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Donnerstag, 23. Februar 2012

Oscarverleihung 2012 - Tipps, Wünsche und Prognosen

So Herrschaften. Ein wenig stolz bin ich schon, dass ich es geschafft, alle neuen nominierten Filme in der Kategorie Bester Film vor der eigentlichen Verleihung gesehen zu haben. Das ist mir letztes Jahr leider nicht gelungen, was aber auch den Terminen für die Kinostarts in Deutschland (z.B. The Fighter) lag.

Natürlich gibt es weit mehr als diese neun Filme, von denen einer als Bester gekürt wird. Doch irgendein Anhaltspunkt muss man ja haben und da ist es, wenn man sich möglichst genau mit den Oscar 2012 beschäftigen möchte, naheliegend, sich an der Kategorie Bester Film zu orientieren.

Die Oscars 2012. Da gab's schon vorher einigen Geschichten. Brett Ratner als Produzent, Eddie Murphy als Host, das war einmal. So sehr ich mich über letzteren als Moderator der 84. Auflage der Oscars gefreut hätte, Murphy ging mit dem Rückzieher von Ratner mit von Bord. Sei's drum, nun soll ein erfahrener Oscar-Haudegen die ganze Chose leiten, Billy Crystal, der bereits zum neunten Mal durch eine Oscarverleihung führen wird, hat am 26. Januar das Ruder in der Hand und kann es kaum schlechter machen als Anne Hathaway und James Franco im letzten Jahr.

Wer sich nochmal einen Überblick in Sachen Nominierungen machen möchte, dem lege ich meinen kleinen Beitrag über die Oscar-Nominierungen nahe. Dort kann man noch einmal ein paar zusammenfassende Worte meinerseits zu dem Thema lesen.

Es folgen die neun Kategorien, auf welche ich mich stürzen und eine Prognose abgeben werde, wie die Entscheidung der Academy aussehen könnte und was bzw. wer mein persönlicher Favorit in welcher Kategorie ist. Dabei handelt es sich um Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller, Beste Hauptdarstellerin, Beste Nebendarstellerin, Bestes Adaptiertes Drehbuch, Bestes Originaldrehbuch und Bester Animationsfilm. Das wird reichen müssen. Kamera, Ton, Schnitt etc., alles wichtig, aber ich werde höchstens zum Ende hin ein paar Worte darüber verlieren. Sonst wird dieser Beitrag noch länger als er jetzt schon ist.

Und nein, The Artist steht bei mir nicht in jeder Kategorie ganz oben.

Und auf den Spannungsbogen verzichte ich auch. Ich lege eiskalt mit der Kategorie
Bester Film los.
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Bester Film
The Artist
The Descendants
Extremely Loud & Incredibly Close
The Help
Hugo
Midnight in Paris
Moneyball
The Tree of Life
War Horse

Es ist kein Geheimnis, dass The Artist der ganz große Kandidat, nicht nur in dieser Kategorie, sondern generell bei den Oscars 2012 ist. Malick's Tree of Life ist zwar schon eine Weile her, doch hat er bei den Kritikern Eindruck hinterlassen. Scorsese's Hugo gilt wahrscheinlich noch als härtester Konkurrent für The Artist, The Descendants werden Außenseiterchancen zugeschrieben. Dahinter tummeln sich eng beieinander War Horse, Moneyball, Midnight in Paris und eben The Tree of Life. The Help und Extremely Loud And Incredibly Close dürften keine größere Rolle spielen.

Academy: The Artist
Dafür spricht einfach zu viel, dafür ist der Film schon im Vorfeld viel zu erfolgreich gewesen. Alles andere wäre mehr als erstaunlich.

Bomme:
Ich wünsche es Moneyball. Ich fand diesen Film klasse. Auch The Tree of Life hat mich beeindruckt. Hugo, War Horse, Midnight in Paris und The Descendants, alles tolle Filme. Doch auch ich sage: The Artist.
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Beste Regie
The Artist - Michel Hazanavicius
The Descendants - Alexander Payne
Hugo - Martin Scorsese
Midnight in Paris - Woody Allen
The Tree of Life - Terrence Malick

Erstklassige Auswahl, zum Zunge schnalzen. Jeder von den fünf Kandidaten hätte es sich verdient. Hier hat man die Qual der Wahl. Schwierige Entscheidung.

Academy: Michel Hazanavicius oder Martin Scorsese
Scorsese hat schon einen Golden Globe für die beste Regie mit Hugo gewonnen und man hat das Gefühl, die Academy möchte dem so oft nominierten und nur einmal erfolgreichen (The Departed) Regisseur etwas zurückgeben. Martin Scorsese mit den besten Chancen, dahinter Hazanavicius, Woody Allen und Terence Malick. Alexander Payne in Anbetracht der Konkurrenz zu schwach.

Bomme: Martin Scorsese
Er hat es sich einfach verdient und mit Hugo einen tollen Film abgeliefert. Dahinter Hazanavicius, Allen und Malick ebenbürtig.
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Bester Hauptdarsteller
Demián Bichir - A Better Life
George Clooney - The Descendants
Jean Dujardin - The Artist
Gary Oldman - Tinker Tailor Soldier Spy
Brad Pitt - Moneyball

A better Life habe ich nicht gesehen, Demián Bichir räume ich gegen diese Konkurrenz eh nur geringe Chancen ein. Clooney, Dujardin, Oldman, Pitt, das ist Wahnsinn.

Academy: Seeehr schwierig. Es wird sich zwischen Dujardin, Clooney und Oldman entscheiden.
Oldman sei's wirklich gegönnt, starke Vorstellung in Tinker Tailor Soldier Spy. Clooney auch super in The Descendants. Ich denke, die Academy traut den jungen Dujardin in Zukunft noch einiges zu. Hier mag ich keine Prognose abgeben, zu ausgeglichen.

Bomme: Eigentlich Brad Pitt. Ganz groß in Moneyball. Aber ob Dujardin, Oldman oder Clooney, mir egal. Alle drei herausragend. Es wird nicht Dujardin's letzte Nominierung sein, die Entscheidung fällt für mich zwischen George Clooney und Gary Oldman. Puh. George Clooney. Nein, Gary Oldman. Jean Dujardin! Ach, ich weiß es nicht.
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Bester Nebendarsteller
Kenneth Branagh - My Week With Marilyn
Jonah Hill - Moneyball
Nick Nolte - Warrior
Christopher Plummer - Beginners
Max von Sydow - Extremely Loud & Incredibly Close

Warrior, My Week With Marilyn und Beginners (Schande über mich) nicht gesehen. Hier scheint es aber eindeutig zu werden.

Academy: Christopher Plummer
Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern. 83 Jahre alt, eine Schauspiel-Legende, die Kritiker lieben ihn. Er wird's machen.

Bomme: Auch wenn nicht gesehen, ich tippe ebenfalls auf Christopher Plummer. Jonah Hill fand ich in Moneyball sehr gut, Nick Nolte soll in Warrior stark gewesen sein. Muss sich dann bei Gelegenheit mal angesehen werden.
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Beste Hauptdarstellerin
Glenn Close - Albert Nobbs
Viola Davis - The Help
Rooney Mara - The Girl with the Dragon Tattoo
Meryl Streep - The Iron Lady
Michelle Williams - My Week With Marilyn

Albert Nobbs, My Week With Marylin und The Iron Lady (noch) nicht gesehen. Aber auch hier gibt es eine klare Tendez.

Academy: Meryl Streep
Ähnlich wie bei Plummer. Man möchte sie unbedingt ehren. Michelle Williams dahinter.

Bomme: Meryl Streep
Für Rooney Mara wurde es mich freuen, sie wird aber noch genug Möglichkeiten auf einen Oscar bekommen. Streep nimmt den goldenen Mann mit nach Hause.
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Beste Nebendarstellerin
Bérénice Bejo - The Artist
Jessica Chastain - The Help
Melissa McCarthy - Bridesmaids
Janet McTeer - Albert Nobbs
Octavia Spencer - The Help

Die Kategorie, wo ich am wenigsten einen Plan habe. Uff.

Academy: Bérénice Bejo oder Octavia Spencer
Beide sehr gut. Melissa McCarthy mit Außenseiterchancen.

Bomme: Bérénice Bejo oder Octavia Spencer
Tippe aber eher auf Spencer. Das würde zur Academy passen. Bejo wäre aber auch nachvollziehbar. Ich fand ja Jessica Chastain in The Help, ähm, sehr hübsch. Melissa McCarthy avanciert wie ihr Film Bridesmaids zum Publikumsliebling, jedoch mit geringen Chancen.
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Bestes adaptiertes Drehbuch
The Descendants - Alexander Payne & Nat Faxon & Jim Rash
Hugo - John Logan
The Ides of March - George Clooney & Grant Heslov and Beau Willimon
Moneyball - Screenplay by Steven Zaillian and Aaron Sorkin, Story by Stan Chervin
Tinker Tailor Soldier Spy - Bridget O’Connor & Peter Straughan

Eine wahnsinnig gute Auswahl. Alle gesehen, von allen sehr angetan. Ähnlich schwierig wie Bester Hauptdarsteller.

Academy: Ich weiß es nicht. Die Kandidaten sind einfach zu gut. Ich kann die Academy schwer einschätzen. Hier werden wir uns wirklich überraschen lassen müssen.

Bomme: Ich pushe wieder Moneyball. Toll geschrieben. Der Film muss für meinen Geschmack irgendetwas abgreifen. Ansonsten Tinker Tailor Soldier Spy. Oder The Ides of March, wäre nicht unverdient. Tendiere aber eher zu Tinker Tailor Soldier Spy.
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Bestes Originaldrehbuch
The Artist - Michel Hazanavicius
Bridesmaids - Annie Mumolo & Kristen Wiig
Margin Call - J.C. Chandor
Midnight in Paris - Woody Allen
A Separation - Asghar Farhadi

Bunte Mischung unter den Nominierten. Margin Call leider nicht gesehen, soll sehr gut sein. A Separation wird aller Wahrscheinlichkeit nach als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet.

Academy: Woody Allen oder Michel Hazanavicius
Beide haben tolle Arbeit abgeliefert und hätten es verdient in ihrer Regisseur/Drehbuchautor-Doppelrolle. Zwischen diesen beiden wird es sich entscheiden. Asghar Farhadi könnte mit A Separation für eine Riesen-Überraschung sorgen.

Bomme: Woody Allen 
Midnight in Paris hat mir richtig gut gefallen, eine originelle und sehr charmante Geschichte. Und The Artist muss ja nicht überall ganz vorne mit dabei sein. Woody Allen vor Hazanavicius.
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Bester Animationsfilm
A Cat in Paris
Chico & Rita
Kung Fu Panda 2
Puss in Boots
Rango  

Kein Adventures of Tintin. Sehr schade. Zwei unbekannte und drei relativ große Produktionen. Ich hab meinen Favoriten.

Academy: Ohne Tintin ist das nicht einfach. Kung Fu Panda 2 oder Rango.
Kung Fu Panda 2 technisch aller erste Sahne, Rango speziell und einzigartig. Da ich die anderen aber nicht gesehen habe, möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Bomme: Rango
Ich liebe Rango. Ich hätte The Adventures of Tintin gesagt, so wird es eben Rango. Ein ganz besonderer und positiv-eigenartiger Film. Nebenbei eine Empfehlung meinerseits.
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Freunde, das sind die neun Kategorie. Du lieber Gott, das ist nicht wenig. Seid nachsichtig in Sachen Rechtschreibfehler. Und Verlinkungen habe ich mir dieses Mal größtenteils auch gespart.

Kurz noch ein paar Anmerkungen:
  • Spielberg's War Horse wird irgendetwas mitnehmen. Kamera, Szenenbild, Ton, Beste Filmmusik (John Williams again, auch für The Adventures of Tintin nominiert). Der Film hätte es meiner Meinung nach zumindest verdient.
  • Gleiches gilt für Moneyball. Er muss etwas gewinnen. Schwer unterschätzt. Ich würde mich sehr freuen.
  • Bin immer noch sauer, dass Drive nicht wirklich berücksichtigt wurde. Eine Nominierung für bester Tonschnitt. Lächerlich. Zum wiederholten Mal: Dumme Academy. Das Gleiche gilt für Michael Fassbender und Shame. Manche Entscheidungen kann man einfach nicht nachvollziehen.
  • Ehrenoscar für James Earl Jones. Die Stimme von Darth Vader und Mufasa aus The Lion King. Ein großer Mann. Gute Wahl.

Das war's. Genug geschrieben. Wirklich jetzt. Diesen Sonntag, am 26. Februar, findet die 84. Verleihung der Oscars in Los Angeles statt. Verfolgen kann man das ganze im deutschen Fernsehen auf ProSieben, präsentiert von Wannemarie Arnkross. Steven Gätjen ist auch dabei. Yay. Nicht. Egal, sucht euch einen Stream im Netz, von denen wird es genügend geben.

Nach den Oscars folgt von mir dann der dritte und abschließende Artikel zur Thematik, die Verleihung selbst, ihre Gewinner und Verlierer. Das wird sicherlich auch wieder sehr umfangreich. Bis dahin.

Hier nochmal das wirklich gelungene Opening vom letzten Jahr. Das funktioniert bei den Oscars immer wieder. Und der Vollständigkeit halber der ausführliche Wikipedia-Artikel zu den Oscars.



Mittwoch, 8. Februar 2012

The Muppets / Hotel Lux


The Muppets

Die Muppets sind Kult. Gut, das ist glaube ich allgemein bekannt. Eigentlich bin ich zu jung für die Muppets, die Muppet Show lief von 1976 bis 1981, ich selbst wurde erst 1991 geboren. Dennoch, dank gut-elterliche Sozialisation wurde auch ich in jungen Jahren zu einem großen Muppet-Fan, insbesondere was die zahlreichen Muppet-Filme anging bzw. nachwievor angeht. Und ich wollte dann natürlich auch unbedingt den neuen Muppet-Film sehen. Was habe ich gelacht. Ich kann mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal so viel Spaß im Kino hatte. The Muppets ist Feel Good-Entertainment pur.

Kurz zur übersichtlichen Story: Die Muppets sind schon lange aus dem Geschäft, nur noch wenige Fans halten ihnen die Treue. Einer davon ist Walter (Mensch oder Muppet?), der mit seinem Bruder Gary (Jason Segel) im kleinen Städtchen Smalltown wohnt. Walter ist wohl der größte Muppet-Fan auf Erden und als er erfährt, dass das alte Muppet Theater von einen bösartigen Öl-Mogul abgerissen werden soll, setzt er mit Hilfe seines Bruders und dessen Freundin Mary (Amy Adams) alles daran, dies zu verhindern. Dafür mussen die Muppets wieder vereint werden, Frosch Kermit an der Spitze, und in bester Blues Brothers-"Wir bringen die Band wieder zusammen!"-Manier rottet sich der illustre Haufen erneut zusammen, um dann die Show des Jahrtausends auf die eingestaubte Bühne des Muppet Theaters in Los Angeles zu bringen...

Man kommt sich vor wie in einem seltsamen Musical mit vielen bunten, fedrigen, wuscheligen Gestalten, Gesangs- und Tanzeinlagen gehören einfach zum Programm von The Muppets. Dabei wirkt es oft sehr kindgerecht, doch stört dies überhaupt nicht, denn auch Ältere werden mit diesem Film ihre Freude haben. The Muppets nimmt sich minütlich selbst auf die Schippe, ob mit abstrusen Songtexten oder popkulturellen Anspielungen. Die Gags sind klassisch-muppetiös, ob Kermit, Fozzie Bear, Miss Piggy oder der abgedrehte Gonzo, hier fühlt man sich wohl und bestens unterhalten. Die Macher, zu denen auch der hochengagierte Jason Segel (Mit-Drehbuchautor) zählt, welcher weit mehr als sein gesamtes Herzblut in dieses Projekt gesteckt hat, greifen zusätzlich auf zahlreiche Klischees von altbekannten Reunion-Streifen (z.B. mit stereotypischen Filmmontagen) zurück. Die Leichtigkeit wurde bewahrt, auch wenn man das Projekt sehr ernst genommen hat.

Wie so oft gibt es massig Cameo-Auftritte von bekannten TV- und Filmstars, einige sorgen für große Lacher, deswegen möchte ich hier nicht zu viel verraten. Am Ende bekommt man dann die große Show zu sehen, welche die Muppets zurück ins Geschäft bringen soll. Auch hier werden noch einmal sämtliche Register gezogen. Ich war sehr begeistert von The Muppets, weil es mich für etwas mehr als 90 Minuten erneut Kind hat sein lassen, ich habe mich köstlich amüsiert und war ein wenig traurig, als der Film zu Ende war. Ich wollte einfach mehr davon sehen. Bestimmt werden einige eingefleischte Fans meckern und unzufrieden sein. Doch der Großteil der Kritiken lügt nicht. The Muppets ist wirklich sehenswert und verspricht ein herrlich-kömisches Kinoerlebnis, in welchem der alte Charme der Muppets bewahrt wird.




Ich hab's in der deutschen Synchro gesehen, bin mir aber ziemlich sicher, dass die englischsprachige Originalfassung noch ein wenig besser rüberkommt. Smørrebrød!


Hotel Lux

Mit deutschen Kino tue ich mich persönlich etwas schwer, doch war ich interessiert zu wissen, was sich hinter Michael "Bully" Herbig's neuesten Film verbergen würde. Wieder einmal tritt der geborene Komödiant als Hauptdarsteller auf, diesmal aber in einem etwas ernsteren Film, der als Tragikomödie durchgeht. Ein interessantes Setting, ein paar namenhafte Darsteller, ein Versuch ist es wert. Und ich war doch recht angetan von Hotel Lux. Für meinen Geschmack funktioniert der Film, jedoch gibt es auch den ein oder anderen Schönheitsfehler zu bemängeln.

Anfang der 1930er Jahre. Hans Zeisig (Michael Herbig) ist Komiker und tritt mit Kollege Siggi Meyer (Jürgen Vogel) im Varieté Valetti als Parodist auf, vorzugsweise in der Rolle des Josef Stalins, Müller übernimmt den Adolf Hitler. Doch bald kommen die Nationalsozialisten an die Macht, Hitler zu parodieren ist auf einmal gar nicht mehr so lustig, Meyer flieht ins Ausland, doch Zeisig glaubt weiter naiv an den großen Traum von Hollywood. Aber auch er muss dann die Flucht ergreifen, und das am besten auf dem schnellsten Weg nach Amerika. Nicht ganz, Zeisig landet in Moskau, besser gesagt im Hotel Lux, Unterkunft für zahlreiche politisch Verfolgte aus ganz Europa, welche im Herzen des Kommunismus Unterschlupf gefunden haben. Zeisig, von grundauf unpolitisch, bekommt hier sofort seine Probleme, wird zu alledem noch mit Hitler's geflohenen Leibastrologen verwechselt und schwingt sich gar zum persönlichen Berater Stalins auf. Logisch, dass das nicht lange gut gehen kann.

Mit Witz und Humor etwas Leben in diese spezielle Thematik zu bringen kann sich als schwierig erweisen, doch gelingt es Regisseur Leander Haußmann für meinen Geschmack. Hotel Lux ist nicht der Meilenstein der deutschen Filmgeschichte und wurde von der deutschen Kritik überwiegend verrissen, doch gefiel mir die Einfachheit des Films. Viel zu oft fängt Haußmann ein Thema an und bringt es nicht zu Ende, viele Situationen wirken arg schwarz-weiß, aber gerade das machte Hotel Lux für mich unterhaltsam. Vermutlich, oder mit ziemlicher Sicherheit, hatte Leander Haußmann aber ein anderes Anspruchsdenken, doch mir gefiel der unkomplizierte, ab und an zwar fehlerhafte, aber kurzweilige Aufbau gut.

Bully Herbig zeigt wiederum, dass er nicht nur der Gute-Laune-Kasper vom Dienst, sondern auch etwas anspruchsvoller sein kann. Sein Auftritt gefiel mir gut, ka­ri­ka­tu­resk und sympathisch unbeholfen. Zwar kommt man nie wirklich ins große Lachen und einige Witze wirken recht platt, jedoch fühlt man sich unterhalten. DDR-Nostalgiker kommen ebenso auf ihre Kosten, wenn sich Ulbricht, Pieck und Wehner im Hotel Lux tummeln oder bezeichnende Abstimmungen im proletaristischen Sinn abgehalten werden. Die letzten 15 Minuten kommt dann dank einer grotesken Verwechslung nochmal ein wenig Fahrt in die Geschichte. Hotel Lux ist kein Meisterwerk und krankt leider daran, dass man einfach zu viele (gute) Ideen gesammelt hat und dann all diese gleich gut umzusetzen zu versuchte. Leichte Kost für einen ruhigen Filmabend, ein Schmunzeln wird man sich trotz kleineren Logikfehlern nicht verkneifen können. Und Bully ist doch ein ganz netter Kerl.



Dienstag, 24. Januar 2012

Oscars 2012 - Die Nominierungen

Heute Nachmittag wurden die diesjährigen Nominierten für die Oscars präsentiert. Heiße Kandidaten wie The Artist (10 Nominierung), Scorsese's Hugo Cabret (11 Nom.) oder The Descendants (5 Nom.) mischen natürlich auch hier wieder ordentlich mit. Aber auch die bei den Golden Globes leer ausgegangenen Moneyball und War Horse dürfen sich mit je 6 Nominierungen Hoffnungen auf einen Oscar in einer bedeutenen Kategorie machen.

Dennoch, es gab wie jedes Jahr auch einige Überraschungen. Große Überraschungen, die das Web beschäftigen und zahlreiche Unkenrufe provozieren. Doch erst einmal ein kleiner Überblick über die Nominierten in den wichtigsten Kategorien der Oscars 2012.

Bester Film
The Artist
The Descendants
Extremely Loud & Incredibly Close
The Help
Hugo
Midnight in Paris
Moneyball
The Tree of Life
War Horse

Beste Regie
The Artist - Michel Hazanavicius
The Descendants - Alexander Payne
Hugo - Martin Scorsese
Midnight in Paris - Woody Allen
The Tree of Life - Terrence Malick

Bester Hauptdarsteller
Demián Bichir - A Better Life
George Clooney - The Descendants
Jean Dujardin - The Artist
Gary Oldman - Tinker Tailor Soldier Spy
Brad Pitt - Moneyball

Bester Nebendarsteller
Kenneth Branagh - My Week With Marilyn
Jonah Hill - Moneyball
Nick Nolte - Warrior
Christopher Plummer - Beginners
Max von Sydow - Extremely Loud & Incredibly Close

Beste Hauptdarstellerin
Glenn Close - Albert Nobbs
Viola Davis - The Help
Rooney Mara - The Girl with the Dragon Tattoo
Meryl Streep - The Iron Lady
Michelle Williams - My Week With Marilyn

Beste Nebendarstellerin
Bérénice Bejo - The Artist
Jessica Chastain - The Help
Melissa McCarthy - Bridesmaids
Janet McTeer - Albert Nobbs
Octavia Spencer - The Help

Bestes adaptiertes Drehbuch
The Descendants - Alexander Payne & Nat Faxon & Jim Rash
Hugo - John Logan
The Ides of March - George Clooney & Grant Heslov and Beau Willimon
Moneyball - Screenplay by Steven Zaillian and Aaron Sorkin, Story by Stan Chervin
Tinker Tailor Soldier Spy - Bridget O’Connor & Peter Straughan

Bestes Originaldrehbuch
The Artist - Michel Hazanavicius
Bridesmaids - Annie Mumolo & Kristen Wiig
Margin Call - J.C. Chandor
Midnight in Paris - Woody Allen
A Separation - Asghar Farhadi

Bester Animationsfilm
A Cat in Paris
Chico & Rita
Kung Fu Panda 2
Puss in Boots
Rango

Das sind die für mich auf den ersten Blick interessantesten Kategorien, es gibt natürlich noch weit mehr, ob Editing, Sound, Score und so weiter. Wer Interesse dafür zeigt, der kann jetzt HIER draufklicken und wird dann zu den Artikel über die Oscar-Nominierungen vom Empire Magazine weitergeleitet, wo man sich noch einmal in aller Ruhe einen Überblick verschaffen kann.

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Da ich vor den Oscars eh noch einen Beitrag dazu verfassen werde, wer wahrscheinlich meiner Meinung nach in welcher Kategorie das Rennen machen wird, eine kleine Prognose abgeben und meine persönliche Favoriten vorstellen werde, kommen jetzt nur ein paar "kurze" Kommentare zu den Nominierung und der Academy an sich. Und ab dafür:

  • A Separation ist für die Kategorie Bestes Originaldrehbuch (und wieder bester fremdsprachiger Film) nominiert worden und wieder wird mir klar, dass ich diesen Film irgendwie noch nachholen muss. Clooney's Ides of March holt sich zumindest eine Nominierung für das beste adaptierte Drehbuch ab.
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Wer fehlt, was fällt auf?

  • Viel betroffener macht mich die Nichtberücksichtigung von Drive. Kann ich nicht nachvollziehen. Da ist die Nominierung für bestes Sound Editing ja fast beleidigend. Hier bin ich sehr enttäuscht, liebe Academy.
  • Ebenso wurde Steve McQueen's Shame ignoriert. Hab ich noch nicht gesehen, aber nur Gutes darüber gehört. Wie bei Drive haben sich auch hier viele aufgeregt. Ist das Thema (Sexbesessenheit, Promiskuität etc., kurzer Artikel zum Inhalt) zu heikel ? Oder liegt's an Carey Mulligan? Sowohl in Drive als auch in Shame spielt sie mit. Zufall? Was hat sie verbrochen? 
  • Kein Ryan Gosling, kein Michael Fassbender. Zwei ganz herausragende, junge, talentierte Schauspieler. Schließt sich gleich an den Nichberücksichtigungen von Drive und Shame an. Gosling hätte aber selbst wegen Crazy, Stupid, Love oder mindestens The Ides of March ein Kandidat sein müssen.
  • Keine Nominierungen für Carnage (Roman Polanski's fault?), keine Nominierungen für The Adventures of Tintin. Mmh. In meinen Augen auch sehr zweifelhaft. 
  • Andy Serkis hatte noch irgendwo unterkommen können, im Vorfeld wurde ein wenig über seine Arbeit bei Prevolution gemunkelt. Am Ende kam nichts bei herum.
  • Interessiert mich eigentlich überhaupt nicht, aber vollständigkeitshalber: Tja, Fanboys, kein Harry Potter in den großen Kategorien. Wer hat denn das wirklich für möglich gehalten? Tröstet euch mit den Nominierungen für beste Visual Effects (sieh an), bestes Make-Up und Art Direction. 

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So weit, so gut. Die Academy wird sich auf jeden Fall noch einiges anhören lassen müssen. Die größten Überraschungen waren wohl eher negativer Natur, ansonsten bestätigen sich die Trends der Golden Globes. Am 26. Februar ist es dann soweit. Vorher werden noch am 12. Februar die BAFTA Film Awards verliehen, mal abwarten, wie hier die Ergebnisse ausfallen werden. Kurz vor der Oscarverleihung kommt wie bereits weiter oben angekündigt ein Artikel mit Prognosen und Wunschvorstellungen meinerseits. Bis dahin.

Montag, 16. Januar 2012

Golden Globe Awards 2012

Die Golden Globes haben sich in den letzten Jahren wirklich gemausert, für manch einen haben sie die Oscars in Sachen Unterhaltungswert längst überholt. Das wurde insbesondere im vorangegangenen Jahr deutlich, als der grandiose Ricky Gervais mit einer eher unkonventionellen und überaus amüsanten Leitung der Globes für Furore sorgte und wenige Wochen später Anne Hathaway (welche noch die Bessere war) und James Franco die Oscarverleihung 2011 in den Augen vieler gegen die Wand fuhren. Die Golden Globes sind über die Zeit unterhaltsamer, abwechslungsreicher und weitaus lockerer als die Oscars (Hugh Jackman bei den Oscars 2009 mal ausgenommen, das war klasse) geworden, was nicht nur daran liegt, dass auch Awards für TV-Serien und ihre Darsteller vergeben werden.

Dieses Jahr wurde Ricky Gervais erneut die Ehre zu Teil (er selbst würde es wohl kaum als Ehre bezeichnen), die Golden Globe Awards 2012 zu moderieren. Jubelstürme brachen aus, denn im Vorjahr lieferte Gervais wirklich eine hervorragende Show ab. Und auch dieses Jahr legte er wieder ordentlich los und war sich nicht zu Schade dafür die Hollywood Foreign Press Association (für die Globes verantwortlich), NBC oder die versammelte Belegschaft durch den Kakao zu ziehen. Die Pointen saßen, Rücksicht wurde keine genommen, die F-Bombe ist hochgegangen, ich habe mich köstlich amüsiert. Sein Einstiegsmonolog sei an dieser Stelle nocheinmal verlinkt.


ABER, irgendwie haben sie den Gervais für meinen Geschmack etwas ausgebremst. Der Einstieg war glänzend, danach wurde er ein klein wenig gezügelt. Zwar machten die jeweiligen Laudatoren einen grundsoliden Eindruck, (Seth Rogen hatte mit einer "massive erection" zu kämpfen, bekam es dann aber doch noch irgendwie hin) der Ricky Gervais vom letzten Jahr war es jedoch nicht ganz. Man hatte den Host wohl mit Absicht etwas mehr zurückgehalten. Ganz spurlos scheinen die Golden Globes im Jahr zuvor doch nicht an der Hollywood Foreign Press Association vorbeigegangen zu sein, obwohl gerade dadurch ordentlich Publicity gemacht werden konnte. Aber Ricky Gervais wäre nicht Ricky Gervais, wenn er sich nicht trotzdem ständig im Grenzbereich bzw. hart am Limit bewegen würde. Und die Unterschiede zwischen den Globes 2011 und den diesjährigen waren insgesamt allen in allen nicht allzu groß und wenn überhaupt minimal. So war es bezüglich des Unterhaltungsfaktors erneut eine sehr gute Verleihung.

Zum Bereich Film:

Die Erkenntnis der Globes: The Artist und The Descendants gingen als Gewinner der Veranstaltung hervor und sind wohl somit auch große Kandidaten im Rennen um die Oscars. The Artist holte sich gleich drei Globes, bester Film Komödie/Musical, bester Hauptdarsteller Komödie/Musical mit dem charmanten Franzosen Jean Dujardin und die beste Filmmusik. Ein Stummfilm sorgt heutzutage eben für reichlich Wirbel und avanciert so schnell zum Kritikerliebling. Ich freue mich auch schon sehr auf den Kinobesuch, am 26. Januar ist deutschlandweiter Kinostart. George Clooney (der sich wunderbar mit Brad Pitt die Bälle zu spielte) heimste den Golden Globe für den besten Darsteller in einem Drama ab, The Descendants wurde außerdem noch zum besten Film im Bereich Drama gekürt. Eine weitere Empfehlung, The Descendants läuft ebenfalls am 26. Januar 2012 an.


Altmeister Martin Scorsese wurde für Hugo Cabret mit der besten Regiearbeit ausgezeichnet, auch hier darf man sich wohl auf einen wunderschönen Tribut an das Kino per se samt Verbeugung freuen, die Kritiker sind voll des Lobes, ab 09. Februar im Kino. Meryl Streep bekam den Globe für ihre Darbietung als Margaret "The Iron Lady" Thatcher, ich hätte mich für Rooney Mara sehr gefreut, aber Streep kann man ihre Klasse schwer übel nehmen, auch wenn The Iron Lady eher durchschnittlich aufgenommen wurde. In Deutschland erst post-Oscars ab 01. März zu sehen. Es war eine bunte Mischung, bis auf Clooney's Ides of March, Moneyball mit Brad Pitt und David Fincher's Girl with the Dragon Tattoo konnte sich jeder der vorher auserkorenen Favoriten einen Golden Globe sichern. Woody Allen war nicht anwesend und bekam trotzdem für sein Midnight in Paris die Auszeichnung für das beste Drehbuch. Genehmigt. Octavia Spencer (The Help) und Michelle Williams (My Week with Marylin) bekamen den Preis für die beste Nebendarstellerin im Bereich Drama bzw. die beste Hauptdarstellerin in einer Komödie/Musical. Steven Spielberg schaute mit War Horse vorerst in die Röhre, durfte sich dann aber doch noch über den Globe für The Adventures of Tintin freuen. Das fand ich sehr gut, auch für mich vor Rango der beste Animationsfilm des Jahres. Schauspiel-Veteran Christopher Plummer holte sich seinen verdienten Preis für seine Nebenrolle in Beginners ab und der iranische Film A Seperation, über den ich auch nur gutes gehört habe, wurde als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Ach ja, Madonna bekam auch irgendein Preis, but who cares?

Insgesamt gab es wenig Überraschungen, die Auswahl war buntgemischt und qualitativ stark. The Artist und The Descendants stehen wohl auch für die Oscars hoch im Kurs. Dahinter kann alles passieren. Man darf gespannt sein.

Kurz zum Bereich Serie:

Hier hatte ich jetzt nicht wirklich den ganz großen Überblick. Gefreut habe ich mich für Peter Dinklage und Idris Elba. Ersterer wurde für seine ausgezeichnete Darbietung in HBO'S Game of Thrones in der Rolle des Tyrion Lannister (Imp!) geehrt und das völlig verdient. Idris Elba bekam den Globe als bester Hauptdarsteller in einer Mini-Serie für Luther. Auch sehr gut, in Luther sollte man mal allein wegen Idris Elba reingeschaut haben. Zooey Deschanel und ihre neue Serie New Girl sind leider leer ausgegangen, auch wenn es wirklich ein erfrischend komisches Format ist. Gegen das grandiose Modern Family hat man es eben Jahr für Jahr immer wieder sehr schwer. Homeland stach Serien wie das fabelhafte Boardwalk Empire oder Game of Thrones aus und sicherte sich den Golden Globe für die beste Serie in Bereich Drama. Auch in Homeland sollte man mal reinschauen, ich werd's die nächsten Wochen mal versuchen in Angriff zu nehmen und dann berichten. Und Bryan Cranston (Breaking Bad) und Steve Buscemi (Boardwalk Empire) mussten sich letztendlich Kelsey Grammer (Boss, ehemals Frasier) in Sachen bester Serien-Hauptdarsteller Drama geschlagen geben.

Morgan "God of Voices" Freeman wurde dann obendrein noch der Cecil B. DeMille Award für sein Lebenswerk überreicht. Ein wunderbarer Schauspieler, der auch zu meinen persönlichen Favoriten zählt.


Gut acht Wochen und die Oscarverleihung 2012 steht auf dem Plan. Eddie Murphy und Brett Ratner sind nach etwas Hickhack und desletzteren homophoben Äußerungen nicht mehr dabei, Billy Crystal springt dafür (bereits zum neunten Mal) in die Bresche. Doch bis dahin wird noch einiges an Zeit vergehen und ich werde mir einige Filme ansehen, denn wieder einmal haben die Golden Globes als Oscar-Preview ihren Soll erfüllt (es ist doch so...) und mich in vielen Fällen sehr neugierig gemacht.


PS: Was war mit Ryan Gosling? Was war mit Drive? Gerade Drive, jener Film, welcher dermaßen abgefeiert wird. Freitag bin ich in der Vorpremiere, es folgt eine Kritk und vielleicht eine Antwort (aber wohl eher ein lauter Aufruf des Entsetzens, warum dieser Film nicht nominiert wurde) auf diese Fragen.