ist praktisch für Hanks Tod verantwortlich und er hat seine Frau, die Mutter seiner Kinder angegriffen. Hier gibt es nichts mehr zu kitten. Der Tiefpunkt.
Do not cross me
Wieder zurück im White-Haus ist bereits die Polizei vor Ort,
ebenso wie Marie. Die stammelt ungläubig ein paar Dinge vor sich hin, man hat
ihr anscheinend von Hanks Tod erzählt. Das Telefon klingelt. Walt ist am
anderen Ende der Leitung und verlangt von Skyler, dass sie abhebt. Manch einer
würde eventuell mit einer Entschuldigung Walts rechnen, aber weit gefehlt. Er
rechtfertigt sich gegenüber Skyler, was arg seltsam anmutet. Er hatte sie
gewarnt, was passieren würde, wenn man ihm zu nahe kommen würde. Walt wirkt
sehr angefressen und redet Tacheles, harte Formulierung („You stupid bitch!“,
Walt zu Skyler) und Drohungen inbegriffen. Skyler erkennt, wie gefährlich Walt
gerade in diesem Moment ist, außerdem hat er ihre Tochter, also spielt sie mit.
Walt meint es todernst, so hört es sich zumindest für Skyler an. Könnte sie ihn
sehen, wusste sie, wie schwer es ihm fällt, diese Worte auszusprechen. Natürlich
kommen sie auf Hank zu sprechen, und es ist wie es ist, Hank ist tot. „You never gonna see Hank again. He
crossed me. You think about that. Family or no. You let that sink in.” (Walt
zu Skyler) Harte Worte, doch sehen wir auch, wie unglaublich schwer sich Walt
tut, diese Fassade aufrechtzuerhalten. Nicht nur Marie und Skyler haben Tränen
in den Augen, auch Walt selbst ist emotional sehr betroffen. Ein letztes Mal
bittet Skyler Walt, ihr Holly zurückzubringen und selbst nach Hause zu kommen. Mit
brüchiger Stimme antwortet er ihr: „I’ve still got things left to do.“ Dann
legt er auf. Unter Tränen zerstört er das Mobiltelefon und blickt in seinen
Wagen, wo sich Holly befindet. Er hat längst erkannt, dass er alles verloren hat.
Im Hintergrund sehen wir eine Feuerwehrwache. Die
Feuerwehrleute darin werden auf einmal aufmerksam, als in der Garage die
Signallichter eines Löschfahrzeugs aufleuchten. Ein Feuerwehrmann schaut sich
das etwas genauer an und findet im besagten Löschfahrzeug Holly sitzen, die von
Walt dort zurückgelassen wurde. Gut so Walt.
Interessant ist eventuell noch der Blick auf das Schachspiel
zwischen zwei Feuerwehrmännern, welches man kurz vorher zu sehen bekommt. Der
weiße König (My name is Ozymandias, king of kings...) wird hinter zwei weißen Bauern in Sicherheit gebracht, im
Hintergrund sieht man noch einen weißen Springer und mehrere schwarze
Spielfiguren. Ein schönes kleines und vor allem symbolträchtiges Detail. Es
sieht schlecht aus für den weißen König. Er scheint noch eine minimale Chance zu haben,
doch hat er eigentlich jede bedeutende Spielfigur verloren. Nur noch zwei Bauern
bleiben ihm und wer weiß, wie lange diese ihn noch schützen können.
Adios
Walt sitzt an derselben Stelle, wo wir in Jesse noch in
Confessions haben sitzen sehen. Offensichtlich ist Walt mit Saul in Kontakt
getreten und hat nun selbst den Kerl angeheuert, der Jesse aus Albuquerque
schaffen sollte. Mit ein paar Koffern und dem Plastikfass voller Geld steigt er in
den vorfahrenden Wagen. Ein kurzer Blick in den Seitenspiegel und weg ist er. Ein
herumstreunender Hund (rabid dog? #2) überquert die Straße. Das war Ozymandias.
Gesamteindruck
Hart und gnadenlos. Mit dem Tod Hanks hatte man ja irgendwie
gerechnet, ich auf jeden Fall, dass er jetzt „schon“ kam überraschte mich
ein wenig. Wenn man jedoch kurz überlegt dann verwundert es nicht wirklich. So
ist nun mal Breaking Bad. In Ozymandias gab es wirklich viel, was mir sehr gut
gefiel. Erstens, der endgültige Tiefpunkt Walter Whites, dieser gefühlt endgültige
Abschluss seiner Entwicklung. Auch die Familie ist im letztendlich komplett
entglitten, jetzt gibt es nur noch ihn. Zweitens, die Darsteller, obwohl das
eigentlich immer zutrifft. Bryan Cranston macht das fantastisch, aber auch Anna
Gunn gefiel mir außerordentlich gut. Generell muss man sagen, dass sehr viel mit
Nahaufnahmen gearbeitet und viel Augenmerk auf die Mimik der Darsteller gelegt
wurde. Wenn man dann noch Leute wie Cranston, Gunn, Dean Norris, Aaron Paul,
Betsy Brandt oder RJ Mitte hat, kann eigentlich nur etwas sehr gutes dabei
herumkommen, wie man ja dann auch schlussendlich sehen konnte. Rian Johnson, unter
anderem Regisseur vom sehr guten Looper und welcher bereits bei der für meinen Geschmack
wahnsinnig guten Folge Fly in der dritten Staffel (S03E10) und Fifty-One (S05E01) Regie führte, hat Ozymandias meiner Meinung nach ganz hervorragend inszeniert,
mit vielen kleinen Details und Verweisen, mit sehr ausführlichen und intensiven
Szenen und vor allem mit einer großartigen Eindringlichkeit. Sehr gut.
Wie geht’s nun weiter? Natürlich hat man Zauselbart-Walt und
sein Maschinengewehr aus der ersten Folge der fünften Staffel (Live Free or Die) im Hinterkopf. Zieht
sich Walt nun erst einmal zurück, um dann mit geballter Ladung
zurückzuschlagen? Und was ist mit Jesse? Ich bin sehr gespannt, was als
nächstes passieren wird. Zwei Folgen noch, Freunde. Aber erst einmal interessiere ich mich für eure
Meinung über Ozymandias. Wie hat’s euch gefallen, was hat euch überrascht, was
war in euren Augen nicht so gut? Was kommt jetzt auf uns zu? Vielleicht ein
kleiner Zeitsprung? Läuft Walt demnächst Amok, eventuell schon nächste Woche?
Eure Vermutungen, Ideen, Kritik und gerne auch Feedback in den
Kommentarbereich. Dicken Dank dafür und die Beteiligung in den letzten Wochen. So macht mir das hier doch gleich viel mehr Spaß.
Ja, nächste Woche. Da gibt es dieses Problem. Urlaub. Ein Woche lang. Ob die auf
Mallorca Internet haben? Da ich erst nächste Woche Samstag wieder im Lande bin,
verschiebt sich die Veröffentlichung der Rezension der nächsten Folge,
namentlich Granite State, ein wenig nach hinten. Tja. Das kommt davon, wenn man
in seiner Urlaubsplanung das Serienfinale von Breaking Bad nicht berücksichtigt. Aber ich liefer es nach, versprochen. Bis dahin.
Es folgen meine gesammelten und wie so oft äußerst
umfangreichen Gedanken zur 13. Episode der fünften Staffel von Breaking Bad,
To'hajiilee.
ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!
Opening
Wir steigen diese Woche mit Todd (Jesse Plemons), seinem
Onkel Jack (Michael Bowen) und Lydia (Laura Fraser) ein. Todd hat zusammen mit seinem Onkel die
Meth-Produktion neu angeleiert und Lydia macht sich nun einen eigenen Blick von
der Operation. Das Labor in einer alten Lagerhalle wird seinen Zweck erfüllen,
und Todd scheint ebenfalls etwas fähiger als Declans Schergen zuvor zu sein.
Doch hapert es nach wie vor an der Qualität der Ware. Zwar kann Todd den
prozentuale Reinheit der Droge erhöhen, doch befindet man sich immer noch ein
gutes Stück hinter der Qualität, die einst Heisenberg persönlich abgeliefert
hat. Hinzukommt, dass das Blue Sky nicht mehr blau, sondern farblos ist, was
sich auf dem Markt als Problem herausstellen könnte. (Lydia: „Blue is our brand.“) Doch
kann Jack Lydia abwimmeln, für ihn sieht die breiige Masse, aus der später das
Crystal Meth wird, sogar ein wenig blau aus. Man merkt Lydia ihre Ungewissheit
an, ihr scheint das neue Arbeitsverhältnis noch nicht ganz geheuer, deswegen
tastet sie sich erst einmal vorsichtig heran, auch mit dem Hintergedanken, zu
was Jack und Co. in der Lage sind (siehe Declan). Also bleibt erst einmal so, wie es
ist, wobei sich Todd gegenüber Lydia verständnisvoll gibt und ihr versichert,
dass er das Produkt verbessern kann und wird. Dabei merkt man Todd auch eine
gewisse Hingezogenheit zu Lydia an, welche dessen Gefühle aber in keinster
Weise erwidert. Auch Drogenköche empfinden Liebe, doch Todd bleibt nur der
Lippenstiftabdruck auf Lydias Tasse. Wie auch immer, nachdem Lydia die Szenerie
verlassen hat, klingelt auch sogleich Todds Telefon. Am anderen Ende der
Leitung: Mr. White (Bryan Cranston). Es ist dasselbe Gespräch wie am Ende der
letzten Folge Rabid Dog, Walter benötigt wieder einmal die Hilfe von Todds
Onkel Jack. „Just one target. Jesse Pinkman.“ (Walt) „You got it.“ (Todd) Damit
ist der verhängnisvolle Anruf getätigt und wir erwarten mit großer Spannung den
weiteren Verlauf dieser Episode.
Evidence
Nach dem missglückten Treffen zwischen Walt und Jesse (Aaron
Paul), ist die Stimmung bei Hank (Dean Norris) und Gomey (Steven Michael
Quezada) gehörig im Keller. Insbesondere letzterer ist ziemlich angefressen.
Doch hat Jesse einen neuen Plan, wie man an Walter herankommen könnte: Sein Geld.
Das ist sein Schwachpunkt, und wenn die drei auch nur irgendwie ihre Finger
daran bekommen könnten, dann besteht definitiv die Möglichkeit, Walt ein für
alle Mal dingfest zu machen. Also beginnen die Vorbereitungen, diesen Plan in
die Tat umzusetzen. Dafür verschmiert Hank zum Beispiel auch eine glibberige
Tierhirnmasse auf den Küchenboden seines Hauses, was nicht nur uns, sondern
auch Jesse etwas verwirrt. Doch folgt die Erklärung dafür auf dem Fuße.
Nice
poker face
So haben Hank und Co. wohl eines der vermeintlich
schwächsten Glieder in dem Personenkonstrukt rund um Walter White ausgemacht. In
einem safe house sitzt der stark beleibte Huell (Lavell Crawford), Hank und Gomey
betreten den Raum und kommen gleich zur Sache. Walt ist böse, ein Monster, ein
Killer, ja ja ja, dass weiß Huell doch bestimmt schon alles. Doch jetzt wird es
interessant: Hanks Informationen zufolge ist Huell der nächste auf Walts
Todesliste. Das kann doch gar nicht sein, denkt sich Huell, was hat er denn je
getan? Tja, Walt räumt auf, so erklärt es zumindest Hank, keiner seiner
ehemaligen Arbeitspartner und Helfershelfer ist sicher. Selbst Jesse Pinkman
hat er schon erwischt. Hank zaubert sein Telefon hervor und zeigt Huell ein
Bild, auf dem Jesse leblos mit aufgerissenen Augen auf dem Boden liegt, um ihm
herum schmoddrige Hirnmasse verteilt (Tadaa!). Huell bekommt es mit der Angst
zu tun (was teilweise urkomisch mit anzusehen ist), Hank bleibt cool und
locker. Jetzt hat er ihn. Hank spielt seine gesamte Erfahrung aus und ist nun
kurz davor, entscheidende Informationen aus Huell herauszubekommen. Der weiß im ersten Moment leider aber nicht all zu viel zu erzählen. Er berichtet von dem Geld
(„Seven barrels?“) und dem Van, dass Walt sich mit einer Schaufel auf den Weg
gemacht hatte, und ein paar Stunden später mit einem verdreckten Van zurückkam.
Das könnte doch ein Anhaltspunkt sein. Hank lässt sich weiterhin nichts
anmerken und bedankt sich bei Huell für dessen Hilfe. Dieser sollte aber besser
erst einmal hier im safe house bleiben, immerhin steht er auf Heisenbergs
Abschussliste. Und kein Telefon! Man könnte Huells Anrufe rückverfolgen und
dann klopft Walter schneller an die Tür, als es Huell wahrscheinlich lieb ist. Eine
sehr amüsante Szene, in welcher Hank nach seinem Belieben Huell wie ein
Musikinstrument spielt. Und dann hat er auch noch wichtige Informationen
bekommen, die den großen Masterplan vorantreiben könnten. Schauen wir mal, wo
uns dies hinführt.
One Cook
Walt trifft sich mit Todd, Jack und Kenny (Kevin Rankin), um
die Details bezüglich des Mordanschlags auf Jesse zu besprechen. Zwar beteuert
Walt wieder einmal, dass ihm Jesse etwas bedeutet („Jesse is like family to
me.“), doch scheint ihm jetzt einfach keine andere Wahl mehr zu bleiben. Jesse
ist eine Gefahr für seine wirkliche Familie. Dennoch soll sich Jack kurz und
schmerzlos um Jesse kümmern. Als es an den Preis für diesen Auftrag geht, kommt
es aber zu einer kleinen Überraschung. „We don’t want your money. We want you to cook for us.” (Jack zu
Walt) Walt hört wohl nicht richtig. Er wollte nie wieder als Drogenkoch tätig
sein und schmettert Jacks Forderung sofort ab. Walts skeptischer Blick
hinsichtlich Jack und Co. lässt uns aber etwas nicht all zu Gutes erahnen. Jack
wird ein wenig aufmüpfig, nicht, dass dies am Ende noch schwere Folgen nach sich zieht.
Walt wird nun auch an dieser Front Acht geben müssen. Am Ende bleibt ihm jedoch
nichts anderes übrig, als einzuwilligen. Jetzt muss erst einmal Jesse
aufgetrieben werden. Doch kann Walt nicht sagen, wo sich dieser befindet. „I don’t know where he is - but I
know how to flush him out.” Er wäre nicht Walter White, wenn er keinen Plan
hätte.
Bait
Nach einem Cut finden wir uns in dem Haus von Jesses
ehemaliger Freundin Andrea (Emily Rios) wieder, die wild umherwuselt und Sohnemann Brock (Ian Posada),
welcher entspannt seine Froot Loops verspeist, für die Schule fertigmacht. Es
klopft an der Tür, und siehe da, Walter White steht auf der Schwelle. Dieser
hat ein wichtiges Anliegen, welches er Andrea unverzüglich mitteilen
muss. Walt wird hereingebeten. Bevor er sich mit Andrea unterhält, kommt es
noch zu einer kleinen irgendwie makabren Szene zwischen ihm und Brock („How you doin’
Brock?“), die einen faden Beigeschmack hinterlässt. Im Gespräch zwischen Walt
und Andrea erzählt er ihr von Jesse, und dass dieser wieder einen
Drogenrückfall hatte. Walt hat bereits versucht, ihn zu erreichen, doch kommt
er nicht durch, was auch daran liegen könnte, dass es im Vorfeld einen kleinen
Streit zwischen ihm und Jesse gab. Vielleicht kann es ja mal Andrea
probieren, Jesse zu erreichen. Gesagt, getan. Walt benutz Andrea als Mittel zum
Zweck, als Köder für Jesse, der, sobald er hört, dass Walt bei Andrea und Brock
ist, sicherlich sofort dort hinstürmen wird. Auch Andrea kann nur eine
Nachricht auf Jesses Mailbox hinterlassen, doch ist die Falle so oder so
ausgelegt, Walt bedankt und verabschiedet sich. Draußen auf der Straße warten
auch schon die hitmen und Walt versichert ihnen, dass nur eine Frage der Zeit
ist, bis Jesse auftaucht.
Nice try #2
Denkste. Die Nachricht von Andrea kommt an, jedoch nicht bei
Jesse, sondern bei Hank, welche nach wie vor in Besitz von Jesses Telefon ist.
Hank durchschaut natürlich sofort Walts Masche („Nice try asshole.“, siehe
letzte Folge). Wo Jesse sich wahrscheinlich wutentbrannt in Richtung Andrea und
Brock aufgemacht hätte, bewahrt Hank einen kühlen Kopf, ganz abgesehen davon,
dass Andrea und Brock natürlich auch keinen emotionalen Wert für ihn haben, so
hart das klingen mag. Doch Walts Lockversuch bringt Hank auf eine clevere
Idee, wie er selbst einen Köder für seinen Schwager auslegen könnte. Ein kleiner Bluff und Walt könnte ratzfatz in Hanks Netz zappeln...
Have an A-1 day
Wir befinden uns im Kassenbereich der White-Waschanlage,
Skyler (Anna Gunn) arbeitet gerade Junior (RJ Mitte) ein, welcher sich als
Kassierer versucht. So richtig viel Spaß macht ihm das aber anscheinend nicht,
es ist Samstag, er will zu Hause abhängen und nicht arbeiten. Doch Skyler
besteht darauf, dass Junior an ihrer Seite bleibt. Jesse Pinkman ist irgendwo
da draußen, also gibt sie umso mehr Acht um ihre Kinder. Im nächsten Moment
kommt Saul (Bod Odenkirk) hereinspaziert („You’re that lawyer guy!“). Er sieht
immer noch ziemlich mitgenommen aus („What happened to your face?“ –
„Occupational hazard.“), nachdem ihn Jesse in Confessionsordentlich vermöbelt
hatte. Walt tritt zwischendurch kurz herein, tauscht einen vielsagenden „We need
to talk“-Blick mit Saul aus und verlässt das Gebäude sogleich auch wieder.
It’s me he wants
Walt und Saul unterhalten sich im Außenbereich der
Waschanlage. Dabei teilt Saul Walt erst einmal mit, dass Huell verschwunden
ist. Und auch auf dessen Frage, ob er denn weiß, wo sich Jesse gerade befindet,
kann Walt Saul keine Antwort geben. Walt geht davon aus, dass Jesse schon
wieder auftauchen wird und gerade wahrscheinlich einfach nur high ist. Saul ist
wie immer skeptisch, und das mit Recht, denn er sagt es selbst, „The kid is not
as dumb as you think.“ (Saul zu Walt) Saul ist besorgt, doch Walt ist sich
sicher, dass sich Jesse nicht auf einem killing spree befindet. Er will Walt,
niemand anderen.
Zurück im Kassenbereich fragt ihn Skyler gleich, ob es
irgendwelche Neuigkeit gibt, doch ist dies nicht der Fall. Walter blickt
besorgt in Richtung seines Sohnes, der an der Kasse steht. Auf einmal macht
sein Telefon ein Geräusch und eine neue Nachricht bzw. ein Foto ploppt auf dem
Bildschirm auf. Wir sehen ein Fass, randvoll mit Geldbündeln. Die Musik zieht
kurz an und Besorgnis macht sich im Gesicht von Walt breit. Das Telefon klingelt. „Jesse?“ - „Got my photo
bitch? That barrel look familiar? ‘Cause I just found six more exactly
like it.” Treibende, brummend-dröhnende Musik ein,
Walt rennt hastig aus der Waschanlage, Skyler schaut ihm angsterfüllt
hinterher.
You better hurry
Es folgt eine sehr rasante Sequenz.
Walt jagt mit seinem Wagen die Straße entlang, um schnellstmöglich an dem Ort
anzukommen, wo er in Buried sein Geld vergraben hatte: To’hajiilee. Derweil hat
er Jesse am Telefon, der ihm gehörig Druck macht und davon berichtet, wie er an
die Fässer rangekommen ist. „How do you like that, genius?“ (Jesse zu Walt). So
droht Jesse Walt auch damit, sollte sich dieser nicht sputen, seine geliebten
Geldbündel eins nach dem anderen anzuzünden. Es ist eine nervenaufreibende,
tolle Szene, in der Walt absolut hilflos scheint und irgendwie versucht, sein
Geld zu retten. Jesse ist der Boss, und das scheint er in vollen Zügen zu
genießen. „Don’t you touch my money!“, brüllt Walter Jesse wütend entgegen,
doch er ist machtlos. Natürlich kommt Walter auf seine Familie zu sprechen,
dass Geld sei für seine Frau und die Kinder, doch Jesse ist unbeeindruckt, ja,
er findet es geradezu grotesk, dass Walt seine Kinder ins Spiel bringt, nachdem
was er Brock angetan hat. Es entwickelt sich ein sehr hitziges Gespräch, in dem
Walt versucht, Jesse noch einmal zu erklären, warum er die Dinge tat, die er
einfach tun musste. Doch auf einmal ist Funkstille. Jesse ist nicht mehr am
Telefon, was Walt gleich noch mal viel panischer erscheinen lässt.
Walt kommt an der Stelle an, wo sein Geld vergraben liegt,
doch ist niemand zu sehen. Da steht kein Jesse, der Walts Geld gefunden hat und
jetzt damit droht, es zu verbrennen. Und langsam dämmert es Walt. „Son of a bitch… Son of a bitch. Son
of a bitch!” Walt hat sich von Jesse spielen lassen. Es war alles nur
eine Finte, Walt hat seinen kühlen Kopf verloren und er ist fuchsteufelswild,
als er selbst erkennt. Walt schaut sich um, ob ihm jemand gefolgt ist, doch ist
niemand zu sehen. Doch fallen ihm die Staubschwaden auf, die er hinterlassen
hat. Und dann dämmert’s ihm erneut. Jesse’s coming. Er hat ihn hierher gelockt,
um Walt umzubringen. Walt sucht Deckung und ruft panisch Jack an. Dieser soll
seine Jungs schnellstmöglich aufsatteln lassen. Und diese verstehen sich
darauf, haben sie doch ein beeindruckendes Waffenarsenal zur Verfügung. Walt
gibt die Koordinaten seines Standortes durch (der Lotterieschein), als
plötzlich ein Geländewagen vorfährt. „It looks like it could be three men total… wait a minute...” (Walt
zu Jack) Und dann stellt Walt mit Entsetzen fest, wer diese drei Männer sind:
Jesse, Agent Gomez und sein Schwager, Hank. „Walter, what is it?“ (Jack) Walt
ist nicht in der Lage zu antworten. Alles, wofür er gearbeitet und geschuftet
hat, steht nun auf dem Spiel. Aber was soll er denn tun, er kann doch nicht
Hank töten lassen. Walter zerreißt es, innerlich als auch äußerlich. Doch sein
Gewissen siegt. „Forget it. Don’t come.“ (Walt zu Jack) Walt legt auf. Er ist
erschöpft. Er ist sich bewusst, dass dies das Ende ist. Im Hintergrund hören
wir Hank nach Walt rufen. Ein leichtes Glitzern in Walts Augenwinkel zeigt, wie
mitgenommen er ist. Er musste sogar eine Träne verdrücken, so schwer scheint
ihm die Entscheidung gefallen zu sein. Es war alles umsonst, alles was er bis diesem Zeitpunkt getan. Doch Hank ist nun mal
Familie.
Ein fantastischer Abschnitt dieser Episode, der mit einer
aufregenden Autofahrt beginnt und nicht minder aufregend endet. Das
Telefongespräch zwischen Walt und Jesse hat man ausgezeichnet gelöst, als wäre
überhaupt kein Telefon, überhaupt keine Distanz zwischen den beiden. Dass man
Jesse während des Gespräches nicht gesehen hat, war natürlich auch ein cleverer
Schachzug. Das Ende dieser Szene hallt natürlich auch nach, gerade Cranstons
wunderbares Schauspiel und wie er die Zerrissenheit seiner Figur wiedergibt.
Aber Moment, wir sind ja noch nicht am Ende. Es kommt noch etwas. Also bitte anschnallen.
Come on out Walt
Nach ein paar schönen Landschaftsaufnahmen sehen wir Jesse,
Gomez und Hank, die nach wie vor Ausschau nach Walt halten. „Got him.“ lässt Hank
verlauten, Walt kommt langsam hinter seiner Deckung hervor. Hank hat ihn fest
im Visier. Eine äußerst angespannte Szene, in der komplette Ruhe herrscht. Ein
Blick auf Jesse verrät, dass dieser es schwer glauben kann, dass es nun endlich
vorbei ist. Das Leuchten in seinen Augen zeigt, wie sehr er sich
diesen Moment herbeigesehnt hat. Fast feierlich legt Hank Walt die Handschellen
an, Zufriedenheit und Genugtuung machen sich breit, sowohl bei Hank als auch
bei Jesse. Hank bindet Walt auf die Nase, wie er ihn gelinkt hat. Walt lässt
die Schmähung über sich ergehen. Auch Jesse wird ein wenig selbstgefällig. Seine
Bemerkung, dass dies doch der Ort sei, wo er und Mr. White das erste Mal
zusammen Meth gekocht haben versprüht einen Hauch Nostalgie. Die Reise, die hier einst begann, scheint
beendet zu sein. Hank verliest Walt seine Rechte, ein fast befreiender Akt für ihn.
Jetzt ist es offiziell. „Coward.“ faucht Walt Jesse entgegen, welcher ihm
prompt ins Gesicht spuckt. Walt bricht noch einmal aus sich heraus und
attackiert Jesse, kann jedoch nicht viel ausrichten.
Dead to rights
Hank ruft nach der Festnahme Walts sofort Marie
(Betsy Brandt) an, um ihr von der tollen Neuigkeit zu berichten. „Hey baby, I got him, dead to
rights.“ (Hank zu Marie) Hank ist beflügelt, Marie sichtlich erleichtert.
„Baby, you okay?“ (Hank) – „I’m much better now.“ (Marie) Hank verabschiedet
sich und sagt die Worte, die mich als Zuschauer nichts Gutes ahnen lassen. „I got to go. It’ll maybe a while
before I get home. I love you.” (Hank zu Marie) Oh oh. Irgendetwas sagt mir, dass es wirklich eine Weile dauern wird, bis Hank zu Hause sein wird...
Don’t do it
Ruhige Musik. Walt, der von Hank in dessen Wagen verfrachtet
wurde, schaut wehmütig auf seinen Schwager. Das war’s also, aus und vorbei. Walts
Blick wird auf den Rückspiegel des Fahrzeugs gelenkt. Zwei Wagen. Er sieht, wie
zwei Wagen vorfahren. Erneut ist ihm das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Jack.
Er hat die Koordinaten von Walt bekommen. Und jetzt ist er hier. Panisch
versucht Walt Hank zu warnen, immer wieder brüllt er dessen Namen. Die
Hintergrundmusik spannt uns auf die Folter. Die beiden Wagen halten an und auf
einmal zieht die Inszenierung unglaublich an. Mit einer schnellen Kamerafahrt stehen wir
direkt vor Jack und seinen Schergen, welche ihre gezogenen Waffen auf Hank und
Gomez richten. Auch Hank und Gomez haben ihre Schusswaffen sofort im Anschlag. Die
Musik hämmert eindringlich auf uns ein. Walt schreit Jack noch zu („Don’t do it!“),
doch wie bereits zuvor, Walt ist machtlos. Es ist kaum noch auszuhalten, die
Szene spitzt sich mehr und mehr zu. Beide Seiten bellen sich unverfroren an,
und Walt befindet sich mit Handschellen gefesselt mittendrin, ohne jedwede
Möglichkeit effektiv einzugreifen. Ein kurzer Blick auf Jesse verrät, dass es
auch dieser verständlicherweise mit der Angst zu tun bekommt. Hank und Gomez
stehen einer Armada gegenüber, der Ausgang dieser Situation scheint auf der
Hand zu liegen. Dem Gesichtsausdruck Jacks zufolge kann dieser Walt hören,
denkt aber nicht daran, dass zu tun, was dieser von ihm verlangt. Die Musik
fährt kurz runter, die Aufnahme wechselt in die Zeitlupe. Mit einem einfachen
Wink gibt Jack Kenny ein Zeichen, das Feuer zu eröffnen. All hell breaks loose (sorry Elmore).
Die Situation eskaliert. Beide Seiten eröffnen das Feuer und verballern alles,
was ihnen zur Verfügung steht. Walt versucht irgendwie Schutz zu suchen, benutzen
Hank Und Gomez den Wagen in dem er sich befindet doch als Deckung. Normale
Aufnahmen und Zeitlupen wechseln sich ab. Es entspinnt sich eine wilde
Schießerei, der es zwar an Genauigkeit mangelt, aber nicht an Durchschlagskraft.
Und just auf diesem Höhepunkt, diesem nervenaufreibenden Moment, in dem jede
Sekunde eine beteiligte Person das Zeitliche segnen könnte, wird ausgeblendet. Zur
Hölle. Unfair.
Gesamteindruck
Frechheit. Machen die einfach Schluss. Ein fieses Ende, welches
das Warten auf die nächste Folge unerträglich macht. Gilligan und Co. zeigen
Mut mit der Entscheidung für ein derartiges Episodenende. Dafür werden
sie sich wohl einiges anhören müssen, doch wird man es ihnen verzeihen können, denn gerade dafür schätzen wir doch alle
diese fantastische Serie. Generell muss ich zu To’hajiilee sagen, dass es eine
sehr temporeiche und die bisher wohl kurzweiligste Folge der zweiten Hälfte der
fünften Staffel von Breaking Bad ist. To’hajiilee baut sich von Minute zu
Minute immer weiter auf, es gibt viele kleine Einzelszenen, die sich dann zu
einem großen Ganzen zusammensetzen und schlussendlich wird uns ein großartiges
Finale präsentiert. Der Weg dorthin ist teilweise überragend gut, spätestens
im letzten Drittel von To’hajiilee kommt man vollsten auf seine Kosten. So
stelle ich mir das vor. Nicht vergessen darf man die wieder einmal exzellenten schauspielerischen Leistungen, vor allem Bryan Cranston liefert überragend gut ab. Nächste Woche erwartet uns dann wohl oder übel die
Auflösung der Schießerei, mich graut es schon ein wenig davor, wer wird leben,
wer wird sterben, eure Tipps dazu vielleicht in den Kommentarbereich.
Ansonsten interessiert es mich natürlich, wie euch To’hajiilee
gefallen hat. Wurdet ihr ähnlich mitgerissen wie ich? Könnt ihr den Machern die
miserablen Schützen in der Endszene verzeihen, weil es dramaturgisch nun mal
einfach Sinn gemacht hat, dass sie niemanden getroffen haben? Was erwartet ihr
von der drittletzten Folge von Breaking Bad? Fragen über Fragen, hinterlasst eure
Antworten dazu, andere Bemerkungen, Feedback oder Kritik gerne im
Kommentarbereich unter diesem Blogbeitrag.
Nächste Woche Sonntag gibt es dann Folge 14 zu sehen, die
drittletzte Folge überhaupt von Breaking Bad. Ozymandias ist der Name dieser Episode, und ein Verweis auf ein Promo-Video im Vorfeld der Start der zweiten Hälfte
der fünften Staffel von Breaking Bad darf an dieser Stelle nicht fehlen.
Verhängnisvoll. Das Ende naht. Auch der king of kings wird irgendwann fallen.
Noch eine Kleinigkeit in eigener Sache. Jetzt kommen die
drei Wochen, vor denen ich bereits zu Beginn der zweiten Hälfte der fünften
Staffel von Breaking Bad ein bisschen Angst hatte. Ich bin jetzt nämlich ein
wenig auf Achse. Nächste Woche werde ich meine Gedanken zu Breaking Bad wohl
erst etwas später veröffentlichen können. Am Donnerstag wahrscheinlich,
vielleicht aber doch schon am Mittwoch, wer weiß. In den beiden darauf folgenden
Wochen bin ich gar komplett im Urlaub, also verschieben sich meine Texte zur
vorletzten und allerletzten Folge von Breaking Bad (Arg. Das muss man sich mal
vorstellen…) komplett nach hinten. Naja. Steckste nicht drin. Dazu dann noch
einmal nächste Woche ein paar Worte, bis dahin.