Dienstag, 13. August 2013

Breaking Bad S05E09 - Blood Money

Der ein oder andere wird sich eventuell erinnern können: Vor gut einem Jahr, als die erste Hälfte der fünften und somit finalen Staffel von Breaking Bad ausgestrahlt wurde, hatte ich mir die Aufgabe gestellt, jede Woche meine Gedanken zu den aktuellen Episoden der AMC-Erfolgsserie zu präsentieren. Und das kam anscheinend auch ganz gut an.

Vergangenen Sonntag war es dann endlich soweit, Breaking Bad feierte den Start in die letzten acht Folgen dieser Serie – und der Buzz war bzw. ist gigantisch. Ich für meinen Teil hatte mir eigentlich wieder vorgenommen, ähnlich wie vor einem Jahr mich deb immer sonntags erscheinenden Folgen zu widmen. Jedoch wusste ich noch nicht ganz, ob ich es zeitlich hinbekommen würde. Hinzukommt ein Urlaub Ende September, der mich sowohl die vorletzte als auch letzte Folge von Breaking Bad verpassen lässt. Dementsprechend müsste ich dann zwei Reviews nachliefern, was ich auf den ersten Blick ziemlich doof finde.

Ich war mir also doch etwas unschlüssig darüber, wieder wöchentlich meinen Senf zu Heisenberg und Co. abzugeben. Gestern habe ich mir dann die neunte Folge der fünften Staffel, den Anfang vom Ende, Blood Money, angeschaut. Ich habe mir spontan einen Zettel geschnappt und Notizen gemacht, wie vor einem Jahr. Und ich bekam wieder Lust, diese Notizen mit dem Internet und anderen Menschen zu teilen. Also alles wie immer, an dieser Stelle wird von heute an wöchentlich ein paar Ausführungen meinerseits zu den aktuellen Episoden der letzten Staffel von Breaking Bad lesen können. Wer sich noch mal einen Überblick verschaffen möchte, was ich vor einem Jahr so zu diesem Thema verbrochen habe, der klicke bitte HIER. Aber genug gefaselt. Fangen wir an, in altbekannter Manier…

ACHTUNG, SPOILERWARNUNG!!! WEITERLESEN AUF EIGENE GEFAHR!!!


Zuallererst: Es geht weiter!
Was haben wir alle gewartet. Gerade in den letzten Wochen wurde es deutlich, wie sehr die Menschen dem Start der letzten acht Folgen einer der vermeintlich besten TV-Serien aller Zeiten entgegenfieberten. Ausführliche Recap-Videos, eine sehr gelungene Middle School Musical-Parodie, ComicCon-Hysterie, Theorien und Spekulation über den Ausgang der Serie, Gänsehaut-Teaser und vieles, vieles mehr. Es war einfach an der Zeit. Und die Zeit ist jetzt gekommen. Willkommen zur zweiten Hälfte der fünften Staffel von Breaking Bad.

Opening
Blood Money beginnt mit einer klassischen Pre-Intro-Sequenz, welche wir über die Jahre schätzen und lieben gelernt haben. Foreshadowing ist hier das Stichwort, diese mehr oder weniger kurzen Momente bevor der Name der Show eingeblendet und gelber Rauch durchs Bild wabert suggerieren dem Zuschauer stets eine mögliche Entwicklung, ein zukünftiges Bild oder ein Moment, der noch kommen wird und mit dem wir zumeist erstmal nicht viel anfangen können, da er aus dem Zusammenhangen gerissen ist. So auch dieses Mal. Nahaufnahme. Eine Gruppe Jugendlicher skatet in einer Halfpipe oder ähnlichen. Doch Moment, langsam wird deutlich, dass es sich nicht um eine Halfpipe, sondern vielmehr um einen Pool handelt. Erste Assoziation: Der Pool der Familie White. Der rosafarbene Teddybär aus der zweiten Staffel. Skyler’s Selbstmordversuch in der vierten Folge der fünften Staffel (Fifty-One). Und tatsächlich, eine weite Aufnahmen zeigt uns das Haus der Familie White, runtergekommen, versifft und beschmiert, hier lebt schon lange niemand mehr, vor allem nicht die Whites. Ein Auto fährt vor. Und da steht er, Walter White (Bryan Cranston), heruntergekommen und vollbärtig, mit dem monströsen Maschinengewehr im Kofferraum, dass er in der ersten Folge der fünften Staffel (Live Free or Die) noch von Waffenhändler Lawson (Jim Beaver) erwarb. Walt näher sich dem verlassenden Haus und tritt ein. Eine gespenstische Atmosphäre. Der Zuschauer visualisiert sogleich den eigentlich Normalzustand des Gebäudes, die Inneneinrichtung, Junior am Frühstückstisch etc. Doch nichts davon ist zu sehen. In Großbuchstaben prangt HEISENBERG an der Wand. Ein teuflisches Andenken, ein Reminder: Heisenberg was here. Walt schreitet durch das Haus und man versucht seine Gedanken zu erahnen. Was empfindet er? Wehmut? Trauer? Zorn? Walt nähert sich dem Schlafzimmer und somit der Steckdose, hinter welcher er das Ricin in der zweiten Folge der fünften Staffel versteckt hatte (Madrigal). Er demontiert die Steckdose und findet das kleine Gefäß mit dem tödlichen Pulver. Er scheint jetzt Verwendung dafür zu haben. Er dreht sich um, eine kurzer Blick in einen zerbrochenen Spiegel – Ja, das bist du Walt, diese zerzauste Peron da im Spiegel. Walt verlässt das Gebäude. Er will soeben in sein Auto steigen, als er seine ehemalige Nachbarin bemerkt, absolut starr vor Schreck. „Hello Carol.“ haucht ihr Walter entgegen. Carol lässt ihre Einkäufe fallen, ihr ist sichtlich der Schock ins Gesicht geschrieben. Und Schluss. Wir tappen im Dunkeln. Und doch wissen wir anhand Carol’s Reaktion, dass uns etwas Großes erwartet. Auch ein bisschen verängstigt? Gut.

You’re okay to drive?
Wir setzen da ein, wo wir in der achten Episode (Gliding Over All) aufgehört haben. Im Hause White gibt es ein kleines Familiendinner, alles scheint friedlich. Jedoch… Hank (Dean Norris) kommt von der Toilette, dem Ort wo er soeben festgestellt hatte, dass sein Schwager Heisenberg ist bzw. sein könnte. Diese Erkenntnis macht ihm offensichtlich schwer zu schaffen. Hank fühlt sich äußerst unwohl und macht sich zusammen mit Marie auf den Heimweg. Walter sorgt sich etwas um Hank („You’re okay to drive?“), doch Hank sieht man an, dass er einfach nur schnellstmöglich von hier weg will. (Apropos: „Hello Carol!“ – „Oh hi Walt!“ Fantastisch.) Es folgt eine intensive Szene mit Hank am Steuer seines Wagens. Er hyperventiliert und erleidet einen nervlichen Zusammenbruch. Der folgende Unfall verläuft glücklicherweise glimpflich. Hank wird sich der Sache annehmen, keine Frage. Doch das alles war jetzt erst einmal einfach zu viel für ihn.

Business
Walt und Skyler (Anna Gunn) befinden sich vor ihrer Waschanlage und das Geschäft scheint äußerst gut zu laufen. Walt hat sogar die Idee, zu expandieren und eine weitere Waschanlage zu erwerben (zum einen um mehr Geld waschen und die Fassade besser aufrechterhalten zu können, zum anderen klingt ein wenig Walt’s „Empire“-Gedanke durch…). Lydia (Laura Fraser), die wir in der ersten Hälfte der Staffel als labile Mittelsfrau kennen gelernt haben, taucht auf und möchte mit Walt sogleich das Problem bezüglich der sinkenden Qualität seiner „Ware“ besprechen, was wohlmöglich aus Walt’s Geschäft mit Drogendealer Declan (Louis Ferreira, S05E06 Buyout / S05E07 Say My Name) resultiert. Walt ist wiederum nicht sonderlich beeindruckt von Lydia und würgt sie schnell ab. Und auch Skyler riecht den Braten und wird gegenüber Lydia recht deutlich. Ein kleine Erinnerung daran, dass es für Walt (und Skyler) jetzt ein wenig anders läuft, als noch vor vielen Monaten. Walt scheint sich zurückgezogen zu haben aus der Herstellung und dem aktivem Vertrieb von „Blue Sky“.

Working the Files
Hank hat sich etwas beruhigt und möchte seiner grausigen Vermutung nun genauer auf den Grund gehen. Dafür hat er sich diverse Akten zu sich nach Hause bestellt, um zum wiederholten Male Verbindungen zwischen all den Verdächtigen (Gus Fring, Gale Boetticher, Hector Salamanca etc.) herzustellen, nur dieses Mal unter Berücksichtigung des Umstandes, dass sein Schwager auch Teil dieses Geflechts sein könnte. An und für sich keine extrem besondere Szene, doch die Montage, die Hank bei der Arbeit zeigt, dazu Jim White’s Wordmule, das gefällt gut. Und abschließend hält Hank auch noch eine Fahndungsskizze von Heisenberg hoch. Seinem Gesichtsausdruck zufolge fällt es ihm schwer, jetzt nicht seinen Schwager in diesem Bild wieder zu erkennne. 

Jim White - Wordmule


147 Kirks!
Das erste Mal das wir Jesse (Aaron Paul) in dieser Folge sehen. Aber dabei bleibt es auch. Badger (Matt Jones) und Skinny Pete (Charles Baker) komplettieren das Bild. Beide philosophieren über Star Trek und den komplizierten Prozess des Beamens. Und weit mehr als nur das, Badger präsentiert Skinny Pete auch nur einen eigens entworfenen Pitch zu einer Star Trek-Episode („Spock has total Vulcan conrol over his digestion!“), welcher einfach großartig und zum Schießen ist. Jesse ist hier nur nebensächlich. Er wirkt abwesend, in seine Gedanken vertieft. IM weiteren Verlauf der Folge wird näher darauf eingegangen... 


I’ll handle it
Wieder Jesse. Diesmal sitzt er im Empfangsbereich des Büros von Saul Goodman (Bob Odenkirk). Um endlich dranzukommen greift er zu einer eher ungewöhnlichen Methode („Jesse Pinkman’s out here smoking pot.“). Im Büro präsentiert sich Saul Goodman sogleich von seiner typischen Seite, nach einem kleinen Schäferstündchen mit einer etwas betagten Thai-Masseuse („Barn door open!“) hat er endlich Zeit für seinen Klienten. Dieser überrascht Saul damit, dass er 5 Mio. Dollar verschenken will, die eine Hälfte an die Enkelin von Mike, die andere Hälfte an die Eltern des von Todd erschossenen Drew Sharp (S05E05 Dead Freight). Jesse plagen Schuldgefühle, und das Geld erinnert ihn tagtäglich daran. Er will es um jeden Preis loswerden. Saul verspricht Jesse sich darum zu kümmern, auch wenn es nicht so einfach sein wird, wie es sich letzterer vorstellt. Der pflichtbewusste Anwalt greift nach dem Verschwinden Jesses sofort zum Hörer und informiert Walter. Seine Reaktion: „I’ll handle it.“ Eine Referenz an die achte Folge der fünften Staffel, Gliding Over All, in welcher Walt mit gelassener und selbstbewusster Miene (und nachdem er Mike erschossen hatte) Jesse diese Phrase entgegenschmetterte.

The past is the past
Es folgt eine der stärksten Szenen in Blood Money. Walt taucht bei Jesse auf und bringt das Geld mit, welches letzterer eigentlich Saul überlassen hatte. Walt’s „You’ve earned it.“ zu Jesse sind harte Worte in dessen Ohren, ist es doch im wahrsten Sinne „blood money“, die Jesse immer wieder an die vergangenen Gräueltaten erinnert. Walt versucht sich infolgedessen als Lebensberater und schlägt Jesse vor, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Doch Jesse kann das nicht, er kann nicht vergessen. Auch Walt’s Beschwichtigungen („I’m out.“ – Verweis auf Mike.) zeigen kaum Wirkung. Jesse ist psychisch am Boden zerstört, und hinzukommt seine Sorge um Mike (Jonathan Banks), von dem er nichts mehr gehört hat. Walt lügt Jesse ohne mit der Wimper zu zucken an und versichert ihm, dass es Mike gut geht. Doch Jesse denkt sich seinen Teil, und stellt nebenbei noch eine kluge Schlussfolgerung auf. Walt appelliert wiederum an Jesse, „I need you to believe this. It’s [dass er Mike umgebracht hat] not true, it’s just not.”“I need you to believe me.” Jesse’s Gesichtsausdruck ist in diesem Moment alles andere als leicht zu analysieren. Schaut euch das Häufchen Elend doch an. Er sagt zwar, dass er Walt glaubt, aber gleichzeitig wird dem Zuschauer auch zum wiederholten Male klar, dass das Vertrauen zwischen ihm und Walt schon lange nicht mehr existent ist. Im Endeffekt sitzen beide nebeneinander und wissen, dass alles eine Lüge ist. Walt’s falsches Spiel zeigt keine Wirkung bei Jesse, doch reagiert er eher gleichgültig darauf, was wiederum auf seinen gegenwärtigen Gemüts- und Geisteszustand zurückzuführen ist. Ein sehr packender und vielsagender Moment, insbesondere was die Beziehung zwischen Walt und Jesse angeht.

Tracking Device
Wir sehen die Familie White beim Dinner, als Walt plötzlich die Toilette aufsucht. Die Nebenwirkungen der Chemotherapie gegen seine aufkeimende Krebserkrankung machen sich wieder einmal bemerkbar. Als er sich übergeben muss, folgt ein verhängnisvoller Blick auf die Zeitschriftenablage. Ein Buch fehlt. Das Buch fehlt. Walt Whitman’s Leaves of Grass, das Geschenk samt Widmung von Gale Boetticher (David Costabile). Wo könnte es nur sein? Eine unscheinbare Frage bezüglich Hank und seiner aktuellen körperlichen Verfassung bring Walter auf den Gedanken: Könnte Hank das Buch entdeckt und mitgenommen haben? Wieder einmal macht sich eine grausige Vermutung breit, dieses Mal bei Walter. Er geht vor die Haustür und untersucht sein parkendes Auto, und siehe da: ein GPS-Signal, ein Tracking Device, so wie jenes, das Walt für Hank an den Wagen von Gustavo Fring (Giancarlo Esposito) befestigt hatte (S04E08, Hermanos). Dank der passenden musikalischen Untermalung geht ein leichtes Beben durch den Körper des Zuschauers. Hank ist Walter auf den Fersen.

Take it
Jesse ist fix und fertig. Verzweifelt versucht er das Geld loszuwerden, das ihm so viele schlaflose Nächte bereitet hat. Daran klebt das Blut unschuldiger Menschen, und Jesse zerfrisst diese Schuld, nicht nur innerlich sondern auch äußerlich (Aaron Paul mit seiner unverkennbaren Mimik ist einfach unglaublich gut). So verschenkt erst einen ganzen Batzen Bares an einen mittellosen Obdachlosen, danach fährt er in bester Paperboy-Manier durch die Nachbarschaft und pfeffert Geldbündel durch die Luft, welche auf den Grundstücke wildfremder Menschen landen. Take it. Please.

Tread lightly
Die letzte Szene in dieser Folge. Und es verwunderte mich ein wenig, dass es noch in dieser Folge dazu kam. Walter sucht Hank auf. Ein Knistern liegt in der Luft, Hank sieht auch schon etwas mitgenommen aus, sein Blick wirkt glasig. Beide stehen sich gegenüber. In diesem Moment, so hatte ich den Eindruck, scheint schon fast alles klar zu sein. Walt zaubert das Tracking Device vor, welches er an seinem Auto gefunden hat, doch wirkt das Gespräch bis hierhin noch recht harmlos. Dann schließt Hank das Garagentor. Und ich bekomme Angst vor dem, was gleich geschehen könnte. Eine unglaublich (An)Spannung liegt in der Luft. „I don’t like the way you’re looking at me right now.” (Walt zu Hank) Und boom. Hank schlägt zu, Walter taumelt zu Boden. „It was you.“ Dean Norris liefert ab, und zwar richtig. Er verbindet die losen Enden und konfrontiert Walt auf eine sehr eindringliche, kraftvolle Weise. „I don’t know who you are. I don’t know who I am talking to.” (Hank zu Walt). Doch Walt bleibt selbstbewusst. Es ist das Selbstbewusstsein und die Selbstsicherheit, die er sich als Heisenberg erarbeitet hat. Eine mögliche Strafverfolgung Walter's wäer sinnlos, denn so sagt es Walter selbst, sein Krebs ist zurück, er ist ein dying man. Und überhaupt, Hank soll sich im Allgemeinen nicht zu sicher sein, wen er da vor sich hat. Diese verbale Reaktion Walt's lässt sich wiederum verschieden interpretieren. Zum einen, dass er Hank schlicht und einfach darauf hinweist, dass dieser momentan sehr vage Behauptungen aufstellt und Walt wohlmöglich zu Unrecht beschuldigt. Zum anderen hört sich auch wie eine Warnung an. Falls Walt wirklich Heisenberg ist - und Hank weiß nur zu gut, zu was Heisenberg in der Lage ist - dann muss Hank auch Acht geben, wer ihm hier gegenübersteht. „Tread lightly.“ (Walt zu Hank) Eine intensive, nervenaufreibend Schlussszene der neunten Folge Blood Money.

Gesamteindruck
Ein guter Einstieg. Bryan Cranston, Regisseur der Episode, zeigt, dass er auch hinter der Kamera ein Händchen für das Medium hat, gekonnte Aufnahmen und spannender Moment inklusive. Wir werden größtenteils an viele Dinge erinnert (Walt’s „Lebenswandel“, Lydia, Jesse’s Schuldgefühle etc.), doch bekommen wir glücklicherweise keine langweilige Folge mit ständigen Wiederholungen der vorangegangenen Episoden zu sehen. Damit wäre auch sowieso nicht zu rechnen gewesen. Ebenso stürzt man sich auch nicht unmittelbar ins Geschehen. „Tread lightly“ ist auch hier das Motto. Die Konfrontation zwischen Hank und Walt markiert den Höhepunkt von Blood Money. Wie wird es zwischen den beiden weiter gehen, wie wird vor allem Walt reagieren? Dean Norris zeigt sich von einer sehr starken Seite, und auch Aaron Paul gefiel mir in seiner Aaron Paul-esquen Performance wieder einmal sehr gut. Ansonsten fielen die unzähligen Referenzen und Verweise auf ältere Episoden auf, darunter auch Hank’s „I don’t know who you are. I don’t know who I am talking to.” gegenüber Walt, was stark an Skyler und den Moment, als sie Walt’s Geheimnis lüftet, erinnert. Ein guter Auftakt, der uns wie immer erwartungsvoller in Richtung der zehnten Folge, Buried, blicken lässt.
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Uff. So viel zu ersten bzw. neunten Folge. Es ist doch mal wieder sehr viel geworden, wofür ich mich entschuldigen möchte. Wenn es läuft, dann läuft es nun mal. Falls es sich hier und da noch etwas holprig lesen sollte, bitte ich dies zu entschuldigen. Ich muss mich auch erst mal wieder ein wenig „eingrooven“. Ich hoffe aber, ich konnte euch dennoch ein paar nützliche Gedanken zu Blood Money mit auf dem Weg geben.

Jetzt seid ihr dran. Euer Eindruck vom Staffelhälftenauftakt? Wie gefiel euch Blood Money? Teilt ihr meine Ansichten oder gibt es etwas zu meckern? Bitte haltet euch nicht zurück, ich bin für jede Art der Kritik, des Feedbacks oder generellen Beteiligung dankbar. Ich lass mich sogar gerne auf Rechtschreibfehler hinweisen, also nur zu.

Nächste Woche geht es dann mit der 10. Folge der fünften Staffel von Breaking Bad weiter, namentlich Buried. Das hört sich irgendwie unangenehm an. Ich bin gespannt. Dazu dann wieder meine Gedanken, hier auf bommebastisch.blogspot.de.


Kleiner Nachtrag:
Wer sich wie ich kurz gewundert hatte, wer denn dieser Kevin Cordasco sei, dem diese Folge gewidmet war, der möge sich bitte das hier kurz durchlesen. Eine traurig-tolle Geschichte. (via A.V. Club)

Sonntag, 14. Juli 2013

Serien-Neustarts: Under the Dome / Ray Donovan

In den letzten zwei Wochen gab es in den Staaten zwei Serien-Neustarts, Under the Dome und Ray Donovan, welche ich mir mal etwas genauer angeschaut habe. Zwei kurze Texte mit zwei sehr verschiedenen Meinungen zu zwei ganz neuen Serienformaten.

Under the Dome


Der CBS-Serien-Neustart Under the Dome basiert auf dem gleichnamigen Roman von Stephen King und bekam gleich zu Beginn der Ausstrahlung einige gute Kritiken. Im seriellen Sommerloch erntete die leichte Drama-Serie einiges an Lob und wurde von vielen Kritikern als durchaus unterhaltsames Format mit Potential nach oben bezeichnet. Auch die Einschaltquoten konnten sich sehen lassen. In Under the Dome dreht sich alles um die amerikanische Kleinstadt Chester’s Mill, die wie aus dem nichts von einer unsichtbaren Wand, die sich dann als gigantische Kuppel herausstellt, umschlossen wird. Unter dieser Kuppel zusammengepfercht und ahnungslos, wie es nun weitergehen wird, müssen sich die Bewohner Chester’s Mills und ein paar Durchreisende nun gezwungenermaßen dieser neuen Situation stellen und sich dementsprechend anpassen. Dabei kommt es natürlich zu einigen Konflikten unter den Betroffenen, Menschen offenbaren ihren wahren Charakter und generell scheint in Chester's Mill und was die handelnden Personen betrifft wohl mehr im Busch zu sein, als man auf dem ersten Blick erwarten würde...

Die Idee an sich finde ich gar nicht so übel. Und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, mich nicht an den Simpsons-Film erinnert gefühlt zu haben. Doch haben wir hier in Under the Dome natürlich ein wesentlich ernsthafteres Setting. Und eine derartige Extremsituation wie hier dargestellt, mit den verschiedensten Charakteren mit den wohlmöglich dunkelsten Abgründen zusammen auf engsten Raum - das könnte doch ganz interessant werden. Könnte. Denn nach zwei Folgen habe ich Under the Dome frustriert gleich wieder ad acta gelegt. Man konnte zwar einige gute Darsteller verpflichten, darunter auch Breaking Bad’s Dean Norris, doch entpuppt sich Under the Dome gleich zu Beginn als dramaturgisch äußerst dünn. In der Pilotfolge wirkt so gut wie alles absehbar, es wird recht schnell deutlich, dass sich die Handlung um gut eine Handvoll Allerwelts-Figuren entspinnen wird, wovon jede auf irgendeine Art und Weise mit der anderen verbunden ist, weil das ja immer supergut funktioniert und man dadurch eine komplex-verwobene Geschichte erzählen kann. Doch fande ich diese Figuren schon in der ersten beiden Episoden derartig platt und stereotyp, dass sich jede Interaktion der verschiedenen Charaktere miteinander als äußerst langweilig und inhaltlich vorhersehbar herausstellte. Das gesamte Paket fühlte sich unheimlich zweckmäßig an, in der Pilotfolge reiht sich ein gelegener Zufall an den anderen. Trotz viel versprechenden Rahmen riecht Under the Dome nach einem ganz üblen 0815-Network-Produkt, das mir Null Innovation oder charakteristische Besonderheiten verspricht. Die zweite Folge schoss dann den Vogel gänzlich ab. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viel Dummheit ertragen musste (wer es gesehen hat: Es geht um diesen komischen Priester und das Feuer. Gott, lass Hirn regnen...). Ich verharrte wohl mehrere Minuten kopfschüttelnd und mit flacher Hand auf meiner Stirn. Danke, aber nein danke, das muss nicht sein. Ich bezweifle stark, dass ich hier irgendwann noch einmal einschalten werde. Definitiv nichts für mich und meiner Meinung nach alles andere als empfehlenswert.


Under the Dome läuft seit dem 24. Juni immer montags auf CBS. 

Hierzulande hat sich die ProSiebenSat.1-Gruppe die Rechte für Under the Dome gesichert. Demnach soll Under the Dome noch in diesem Sommer wohlmöglich in Form einer Eventprogrammierung im deutschen Fernsehen zu sehen sein. Ein genauer Termin dafür steht bis dato jedoch noch nicht fest. (Serienjunkies / DWDL)


Ray Donovan


Kommen wir zu etwas Erfreulicherem: Showtime’s Ray Donovan. Vor gut drei Wochen startete der Kabelsender dieses neue Format, welches nicht nur überragend gut mit tollen Schauspielern besetzt ist, sondern mir auch gerade mal nach zwei Folgen schon große Freude bereitet hat. Kurz zum Inhalt: In Ray Donovan geht es um Ray Donovan (Liev Schreiber), welcher in Los Angeles lebt und seine Brötchen als eine Art Mädchen für alles bzw. Problemlöser verdient. Er und sein Team kümmern sich um die Probleme der Reichen und Schönen Hollywoods, ob diese nun erpresst oder aufgrund eines Fauxpas von den Medien zerrissen werden, Donovan und Co. haben für alles eine Lösung. Ray’s Leben läuft eigentlich in jeder Hinsicht ganz gut, wenn nicht sogar ausgezeichnet, doch ändert sich dies recht schnell als sein Vater (Jon Voight), ein ehemaliger Hochstapler und mit einer düsteren Vergangenheit behaftet, wieder in das Leben von Ray und seiner Familie tritt. Ärger ist hier vorprogrammiert, denn zwischen Ray und seinem alten Herren scheint weit mehr als nur eine alte Rechnung offen zu sein...

Wenn man sich das Grundkonzept von Ray Donovan so anschaut, kommt man schnell auf den Gedanken, es könnte sich hier um ein klassisches Procedural handeln: Der Hauptcharakter muss Woche für Woche in einer Episode ein bestimmtes Problem lösen, eine Art Nemesis (hier der Vater) erschwert dies. Und wenn man sich die Pilotfolge von Ray Donovan anschaut, macht die Serie auch genau diesen Eindruck. Deswegen kommt der Pilot auch nicht wirklich so überzeugend und etwas absehbar daher, trotz ein paar sehr starken Momenten und einer tollen Besetzung. Jedoch sollte man Ray Donovan nicht gleich wieder abschreiben und sich trotz insgesamt mittelmäßiger Pilotfolge auch noch die zweite Folge anschauen. Hier wird man sogleich eine ungemeine Qualitätssteigerung bemerken, da es sich vielmehr nach wirklichen Serien-Drama anfühlt als noch zuvor. Erstaunlich, wie zwei aufeinanderfolgende Episoden sich doch so stark unterscheiden können. Die verschiedenen Charaktere wirken viel besser als noch in der ersten Folge, man bekommt ein weitaus besseren Zugang zu ihnen und ihren Motiven, und das Gesamtpaket fühlt sich einfach unglaublich rund an. Wenn die Erzählform der zweiten Folge so in dieser Art für die gesamte Serie beibehalten werden kann, könnte sich das von vielen Kritikern positiv aufgenommene Format Ray Donovan zu einem kleinen Geheimtipp des Serien-Sommerlochs entwickeln. Ray Donovan wirkt eher ruhig und bedächtig, und dennoch gibt es zahlreiche Momente der Spannung und gnadenloser Deutlichkeit, als auch des leicht-lockeren Witzes gepaart mit einer guten Portion Charme - insbesondere Liev Schreiber kommt mit seiner Art sehr stark rüber. Ray’s Vater Micky bringt eine Prise Geheimnisvolles mit sich, die komplexe Familiensituation um Ray’s Frau, seinen Kindern, seinen Brüdern und dem eben wieder aufgetauchten Vater verspricht reichlich Konfliktpotenzial für die Zukunft. Jetzt muss man es nur noch richtig ausspielen. Die starke Besetzung, ob jetzt Liev Schreiber (extrem cool und lässig), Jon Voight (eine unheimliche Präsenz), Eddie Marsan (anspruchsvolle Rolle, stark umgesetzt) oder sogar Elliott Gould, Ray Donovan kann neben dem Fakt, dass es ziemlich gut aussieht, einfach aber äußerst effektiv und stilsicher gefilmt ist, auch mit einer Reihe hoch dotierter Schauspieler aufwarten. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird und bleibe am Ball. Definitiv einen Blick wert.


Ray Donovan läuft seit 30. Juni immer sonntags auf Showtime.

Montag, 8. Juli 2013

Game of Thrones - 5 Dinge, die mir in der dritten Staffel nicht ganz so gut gefielen


Vor einiger Zeit habe ich hier im Blog einen kleinen Beitrag zur dritten Staffel von Game of Thrones (genauer: zu den 5 Dingen, die mir in der dritten Staffel besonders gut gefallen haben) veröffentlicht. Jetzt, fast vier Wochen (uff!) nach der Ausstrahlung des Staffelfinales, möchte ich noch einmal auf Game of Thrones eingehen, auch wenn der Buzz etwas abgeebbt ist. Zum einen, weil ich es großspurig angekündigt hatte (Merke: so etwas macht man nicht) und zum anderen, weil ich das Gefühl habe, dass es wichtig ist hervorzuheben, dass diese Season auch nicht alles Gold war, was glänzte. Schwer zu glauben, oder? Und da man ja immer was zu tun hat, komme ich halt erst jetzt dazu, zu einem Zeitpunkt, an dem so mancher gedanklich schon wieder ganz woanders ist. Wie dem auch sei, es wird sich schon jemand finden, der Interesse an diesem Beitrag finden wird. Also: Los geht’s, 5 Dinge, die mir in der dritten Staffel von Game of Thrones nicht so gut gefallen haben.

(Wie auch schon in dem vorangegangen Beitrag hat die Nummerierung der einzelnen Unterpunkte keine weitere Bedeutung, dient einzig und allein der Ordnung und nicht der Platzierung. Und wie immer: SPOILERWARNUNG!)


1. Jon Snow aka Kit Harrington und die Wildlings!

Keine Frage, am Ende hatte ich auch meinen Spaß mit Harrington’s Handlungsbogen. Und Rose Leslie (Ygritte) ist eine wunderschöne Frau, der ich sehr gerne beim Schauspielern zugesehen habe; Kristofer Hivju hat einen ganz eigenen Tormund Giantsbane verkörpert, ein wenig anders, als ich ihn mir ob der Buchvorlage vorgestellt hätte, was mir aber eigentlich sehr gut gefiel. Und Mackenzie Crook hat seine Sache als Orell auch sehr ordentlich. Aber. Oder besser: Jedoch. Die Handlung Beyond the Wall gehörte diese Staffel zweifelsohne mit zu den schwächsten. Leider konnte visuell nie das ganze Ausmaß der Wildling-Armee erfasst und übermittelt werden. Hinzu kam ein eher schwacher Mance Rayder, für dessen Rolle man HBO-Veteran Ciarán Hinds (Rome) verpflichten konnte, welcher im Endeffekt jedoch nicht nur blass blieb, sondern auch kaum Auftritte hatte. Sicherlich wird sich das in Staffel 4 ändern, doch wurde man keinesfalls dem Tease des Endes der 2. Staffel gerecht, als Jon Snow kurz davor stand, dem berühmt-berüchtigten Mance Rayder zu begegnen. Zu Jon Snow selbst lässt sich nur sagen, dass er nach wie vor ein äußerst wichtiger Charakter der Show ist, doch lag dies diese Season weniger am schauspielerischen Talent eines Kit Harringtons (teilweise erschreckend schwach, nur zum Ende konnte er wirklich überzeugen) oder irgendeiner bahnbrechend-spannenden Handlung, sondern vielmehr daran, dass Jon Snow nun mal des Zuschauers einzige Möglichkeit ist, Einblick in das Wildling-Geschehen beyond the wall zu bekommen. Alles in allen war dieser Handlungsbogen rund um Jon Snow und den Wildlings eher eine Enttäuschung für mich, trotz kleinerer Höhepunkte (Tormund’s Weisheiten in Sachen Liebesspiel, The Climb, das dramatische Finale samt toller Kampfchoreographie in The Rains of Castamere). Da muss nächste Season mehr kommen. Doch bin ich dahingehend guter Dinge, betrachtet man die (neue) Ausgangslage nach dem Staffelfinale. Gerade Kit Harrington könnte dessen Charakters Rückkehr nach Castle Black schauspielerisch sehr zu gute kommen. Auch wenn wir erst einmal auf das oft unterhaltsame Geplänkel zwischen Jon Snow und Ygritte verzichten müssen.


2. Ramsay Snow und Torture Porn!

Ich kann nachvollziehen, warum man Iwan Rheons Charakter diese Staffel so eingeführt hat, wie er halt eingeführt wurde. Die Figur des Ramsay Snow ist in den Büchern eine der grausamsten, kaltblütigsten und sadistischsten überhaupt. Dementsprechend wurde der geheimnisvolle „Boy“ (Rheons Rollenname in diversen Castinginformationen) auch dargestellt. Anfangs konnte der unwissende Zuschauer nicht sagen, wer denn diese Person sei, wem sie angehört und welche Motive sie verfolgt. Mit der Zeit, und diversen Foltereinlagen, wurde jedoch immer deutlicher, dass diese Figur ein gnadenloser, kranker Bastard (intended!) ist, der es genießt, den armen Theon Greyjoy zu misshandeln. Der Effekt der dabei entstand, dass man größte Abscheu, Ekel und vielleicht so etwas wie Angst vor Rheons Figur empfand, ist nicht zu bestreiten. Genauso wie das Mitleid, dass man irgendwann mit Alfie Allen aka Theon Greyjoy hatte, obwohl er in der vorangegangenen Staffel neben Joffrey zum Hassobjekt Nummer eins aufstieg. Unter den Tisch fallen lassen möchte ich auch nicht, dass ich natürlich auch das ein oder andere Mal ob bizarrer Situationskomik und einen glänzend aufgelegten Rheon lachen musste. Und dennoch, mir gefiel das übertriebene Foltern nicht. Das lag jetzt nicht unbedingt daran, dass ich es abstoßend und widerlich fand, sondern vielmehr daran, dass mir zu oft wie ein billiges Stilmittel vorkam. In regelmäßigen Abständen sprang die Handlung zu Theon und zeigte uns wieder einmal, wie sehr er doch gefoltert werden würde. Natürlich ist einem klar, was die Macher damit bezwecken wollen, aber irgendwann empfand ich es als eher langweilig. Es fühlte sich mehr nach Foltern um des Foltern Willens an. Meiner Meinung nach hätte man diesen Handlungsbogen durchaus kürzer fassen können, denn ich bin bestimmt nicht der einzige, den dieser Aspekt der 3. Staffel von Game of Thrones irgendwann nur noch wenig interessiert und eher gelangweilt hat.


3. Bran und seine Entourage!

Jedes Mal, wenn der Szenenwechsel zu Bran, Rickon, Hodor, Osha, Jojen und Meera erfolgte, habe ich gedanklich abgeschaltet. Höchstens am Ende der Staffel, als man zweimal auf gute Art und Weise zwei verschiedene Handlungsbögen miteinander verknüpfte (einmal mit Jon Snow und seinen Wildlings, einmal mit Sam und Gilly), gefiel mir die Geschichte um die von vielen tot geglaubten Stark-Zöglinge zumindest ein bisschen besser als sonst. Es war schon ein wenig komisch aber nicht minder effektiv, als Rickon zum ersten Mal wirklich den Mund aufmachte und sogleich herzzerreißende Worte von sich gab. Natalie Tena (Osha) kann man eventuell noch ein kleines Kompliment machen, hatte sie mir doch (neben Hodor selbstverständlich) noch mit am besten gefallen. Leider wird man ihre Figur, nachdem sie die Gruppe zusammen mit Rickon verlässt, in der 4. Staffel wohl nur noch sehr wenig oder vielleicht gar überhaupt nicht mehr zu sehen bekommen. Ob jetzt der geheimnisvolle Jojen Reed (Thomas Brodie-Sangster) oder seine Schwester Meera, die eigentlich nur da war, sich kurz mit Osha stritt und dann weiterhin ohne wirkliche Relevanz vor sich hinexistierte, die neuen Charaktere blieben sehr blass und machten die Sache nicht spannender. Und auch Bran selbst (ohne das Talent von Isaac Hempstead Wright in Frage stellen zu wollen) schaffte es nicht wirklich, der Geschichte seinem Stempel aufzudrücken, auch wenn er ihr Protagonist war. Ein äußerst öder und lahmer Handlungsbogen, es passierte nicht viel, und wenn etwas passierte, dann erschien es recht banal und unwichtig, um wirklich des Zuschauers Interesse zu erwecken und die Handlung voranzutreiben. Hier muss ordentlich nachgebessert werden, das sollte selbst den Produzenten klar sein.


4. Sam (und Sansa)!

Ich befinde mich jetzt in einer Zwickmühle, möchte ich diesen beiden Figuren keinen eigenen Unterpunkt widmen, jedoch ihre Rollen in dieser Staffel dementsprechend zusammenfassen und in einem Punkt abarbeiten, weil sie exemplarisch für ein paart recht nervige Momente der dritten Staffel von Game of Thrones stehen. Dabei ist es eher ein persönliches Empfinden gegenüber den beiden, und ich weiß nicht, ob es für den Leser so leicht nachzuvollziehen ist. Vor allem Sam nervte mich ganz schrecklich. Das ist eventuell für den einen oder anderen eher weniger überraschend, denn gehe ich stark davon aus, dass ich nicht der einzige gewesen bin, dem es so ging.. Und das lag jetzt nicht unbedingt an John Bradley, sondern vielmehr an der Figur und ihrem Charakter selbst. Sam kann nichts. Er kann nicht kämpfen, er kann kein Feuer machen, er ist schlichtweg ein Verlierertyp. Und das wird dem Zuschauer immer wieder aufs Neue klargemacht. Und mich nervte das. Mich nervte zum einen, dass Sam komplett unfähig war und zum anderen, dass es mir das immer wieder gezeigt wurde. Als Zuschauer habe ich dann immer wieder abgewinkt, fast so wie beim Bran-Arc. Ja, wir haben es verstanden, Sam ist dusselig, eine Trantüte, generell unfähig usw. Einzig und allein die ab und an aufkeimende Spannung konnte es für mich retten. Bei Sansa wiederum lässt sich ein ähnlich nerviges Phänomen wie bei Sam entdecken, weil wir immer wieder und wieder darauf hingewiesen werden: Sansa ist dumm und naiv. Ja, auch das hatten wir irgendwann klar und deutlich verstanden, sie ist ein dummes kleines Mädchen, das tagein tagaus von Prinzen und Minnesängern träumt. Gerade zu Beginn der Staffel war sie ein Spielstein par excellence und ich konnte sie aufgrund ihrer Naivität nur selten wirklich ertragen. Zum Ende der Staffel besserte sich dies glücklicherweise, doch störte mich, dass man derartig übertrieben immer wieder gezeigt bekommen hatte, wie realitätsfremd Sansa doch durch ihr Leben schreitet. Natürlich verstehe ich, dass man einen Charakter in bestimmte Richtung hin etablieren und dementsprechend zeichnen möchte, das trifft auf Sansa als auch auf Sam zu, um später mit dem entworfenen Charakterbild eventuell komplett zu brechen und uns Zuschauer zu überraschen. Doch muss ich auch sagen, dass in diesen Momenten weniger oft mehr ist. Der Zuschauer ist nicht so dumm, als könnte er oder sie nicht anhand ein paar gezielt gesetzter Szenen erkennen, in welche Richtung sich ein Charakter entwickelt könnte bzw. entwickeln wird. Auch wenn wir allerhand fantastische Charaktere und Charakterentwicklungen in Game of Thrones zu sehen bekommen, bei diesen beiden Figuren mochte mir das nicht wirklich schmecken.

Okay, subjektiv gesehen muss ich Sansa ein bisschen aus der Schusslinie nehmen. Mein Gott, es ist halt Sophie Turner. Und am Ende der Staffel wurde schon ein wenig angedeutet, dass sich Sansa als Charakter (endlich) weiterentwickeln wird.



Apropos: Hat hier jemand was von "weniger ist oft mehr" gesagt? Wie passend, das bringt mich doch glatt zu meinem letzten und (ironischerweise) umfangreichsten Punkt…

5. Die Komplexität! - Charaktere und Handlungsstränge en masse!

Dieser Punkt mag vielleicht ein wenig paradox erscheinen, ist es doch gerade die ausgezeichnete Komplexität dieser Erfolgsserie, die vielen so viel Freude bereitet. Und auch ich schätze diesen Aspekt an Game of Thrones sehr, dank eines guten Namens- und Konstellationsgedächtnisses habe ich eigentlich keine Probleme, der Serie und den verschiedenen Handlungssträngen zu folgen. Aber in Staffel 3 fiel mir etwas auf, was in den beiden vorangegangenen Staffel nicht so sehr der Fall war: es wurde einfach mehr. Also alles. Mehr Figuren, ergo mehr Handlungen, mehr Schauplätze, einfach alles. Vielleicht ist das auch nur meine subjektive Wahrnehmung, doch hat sich diese in gewisser Weise bestätigt, als ich wöchentlich Reviews und Recaps zur dritten Staffel im Netz las. Ich möchte diesen Aspekt auch nicht wirklich als Schwachpunkt der dritten Staffel bezeichnen, doch darf es auch nicht unerwähnt bleiben. Wie bereits gesagt, die Komplexität, die Vielzahl von verschiedenen Charakteren und deren Motivation ist mitunter der Grund, warum viele diese Serie so schätzen. In Staffel 3 wurden viele neue Figuren eingeführt (die Queen of Thorns, Ramsay Snow, Mance Rayder, Tormund Giantsbane, Beric Dondarrion, Thoros of Myr usw.), als auch schon bekannten Charakteren mehr Spielraum gegeben (Roose Bolton, Margaery, Sam usw.). Und das ist toll. Neue Charakter in Game of Thrones sind immer interessant und bereichern das Geschehen, und altbekannte Charaktere, welche bereits eingeführt wurden und jetzt mehr Screentime bekommen, vertiefen bestimmte Handlungsbögen und erweitern den Mikro-/ Makrokosmos von Westeros bzw. Esteros.

Jedoch ist es auch so, dass trotz größerer Anzahl von handelnden Charakteren wir nach wie vor „nur“ 10 Folgen pro Staffel zu sehen bekommen. Und so passierte es diese Staffel oft, dass sich die eine oder andere Folge ein wenig überladen, vollgepackt und folglich arg sprunghaft anfühlte, weil man eben oft zwischen vielen Schauplätzen wechselte bzw. wechseln musste. Hinzu kam, dass einige (beliebte) Figuren weit weniger Auftritte hatten, als es sich der Zuschauer vielleicht gewünscht hatte. Die Queen of Thorns zum Beispiel durfte sich zu Beginn kurz profilieren, auch wenn dies äußerst gut war, doch verschwand sie ebenso schnell wieder von der Bildfläche. Lange musste man auf einen Auftritt von Varys warten, Littlefinger spielte im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls eine eher kleinere Rolle. Mance Rayder wiederum, toll besetzt durch weiter oben bereits erwähnten Ciarán Hinds und zu Beginn der Staffel eingeführt, geriet schnell wieder in Vergessenheit. Dies sind nur ein paar Beispiele und vielleicht empfindet der Leser es anders, doch hatte ich oft den Eindruck, dass man sich mit der Masse an Charakteren gleichzeitig die schwere Aufgabe zumutete, jeden auf irgendeine Art und Weise mit einzubinden. Diese Absicht ist lobenswert, doch können sich so auch schnell Probleme ergeben; manche Figuren treten nur sehr kurz auf oder spielen dann auf einmal nur noch eine kleine oder eben gar keine Rolle mehr. Deswegen wäre es eventuell ratsam, in der nächsten Staffel den Fokus wieder auf wenige Handlungsstränge zu richten bzw. sie miteinander zu kombinieren.

Jedes Mal, als dies in der dritten Staffel geschah, zum Beispiel indem man einen großen Handlungsbogen in Kingslanding zu sehen bekam und die dementsprechende dort situierten und handelnden Figuren wechselweise ihre Auftritte hatten, fühlte sich Game of Thrones meiner Meinung nach am besten an. In der vierten Staffel werden nun mehrere Handlungsebenen und -stränge miteinander verknüpft - nur ein paar Beispiele: Jon Snow ist wieder am Castle Black, zusammen mit Sam; Jamie ist zurück in Kingslanding etc. – was es den Machern eventuell leichter machen könnte. Doch darf man sich auch keinen Illusionen hergeben, dass wieder eine handvoll neue Charaktere mit dazustoßen werden. Das ist nun mal The Song of Ice and Fire, es gibt gefühlt unendlich viele Figuren, die wiederum diese Welt natürlich auch bereichern. Deswegen wird es für die Macher auch nicht leichter werden, mit der Problematik Komplexität, eventuell sogar eine Art Fluch und Segen zugleich, richtig umzugehen. Doch bin ich zuversichtlich, dass man das hinbekommen wird. Wie gesagt, persönlich gefiel es mir in Staffel 3 größtenteils sehr gut, doch wurde auch manchmal recht deutlich, wie schwer es doch ist, mit dem gegebenen Material effektiv zu arbeiten, den Überblick zu behalten und den Zuschauern das zu geben, was sie sehen wollen, ohne sie vielleicht zu verwirren. Jedoch gibt es einen Trumpf hinsichtlich des möglichen Problems Komplexität: George R.R. Martin. Dieser ist ja nicht gerade dafür bekannt, zimperlich mit seinen Charakteren umzugehen. Also darf man stark davon ausgehen, dass auch in der vierten Staffel der ein oder andere Charakter das Zeitlich segnen wird, wodurch wieder Platz für neue Charaktere geschaffen wird. Buchleser wissen an dieser Stelle wie immer mehr…

Und weil ich einfach nix Gescheites in Sachen Bebilderung etc. zu diesem Thema in der Unendlichkeit des Internets gefunden habe, ein Video, dass auch ganz cool ist:


Huch. So viel. Das tut mir leid. Gerade der letzte Punkt lag mir am Herzen und es bedurfte einer ausführlichen Erläuterung, um diesen verständlich zu machen. Ich hoffe, es lesen zumindest noch ein paar Seelen diese abschließenden Worte, wobei ein mancher eventuell sogar schon beim Torture Porn und Ramsay Snow ausgestiegen ist. Bei denjenigen Unerschütterlichen, welche bis hier hin durchgehalten haben, möchte ich mich recht herzlich bedanken. Und bei allen anderen natürlich auch. Gleichzeitig rufe ich den Leser auf, mir mitzuteilen, was ihm oder ihr denn an der dritten Staffel von Game of Thrones nicht so gut gefallen hat. Was war eurer Meinung nach nicht so gut, was hat eventuell sogar genervt? Raus damit. Über allgemeine Kritik an diesem Beitrag meinerseits freue ich mich natürlich auch.