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Donnerstag, 16. Februar 2012

Die Kunst zu gewinnen - Moneyball / Tinker Tailor Soldier Spy



Moneyball

Baseball. Sport-Phänomen der Staaten, des einen Freud, des anderen Leid. Stunden können für eine Partie dieser Sportart verstreichen, bis letztlich doch ein Sieger feststeht. Abermilliausen Menschen verbringen ihre Freizeit mit Baseball, ob sie nun selber spielen oder doch nur dabei zuschauen. Der Großteil derer, welche selber spielen oder lieber zusehen, kommt aus den USA. In Deutschland hat sich Baseball noch nicht wirklich durchgesetzt, es gibt eine Deutsche Baseball-Bundesliga samt Akademie, doch ich behaupte einfach mal recht wagemutig, dass Baseball in Deutschland nie den Stellenwert erreichen wird, wie es in Amerika der Fall ist. Umso mehr fragt man sich dann als deutscher Filmfreund, warum sollte ich mir Die Kunst zu gewinnen - Moneyball, ein Film über eben Baseball, ansehen? Simple Antwort: weil er sehr gut ist. Warum mir Moneyball so gut gefallen hat, werde ich versuchen zu erklären, aber erst einmal kurz zum Film selbst.

Moneyball basiert auf dem Buch "Moneyball – The Art Of Winning An Unfair Game" aus dem Jahr 2003, geschrieben von Michael Lewis, und dreht sich kurz zusammengefasst um einen Manager eines Baseball-Teams, welcher es trotz finanzieller Schwierigkeiten, Einsparungen im Club-Budget, reichlich Gegenwind aus dem eigenen Verein und Kritik von Seiten der Öffentlichkeit schafft, sein Team, die Oakland Athletics, neues Leben einzuhauchen und eine fast perfekte Erfolgsstory hinlegt. Der Name dieses Managers ist Billy Beane (im Film von Brad Pitt verkörpert) und er war selbst einst ein verheißungsvolles Baseball-Talent gewesen. Jetzt koordiniert Beane, mit persönlichen Problemen und Verpflichtungen behaftet (Scheidung, sich kümmern um seine leibliche Tochter), die Oakland A's, steht aber zur neuen Saison vor einer Mammutaufgabe, da dem Club die nötigen Kohlen fehlen, um altes Spielermaterial zu ersetzen und neues zu verpflichten. Zusammen mit dem jungen Yale-Wirtschaftswissenschafts-Absolventen Peter Brand (Jonah Hill) arbeiten beide eine neue Strategie aus, welche Baseball revolutionieren wird. Also irgendwann einmal. Mit akribischer Datenerfassung und Analyse kann man auch mit einem kleinen Budget bei den ganz Großen mitspielen. So denken zumindest Beane und Brand.

Filme über Sport oder bestimmte Sportarten funktionieren ja zumeist recht ähnlich. Man hat einen Underdog, der gegen die Konkurrenz auf dem Papier keine Chance hat, trotzdem hart an sich arbeitet, um dann doch erfolgreich zu sein. Und Moneyball tanzt diesbezüglich auch nicht aus der Reihe, es ist ein eher klassischer Aufbau den man zu sehen bekommt. Dennoch, Langeweile kommt nicht auf, trotz fehlenden Fachwissen im Bereich Baseball kann man als Otto Normalkinogänger der Handlung wunderbar folgen und fuchst sich mit der Zeit immer mehr in die Materie rein. Spieler werden gekauft, verkauft, gefeuert, ausgetauscht, aufgebaut. Der Manager erwacht in einem, man möchte am liebsten selbst die ganzen Abläufe koordinieren und organisieren. Moneyball gelingt es trotz spezieller Thematik einen zu fesseln und vor allem wirklich zu interessieren.

Hilfreich sind dabei natürlich auch Brad Pitt und Jonah Hill. Beide wurde mit Recht für den Oscar als bester Hauptdarsteller bzw. bester Nebendarsteller nominiert. Pitt spielt seine Rolle hervorragend, immer auf Achse, mit vollster Hingabe, sprunghaft, aufgeregt, dann wieder kühl und berechnend. Im Zusammenspiel mit seiner Film-Tochter (Kerris Dorsey) zeigen sich Beane's emotionale Seiten, die Schlussszene ist ein Bild für sich. Leider habe ich das Gefühl, dass Pitt für seine Rolle in Moneyball ein wenig unterbewertet wird. Es wird ja nur noch über George Clooney und Jean Dujardin gesprochen. Pitt for Oscar, so sieht's aus! Jonah Hill hätte diesen ebenso verdient, seine Rolle ist wie maßgeschneidert für ihn. Der kleine, knubbelige, etwas fülligere frisch-von-der-Uni-Naseweis, den man eh nicht viel zutraut. Umso schöner ist seine Entwicklung im Film. Hill spielt glaubhaft und lebensecht, Mimik und Gestik passen hier perfekt, eine klasse Vorstellung von ihm.

Die Dialoge in Moneyball sind stark - Aaron Sorkin (The West Wing, The Social Network), der große Aaron Sorkin, und Steven Zaillian (Schindler's Liste, Verblendung) haben hier ganze Arbeit geleistet geleistet -, die Charaktere sind vielseitig und facettenreich und was wirklich wichtig ist, man fiebert mit. Bei den Spielen, bei den Verhandlungen, bei Meetings, man hängt an dem Charakter Billy Beane und wünscht ihm den Erfolg von ganzen Herzen. Technisch greift Regisseur Bennett Miller auf einen netten Kniff zurück, indem er Aufnahmen von den echten Oakland A's zeigt, dann immerhin fußt die Geschichte auf wahren Begebenheiten, warum sollte man sich dies nicht zu Nutze machen? Moneyball ist spannend, witzig, unterhaltsam, ein wenig emotional und auf jeden Fall es wert sich anzuschauen. Der Fokus auf die Sportart Baseball kann abschrecken, trotzdem sollte man sich ruhig darauf einlassen, man könnte sehr positiv überrascht werden. So erging es zumindest mir. Moneyball bekommt von mir eine dicke, fette Empfehlung.





Tinker Tailor Soldier Spy


Auf Dame, König, As, Spion oder Tinker Tailor Soldier Spy wie er im englischen Original heißt, war ich sehr gespannt. Ein eher unkonventioneller Agenten-Thriller mit absoluter Starbesetzung (Gary Oldman, Colin Firth, John Hurt, Mark Strong und viele andere). Der Trailer war überragend geschnitten und machte Lust auf mehr, also konnte ich es kaum erwarten, endlich ins Kino zu gehen. Nach der Vorstellung war ich dann verwirrt. Wie sollte ich diesen Film richtig einordnen? Mehrere Nächte darüber geschlafen bin ich dann zum folgenden, vorläufigen Ergebnis gekommen: Sehr gut. Aber auch sehr schwierig und nicht für jedermann.

Kurz zum Inhalt. Tinker Tailor Soldier Spy basiert auf dem gleichnamigen Roman des bekannten Autors John le Carré, der schon unzählige Bestseller veröffentlichte und zu den ganz Großen der Literaturwelt zählt. Die Prämisse im Film ist relativ simpel: Anfang der 70er, in den Hochzeiten des Kalten Krieges zwischen Ost und West, hat sich im britischen Geheimdienst ein Maulwurf eingeschlichen, welcher kostbare Informationen an die Sowjets weitergibt. Zu allen Überfluss kommen für den Maulwurf zudem nur vier ranghohe Agenten in Frage, doch tappt man im Dunkeln, wer denn nun wirklich der Doppelagent ist. Um diese Frage zu lösen, wird der pensionierte George Smiley (Gary Oldman), einer von der alten Schule, reaktiviert. Dieser soll aufdecken, wem man wirklich vertrauen kann und wer der konspirierende Doppelagent im britischen Geheimdienst ist...

Wie bereits geschrieben verspricht der Trailer einiges. Schnelle Schnitte und hoch spannende Musik, eine wilde Hatz nach dem Maulwurf. Pustekuchen. Tinker Tailor Soldier Spy ist ein sehr starker Film, der aber viele in ihren Erwartungen enttäuschen wird. Es wirkt alles sehr behäbig und zäh, man hat zu Beginn seine Probleme, den Film etwas Positives abzugewinnen. Die Dialoge wirken banal, man fühlt sich nicht miteinbezogen und wird zum stillen Beobachter degradiert. Doch hier liegt die Krux. Smiley, der Hauptcharakter, nimmt die gleiche Position wie der Zuschauer ein, sagt kaum etwas und beobachtet nur. Leider fehlt dem Zuschauer aber die Genialität, welche Smiley obliegt, so überlegt man oft erfolglos, wer der Maulwurf ist. Wer erwartet, leicht selbst mit rätseln zu können, liegt falsch. Aufmerksam verfolgt man die Handlung und versucht auf eigenen Faust aus den Dialogen schlau zu werden, was mitnichten gelingt. Liest sich jetzt nicht sehr berauschend oder? Aber man sollte dranbleiben.

Die Spannungskurve steigt langsam, aber sie steigt. Gerade zum Ende hin erscheinen bis dahin verwirrende Tatsachen logisch und schlüssig. Insbesondere die letzten zehn Minuten haben es in sich, hier fühlt man sich dann mitgerissen. Nachhaltig sind die nicht offensichtlichen Dinge, welche Regisseur Tomas Alfredson anspricht. Die Grundfrage nach dem Vertrauen, wem kann man glauben, wem besser nicht. Sind wir nicht alle auf uns allein gestellt? Welche Geheimnisse tragen wir mit uns herum, was für eine Tragweite können diese haben? Ein starker Ansatz im Film, der unterschwellig mitschwingt und nachdenklich stimmt. Mehr als lobenswert ist der Auftritt von Gary Oldman, welcher als heimlicher Oscar-Kandidat gehandelt wird. Warum auch nicht? Seine Rolle ist schwierig, doch meistert er den subtilen, zurückhaltenden Altmeister unter den Agenten mit Bravour. Die gesamte Besetzung macht eine hervorragende Figur, jeden einzeln zu loben, würde hier zu viel Zeit kosten. Doch bleibt die Figur des Smiley stets im Mittelpunkt, so trocken und träge sie auch wirkt.

Ich weiß nicht, wie ich es besser beschreiben soll. Ich hatte und habe nach wie vor Probleme, Tinker Tailor Soldier Spy richtig zu bewerten. Der Film ist teilweise so öde und langatmig, doch hat er etwas. Etwas, das mich gepackt hat. Ist es der erstklassig porträtierte Zeitgeist der 1970er samt der Kulisse des Kalten Krieges? Sind es die facettenreichen Charaktere? Ist es die Eigenart der Geschichte bzw. des schwedischen Regisseurs Alfredson, bestimmte Themen anzuschneiden, jedoch sogleich wieder zu verwerfen, jene nicht näher zu beleuchten und es dem Zuschauer zu überlassen, diese dann zu verstehen und zu interpretieren? Was ich mit Bestimmtheit sagen kann, das Finale von Tinker Tailor Soldier Spy ist grandios. Ich möchte keine unbedingte Empfehlung für diesen Film aussprechen, dafür ist er vielleicht zu speziell. Wenn man seinem Geist mal wieder etwas kompliziertes, anspruchsvolles zumuten möchte, dann ist Tinker Tailor Soldier Spy genau richtig. Dieser Film wird einen beschäftigen. Geht mir persönlich immer noch so. So lange habe ich selten über einen Film nachgedacht. Liegt hier der große Pluspunkt? Meine Meinung: Ja.



Dienstag, 24. Januar 2012

Drive

Am Donnerstag startet Drive in den deutschen Kinos und ich hatte vorab die Möglichkeit, bereits am Freitag der vergangenen Woche mir diesen Film anzusehen. Mit großen Erwartungen bin ich rangegangen und am Ende konnte ich einen der besten Kinobesuche seit langem verzeichnen.

Wenn man sich ein wenig für Film und Kino interessiert, dann wusste man schon im September (Kinostart in den USA) ode gar im Mai (Erstaufführung in Cannes), dass mit Drive etwas Besonderes auf einen zukommen würde. Das Empire Magazine packte Drive auf Platz 1 seiner Bestenliste des Jahres, die Kritiker waren sich größtenteils einig: Drive ist eine ganz heiße Kiste. Im wahrsten Sinne.

Darum geht's: Der Driver (Ryan Gosling) hat keinen Namen. Er ist einfach nur der Driver. Und das hat natürlich auch einen Grund, denn niemand fährt sein Auto so gut wie der Driver. Er arbeitet in einer Autowerkstatt und nimmt nebenbei gelegentlich Jobangebote als Stuntfahrer beim Film an. Doch es gibt noch eine dritte Einnahmequelle für ihn, er fährt den Fluchtwagen bei Überfällen, Räubereien etc. Was gestohlen oder wer beraubt wird, ist ihm egal, er fährt nur, mehr nicht. Er stellt keine Fragen, ihm werden keine Fragen gestellt, es gibt keine Komplikationen. Doch ändert sich sein Leben, als er und seine Nachbarin (Carey Mulligan) langsam Gefühle für einander entwickeln. Alsbald kehrt dann der Ehemann (Oscar Isaac) der Nachbarin aus dem Gefängnis zurück und bringt neue Probleme mit sich, sodass der Driver ihm helfen muss, um das Leben seiner heimlichen Flamme und deren Kind zu schützen. Doch läuft bei dieser Hilfsaktion, ein Überfall auf einen Pfandleiher, eigentlich alles schief und der Driver befindet sich in einer ungewissen Situation, die für ihn und seine Nachbarin große Gefahren birgt. So muss er mit eigenen Händen wieder einiges gerade rücken...

Drive lässt sich wirklich schwer beschreiben. Der Film spielt von Anfang an mit den Erwartungen des Zuschauers. Manch einer wird sich vorher den Trailer angesehen haben, der ein von der ersten bis zur letzten Minute rasantes Action-Spektakel verspricht, doch dem ist nicht so. Die meisten werden von der ersten halben Stunde des Films enttäuscht sein. Es passiert wenig, es wird kaum gesprochen. Generell, es wirkt alles sehr ruhig und behäbig. Doch wichtig ist hier das Unausgesprochene, das ungesagte Wort. Der Fokus liegt auf den äußeren Einflüssen, Licht, unaufgeregte Kameraaufnahmen, Reaktionen in den Augen der Charaktere. Der gesamte Film möchte als ein Sinnbild, eine totale Metapher, verstanden werden. Und das fand ich persönlich sehr beeindruckend.

Ruhig und beständig wie Drive beginnt, umso deutlicher wird er, als der Driver seinen kühlen, in sich gekehrten Charakter verwirft und Emotionen Herr über ihn und sein Auftreten werden. Es wird arg explizit, schockierend, wie der Driver austeilen kann, zu was er in der Lage ist. Sinnbildlich hierfür steht seine einzigartige Jacke. Nicht nur, weil ein goldener Scorpion auf deren Rücken zu sehen ist, nein, auch weil sie für seine Wandlung steht. Sitzt her hinter dem Steuer eines Fahrzeuges, offenbart er sein wahres Ich, so wird die Jacke zu einem Teil von ihm. Und so wird sie bis zum Ende des Films auch immer blutverschmierter. Was vorher noch sehr rein und gepflegt aussah, ist nun dreckig, verschmutzt, besudelt und befleckt.

Gerade die Deutlichkeit, die Energie in vielen Szenen überrascht den Zuschauer und versetzt ihn in eine Schockstarre. Man sympathisiert mit dem wortkargen Protagonisten. Der Däne Nicolas Winding Refn hat hier in meinen Augen etwas Fantastisches abgeliefert. Der Soundtrack ist einfach wunderbar, wie er seine Darsteller in Szene setzt, wie er Aufnahmen einschränkt, verlangsamt und beleuchtet... Hervorragend. Und es gibt diesen einen Moment, den ein jeder Film für mich haben muss. Diesen Moment, wenn alles stillzustehen scheint, wenn man die Intensität einer Szene spürt, wenn man frei von allen anderen Gedanken ist. Und eben einen solchen Moment gibt es in Drive.

Ryan Gosling liefert eine eindrucksvolle Performance ab, doch merkt man auch, trotz Größen wie Albert Brooks, Ron Perlman oder Bryan Cranston, dass eigentlich nur der Driver zählt, und das, wofür er steht. Wenn wir dann das Schlussbild sehen, konsterniert und sprachlos, wenn wir eine Ausblende erwarten, dann werden wir eines Besseren belehrt. Denn der Driver gehört auf die Straße, hinter dem Steuer seines Fahrzeuges. Fahren, das kann er wie kein anderer.

Eine unbedingte Filmempfehlung von mir, eine must-have-seen des Jahres. Drive kann einem einfach so unglaublich viel geben. Man wird über diesen Film nachdenken, grübeln, diskutieren. Das Filmerlebnis ist meinen Augen komplett, und ich wundere mich, warum dieser Film bei den Golden Globes links liegen gelassen wurde. Wie wird es bei den Oscars (Nominierungen gehen am heutigen Tage raus) aussehen? Bin ich vielleicht zu begeistert, als dass ich die Makel von Drive erkenne? Und warum gibt Quentin Tarantino in seiner Bestenliste von 2011 Drive den Nice Try Award? Vielleicht hat er sich kopiert gefühlt, ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass Drive mich absolut überzeugt hat und dass ich diesen Kinobesuch nicht so schnell vergessen werde.

Anschauen. Ab 26. Januar im Kino.



UPDATE: Keine Oscar-Nominierung für Drive. Mmh.

UPDATE 2: Doch, eine. Für bestes Sound Editing...

Donnerstag, 19. Januar 2012

The Help / Anonymous

Ein guter und ein schlechter Film. Welchen von den beiden sollte man sich wohl im Kino anschauen? Auf jeden Fall nicht Anonymous. The Help schon eher.

The Help

Nachdem The Help bei den Golden Globes (mein Senf zu der Verleihung) in einigen Kategorien nominiert wurde und großer Wahrscheinlichkeit nach auch bei den Oscars eine (in meinen Augen eher kleinere) Rolle spielen wird, hab ich mir diesen äußerst sozialkritischen Film und zugleich Umsetzung des gleichnamigen Romans der Schriftstellerin Kathryn Stockett angesehen. Und ich fand ihn gut.

Kurz zum Inhalt: Wir befinden uns in der 60er Jahren Amerikas, genauer Jackson, Mississippi. Hier arbeiten zigtausend farbige Dienstmädchen für ihre weißen Arbeitgeber, erziehen deren Kinder, kümmern sich um den Haushalt, erfahren für diese Arbeit keine Anerkennung und werden zusätzlich spärlich dafür entlohnt. Den Dienstmädchen wird, trotz ihren mühseligen Aufgaben und Bewältigung dieser, keine große Bedeutung zugewiesen. Doch das möchte eine ändern. Die junge Journalistin Eugenia "Skeeter" Phelan (Emma Watson) möchte ein Buch über diese Mädchen schreiben, zeigen, was sie wirklich durchmachen müssen, wie ihr Leben aussieht und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Dafür brauch sie aber Hilfe. Und die bekommt sie von Aibileen (Viola Davis) und ihrer Freundin Minny (Octavia Spencer), zwei erfahrene Dienstmädchen, welche zusammen mit "Skeeter" der großen Masse endlich die Augen öffnen wollen, was für ein Leben Aibileen, Minnie und ihre Zunft wirklich führen...

The Help ist zwar ein äußerst softer und unspektakulärer Film, doch macht er wirklich viel richtig. Da wäre das brisante Thema der Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe in den USA der 60er Jahre samt Bürgerrechtsbewegungen. Man bekommt einen tiefen Einblick in das Leben farbiger Dienstmädchen zu dieser Zeit, wie mit ihnen umgegangen wird und wie sich ihre Arbeitgeber verhalten. Zwar wirkt es anfangs noch wie mit der Keule eingeprügelt, dass die Weißen, insbesondere die Frauen (hier angeführt von Bryce Dallas Howard's Hilly Holbrook), ihre Dienstmädchen fast wie Sklaven behandeln. Doch ändert sich während und bis zum Ende von The Help die Wahrnehmung der farbigen Bediensteten, man erkennt den Hauch, vielleicht den Anfang eines gedanklichen sozialen Wandels, welcher wohlmöglich dann auch zum Schluss mit der Veröffentlichung des Buches "The Help" selbst einzutreten scheint. Dabei werden glücklicherweise auch nicht alle Weißen über einen Kamm geschoren, ob nun die entschlossene Protagonisten Eugenia Phelan, bestimmt und keck von Emma Watson verkörpert, oder die zwar etwas dümmlich-naive, aber herzensgute Figur der Celia Foote (Jessica Chastain, smokin' hot!), die Geschichte bleibt abwechslungsreich und verflacht nicht zu einem Don Quijote-artigen Kampf der schwarzen Bevölkerung Jacksons gegen Diskriminierung. Ein Großteil der weißen Bevölkerung, gerade in den Südstaaten, war noch von altmodischen gesellschaftlichen Konventionen geblendet, aber dennoch gab es auch Menschen, die, bewusst oder unbewusst, keine Unterschiede zwischen schwarz oder weiß machten. Viola Davis und Octavia Spencer (Golden Globe für beste Nebendarstellerin) machen ihre Sache als "revoltierende" Dienstmädchen sehr gut und präsentieren sich eindrucksvoll sowie glaubwürdig als tiefgründige Charaktere, besonders letztere sorgt für einige herzhafte Lacher.

Mit etwas mehr als zwei Stunden zieht sich The Help ein klein wenig hin und vielleicht wirkt es am Ende dann doch etwas zu schmalzig, vorhersehbar und predigend. Doch kann man Regisseur Tate Taylor und Crew kaum einen Vorwurf machen, das Thema kann schwer auf eine andere Art und Weise angegangen werden. Und es ist gut, dass es angegangen wurde. Wieder einmal, stöhnt jetzt der ein oder andere, auch ich tue mich oft mit "moralapostelonischen", anprangernden Filmen schwer, doch haben solche definitiv ihre Daseinsberechtigung, insbesondere wenn sie so gut gemacht und intelligent verpackt sind wie The Help. Ich empfehle ihn weiter.





Anonymous

Oh Gott, muss ich wirklich? Ok, ganz kurz (mehr oder weniger...):

Jaja, wie wir alle wissen machte Roland "blow up anything" Emmerich vor einer Weile von sich reden, als er mit Anonymous einen Film ins Kino brachte, der so gar nicht zu ihm passte. Im Mittelpunkt: Shakespeare. Emmerich stürzte sich auf den unsterblichen Barden und machte eine der größten, verschwörerischesten Theorien der Literatur zu einem Film: War William Shakespeare ein Schwindler? Hat er je ein Stück, ein Sonett, ein Gedicht selbst verfasst oder ließ ihm jemand diese literarischen Werke zukommen, sodass Shakespeare sie nur noch zu veröffentlichen brauchte? Ziemlich reißerisch, aber es gibt genügend Fachleute, die mit Emmerich d'accord gehen und weit früher solche Theorien publik machten. Trotzdem hätte es Anonymous an sich in keinster Weise gebraucht. So ein unnötiger, belangloser Film.

Ich möchte auch eigentlich gar nichts weiter zur Story schreiben, weil sie größtenteils dermaßen hanebüchen und verwirrend war, dass der Versuch einer Zusammenfassung jener schwerer sein würde, als es vermutlich das Schreiben vom Drehbuch zum Film selbst war. Shakespeare wird im Film von Anfang an, sofern man ihn denn mal zu sehen bekommt, als ständig betrunkener Schauspieler dargestellt. Aber wen interessiert es eigentlich, er spielt wahrlich keine große Rolle in diesem Film und wenn, dann gibt es Overacting at it's best. Das trifft nicht nur auf die arme Seele zu, welche Shakespeare verköpern durfte, nein, wirklich jede Figur in diesem Film, besser gesagt jeder Schauspieler, hält sich anscheinend für den Allergrößten. Warum muss sich denn ein jeder in diesem Film so unglaublich übertrieben darstellen? Da merkt man es wieder, clevere Dialoge, subtile Rollen, dass ist nichts für Emmerich. Der Waliser Rhys Ifans ist ein toller Schauspieler, er gibt hier wohl noch die beste Figur ab, obwohl auch er unfassbar exzessiv dramatisch-künstlich vor sich hin schwadroniert. Das gefiel mir überhaupt nicht, Emmerich hatte hier wohl in die Trickkiste gegriffen und wollte mit derartigen Perfomances punkten. Nicht bei mir.

Die Idee, dieser Mythos rund um die Frage, ob Shakespeare wirklich ein Schwindler war und ob nicht der Earl von Oxford (im Film Rhys Ifans) das eigentliche literarische Genie gewesen ist, scheint gar nicht so uninteressant. Aber Emmerich macht es uninteressant. Mit öden, politischen Verschwörungstheorien, absehbaren Intrigen und mehrfachen "Oh mein Gott, nicht wirklich oder?"-Twists, welche man von Beginn an erwartet und wenn sie denn kommen auch schon längst durchschaut hat.

Muss man nicht gesehen haben. Wirklich. Der Film ist ja zum Glück auch schon längst wieder aus den meisten deutschen Kinos raus. Bei mir lief er für 3,90 € im Programmkino um die Ecke, und selbst das war eigentlich noch zu viel. Hey, das London und Szenenbild an sich im Film sah ganz nett aus. Kann man als positiven Punkt vermerken. Ansonsten viel unbedeutener, langweiliger Nonsens, Logikfehler inklusive. Mies.




Montag, 16. Januar 2012

Golden Globe Awards 2012

Die Golden Globes haben sich in den letzten Jahren wirklich gemausert, für manch einen haben sie die Oscars in Sachen Unterhaltungswert längst überholt. Das wurde insbesondere im vorangegangenen Jahr deutlich, als der grandiose Ricky Gervais mit einer eher unkonventionellen und überaus amüsanten Leitung der Globes für Furore sorgte und wenige Wochen später Anne Hathaway (welche noch die Bessere war) und James Franco die Oscarverleihung 2011 in den Augen vieler gegen die Wand fuhren. Die Golden Globes sind über die Zeit unterhaltsamer, abwechslungsreicher und weitaus lockerer als die Oscars (Hugh Jackman bei den Oscars 2009 mal ausgenommen, das war klasse) geworden, was nicht nur daran liegt, dass auch Awards für TV-Serien und ihre Darsteller vergeben werden.

Dieses Jahr wurde Ricky Gervais erneut die Ehre zu Teil (er selbst würde es wohl kaum als Ehre bezeichnen), die Golden Globe Awards 2012 zu moderieren. Jubelstürme brachen aus, denn im Vorjahr lieferte Gervais wirklich eine hervorragende Show ab. Und auch dieses Jahr legte er wieder ordentlich los und war sich nicht zu Schade dafür die Hollywood Foreign Press Association (für die Globes verantwortlich), NBC oder die versammelte Belegschaft durch den Kakao zu ziehen. Die Pointen saßen, Rücksicht wurde keine genommen, die F-Bombe ist hochgegangen, ich habe mich köstlich amüsiert. Sein Einstiegsmonolog sei an dieser Stelle nocheinmal verlinkt.


ABER, irgendwie haben sie den Gervais für meinen Geschmack etwas ausgebremst. Der Einstieg war glänzend, danach wurde er ein klein wenig gezügelt. Zwar machten die jeweiligen Laudatoren einen grundsoliden Eindruck, (Seth Rogen hatte mit einer "massive erection" zu kämpfen, bekam es dann aber doch noch irgendwie hin) der Ricky Gervais vom letzten Jahr war es jedoch nicht ganz. Man hatte den Host wohl mit Absicht etwas mehr zurückgehalten. Ganz spurlos scheinen die Golden Globes im Jahr zuvor doch nicht an der Hollywood Foreign Press Association vorbeigegangen zu sein, obwohl gerade dadurch ordentlich Publicity gemacht werden konnte. Aber Ricky Gervais wäre nicht Ricky Gervais, wenn er sich nicht trotzdem ständig im Grenzbereich bzw. hart am Limit bewegen würde. Und die Unterschiede zwischen den Globes 2011 und den diesjährigen waren insgesamt allen in allen nicht allzu groß und wenn überhaupt minimal. So war es bezüglich des Unterhaltungsfaktors erneut eine sehr gute Verleihung.

Zum Bereich Film:

Die Erkenntnis der Globes: The Artist und The Descendants gingen als Gewinner der Veranstaltung hervor und sind wohl somit auch große Kandidaten im Rennen um die Oscars. The Artist holte sich gleich drei Globes, bester Film Komödie/Musical, bester Hauptdarsteller Komödie/Musical mit dem charmanten Franzosen Jean Dujardin und die beste Filmmusik. Ein Stummfilm sorgt heutzutage eben für reichlich Wirbel und avanciert so schnell zum Kritikerliebling. Ich freue mich auch schon sehr auf den Kinobesuch, am 26. Januar ist deutschlandweiter Kinostart. George Clooney (der sich wunderbar mit Brad Pitt die Bälle zu spielte) heimste den Golden Globe für den besten Darsteller in einem Drama ab, The Descendants wurde außerdem noch zum besten Film im Bereich Drama gekürt. Eine weitere Empfehlung, The Descendants läuft ebenfalls am 26. Januar 2012 an.


Altmeister Martin Scorsese wurde für Hugo Cabret mit der besten Regiearbeit ausgezeichnet, auch hier darf man sich wohl auf einen wunderschönen Tribut an das Kino per se samt Verbeugung freuen, die Kritiker sind voll des Lobes, ab 09. Februar im Kino. Meryl Streep bekam den Globe für ihre Darbietung als Margaret "The Iron Lady" Thatcher, ich hätte mich für Rooney Mara sehr gefreut, aber Streep kann man ihre Klasse schwer übel nehmen, auch wenn The Iron Lady eher durchschnittlich aufgenommen wurde. In Deutschland erst post-Oscars ab 01. März zu sehen. Es war eine bunte Mischung, bis auf Clooney's Ides of March, Moneyball mit Brad Pitt und David Fincher's Girl with the Dragon Tattoo konnte sich jeder der vorher auserkorenen Favoriten einen Golden Globe sichern. Woody Allen war nicht anwesend und bekam trotzdem für sein Midnight in Paris die Auszeichnung für das beste Drehbuch. Genehmigt. Octavia Spencer (The Help) und Michelle Williams (My Week with Marylin) bekamen den Preis für die beste Nebendarstellerin im Bereich Drama bzw. die beste Hauptdarstellerin in einer Komödie/Musical. Steven Spielberg schaute mit War Horse vorerst in die Röhre, durfte sich dann aber doch noch über den Globe für The Adventures of Tintin freuen. Das fand ich sehr gut, auch für mich vor Rango der beste Animationsfilm des Jahres. Schauspiel-Veteran Christopher Plummer holte sich seinen verdienten Preis für seine Nebenrolle in Beginners ab und der iranische Film A Seperation, über den ich auch nur gutes gehört habe, wurde als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Ach ja, Madonna bekam auch irgendein Preis, but who cares?

Insgesamt gab es wenig Überraschungen, die Auswahl war buntgemischt und qualitativ stark. The Artist und The Descendants stehen wohl auch für die Oscars hoch im Kurs. Dahinter kann alles passieren. Man darf gespannt sein.

Kurz zum Bereich Serie:

Hier hatte ich jetzt nicht wirklich den ganz großen Überblick. Gefreut habe ich mich für Peter Dinklage und Idris Elba. Ersterer wurde für seine ausgezeichnete Darbietung in HBO'S Game of Thrones in der Rolle des Tyrion Lannister (Imp!) geehrt und das völlig verdient. Idris Elba bekam den Globe als bester Hauptdarsteller in einer Mini-Serie für Luther. Auch sehr gut, in Luther sollte man mal allein wegen Idris Elba reingeschaut haben. Zooey Deschanel und ihre neue Serie New Girl sind leider leer ausgegangen, auch wenn es wirklich ein erfrischend komisches Format ist. Gegen das grandiose Modern Family hat man es eben Jahr für Jahr immer wieder sehr schwer. Homeland stach Serien wie das fabelhafte Boardwalk Empire oder Game of Thrones aus und sicherte sich den Golden Globe für die beste Serie in Bereich Drama. Auch in Homeland sollte man mal reinschauen, ich werd's die nächsten Wochen mal versuchen in Angriff zu nehmen und dann berichten. Und Bryan Cranston (Breaking Bad) und Steve Buscemi (Boardwalk Empire) mussten sich letztendlich Kelsey Grammer (Boss, ehemals Frasier) in Sachen bester Serien-Hauptdarsteller Drama geschlagen geben.

Morgan "God of Voices" Freeman wurde dann obendrein noch der Cecil B. DeMille Award für sein Lebenswerk überreicht. Ein wunderbarer Schauspieler, der auch zu meinen persönlichen Favoriten zählt.


Gut acht Wochen und die Oscarverleihung 2012 steht auf dem Plan. Eddie Murphy und Brett Ratner sind nach etwas Hickhack und desletzteren homophoben Äußerungen nicht mehr dabei, Billy Crystal springt dafür (bereits zum neunten Mal) in die Bresche. Doch bis dahin wird noch einiges an Zeit vergehen und ich werde mir einige Filme ansehen, denn wieder einmal haben die Golden Globes als Oscar-Preview ihren Soll erfüllt (es ist doch so...) und mich in vielen Fällen sehr neugierig gemacht.


PS: Was war mit Ryan Gosling? Was war mit Drive? Gerade Drive, jener Film, welcher dermaßen abgefeiert wird. Freitag bin ich in der Vorpremiere, es folgt eine Kritk und vielleicht eine Antwort (aber wohl eher ein lauter Aufruf des Entsetzens, warum dieser Film nicht nominiert wurde) auf diese Fragen.

Samstag, 14. Januar 2012

The Ides of March / The Girl with the Dragon Tattoo

Die Zeit der großen Awards. Die Golden Globes (15. Januar) und Oscarverleihung (26. Februar) stehen so gut wie vor der Tür. Das bedeutet für Deutschland's Kinogänger, dass gerade jetzt, im Januar und Februar, noch einmal richtige Kaliber in die hiesigen Lichtspielhäuser kommen. Was in den Staaten und Großbritannien schon beinahe ein alter Hut ist, kann bei uns jetzt erst richtig abgefeiert werden. Oder eben jeder ist betroffen, ob Amerikaner, Brite, Deutscher oder sonstwer. Gerne wird der Release potenzieller Oscar-Kandidaten kurz vor der Verleihung platziert. Kurzfristige Medienwirksamkeit und so, man kann es sich denken. Aber das soll hier gar nicht zur Sache tun.

Hier geht's um die angesprochenen Kaliber. Zwei von denen habe ich mir diese Woche angeschaut. Und beide haben mir sehr gut gefallen. The Ides of March und The Girl with the Dragon Tattoo kommen auf vier bzw. zwei Nominierungen bei den Golden Globes 2012 und dürfen sich auch berechtigte Hoffnungen auf eine oder mehrere Oscarnominierung machen.

The Ides of March (Tage des Verrats)

Die Iden des März. Jener Zeitpunkt, zu welchem Caesar einst von Verschwörern und Verrätern niedergestochen und ermordert wurde. Ein passender Titel, eine passende Metapher für George Clooney's vierte Regiearbeit. Wobei in The Ides of March nicht der Königs- bzw. Kaisermord im Mittelpunkt steht, sondern der Verrat per se. Ryan Gosling spielt Stephen Meyers, einen begnadeten Wahlkampfmanager, der mit Raffinesse und Charme großen Anteil an den steigenden Umfrageergebnissen des Gouverneurs Mike Morris (George Clooney) hat, welcher sich erst in den Vorwahlen der Demokraten für den Präsidentschaftskandidaten durchsetzen und dann natürlich auch ins Weiße Haus einziehen soll. Politik und gerade Wahlkampf verbindet unsereins stets mit Korruption, Lügen und falschen Versprechungen. Doch Meyers wirkt wie ein aufgeweckter, motivierter, junger Mann, der in seinen Kandidaten vertraut, nicht weil er muss, sondern weil er es wirklich tut. Doch diese Ideale muss selbst er bald über den Haufen werfen, seine Unerfahrenheit und Naivität wird ihm zu Verhängnis, wem kann er vertrauen, von wem wird er verraten werden, wen wird er verraten... Meyers ist nicht auf den Kopf gefallen. So wird er selbst zu dem, was er sich vermutlich niemals gewünscht hätte...

So ist Politik. Geheime Absprachen, kleine Deals, wer bekommt welche politische Position, um sich wie viele Wählerstimmen wo auch immer zu sichern. Ich mag Polit-Thriller, besonders wenn sie nicht so reißerisch und eher subtil wie Clooney's Ides of March sind. Mit Ryan Gosling hat man eine perfekte Besetzung der Rolle des Stephen Meyers getätigt, sein Spiel zwischen den Fronten, sein Wandel vom überzeugten Idealisten hin zum kaltblütigen Opportunisten gefällt außerordentlich gut. George Clooney hält sich vornehm zurück, er ist nur eine der vielen Schachfiguren (oder Schachspieler?), darunter auch der großartige Paul Giamatti und Philip Seymour Hoffman, die dem Film im Endeffekt seine Relevanz und Gedankentiefe geben. The Ides of March versteht es ausgezeichnet, uns ein Bild von den politischen Abläufen in den USA zu geben. Kein Weg ist zu wider, den Kandidaten an der Spitze zu platzieren. Etikette ist nur eine Fassade, darunter zeigt sich die wahre Natur des Menschen. Natürlich zeigt Clooney nur eine fiktive Idee und liefert keine direkten Bezüge zur real existierenden Persönlichkeiten. Doch sein Film schafft es, eine gefährlich präzise und gut vorstellbare Beschreibung des politischen Systems in den Staaten zu geben.

Das Schlussbild von The Ides of March steht für sich allein. Wir betrachten Gosling's Stephen Meyers, kurz vor einem Fernsehinterview. Sein Weg war steinig, er war kurz vor dem Ende, jetzt ist er wieder ganz oben. Doch er hat sich gewandelt, Ideale verworfen, Vorbilder getäuscht und verraten. Meyers hebt den Kopf und blickt kühl in die Kamera. Ausblende. Schluss.

“In war, you can only be killed once, but in politics, many times.”

Wer mal wieder ordentlich Lust und Laune auf ein ruhigen, spannend-interessanten Polit-Thriller mit reichlich Starpower, guten Hintergrund und wunderbar aktuellen Bezug hat, der sollte sich The Ides Of March ansehen. Clooney überzeugt als Regisseur und Gosling freut sich über eine Golden Globe-Nominierung als Bester Hauptdarsteller im Bereich Drama. Sehenswert.



The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung)

Die Amerikaner. Denen kann man es nie recht machen. 2009 kam die erste skandinavisch-deutsch produzierte Romanverfilmung von Stieg Larsson's Millenium-Trilogie unter dem Titel Verblendung raus und konnte Kritiker sowie Publikum überzeugen. Sogar so sehr, dass sich amerikanische Filmproduzenten dachten, man könnte diesen Film doch einfach nochmal neu auflegen, auf den Import europäischer Filme stehen die sowieso nicht. Diesmal aber mit mehr Budget und David Fincher im Regiestuhl. Also ein zeitnahes Remake. Und das hat es in sich. Vorweg, ich habe weder die Bücher gelesen noch habe ich irgendeinen der vorangegangen Filme dazu gesehen. Da ich aber viel Gutes über The Girl with the Dragon Tattoo gelesen hatte und schon etwas neugierig war, hab ich ihn mir angeschaut. Gute Entscheidung meinerseits. The Girl with the Dragon Tattoo ist hervorragend.

Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) hat sich ins Abseits manövriert. Sein letzter Artikel und die dazugehörige Verleumdungsklage stellt ihn vor große finanzielle Probleme. Da trifft es sich ganz gut, dass der ehemalige Großindustrielle Henrik Vanger (Christopher Plummer, wer könnte einen besseren Patriarchen spielen?) einen Auftrag bzw. Rätsel für Blomkvist hat und ihn dementsprechend für die Lösung dessen entlohnen möchte. Blomkvist soll Henrik's Lieblingsnichte Harriet finden, welche vor über 40 Jahren spurlos verschwunden ist. Dabei zur Hilfe kommt ihm die eigentümliche Lisbeth Salander (Rooney Mara), eine ausgezeichnete Hackerin, aber äußerst problematisch im sozialen Alltag. Gemeinsam dringen Blomkvist und Lisbeth tief in die Geheimnisse der Familie Vanger ein und müssen sich arg vorsehen, nicht selbst ins Fadenkreuz zu geraten...

Ich wusste nicht ganz, was ich zu erwarten hatte. Fakt ist, dass David Fincher ein glänzender Regisseur ist. Fakt ist auch, dass die Kritik zu seinem Girl with the Dragon Tattoo überdurchschnittlich gut ausgefallen ist. Und hier muss ich mich bedenkenlos anschließen, The Girl ist ein ganz starker Film. Zuckt man bei einer Laufzeit von gut 160 Minuten anfangs noch zusammen, lässt man sich während dieser etwas mehr als zweieinhalb Stunden dann bedingungslos fesseln. Die Spannung ist greifbar, permanent baut Fincher auf Hintergrundmusik, die etwas heraufbeschwört. Man ahnt etwas, doch bekommt man es selten zu sehen. Im nächsten Moment ist der Regisseur gnadenlos und zeigt die ganze Grausamkeit, für welche die skandinavische Kriminalliteratur bekannt geworden ist. Die, ob beiläufig oder offensichtlich, Intensität der einzelnen Szenen ist bedrückend einmalig. Daniel Craig als Mikael Blomkvist versteht sich darauf, etwas zurückhaltender zu spielen. Dennoch verleiht er seiner Figur die nötige Tiefe und Ausstrahlung. Doch Rooney Mara in der Rolle der Lisbeth Salander avanciert hier zur überragenden Figur. Reserviert, psychologisch ein Wrack, kaltblütig, sich grausam rächend (Raptist Pig!), zum Ende gar hoffnungsvoll und dann doch wieder am Boden. Ein einmaliger Charakter, der dank Rooney Mara's Performance einen unvergesslichen Eindruck hinterlässt.
(Außerdem trägt sie das coolste T-Shirt in einem Film seit langem.)

David Fincher hat von Anfang an gesagt, er würde sich an keine Altersvorgaben der Produzenten halten. Ergebnis: Rated R in den Staaten, ab 16 hier bei uns. Zurecht, The Girl with the Dragon Tattoo ist explizit und direkt, und scheut nicht vor harten Bildern zurück. Doch das muss grundstimmungshalber auch so sein. Parallelen zu Fincher's Zodiac werden deutlich, sein Verständnis für den Aufbau des logischen und nachvollziehbaren Lösens von geheimnisvollen Rätseln. The Girl wirkt insgesamt wie kein 0815-Thriller, eher viel mehr wie eine unkonvientionelle Adaption, die viele Möglichkeiten hat, reißerisch zu enden, aber den Zuschauer lieber mit einem ruhigen und tiefsinnigen Schlussbild verabschiedet.

The Girl with the Dragon Tattoo bekommt von mir eine dicke Empfehlung. Spannung, Stimmung, Charaktere und ihre Darsteller, hier passt (fast) alles. Manch einer wird über die lange Laufzeit stöhnen. Ja, The Girl hat seine Längen, darüber schaue ich aber des Endergebnis wegen hinüberweg. Rooney Mara katapultiert sich in den Kreis der heißen Oscarkandidaten, für den Golden Globe gab's schon eine Nominierung. Verdient hätte sie's.



Sonntagabend bzw. Sonntagnacht kommt es dann zu den Golden Globe Awards 2012. Ich werde mir das natürlich anschauen und etwas Bericht erstatten. Zwar dient mir diese Verleihung eher dazu, eine oblitgatorische Anschauliste bis zur Oscarverleihung Ende Februar anzufertigen, aber ich werde trotzdem ein paar Sätze dazu verlieren. Und ein paar der Kandidaten habe ich ja schon gesehen, ob nun Film oder Serie.

PS: Ich freue mich auf Ricky Gervais. Das wird lustig.